GCB Kunstlexikon
CHRISTIAN ROHLFS
KUNSTWERKE CHRISTIAN ROHLFS
VIDEO CHRISTIAN ROHLFS
Liebe auf den 2. Blick: Spätimpressionistische Landschaft | Kunst + Krempel | BR | Bayerischer Rundfunk | Das geerbte Gemälde gefällt den Besitzern nicht. Aber die Experten von „Kunst + Krempel“ in Eichstätt sind begeistert von dem mit „C. Rohlfs“ signierten Bild. Ob sich die Geringschätzung nach der Beratung ändern wird? | Diese Beratung wurde im Bischöflichen Seminar Sankt-Willibald in Eichstätt aufgezeichnet. TV-Erstausstrahlung am 16.11.2024 | YouTube
BIOGRAFIE CHRISTIAN ROHLFS
Christian Rohlfs gilt als einer der unermüdlichsten und wandelbarsten Pioniere der deutschen Moderne. Aufgewachsen als Sohn eines Kätners in Holstein, erlitt er mit 15 Jahren einen folgenschweren Sturz von einem Baum. Die resultierende Knochen- und Gelenktuberkulose fesselte ihn für zwei Jahre ans Bett, in denen er autodidaktisch zu zeichnen begann. Trotz der späteren Amputation seines rechten Beines (1873) verfolgte er konsequent seine künstlerische Laufbahn.
Seine fast 70-jährige Schaffenszeit ist durch eine stetige stilistische Evolution geprägt. Nach einer langen, erfolgreichen Phase der akademisch-naturalistischen Landschaftsmalerei in Weimar vollzog er um die Jahrhundertwende den Schritt zum Impressionismus und Pointillismus. Der entscheidende Durchbruch zum Expressionismus gelang ihm ab 1901 nach seinem Umzug nach Hagen, wo er durch den Avantgarde-Mäzen Karl Ernst Osthaus radikal neue Impulse erhielt. In den 1920er Jahren international gefeiert, wurde sein Spätwerk ab 1933 von den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ diffamiert. Rohlfs malte trotz Ausstellungsverbots bis zu seinem Tod im Januar 1938 unermüdlich in seinem Hagener Atelier weiter.
Geburtsjahr: 1849 (22. Dezember)
Geburtsort: Groß Niendorf (Kreis Segeberg, Holstein)
Todesjahr: 1938 (8. Januar)
Sterbeort: Hagen (Westfalen) [1]
AUSBILDUNG CHRISTIAN ROHLFS
Frühe Förderung (1864–1866): Während seines Krankenlagers Entdeckung und Unterstützung durch den Hausarzt Dr. Stolle (Schwager des Dichters Theodor Storm).
Erste Station (1870): Auf Empfehlung Theodor Storms Orientierung in Berlin bei dem Maler und Kunstschriftsteller Ludwig Pietsch.
Akademisches Studium (1870–1874 & 1876–1884): Studium an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar. Ausbildung unter anderem bei Paul Thumann (Historien- und Genremalerei) und Ferdinand Schauss. Er wurde maßgeblich durch den Realismus der Weimarer Malerschule geprägt.
LEHRTÄTIGKEIT CHRISTIAN ROHLFS
Folkwangschule Hagen (ab 1901): Rohlfs folgte dem Ruf des Gründers Karl Ernst Osthaus und übernahm eine Lehrtätigkeit als Lehrer an der neu etablierten Folkwangschule in Hagen. Die Tätigkeit war eng gekoppelt an die Bereitstellung eines Meisterateliers im Gebäude des Folkwang-Museums, wo er abseits des akademischen Betriebs frei arbeiten und lehren konnte.
Ernennung zum Professor (1902): In Anerkennung seiner Verdienste und seiner künstlerischen Reife wurde ihm durch den Großherzog von Sachsen-Weimar der Titel „Professor“ verliehen.
MITGLIEDSCHAFTEN CHRISTIAN ROHLFS
Deutscher Künstlerbund: Frühes Mitglied der 1903 gegründeten progressiven Künstlervereinigung.
Neue Sezession, Berlin (ab 1911): Beitritt zur expressionistisch geprägten Abspaltung von der Berliner Sezession.
Hagener Folkwang-Bund (ab 1911): Enges Mitglied der Vereinigung zur Förderung moderner, zukunftsweisender Kunstkonzepte rund um Karl Ernst Osthaus.
Freie Sezession, Berlin (ab 1914): Außerordentliches Mitglied.
