GCB Kunstlexikon
JAKOB BRÄCKLE
Das Gesamtwerk von Jakob Bräckle umfasst schätzungsweise 3.900 Ölgemälde sowie zahlreiche Zeichnungen und Skizzen. Zu seinen bekanntesten, dokumentierten Arbeiten gehören:
Rotes Backhaus (1924)
Ernte (1927)
Winterlandschaft (1929)
Feldarbeit (1943)
Heuhaufen (1944)
Blaue Nacht (1969)
BIOGRAFIE JAKOB BRÄCKLE
Jakob Bräckle wuchs als fünftes von neun Kindern einer oberschwäbischen Bauernfamilie in sehr einfachen Verhältnissen auf. Infolge einer unglücklich verlaufenen Pockenschutzimpfung im Kleinkindalter litt er zeit seines Lebens unter einer schweren Gehbehinderung. Diese körperliche Einschränkung zwang ihn dazu, seine Landschaftsstudien fast ausschließlich im Sitzen aus einer bodennahen, leicht untersichtigen Perspektive anzufertigen. Ab 1937 lebte und arbeitete er in einem bescheidenen Haus im Biberacher Talfeld. In den Jahren 1938 bis 1945 war er aus Sorge vor politischer Repression Mitglied der NSDAP. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte er eine tiefgreifende künstlerische Emanzipation. Er verbrachte sein gesamtes Leben geographisch fokussiert auf den Radius seiner Heimatgemeinde.
Geburtsjahr: 10. Dezember 1897
Geburtsort: Winterreute (heute ein Ortsteil von Biberach an der Riß, Deutschland)
Todesjahr: 29. Oktober 1987
Sterbeort: Biberach an der Riß
AUSBILDUNG JAKOB BRÄCKLE
1915: Ausbildung im Zeichensaal der Gewerbeschule Biberach.
1917–1918: Studium an der Kunstgewerbeschule Stuttgart (Fachabteilung für grafische Künste und Buchgewerbe).
1918–1923: Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Er war dort Meisterschüler und lernte unter prägenden Professoren wie Christian Landenberger, Christian Speyer und Heinrich Altherr.
MITGLIEDSCHAFTEN JAKOB BRÄCKLE
Stuttgarter Sezession: Eintritt im Jahr 1924; aktive Teilnahme an den progressiven Ausstellungen bis zur Zwangsauflösung durch die Nationalsozialisten.
Deutscher Künstlerbund: Mitglied ab 1932.
AUSZEICHNUNGEN JAKOB BRÄCKLE
1967: Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Biberach an der Riß.
1970: Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse.
1977: Verleihung des Ehrentitels „Professor“ durch das Land Baden-Württemberg.
1982: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg.
SAMMLUNGEN JAKOB BRÄCKLE
Die wichtigste und umfangreichste öffentliche Instanz ist das Braith-Mali-Museum in Biberach, welches neben hunderten seiner Gemälde auch sein komplettes, originalgetreu dorthin übertragenes Atelier beherbergt. Weitere nennenswerte Bestände befinden sich in der Kunstsammlung der Kreissparkasse Ravensburg, der Staatsgalerie Stuttgart sowie in bedeutenden privaten Süddeutschland-Sammlungen.
AUSSTELLUNGEN JAKOB BRÄCKLE
EINZELAUSSTELLUNGEN (Auswahl)
1977: Jakob Bräckle zum 80. Geburtstag, Städtische Sammlungen Braith-Mali-Museum, Biberach.
2018: Jakob Bräckle – Meine einfache Landschaft, Retrospektive im Museum Biberach sowie Folgestationen u. a. in der Städtischen Galerie Böblingen (2019).
AUSSTELLUNGSBETEILIGUNGEN (Auswahl)
1924–1932: Regelmäßige Ausstellungen im Verband der Stuttgarter Sezession.
Kollektivausstellungen im Württembergischen Kunstverein Stuttgart.
PROJEKTE JAKOB BRÄCKLE
Bedingt durch seine Gehbehinderung und seine stark introspektive Arbeitsweise isolierte sich Bräckle weitgehend von internationalen Künstlersymposien. Sein wichtigstes künstlerisches Kernprojekt war die lebenslange, serielle Dokumentation des landwirtschaftlichen Strukturwandels seiner Heimat Winterreute.
