GCB Kunstlexikon
JULIUS BISSIER
kunstWERKE JULIUS BISSIER
Neupräsentation Julius Bissier im Museum für Neue Kunst | MNK | Stadt Freiburg | Das Team des Museums für Neue Kunst präsentiert ein Konvolut an Arbeiten des Freiburger Künstlers Julius Bissier, das ab Mai in einem Raum der Dauerausstellung zu sehen sein wird. Der Ankauf wurde durch die Kulturstiftung der Länder sowie durch die Ernst von Siemens-Kulturstiftung unterstützt. Wir laden Sie herzlich ins Museum ein, um sich diese Kunstschätze anzusehen. | YouTube
BIOGRAFIE JULIUS BISSIER
GEBURTSJAHR | 1893 | GEBURTSORT | Freiburg | TODESJAHR | 1965 STERBEORT | Ascona
AUSBILDUNG JULIUS BISSIER
1913 Abitur
Autodidakt
Kurzes Studium der Kunstgeschichte an der Universität Freiburg
1914 kurzes Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe
Grund: Einberufung zum Militärdienst
LEHRTÄTIGKEIT JULIUS BISSIER
1929 Julius Bissier übernahm einen unbezahlten Lehrauftrag für Aktzeichnen und naturwissenschaftlichem Zeichnen an der Universität Freiburg
MITGLIEDSCHAFTEN JULIUS BISSIER
1961 Ernennung zum Ehrenmitglied der Akademien der Künste in Berlin und der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
AUSZEICHNUNGEN JULIUS BISSIER
1928 Julius Bissier wurde mit bedeutenden Preisen wie dem Malerpreis des Deutschen Künstlerbundes in Hannover und der Goldene Medaille Düsseldorf geehrt
1958 Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf
1963 Verleihung des Ehrentitels „Professor“ durch das Land Baden-Württemberg
1964 Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
SAMMLUNGEN JULIUS BISSIER
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Hagnauer Museum
Museum für Neue Kunst, Freiburg im Breisgau
Augustinermuseum, Freiburg im Breisgau
Kunstsammlung Bodenseekreis, Schloss Salem
AUSSTELLUNGEN JULIUS BISSIER
EINZELAUSSTELLUNGEN | AUSWAHL
1920 hatte Julius Bissier seine erste Einzelausstellung im Kunstverein Freiburg
1958 Werk-Retrospektive in der Kestner-Gesellschaft, Hannover
1963 Retrospektive im Institute of Contemporary Art in Boston
1964 sechs Ausstellungen in amerikanischen Museen
1965 Bissier-Morandi-Ausstellung in Edinburgh
GRUPPENAUSSTELLUNGEN | AUSWAHL
1958 und 1960 Biennale di Venezia
1959 und 1964 Teilnehmer der documenta II und III in Kassel
WERKBESCHREIBUNG JULIUS BISSIER
Stilistisch, technisch und spirituell wird das Werk von Julius Bissier von der ostasiatischen Kunst stark beeinflusst und geprägt. Dabei spielt der Sinologe Ernst Grosse eine große Rolle.
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Zeichnungen, Aquarelle
STIL
abstrakt | formreduziert | gestische Malerei | Wegbereiter des Informel
THEMEN | MOTIVE
Landschaftstuschen in fernöstlicher Technik in den Jahren des Nationalsozialismus | meditative Stillleben | ab 1920 entstehen auch Gemälde im neusachlichen Stil | meditative Kompositionen mit rätselhaft narrativen Komponenten und archaischer Stille | abstrakte Miniaturen in Temperatechnik bestimmen das Spätwerk der 1950er Jahre
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Für Julius Bissier war die Energie des gestischen Malaktes vorrangig. Kein Gegenstand sondern einzig der Ausdruck des einzelnen, farblich sensibel, transparent aufgetragenen Pinselstrichs war im wichtig, was ihn zum Wegbereiter des Informel machte.
Laut einem Tagebucheintrag im Jahr 1943 von Julius Bissier wollen seine Werke als Wesensstenogramme seiner Person rein absolut über die Sinne verstanden sein – in keiner anderen Weise. Der Inhalt (Philosophie und dergleichen) ist zweitrangig.