Preußische Akademie der Künste, Berlin (ab 1924): Berufung zum ordentlichen Mitglied (am 7. Januar 1938 von den Nationalsozialisten zwangsweise ausgeschlossen).
Kunstakademie Düsseldorf (ab 1925): Außerordentliches Mitglied.
AUSZEICHNUNGEN CHRISTIAN ROHLFS
Großherzogliches Mäzenatentum (Weimarer Zeit): Jahrelange finanzielle und ideelle Unterstützung durch den Großherzog von Sachsen-Weimar.
Ehrenbürgerwürde (1924): Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Hagen zu seinem 75. Geburtstag.
Ehrendoktorwürde (Dr. h.c., 1924): Verleihung durch die Technische Hochschule Aachen sowie die Universität Marburg.
Museumsgründung zu Lebzeiten (1929): Anlässlich seines 80. Geburtstags Gründungsbeschluss des Christian-Rohlfs-Museums in Hagen (heute Osthaus Museum Hagen), welches exklusiv der Bewahrung seines Gesamtwerks gewidmet war.
SAMMLUNGEN CHRISTIAN ROHLFS
Werke von Christian Rohlfs befinden sich weltweit in bedeutenden öffentlichen Institutionen:
Osthaus Museum Hagen (Beherbergt das zentrale Christian-Rohlfs-Archiv)
Museum Folkwang, Essen
Brücke-Museum, Berlin
Städel Museum, Frankfurt am Main
Pinakothek der Moderne / Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Musée du Louvre, Paris (Erwarb bereits 1933 eine seiner Tempera-Arbeiten)
Museum of Modern Art (MoMA), New York
AUSSTELLUNGEN CHRISTIAN ROHLFS
EINZELAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
1902: Folkwang Museum, Hagen (Erste umfassende Präsentation seiner neuen Hagener Werke)
1919: Große Retrospektiven zum 70. Geburtstag in Berlin (Nationalgalerie), Hannover und Düsseldorf
1929: Sonderausstellungen zum 80. Geburtstag in zahlreichen deutschen Städten (u. a. Berlin, Dresden, Essen)
1933: Galerie Vignon, Paris
1936: Institute of Arts, Detroit (USA)
1936: Kestner-Gesellschaft, Hannover
Posthum: Regelmäßige Gedächtnisausstellungen (u. a. 1938 in Basel, Bern und Zürich sowie große Retrospektiven in Essen, Hagen und München in der Nachkriegszeit).
GRUPPENAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
1904: Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes, Großherzogliches Museum, Weimar
1912: Sonderbund-Ausstellung, Köln (Wegweisende Schau der europäischen Moderne)
1912: Ausstellung der Redaktion Der Blaue Reiter, Galerie Hans Goltz, München
1937: Ausstellung „Entartete Kunst“, München (Pranger-Ausstellung der Nationalsozialisten, in der auch Rohlfs‘ Werke diffamiert wurden)
1955: documenta 1, Kassel (Posthume, rehabilitierende Würdigung seines Lebenswerks)
PROJEKTE / SYMPOSIEN CHRISTIAN ROHLFS
Das Soester Künstlerprojekt (1905–1906): In den Sommermonaten mietete sich Rohlfs in Soest ein und arbeitete intensiv in einer Art informeller Arbeitsgemeinschaft mit Emil Nolde zusammen. Diese Phase des direkten künstlerischen Austauschs gilt als Katalysator für Rohlfs‘ endgültige Hinwendung zur expressionistischen Farbästhetik.
WERKBESCHREIBUNG CHRISTIAN ROHLFS
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Rohlfs besaß eine unbändige Experimentierfreude und wechselte zeitlebens die Medien. Zu den Schwerpunkten zählen die Ölmalerei in den ersten vier Schaffensjahrzehnten, der Holz- und Linolschnitt als grafischer Schwerpunkt im Expressionismus sowie die Wassertempera- und Gouachemalerei auf schwerem Papier im späten Werk.
STIL
Sein Stil entwickelte sich vom akademischen Naturalismus (Schule von Barbizon) über einen lichthellen Impressionismus und flächigen Neoimpressionismus/Pointillismus hin zum Expressionismus. Innerhalb des Expressionismus blieb Rohlfs jedoch ein stilistischer Solitär: Während die Gruppen Brücke oder Der Blaue Reiter oft aggressive, scharfkantige oder theoretisch fundierte Konzepte verfolgten, zeichnet sich Rohlfs’ Expressionismus durch eine tief lyrische, spirituelle und zutiefst kontemplative Grundstimmung aus. Seine Kunst zielt nicht auf Provokation, sondern auf Verinnerlichung.
