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Storyboard eines Klarträumers

mit Werken von Uta Siebert und Jan Thomas in Schwäbisch Hall

Vernissage am Sonntag, 25. August 2019 um 11 Uhr

die Künstler sind anwesend Laufzeit bis 20. September 2019


 

Uta Siebert Serie Safarie (Zwölf) 2008 Grafit auf Papier 50 cm x 70 cm Preis auf Anfrage siu007kü
Uta Siebert Serie Safarie (Zwölf) 2008 Grafit auf Papier 50 cm x 70 cm Preis auf Anfrage siu007kü
Uta Siebert Serie Peripherie (Explosion) 2011 Grafit auf Papier 21 cm x 30 cm Preis auf Anfrage siu014kü
Uta Siebert Serie Peripherie (Explosion) 2011 Grafit auf Papier 21 cm x 30 cm Preis auf Anfrage siu014kü

Pressetext

 

Klarträumer sind Menschen, die sich dessen bewusst sind, dass sie träumen und ihre Träume daraufhin beeinflussen können. In der kommenden Ausstellung „Storyboard eines Klarträumers“ der Galerie Cyprian Brenner, mit Zeichnungen von Uta Siebert und Skulpturen von Jan Thomas, gehen die Exponate eine Verbindung ein und schaffen eine Atmosphäre, die entweder gerade in einen Albtraum zu kippen droht oder aus einem herauskommt und noch im Antlitz von selbigem steht.

 

Dem Betrachter fallen zuerst die riesenhaften und oft naturbelassenen Holzskulpturen von Jan Thomas ins Auge. Es sind wilde Männer, die abgeschlagene Köpfe im Maul und in den Händen tragen. Oder Bären mit menschlichen Gesichtern im Bauch. Horden von unschuldigen Haustieren, die als Trophäen an die Wand genagelt werden oder Fledermausschwärme, die bei näherer Betrachtung zu Draculas Gehilfen mutieren. Auch die wilden Männer selbst sind oft Mischwesen mit Stierköpfen und Hörnern am Hintern und einzelnen Gliedmaßen, die in monströsen Klauen münden. Bizarr, fabelhaft, monströs, märchenartig – man meint vielen der Gestalten schon einmal begegnet zu sein. Vorstellbar als Charaktäre in Fantasy-Filmen, Büchern oder Games. Für rein unterhaltende Zwecke ist ihre Wirkung allerdings zu subversiv und vielschichtig. Sind es möglicherweise fleischgewordene Prophezeiungen, die unsere Zukunft als „Homo Deus“ (vgl. Juval Noah Harari) betreffen? Chimären aus Mensch und Tier, zur Organspende herangezüchtet und aus dem Labor entflohen. Oder verkörpern diese Hybride viel mehr Urängste der Menschheit, die in unserem Unterbewusstsein zu Monstern werden?

Nicht nur über die Titel der Arbeiten erkennt man schnell das Augenzwinkern, das Jan Thomas als weiteren Aspekt in seine Kunst einbaut. Die Ironie schafft es den Werken bereichernd oftmals zur Allegorie zu verhelfen. So wird der wilde Mann mit den Köpfen in Maul und Klauen treffend zum „Headhunter“. Umgehend eröffnen sich weitere Interpretationsmöglichkeiten in unsere, von der Ökonomie geprägten, Gegenwart hinein. Die vielen Deutungsebenen gewähren großen Raum für Geschichten und entfachen darüber beachtliches Identifikationspotential.

Die Kraft, die von den Skulpturen von Jan Thomas ausgeht, entspricht der von Totems außerhalb der Zivilisation lebender Naturvölker. Ihre mystische Ausstrahlung beeindruckt unser Unterbewusstsein und wir sprechen den Figuren instinktiv bannende Fähigkeiten zu: Die Angst vor unserer eigenen Vergänglichkeit, unsere Ängste Unbekanntem, Fremdem und Andersartigem gegenüber, Verlust- und Versagensängste – die Skulpturen von Jan Thomas scheinen sie zu verkörpern und lassen sie greifbar werden. Als würden sie dadurch zu Schutzgeistern für uns.

 

Eine andere Bildsprache verwendet die Zeichnerin Uta Siebert um die Aufmerksamkeit unseres Unterbewusstseins zu erlangen. Auch figürlich und nur mit Grafit zu Papier gebracht, zeigen die Zeichnungen Protagonisten, die Filmklischees entsprechen. Deshalb kommen sie uns bekannt vor und so werden sie zu Identifikationsfiguren für uns. In merkwürdige und teilweise bedrohliche Situationen geraten die Diven, feine Mädchen und geschliffene Gentlemen aus Filmen, in denen Audrey Hepburn und James Dean die Hauptrollen spielen könnten. Mädchenhafte Dämonen werden aus Mündern geboren. Rauchschwaden eines brennenden Lasters nehmen das Gesicht einer verlorenen Seele an und in einer dunklen und vereisten Scheibe eines einsamen Hauses zeigt sich das gehörnte Teufelsgesicht einer Frau – oder war es doch nur eine Eisblume? Es ist, wie wenn sich Gedanken und Vorahnungen in Bildern manifestieren. Es ist eine phantasiereiche Metaphorik, die die oft schablonenhaft dargestellten Erzählungen, lebendig werden lassen.

Mit dem Verstand vermögen wir Uta Sieberts Narrative nicht vollständig zu erfassen. Jedoch erleben wir in unseren eigenen Nächten selbst ähnlich (un-)vertraute und surreale Szenarien. Die Bleistiftzeichnungen, die hinsichtlich Bildsprache und dem Aussehen der Protagonisten an eine klassische Filmästhetik erinnern, ziehen über ihre Direktheit den Betrachter unmittelbar in das fremde Unterbewusstsein eines Klarträumers hinein. Ein Klarträumer, dessen Storyboard sich unaufhörlich ins Unheimliche und Fabelhafte verselbstständigt.

 

Die Kunst in dieser Ausstellung gaukelt uns nicht vor, wir lebten in einer Welt voll mit heiterem Sonnenschein. Sie erzählt vom Schatten und dessen ausgleichender und notwendiger Kraft. Die Mystik, die Phantasie und das Unterbewusste ist ihre Heimat. Diese Kunst kennt auch das Geheimnis, wie Ängste ins Positive umzuwandeln sind. In ihr liegt die Art von Magie, die die Macht besitzt, unsere Realität zu öffnen.