ZITATE JULIUS BISSIER
„Ein Bild soll sein wie ein Zeichen; knapp, einfach, wahr, hart wie die Natur, froh wie die Natur und traurig wie sie.“ | Julius Bissier
„In drei Strichen, die einer mit dem Pinsel macht, muss eigentlich schon alles drinstecken: er selbst mit Konstitution plus Temperament, etc., seine Zeit und ganz generell: meine Stellungnahme zum Leben. Wenn in den „drei Strichen“ nicht alles steckt, so ist es auch in einem ganzen Gemälde – Triptychon – nicht,(…)“ | Julius Bissier Tagebucheintrag 1943
KÜNSTLERPORTRÄT JULIUS BISSIER
Julius Bissier (1893–1965): In Freiburg im Breisgau geborener und jahrzehntelang im Südwesten wirkender Maler und Grafiker, der international als einer der tiefsinnigsten und eigenständigsten Pioniere der meditativen Abstraktion gilt. Nach kurzen Studien der Kunstgeschichte in Freiburg und der Malerei an der Kunstakademie Karlsruhe entwickelte er sich im Wesentlichen autodidaktisch weiter und fand in den 1920er-Jahren zunächst zur Neuen Sachlichkeit. Durch die enge Freundschaft mit dem Sinologen Ernst Grosse und den intensiven Austausch mit Willi Baumeister und Oskar Schlemmer erhob er ab 1929 den radikalen Verzicht auf das Figurative zu seinem lebenslangen Zentralmotiv. Stilistisch steht sein reifes Œuvre in einer einzigartigen Synthese aus Informel, Zen-Kalligrafie und lyrischer Abstraktion. Unter dem Eindruck persönlicher Schicksalsschläge und der inneren Emigration im Nationalsozialismus wandte er sich vom großen Format ab und erlangte weltweite Bekanntheit durch seine meisterhaften, konzentrierten Tuscheminiaturen und Eiöltempera-Arbeiten auf ungrundierter Leinwand oder feinstem Papier. Seine Werke nutzen reduzierte, schwebende Zeichen, geometrische Kürzel und biomorphe Urformen, die er mit flüssigem, absolut sicherem Pinselduktus in den Raum setzte. Die Kompositionen, die er wie Tagebucheinträge konsequent mit dem Entstehungsdatum überschrieb, erzeugen eine meditative, beinahe sakrale Stille und Tiefe.
STICHWORTE JULIUS BISSIER
Intensive Auseinandersetzung mit der ostasiatischen Geisteshaltung ist spürbar, Vergeistigung der Materie, Freundschaft mit Willi Baumeister, Begegnungen mit Constantin Brancusi
LINKS JULIUS BISSIER
JULIUS BISSIER
kunstWERKE JULIUS BISSIER
Neupräsentation Julius Bissier im Museum für Neue Kunst | MNK | Stadt Freiburg | Das Team des Museums für Neue Kunst präsentiert ein Konvolut an Arbeiten des Freiburger Künstlers Julius Bissier, das ab Mai in einem Raum der Dauerausstellung zu sehen sein wird. Der Ankauf wurde durch die Kulturstiftung der Länder sowie durch die Ernst von Siemens-Kulturstiftung unterstützt. Wir laden Sie herzlich ins Museum ein, um sich diese Kunstschätze anzusehen. | YouTube
BIOGRAFIE JULIUS BISSIER
GEBURTSJAHR | 1893 | GEBURTSORT | Freiburg | TODESJAHR | 1965 STERBEORT | Ascona
AUSBILDUNG JULIUS BISSIER
1913 Abitur
Autodidakt
Kurzes Studium der Kunstgeschichte an der Universität Freiburg
1914 kurzes Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe
Grund: Einberufung zum Militärdienst
LEHRTÄTIGKEIT JULIUS BISSIER
1929 Julius Bissier übernahm einen unbezahlten Lehrauftrag für Aktzeichnen und naturwissenschaftlichem Zeichnen an der Universität Freiburg
MITGLIEDSCHAFTEN JULIUS BISSIER
1961 Ernennung zum Ehrenmitglied der Akademien der Künste in Berlin und der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
AUSZEICHNUNGEN JULIUS BISSIER
1928 Julius Bissier wurde mit bedeutenden Preisen wie dem Malerpreis des Deutschen Künstlerbundes in Hannover und der Goldene Medaille Düsseldorf geehrt
1958 Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf
1963 Verleihung des Ehrentitels „Professor“ durch das Land Baden-Württemberg
1964 Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
SAMMLUNGEN JULIUS BISSIER
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Hagnauer Museum