THEMEN | MOTIVE | WERKE
Landschaftsdarstellungen (Weimarer Land, westfälische Landschaften, Tessiner Motive), sakrale/biblische Szenen, dynamische Figurendarstellungen, die herbe Architektur norddeutscher Backsteinkirchen (insb. Soest) sowie leuchtende, fast abstrakte Blumenstillleben im Alterswerk.
Wichtige Werke (Auswahl):
Der Götterbaum (1906) – Frühes Schlüsselwerk des Farbdurchbruchs
St. Patrokli in Soest (1907) – Rhythmisierte Architekturabstraktion
Rote Bäume (1911) – Expressionistische Landschaft
Die Amazonen (1912) – Dynamisches Figurenbild
Tanz um den Sonnenball (1916) – Kosmisch-spirituelle Komposition
Rückkehr des verlorenen Sohnes (1916) – Berühmter, kontraststarker Holzschnitt
Schwertlilien (um 1935) – Meisterwerk des transparenten Spätstils
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Die Farbbefreiung: Farbe dient bei Rohlfs nicht der Nachahmung der Natur, sondern ist reiner Gefühlsträger. Sie wird in der expressionistischen Phase pastos, krustig und mit rhythmischem, fast ekstatischem Pinselstrich aufgetragen.
Die „Auswaschtechnik“ des Spätwerks: Ab 1927 entwickelte Rohlfs in Ascona eine weltweit einzigartige Mischtechnik: Er trug Wassertempera auf schweres Büttenpapier auf und bearbeitete das noch feuchte Werk, indem er Farbpigmente wieder auswusch, mit Kreide überging oder die Oberfläche mit Drahtbürsten zerkratzte. Die Merkmale dieser Technik sind eine unnachahmliche, schimmernde Transparenz, die den Motiven eine entstofflichte, schwebende und fast sakrale Qualität verleiht.
STICHWORTE CHRISTIAN ROHLFS
Expressionismus | Weimarer Malerschule | Karl Ernst Osthaus | Folkwang Hagen | Emil Nolde | Soest | Ascona | Wassertempera | Entartete Kunst | Stilwandlung | Holzschnitt | Farbautonomie | Transparenz
ZITATE CHRISTIAN ROHLFS
„Die Kunst ist das Heraustreten aus sich selbst, das Sichtbarmachen des inneren Gesichts.“ | Christian Rohlfs
„Ich fange eigentlich immer wieder von vorne an. Sobald ich merke, dass ich etwas kann, langweilt es mich schon, und ich muss einen neuen Weg suchen.“ | Christian Rohlfs
„Nicht die Natur will ich kopieren, sondern das, was sie in mir anrührt, mit Farbe neu erschaffen.“ | Christian Rohlfs
LINKS CHRISTIAN ROHLFS
CHRISTIAN ROHLFS
KUNSTWERKE CHRISTIAN ROHLFS
VIDEO CHRISTIAN ROHLFS
Liebe auf den 2. Blick: Spätimpressionistische Landschaft | Kunst + Krempel | BR | Bayerischer Rundfunk | Das geerbte Gemälde gefällt den Besitzern nicht. Aber die Experten von „Kunst + Krempel“ in Eichstätt sind begeistert von dem mit „C. Rohlfs“ signierten Bild. Ob sich die Geringschätzung nach der Beratung ändern wird? | Diese Beratung wurde im Bischöflichen Seminar Sankt-Willibald in Eichstätt aufgezeichnet. TV-Erstausstrahlung am 16.11.2024 | YouTube
BIOGRAFIE CHRISTIAN ROHLFS
Christian Rohlfs gilt als einer der unermüdlichsten und wandelbarsten Pioniere der deutschen Moderne. Aufgewachsen als Sohn eines Kätners in Holstein, erlitt er mit 15 Jahren einen folgenschweren Sturz von einem Baum. Die resultierende Knochen- und Gelenktuberkulose fesselte ihn für zwei Jahre ans Bett, in denen er autodidaktisch zu zeichnen begann. Trotz der späteren Amputation seines rechten Beines (1873) verfolgte er konsequent seine künstlerische Laufbahn.