WERKBESCHREIBUNG JAKOB BRÄCKLE
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Fast ausschließlich Ölmalerei auf Leinwand, Karton oder Hartfaserplatten; daneben Zeichnungen. In der ersten Schaffenshälfte überwiegend Miniaturen und extreme Kleinformate. Später, unter dem Einfluss der Abstraktion, wählte er zunehmend größere Bildformate.
STIL
Bräckles Stil vollzog eine radikale Metamorphose:
Frühstil (bis ca. 1940): Ein feiner, distanzierter Realismus mit spätimpressionistischen Lichtstimmungen. Die Kompositionen bestechen durch extreme Klarheit und eine eigentümliche, fast sakrale Würde.
Spätstil (ab ca. 1945): Bedingt durch die Begegnung mit Werken von Kasimir Malewitsch (die der Architekt Hugo Häring während des Krieges in Biberach versteckt hatte), wandte sich Bräckle einer konkreten, geometrischen Reduktion zu. Seine Landschaften lösten sich in radikal vereinfachte, oft zweidimensionale, monochrome Farbfelder auf.
THEMEN | MOTIVE | WERKE
Das zentrale Thema ist die oberschwäbische Kulturlandschaft. Seine Motive kreisen obsessiv um: Pflügende oder erntende Bauern bei der Feldarbeit, Äcker, Heuhaufen und Kornfelder im Wandel der Jahreszeiten, schlichte, dörfliche Nutzbauten (Backhäuser, Scheunen)
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Das Alleinstellungsmerkmal von Bräckles Kunst liegt in der Kombination aus tiefer Heimatverbundenheit und radikaler Moderne. Seine Bilder vermitteln eine meditative Stille, Einsamkeit und zeitlose Beständigkeit. Ein formales Hauptmerkmal vieler Werke ist die leichte Untersicht – bedingt durch seine sitzende Position beim Malen –, wodurch der Horizont oft tief liegt und den Himmel oder die Erdscholle mächtig wirken lässt.
ZITATE JAKOB BRÄCKLE
„Diese, meine einfache Landschaft Winterreute, welche nicht viel äußeren Reiz hat, lässt mich schon früh in das Geheimnisvolle der Natur, in das Unsichtbare, in das Ewige hineinblicken.“ | Jakob Bräckle 1967
KÜNSTLERPORTRÄT JAKOB BRÄCKLE
Jakob Bräckle (1897–1987): In Winterreute bei Biberach geborener Maler und einer der eigenständigsten Chronisten der oberschwäbischen Kulturlandschaft. Nach seinem Studium an der Stuttgarter Kunstakademie (u. a. bei Christian Landenberger und Heinrich Altherr) kehrte er in seine Heimat zurück und wurde 1924 Mitglied der Stuttgarter Sezession. Bräckle gilt als herausragender Meister des Magischen Realismus im süddeutschen Raum. Seine meist kleinformatigen Miniaturen bannten den dörflichen Alltag, bäuerliche Feldarbeiten und weite Winterlandschaften mit sparsamsten malerischen Mitteln auf die Leinwand. Durch eine charakteristische, oft aus leichter Untersicht gewählte Perspektive und eine würdevolle, geometrisch klare Komposition verlieh er dem einfachen Landleben eine metaphysische, fast sakrale Stille. Die schicksalhafte Begegnung mit Werken Kasimir Malewitschs in den 1940er Jahren führte sein Spätwerk konsequent in eine radikale, nahezu monochrome Abstraktion, die das Wesen der Natur auf pure Farb- und Lichtflächen reduzierte. Als „Maler Oberschwabens“ schuf er ein zeitloses, rund 3.900 Ölgemälde umfassendes Œuvre von europäischem Rang, dessen bleibendes Vermächtnis heute im Museum Biberach bewahrt wird.