Museum für Neue Kunst, Freiburg im Breisgau
Augustinermuseum, Freiburg im Breisgau
Kunstsammlung Bodenseekreis, Schloss Salem
AUSSTELLUNGEN JULIUS BISSIER
EINZELAUSSTELLUNGEN | AUSWAHL
1920 hatte Julius Bissier seine erste Einzelausstellung im Kunstverein Freiburg
1958 Werk-Retrospektive in der Kestner-Gesellschaft, Hannover
1963 Retrospektive im Institute of Contemporary Art in Boston
1964 sechs Ausstellungen in amerikanischen Museen
1965 Bissier-Morandi-Ausstellung in Edinburgh
GRUPPENAUSSTELLUNGEN | AUSWAHL
1958 und 1960 Biennale di Venezia
1959 und 1964 Teilnehmer der documenta II und III in Kassel
WERKBESCHREIBUNG JULIUS BISSIER
Stilistisch, technisch und spirituell wird das Werk von Julius Bissier von der ostasiatischen Kunst stark beeinflusst und geprägt. Dabei spielt der Sinologe Ernst Grosse eine große Rolle.
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Zeichnungen, Aquarelle
STIL
abstrakt | formreduziert | gestische Malerei | Wegbereiter des Informel
THEMEN | MOTIVE
Landschaftstuschen in fernöstlicher Technik in den Jahren des Nationalsozialismus | meditative Stillleben | ab 1920 entstehen auch Gemälde im neusachlichen Stil | meditative Kompositionen mit rätselhaft narrativen Komponenten und archaischer Stille | abstrakte Miniaturen in Temperatechnik bestimmen das Spätwerk der 1950er Jahre
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Für Julius Bissier war die Energie des gestischen Malaktes vorrangig. Kein Gegenstand sondern einzig der Ausdruck des einzelnen, farblich sensibel, transparent aufgetragenen Pinselstrichs war im wichtig, was ihn zum Wegbereiter des Informel machte.
Laut einem Tagebucheintrag im Jahr 1943 von Julius Bissier wollen seine Werke als Wesensstenogramme seiner Person rein absolut über die Sinne verstanden sein – in keiner anderen Weise. Der Inhalt (Philosophie und dergleichen) ist zweitrangig.
ZITATE JULIUS BISSIER
„Ein Bild soll sein wie ein Zeichen; knapp, einfach, wahr, hart wie die Natur, froh wie die Natur und traurig wie sie.“ | Julius Bissier
„In drei Strichen, die einer mit dem Pinsel macht, muss eigentlich schon alles drinstecken: er selbst mit Konstitution plus Temperament, etc., seine Zeit und ganz generell: meine Stellungnahme zum Leben. Wenn in den „drei Strichen“ nicht alles steckt, so ist es auch in einem ganzen Gemälde – Triptychon – nicht,(…)“ | Julius Bissier Tagebucheintrag 1943
KÜNSTLERPORTRÄT JULIUS BISSIER
Julius Bissier (1893–1965): In Freiburg im Breisgau geborener und jahrzehntelang im Südwesten wirkender Maler und Grafiker, der international als einer der tiefsinnigsten und eigenständigsten Pioniere der meditativen Abstraktion gilt. Nach kurzen Studien der Kunstgeschichte in Freiburg und der Malerei an der Kunstakademie Karlsruhe entwickelte er sich im Wesentlichen autodidaktisch weiter und fand in den 1920er-Jahren zunächst zur Neuen Sachlichkeit. Durch die enge Freundschaft mit dem Sinologen Ernst Grosse und den intensiven Austausch mit Willi Baumeister und Oskar Schlemmer erhob er ab 1929 den radikalen Verzicht auf das Figurative zu seinem lebenslangen Zentralmotiv. Stilistisch steht sein reifes Œuvre in einer einzigartigen Synthese aus Informel, Zen-Kalligrafie und lyrischer Abstraktion. Unter dem Eindruck persönlicher Schicksalsschläge und der inneren Emigration im Nationalsozialismus wandte er sich vom großen Format ab und erlangte weltweite Bekanntheit durch seine meisterhaften, konzentrierten Tuscheminiaturen und Eiöltempera-Arbeiten auf ungrundierter Leinwand oder feinstem Papier. Seine Werke nutzen reduzierte, schwebende Zeichen, geometrische Kürzel und biomorphe Urformen, die er mit flüssigem, absolut sicherem Pinselduktus in den Raum setzte. Die Kompositionen, die er wie Tagebucheinträge konsequent mit dem Entstehungsdatum überschrieb, erzeugen eine meditative, beinahe sakrale Stille und Tiefe.