Seine fast 70-jährige Schaffenszeit ist durch eine stetige stilistische Evolution geprägt. Nach einer langen, erfolgreichen Phase der akademisch-naturalistischen Landschaftsmalerei in Weimar vollzog er um die Jahrhundertwende den Schritt zum Impressionismus und Pointillismus. Der entscheidende Durchbruch zum Expressionismus gelang ihm ab 1901 nach seinem Umzug nach Hagen, wo er durch den Avantgarde-Mäzen Karl Ernst Osthaus radikal neue Impulse erhielt. In den 1920er Jahren international gefeiert, wurde sein Spätwerk ab 1933 von den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ diffamiert. Rohlfs malte trotz Ausstellungsverbots bis zu seinem Tod im Januar 1938 unermüdlich in seinem Hagener Atelier weiter.
Geburtsjahr: 1849 (22. Dezember)
Geburtsort: Groß Niendorf (Kreis Segeberg, Holstein)
Todesjahr: 1938 (8. Januar)
Sterbeort: Hagen (Westfalen) [1]
AUSBILDUNG CHRISTIAN ROHLFS
Frühe Förderung (1864–1866): Während seines Krankenlagers Entdeckung und Unterstützung durch den Hausarzt Dr. Stolle (Schwager des Dichters Theodor Storm).
Erste Station (1870): Auf Empfehlung Theodor Storms Orientierung in Berlin bei dem Maler und Kunstschriftsteller Ludwig Pietsch.
Akademisches Studium (1870–1874 & 1876–1884): Studium an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar. Ausbildung unter anderem bei Paul Thumann (Historien- und Genremalerei) und Ferdinand Schauss. Er wurde maßgeblich durch den Realismus der Weimarer Malerschule geprägt.
LEHRTÄTIGKEIT CHRISTIAN ROHLFS
Folkwangschule Hagen (ab 1901): Rohlfs folgte dem Ruf des Gründers Karl Ernst Osthaus und übernahm eine Lehrtätigkeit als Lehrer an der neu etablierten Folkwangschule in Hagen. Die Tätigkeit war eng gekoppelt an die Bereitstellung eines Meisterateliers im Gebäude des Folkwang-Museums, wo er abseits des akademischen Betriebs frei arbeiten und lehren konnte.
Ernennung zum Professor (1902): In Anerkennung seiner Verdienste und seiner künstlerischen Reife wurde ihm durch den Großherzog von Sachsen-Weimar der Titel „Professor“ verliehen.
MITGLIEDSCHAFTEN CHRISTIAN ROHLFS
Deutscher Künstlerbund: Frühes Mitglied der 1903 gegründeten progressiven Künstlervereinigung.
Neue Sezession, Berlin (ab 1911): Beitritt zur expressionistisch geprägten Abspaltung von der Berliner Sezession.
Hagener Folkwang-Bund (ab 1911): Enges Mitglied der Vereinigung zur Förderung moderner, zukunftsweisender Kunstkonzepte rund um Karl Ernst Osthaus.
Freie Sezession, Berlin (ab 1914): Außerordentliches Mitglied.
Preußische Akademie der Künste, Berlin (ab 1924): Berufung zum ordentlichen Mitglied (am 7. Januar 1938 von den Nationalsozialisten zwangsweise ausgeschlossen).
Kunstakademie Düsseldorf (ab 1925): Außerordentliches Mitglied.
AUSZEICHNUNGEN CHRISTIAN ROHLFS
Großherzogliches Mäzenatentum (Weimarer Zeit): Jahrelange finanzielle und ideelle Unterstützung durch den Großherzog von Sachsen-Weimar.
Ehrenbürgerwürde (1924): Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Hagen zu seinem 75. Geburtstag.
Ehrendoktorwürde (Dr. h.c., 1924): Verleihung durch die Technische Hochschule Aachen sowie die Universität Marburg.
Museumsgründung zu Lebzeiten (1929): Anlässlich seines 80. Geburtstags Gründungsbeschluss des Christian-Rohlfs-Museums in Hagen (heute Osthaus Museum Hagen), welches exklusiv der Bewahrung seines Gesamtwerks gewidmet war.