STICHWORTE JAKOB BRÄCKLE
Oberschwaben, Landschaftsmalerei, Biberach an der Riß, Winterreute, Stuttgarter Sezession, Christian Landenberger, Kasimir Malewitsch, Hugo Häring, Farbfeldmalerei, Reduktion, Agrarlandschaft, Braith-Mali-Museum, Bauernmaler, Konkrete Kunst
JAKOB BRÄCKLE
Das Gesamtwerk von Jakob Bräckle umfasst schätzungsweise 3.900 Ölgemälde sowie zahlreiche Zeichnungen und Skizzen. Zu seinen bekanntesten, dokumentierten Arbeiten gehören:
Rotes Backhaus (1924)
Ernte (1927)
Winterlandschaft (1929)
Feldarbeit (1943)
Heuhaufen (1944)
Blaue Nacht (1969)
BIOGRAFIE JAKOB BRÄCKLE
Jakob Bräckle wuchs als fünftes von neun Kindern einer oberschwäbischen Bauernfamilie in sehr einfachen Verhältnissen auf. Infolge einer unglücklich verlaufenen Pockenschutzimpfung im Kleinkindalter litt er zeit seines Lebens unter einer schweren Gehbehinderung. Diese körperliche Einschränkung zwang ihn dazu, seine Landschaftsstudien fast ausschließlich im Sitzen aus einer bodennahen, leicht untersichtigen Perspektive anzufertigen. Ab 1937 lebte und arbeitete er in einem bescheidenen Haus im Biberacher Talfeld. In den Jahren 1938 bis 1945 war er aus Sorge vor politischer Repression Mitglied der NSDAP. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte er eine tiefgreifende künstlerische Emanzipation. Er verbrachte sein gesamtes Leben geographisch fokussiert auf den Radius seiner Heimatgemeinde.
Geburtsjahr: 10. Dezember 1897
Geburtsort: Winterreute (heute ein Ortsteil von Biberach an der Riß, Deutschland)
Todesjahr: 29. Oktober 1987
Sterbeort: Biberach an der Riß
AUSBILDUNG JAKOB BRÄCKLE
1915: Ausbildung im Zeichensaal der Gewerbeschule Biberach.
1917–1918: Studium an der Kunstgewerbeschule Stuttgart (Fachabteilung für grafische Künste und Buchgewerbe).
1918–1923: Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Er war dort Meisterschüler und lernte unter prägenden Professoren wie Christian Landenberger, Christian Speyer und Heinrich Altherr.
MITGLIEDSCHAFTEN JAKOB BRÄCKLE
Stuttgarter Sezession: Eintritt im Jahr 1924; aktive Teilnahme an den progressiven Ausstellungen bis zur Zwangsauflösung durch die Nationalsozialisten.
Deutscher Künstlerbund: Mitglied ab 1932.
AUSZEICHNUNGEN JAKOB BRÄCKLE
1967: Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Biberach an der Riß.
1970: Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse.
1977: Verleihung des Ehrentitels „Professor“ durch das Land Baden-Württemberg.
1982: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg.
SAMMLUNGEN JAKOB BRÄCKLE
Die wichtigste und umfangreichste öffentliche Instanz ist das Braith-Mali-Museum in Biberach, welches neben hunderten seiner Gemälde auch sein komplettes, originalgetreu dorthin übertragenes Atelier beherbergt. Weitere nennenswerte Bestände befinden sich in der Kunstsammlung der Kreissparkasse Ravensburg, der Staatsgalerie Stuttgart sowie in bedeutenden privaten Süddeutschland-Sammlungen.
AUSSTELLUNGEN JAKOB BRÄCKLE
EINZELAUSSTELLUNGEN (Auswahl)
1977: Jakob Bräckle zum 80. Geburtstag, Städtische Sammlungen Braith-Mali-Museum, Biberach.
2018: Jakob Bräckle – Meine einfache Landschaft, Retrospektive im Museum Biberach sowie Folgestationen u. a. in der Städtischen Galerie Böblingen (2019).
AUSSTELLUNGSBETEILIGUNGEN (Auswahl)
1924–1932: Regelmäßige Ausstellungen im Verband der Stuttgarter Sezession.
Kollektivausstellungen im Württembergischen Kunstverein Stuttgart.
PROJEKTE JAKOB BRÄCKLE
Bedingt durch seine Gehbehinderung und seine stark introspektive Arbeitsweise isolierte sich Bräckle weitgehend von internationalen Künstlersymposien. Sein wichtigstes künstlerisches Kernprojekt war die lebenslange, serielle Dokumentation des landwirtschaftlichen Strukturwandels seiner Heimat Winterreute.
WERKBESCHREIBUNG JAKOB BRÄCKLE
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Fast ausschließlich Ölmalerei auf Leinwand, Karton oder Hartfaserplatten; daneben Zeichnungen. In der ersten Schaffenshälfte überwiegend Miniaturen und extreme Kleinformate. Später, unter dem Einfluss der Abstraktion, wählte er zunehmend größere Bildformate.