STICHWORTE JULIUS BISSIER
Intensive Auseinandersetzung mit der ostasiatischen Geisteshaltung ist spürbar, Vergeistigung der Materie, Freundschaft mit Willi Baumeister, Begegnungen mit Constantin Brancusi
LINKS JULIUS BISSIER
JULIUS BISSIER
kunstWERKE JULIUS BISSIER
Neupräsentation Julius Bissier im Museum für Neue Kunst | MNK | Stadt Freiburg | Das Team des Museums für Neue Kunst präsentiert ein Konvolut an Arbeiten des Freiburger Künstlers Julius Bissier, das ab Mai in einem Raum der Dauerausstellung zu sehen sein wird. Der Ankauf wurde durch die Kulturstiftung der Länder sowie durch die Ernst von Siemens-Kulturstiftung unterstützt. Wir laden Sie herzlich ins Museum ein, um sich diese Kunstschätze anzusehen. | YouTube
BIOGRAFIE JULIUS BISSIER
GEBURTSJAHR | 1893 | GEBURTSORT | Freiburg | TODESJAHR | 1965 STERBEORT | Ascona
AUSBILDUNG JULIUS BISSIER
1913 Abitur
Autodidakt
Kurzes Studium der Kunstgeschichte an der Universität Freiburg
1914 kurzes Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe
Grund: Einberufung zum Militärdienst
LEHRTÄTIGKEIT JULIUS BISSIER
1929 Julius Bissier übernahm einen unbezahlten Lehrauftrag für Aktzeichnen und naturwissenschaftlichem Zeichnen an der Universität Freiburg
MITGLIEDSCHAFTEN JULIUS BISSIER
1961 Ernennung zum Ehrenmitglied der Akademien der Künste in Berlin und der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
AUSZEICHNUNGEN JULIUS BISSIER
1928 Julius Bissier wurde mit bedeutenden Preisen wie dem Malerpreis des Deutschen Künstlerbundes in Hannover und der Goldene Medaille Düsseldorf geehrt
1958 Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf
1963 Verleihung des Ehrentitels „Professor“ durch das Land Baden-Württemberg
1964 Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
SAMMLUNGEN JULIUS BISSIER
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Hagnauer Museum
Museum für Neue Kunst, Freiburg im Breisgau
Augustinermuseum, Freiburg im Breisgau
Kunstsammlung Bodenseekreis, Schloss Salem
AUSSTELLUNGEN JULIUS BISSIER
EINZELAUSSTELLUNGEN | AUSWAHL
1920 hatte Julius Bissier seine erste Einzelausstellung im Kunstverein Freiburg
1958 Werk-Retrospektive in der Kestner-Gesellschaft, Hannover
1963 Retrospektive im Institute of Contemporary Art in Boston
1964 sechs Ausstellungen in amerikanischen Museen
1965 Bissier-Morandi-Ausstellung in Edinburgh
GRUPPENAUSSTELLUNGEN | AUSWAHL
1958 und 1960 Biennale di Venezia
1959 und 1964 Teilnehmer der documenta II und III in Kassel
WERKBESCHREIBUNG JULIUS BISSIER
Stilistisch, technisch und spirituell wird das Werk von Julius Bissier von der ostasiatischen Kunst stark beeinflusst und geprägt. Dabei spielt der Sinologe Ernst Grosse eine große Rolle.