SAMMLUNGEN CHRISTIAN ROHLFS
Werke von Christian Rohlfs befinden sich weltweit in bedeutenden öffentlichen Institutionen:
Osthaus Museum Hagen (Beherbergt das zentrale Christian-Rohlfs-Archiv)
Museum Folkwang, Essen
Brücke-Museum, Berlin
Städel Museum, Frankfurt am Main
Pinakothek der Moderne / Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Musée du Louvre, Paris (Erwarb bereits 1933 eine seiner Tempera-Arbeiten)
Museum of Modern Art (MoMA), New York
AUSSTELLUNGEN CHRISTIAN ROHLFS
EINZELAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
1902: Folkwang Museum, Hagen (Erste umfassende Präsentation seiner neuen Hagener Werke)
1919: Große Retrospektiven zum 70. Geburtstag in Berlin (Nationalgalerie), Hannover und Düsseldorf
1929: Sonderausstellungen zum 80. Geburtstag in zahlreichen deutschen Städten (u. a. Berlin, Dresden, Essen)
1933: Galerie Vignon, Paris
1936: Institute of Arts, Detroit (USA)
1936: Kestner-Gesellschaft, Hannover
Posthum: Regelmäßige Gedächtnisausstellungen (u. a. 1938 in Basel, Bern und Zürich sowie große Retrospektiven in Essen, Hagen und München in der Nachkriegszeit).
GRUPPENAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
1904: Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes, Großherzogliches Museum, Weimar
1912: Sonderbund-Ausstellung, Köln (Wegweisende Schau der europäischen Moderne)
1912: Ausstellung der Redaktion Der Blaue Reiter, Galerie Hans Goltz, München
1937: Ausstellung „Entartete Kunst“, München (Pranger-Ausstellung der Nationalsozialisten, in der auch Rohlfs‘ Werke diffamiert wurden)
1955: documenta 1, Kassel (Posthume, rehabilitierende Würdigung seines Lebenswerks)
PROJEKTE / SYMPOSIEN CHRISTIAN ROHLFS
Das Soester Künstlerprojekt (1905–1906): In den Sommermonaten mietete sich Rohlfs in Soest ein und arbeitete intensiv in einer Art informeller Arbeitsgemeinschaft mit Emil Nolde zusammen. Diese Phase des direkten künstlerischen Austauschs gilt als Katalysator für Rohlfs‘ endgültige Hinwendung zur expressionistischen Farbästhetik.
WERKBESCHREIBUNG CHRISTIAN ROHLFS
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Rohlfs besaß eine unbändige Experimentierfreude und wechselte zeitlebens die Medien. Zu den Schwerpunkten zählen die Ölmalerei in den ersten vier Schaffensjahrzehnten, der Holz- und Linolschnitt als grafischer Schwerpunkt im Expressionismus sowie die Wassertempera- und Gouachemalerei auf schwerem Papier im späten Werk.
STIL
Sein Stil entwickelte sich vom akademischen Naturalismus (Schule von Barbizon) über einen lichthellen Impressionismus und flächigen Neoimpressionismus/Pointillismus hin zum Expressionismus. Innerhalb des Expressionismus blieb Rohlfs jedoch ein stilistischer Solitär: Während die Gruppen Brücke oder Der Blaue Reiter oft aggressive, scharfkantige oder theoretisch fundierte Konzepte verfolgten, zeichnet sich Rohlfs’ Expressionismus durch eine tief lyrische, spirituelle und zutiefst kontemplative Grundstimmung aus. Seine Kunst zielt nicht auf Provokation, sondern auf Verinnerlichung.
THEMEN | MOTIVE | WERKE
Landschaftsdarstellungen (Weimarer Land, westfälische Landschaften, Tessiner Motive), sakrale/biblische Szenen, dynamische Figurendarstellungen, die herbe Architektur norddeutscher Backsteinkirchen (insb. Soest) sowie leuchtende, fast abstrakte Blumenstillleben im Alterswerk.
Wichtige Werke (Auswahl):
Der Götterbaum (1906) – Frühes Schlüsselwerk des Farbdurchbruchs
St. Patrokli in Soest (1907) – Rhythmisierte Architekturabstraktion
Rote Bäume (1911) – Expressionistische Landschaft
Die Amazonen (1912) – Dynamisches Figurenbild
Tanz um den Sonnenball (1916) – Kosmisch-spirituelle Komposition
Rückkehr des verlorenen Sohnes (1916) – Berühmter, kontraststarker Holzschnitt
Schwertlilien (um 1935) – Meisterwerk des transparenten Spätstils
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Die Farbbefreiung: Farbe dient bei Rohlfs nicht der Nachahmung der Natur, sondern ist reiner Gefühlsträger. Sie wird in der expressionistischen Phase pastos, krustig und mit rhythmischem, fast ekstatischem Pinselstrich aufgetragen.
Die „Auswaschtechnik“ des Spätwerks: Ab 1927 entwickelte Rohlfs in Ascona eine weltweit einzigartige Mischtechnik: Er trug Wassertempera auf schweres Büttenpapier auf und bearbeitete das noch feuchte Werk, indem er Farbpigmente wieder auswusch, mit Kreide überging oder die Oberfläche mit Drahtbürsten zerkratzte. Die Merkmale dieser Technik sind eine unnachahmliche, schimmernde Transparenz, die den Motiven eine entstofflichte, schwebende und fast sakrale Qualität verleiht.
STICHWORTE CHRISTIAN ROHLFS
Expressionismus | Weimarer Malerschule | Karl Ernst Osthaus | Folkwang Hagen | Emil Nolde | Soest | Ascona | Wassertempera | Entartete Kunst | Stilwandlung | Holzschnitt | Farbautonomie | Transparenz
ZITATE CHRISTIAN ROHLFS
„Die Kunst ist das Heraustreten aus sich selbst, das Sichtbarmachen des inneren Gesichts.“ | Christian Rohlfs
„Ich fange eigentlich immer wieder von vorne an. Sobald ich merke, dass ich etwas kann, langweilt es mich schon, und ich muss einen neuen Weg suchen.“ | Christian Rohlfs
„Nicht die Natur will ich kopieren, sondern das, was sie in mir anrührt, mit Farbe neu erschaffen.“ | Christian Rohlfs
LINKS CHRISTIAN ROHLFS
CHRISTIAN ROHLFS
KUNSTWERKE CHRISTIAN ROHLFS
VIDEO CHRISTIAN ROHLFS
Liebe auf den 2. Blick: Spätimpressionistische Landschaft | Kunst + Krempel | BR | Bayerischer Rundfunk | Das geerbte Gemälde gefällt den Besitzern nicht. Aber die Experten von „Kunst + Krempel“ in Eichstätt sind begeistert von dem mit „C. Rohlfs“ signierten Bild. Ob sich die Geringschätzung nach der Beratung ändern wird? | Diese Beratung wurde im Bischöflichen Seminar Sankt-Willibald in Eichstätt aufgezeichnet. TV-Erstausstrahlung am 16.11.2024 | YouTube
BIOGRAFIE CHRISTIAN ROHLFS
Christian Rohlfs gilt als einer der unermüdlichsten und wandelbarsten Pioniere der deutschen Moderne. Aufgewachsen als Sohn eines Kätners in Holstein, erlitt er mit 15 Jahren einen folgenschweren Sturz von einem Baum. Die resultierende Knochen- und Gelenktuberkulose fesselte ihn für zwei Jahre ans Bett, in denen er autodidaktisch zu zeichnen begann. Trotz der späteren Amputation seines rechten Beines (1873) verfolgte er konsequent seine künstlerische Laufbahn.
Seine fast 70-jährige Schaffenszeit ist durch eine stetige stilistische Evolution geprägt. Nach einer langen, erfolgreichen Phase der akademisch-naturalistischen Landschaftsmalerei in Weimar vollzog er um die Jahrhundertwende den Schritt zum Impressionismus und Pointillismus. Der entscheidende Durchbruch zum Expressionismus gelang ihm ab 1901 nach seinem Umzug nach Hagen, wo er durch den Avantgarde-Mäzen Karl Ernst Osthaus radikal neue Impulse erhielt. In den 1920er Jahren international gefeiert, wurde sein Spätwerk ab 1933 von den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ diffamiert. Rohlfs malte trotz Ausstellungsverbots bis zu seinem Tod im Januar 1938 unermüdlich in seinem Hagener Atelier weiter.
Geburtsjahr: 1849 (22. Dezember)
Geburtsort: Groß Niendorf (Kreis Segeberg, Holstein)
Todesjahr: 1938 (8. Januar)
Sterbeort: Hagen (Westfalen) [1]
AUSBILDUNG CHRISTIAN ROHLFS
Frühe Förderung (1864–1866): Während seines Krankenlagers Entdeckung und Unterstützung durch den Hausarzt Dr. Stolle (Schwager des Dichters Theodor Storm).
Erste Station (1870): Auf Empfehlung Theodor Storms Orientierung in Berlin bei dem Maler und Kunstschriftsteller Ludwig Pietsch.