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Zeichnungen, Aquarelle
STIL
abstrakt | formreduziert | gestische Malerei | Wegbereiter des Informel
THEMEN | MOTIVE
Landschaftstuschen in fernöstlicher Technik in den Jahren des Nationalsozialismus | meditative Stillleben | ab 1920 entstehen auch Gemälde im neusachlichen Stil | meditative Kompositionen mit rätselhaft narrativen Komponenten und archaischer Stille | abstrakte Miniaturen in Temperatechnik bestimmen das Spätwerk der 1950er Jahre
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Für Julius Bissier war die Energie des gestischen Malaktes vorrangig. Kein Gegenstand sondern einzig der Ausdruck des einzelnen, farblich sensibel, transparent aufgetragenen Pinselstrichs war im wichtig, was ihn zum Wegbereiter des Informel machte.
Laut einem Tagebucheintrag im Jahr 1943 von Julius Bissier wollen seine Werke als Wesensstenogramme seiner Person rein absolut über die Sinne verstanden sein – in keiner anderen Weise. Der Inhalt (Philosophie und dergleichen) ist zweitrangig.
ZITATE JULIUS BISSIER
„Ein Bild soll sein wie ein Zeichen; knapp, einfach, wahr, hart wie die Natur, froh wie die Natur und traurig wie sie.“ | Julius Bissier
„In drei Strichen, die einer mit dem Pinsel macht, muss eigentlich schon alles drinstecken: er selbst mit Konstitution plus Temperament, etc., seine Zeit und ganz generell: meine Stellungnahme zum Leben. Wenn in den „drei Strichen“ nicht alles steckt, so ist es auch in einem ganzen Gemälde – Triptychon – nicht,(…)“ | Julius Bissier Tagebucheintrag 1943
KÜNSTLERPORTRÄT JULIUS BISSIER
Julius Bissier (1893–1965): In Freiburg im Breisgau geborener und jahrzehntelang im Südwesten wirkender Maler und Grafiker, der international als einer der tiefsinnigsten und eigenständigsten Pioniere der meditativen Abstraktion gilt. Nach kurzen Studien der Kunstgeschichte in Freiburg und der Malerei an der Kunstakademie Karlsruhe entwickelte er sich im Wesentlichen autodidaktisch weiter und fand in den 1920er-Jahren zunächst zur Neuen Sachlichkeit. Durch die enge Freundschaft mit dem Sinologen Ernst Grosse und den intensiven Austausch mit Willi Baumeister und Oskar Schlemmer erhob er ab 1929 den radikalen Verzicht auf das Figurative zu seinem lebenslangen Zentralmotiv. Stilistisch steht sein reifes Œuvre in einer einzigartigen Synthese aus Informel, Zen-Kalligrafie und lyrischer Abstraktion. Unter dem Eindruck persönlicher Schicksalsschläge und der inneren Emigration im Nationalsozialismus wandte er sich vom großen Format ab und erlangte weltweite Bekanntheit durch seine meisterhaften, konzentrierten Tuscheminiaturen und Eiöltempera-Arbeiten auf ungrundierter Leinwand oder feinstem Papier. Seine Werke nutzen reduzierte, schwebende Zeichen, geometrische Kürzel und biomorphe Urformen, die er mit flüssigem, absolut sicherem Pinselduktus in den Raum setzte. Die Kompositionen, die er wie Tagebucheinträge konsequent mit dem Entstehungsdatum überschrieb, erzeugen eine meditative, beinahe sakrale Stille und Tiefe.
STICHWORTE JULIUS BISSIER
Intensive Auseinandersetzung mit der ostasiatischen Geisteshaltung ist spürbar, Vergeistigung der Materie, Freundschaft mit Willi Baumeister, Begegnungen mit Constantin Brancusi