Akademisches Studium (1870–1874 & 1876–1884): Studium an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar. Ausbildung unter anderem bei Paul Thumann (Historien- und Genremalerei) und Ferdinand Schauss. Er wurde maßgeblich durch den Realismus der Weimarer Malerschule geprägt.
LEHRTÄTIGKEIT CHRISTIAN ROHLFS
Folkwangschule Hagen (ab 1901): Rohlfs folgte dem Ruf des Gründers Karl Ernst Osthaus und übernahm eine Lehrtätigkeit als Lehrer an der neu etablierten Folkwangschule in Hagen. Die Tätigkeit war eng gekoppelt an die Bereitstellung eines Meisterateliers im Gebäude des Folkwang-Museums, wo er abseits des akademischen Betriebs frei arbeiten und lehren konnte.
Ernennung zum Professor (1902): In Anerkennung seiner Verdienste und seiner künstlerischen Reife wurde ihm durch den Großherzog von Sachsen-Weimar der Titel „Professor“ verliehen.
MITGLIEDSCHAFTEN CHRISTIAN ROHLFS
Deutscher Künstlerbund: Frühes Mitglied der 1903 gegründeten progressiven Künstlervereinigung.
Neue Sezession, Berlin (ab 1911): Beitritt zur expressionistisch geprägten Abspaltung von der Berliner Sezession.
Hagener Folkwang-Bund (ab 1911): Enges Mitglied der Vereinigung zur Förderung moderner, zukunftsweisender Kunstkonzepte rund um Karl Ernst Osthaus.
Freie Sezession, Berlin (ab 1914): Außerordentliches Mitglied.
Preußische Akademie der Künste, Berlin (ab 1924): Berufung zum ordentlichen Mitglied (am 7. Januar 1938 von den Nationalsozialisten zwangsweise ausgeschlossen).
Kunstakademie Düsseldorf (ab 1925): Außerordentliches Mitglied.
AUSZEICHNUNGEN CHRISTIAN ROHLFS
Großherzogliches Mäzenatentum (Weimarer Zeit): Jahrelange finanzielle und ideelle Unterstützung durch den Großherzog von Sachsen-Weimar.
Ehrenbürgerwürde (1924): Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Hagen zu seinem 75. Geburtstag.
Ehrendoktorwürde (Dr. h.c., 1924): Verleihung durch die Technische Hochschule Aachen sowie die Universität Marburg.
Museumsgründung zu Lebzeiten (1929): Anlässlich seines 80. Geburtstags Gründungsbeschluss des Christian-Rohlfs-Museums in Hagen (heute Osthaus Museum Hagen), welches exklusiv der Bewahrung seines Gesamtwerks gewidmet war.
SAMMLUNGEN CHRISTIAN ROHLFS
Werke von Christian Rohlfs befinden sich weltweit in bedeutenden öffentlichen Institutionen:
Osthaus Museum Hagen (Beherbergt das zentrale Christian-Rohlfs-Archiv)
Museum Folkwang, Essen
Brücke-Museum, Berlin
Städel Museum, Frankfurt am Main
Pinakothek der Moderne / Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Musée du Louvre, Paris (Erwarb bereits 1933 eine seiner Tempera-Arbeiten)
Museum of Modern Art (MoMA), New York
AUSSTELLUNGEN CHRISTIAN ROHLFS
EINZELAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
1902: Folkwang Museum, Hagen (Erste umfassende Präsentation seiner neuen Hagener Werke)
1919: Große Retrospektiven zum 70. Geburtstag in Berlin (Nationalgalerie), Hannover und Düsseldorf
1929: Sonderausstellungen zum 80. Geburtstag in zahlreichen deutschen Städten (u. a. Berlin, Dresden, Essen)
1933: Galerie Vignon, Paris
1936: Institute of Arts, Detroit (USA)
1936: Kestner-Gesellschaft, Hannover
Posthum: Regelmäßige Gedächtnisausstellungen (u. a. 1938 in Basel, Bern und Zürich sowie große Retrospektiven in Essen, Hagen und München in der Nachkriegszeit).
GRUPPENAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
1904: Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes, Großherzogliches Museum, Weimar
1912: Sonderbund-Ausstellung, Köln (Wegweisende Schau der europäischen Moderne)
1912: Ausstellung der Redaktion Der Blaue Reiter, Galerie Hans Goltz, München
1937: Ausstellung „Entartete Kunst“, München (Pranger-Ausstellung der Nationalsozialisten, in der auch Rohlfs‘ Werke diffamiert wurden)
1955: documenta 1, Kassel (Posthume, rehabilitierende Würdigung seines Lebenswerks)
PROJEKTE / SYMPOSIEN CHRISTIAN ROHLFS
Das Soester Künstlerprojekt (1905–1906): In den Sommermonaten mietete sich Rohlfs in Soest ein und arbeitete intensiv in einer Art informeller Arbeitsgemeinschaft mit Emil Nolde zusammen. Diese Phase des direkten künstlerischen Austauschs gilt als Katalysator für Rohlfs‘ endgültige Hinwendung zur expressionistischen Farbästhetik.
WERKBESCHREIBUNG CHRISTIAN ROHLFS
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Rohlfs besaß eine unbändige Experimentierfreude und wechselte zeitlebens die Medien. Zu den Schwerpunkten zählen die Ölmalerei in den ersten vier Schaffensjahrzehnten, der Holz- und Linolschnitt als grafischer Schwerpunkt im Expressionismus sowie die Wassertempera- und Gouachemalerei auf schwerem Papier im späten Werk.
STIL
Sein Stil entwickelte sich vom akademischen Naturalismus (Schule von Barbizon) über einen lichthellen Impressionismus und flächigen Neoimpressionismus/Pointillismus hin zum Expressionismus. Innerhalb des Expressionismus blieb Rohlfs jedoch ein stilistischer Solitär: Während die Gruppen Brücke oder Der Blaue Reiter oft aggressive, scharfkantige oder theoretisch fundierte Konzepte verfolgten, zeichnet sich Rohlfs’ Expressionismus durch eine tief lyrische, spirituelle und zutiefst kontemplative Grundstimmung aus. Seine Kunst zielt nicht auf Provokation, sondern auf Verinnerlichung.
THEMEN | MOTIVE | WERKE
Landschaftsdarstellungen (Weimarer Land, westfälische Landschaften, Tessiner Motive), sakrale/biblische Szenen, dynamische Figurendarstellungen, die herbe Architektur norddeutscher Backsteinkirchen (insb. Soest) sowie leuchtende, fast abstrakte Blumenstillleben im Alterswerk.
Wichtige Werke (Auswahl):
Der Götterbaum (1906) – Frühes Schlüsselwerk des Farbdurchbruchs
St. Patrokli in Soest (1907) – Rhythmisierte Architekturabstraktion
Rote Bäume (1911) – Expressionistische Landschaft
Die Amazonen (1912) – Dynamisches Figurenbild
Tanz um den Sonnenball (1916) – Kosmisch-spirituelle Komposition
Rückkehr des verlorenen Sohnes (1916) – Berühmter, kontraststarker Holzschnitt
Schwertlilien (um 1935) – Meisterwerk des transparenten Spätstils
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Die Farbbefreiung: Farbe dient bei Rohlfs nicht der Nachahmung der Natur, sondern ist reiner Gefühlsträger. Sie wird in der expressionistischen Phase pastos, krustig und mit rhythmischem, fast ekstatischem Pinselstrich aufgetragen.
Die „Auswaschtechnik“ des Spätwerks: Ab 1927 entwickelte Rohlfs in Ascona eine weltweit einzigartige Mischtechnik: Er trug Wassertempera auf schweres Büttenpapier auf und bearbeitete das noch feuchte Werk, indem er Farbpigmente wieder auswusch, mit Kreide überging oder die Oberfläche mit Drahtbürsten zerkratzte. Die Merkmale dieser Technik sind eine unnachahmliche, schimmernde Transparenz, die den Motiven eine entstofflichte, schwebende und fast sakrale Qualität verleiht.
STICHWORTE CHRISTIAN ROHLFS
Expressionismus | Weimarer Malerschule | Karl Ernst Osthaus | Folkwang Hagen | Emil Nolde | Soest | Ascona | Wassertempera | Entartete Kunst | Stilwandlung | Holzschnitt | Farbautonomie | Transparenz
ZITATE CHRISTIAN ROHLFS
„Die Kunst ist das Heraustreten aus sich selbst, das Sichtbarmachen des inneren Gesichts.“ | Christian Rohlfs
„Ich fange eigentlich immer wieder von vorne an. Sobald ich merke, dass ich etwas kann, langweilt es mich schon, und ich muss einen neuen Weg suchen.“ | Christian Rohlfs
„Nicht die Natur will ich kopieren, sondern das, was sie in mir anrührt, mit Farbe neu erschaffen.“ | Christian Rohlfs