STIL
Bräckles Stil vollzog eine radikale Metamorphose:
Frühstil (bis ca. 1940): Ein feiner, distanzierter Realismus mit spätimpressionistischen Lichtstimmungen. Die Kompositionen bestechen durch extreme Klarheit und eine eigentümliche, fast sakrale Würde.
Spätstil (ab ca. 1945): Bedingt durch die Begegnung mit Werken von Kasimir Malewitsch (die der Architekt Hugo Häring während des Krieges in Biberach versteckt hatte), wandte sich Bräckle einer konkreten, geometrischen Reduktion zu. Seine Landschaften lösten sich in radikal vereinfachte, oft zweidimensionale, monochrome Farbfelder auf.
THEMEN | MOTIVE | WERKE
Das zentrale Thema ist die oberschwäbische Kulturlandschaft. Seine Motive kreisen obsessiv um: Pflügende oder erntende Bauern bei der Feldarbeit, Äcker, Heuhaufen und Kornfelder im Wandel der Jahreszeiten, schlichte, dörfliche Nutzbauten (Backhäuser, Scheunen)
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Das Alleinstellungsmerkmal von Bräckles Kunst liegt in der Kombination aus tiefer Heimatverbundenheit und radikaler Moderne. Seine Bilder vermitteln eine meditative Stille, Einsamkeit und zeitlose Beständigkeit. Ein formales Hauptmerkmal vieler Werke ist die leichte Untersicht – bedingt durch seine sitzende Position beim Malen –, wodurch der Horizont oft tief liegt und den Himmel oder die Erdscholle mächtig wirken lässt.
ZITATE JAKOB BRÄCKLE
„Diese, meine einfache Landschaft Winterreute, welche nicht viel äußeren Reiz hat, lässt mich schon früh in das Geheimnisvolle der Natur, in das Unsichtbare, in das Ewige hineinblicken.“ | Jakob Bräckle 1967
KÜNSTLERPORTRÄT JAKOB BRÄCKLE
Jakob Bräckle (1897–1987): In Winterreute bei Biberach geborener Maler und einer der eigenständigsten Chronisten der oberschwäbischen Kulturlandschaft. Nach seinem Studium an der Stuttgarter Kunstakademie (u. a. bei Christian Landenberger und Heinrich Altherr) kehrte er in seine Heimat zurück und wurde 1924 Mitglied der Stuttgarter Sezession. Bräckle gilt als herausragender Meister des Magischen Realismus im süddeutschen Raum. Seine meist kleinformatigen Miniaturen bannten den dörflichen Alltag, bäuerliche Feldarbeiten und weite Winterlandschaften mit sparsamsten malerischen Mitteln auf die Leinwand. Durch eine charakteristische, oft aus leichter Untersicht gewählte Perspektive und eine würdevolle, geometrisch klare Komposition verlieh er dem einfachen Landleben eine metaphysische, fast sakrale Stille. Die schicksalhafte Begegnung mit Werken Kasimir Malewitschs in den 1940er Jahren führte sein Spätwerk konsequent in eine radikale, nahezu monochrome Abstraktion, die das Wesen der Natur auf pure Farb- und Lichtflächen reduzierte. Als „Maler Oberschwabens“ schuf er ein zeitloses, rund 3.900 Ölgemälde umfassendes Œuvre von europäischem Rang, dessen bleibendes Vermächtnis heute im Museum Biberach bewahrt wird.
STICHWORTE JAKOB BRÄCKLE
Oberschwaben, Landschaftsmalerei, Biberach an der Riß, Winterreute, Stuttgarter Sezession, Christian Landenberger, Kasimir Malewitsch, Hugo Häring, Farbfeldmalerei, Reduktion, Agrarlandschaft, Braith-Mali-Museum, Bauernmaler, Konkrete Kunst
JAKOB BRÄCKLE
Das Gesamtwerk von Jakob Bräckle umfasst schätzungsweise 3.900 Ölgemälde sowie zahlreiche Zeichnungen und Skizzen. Zu seinen bekanntesten, dokumentierten Arbeiten gehören:
Rotes Backhaus (1924)
Ernte (1927)
Winterlandschaft (1929)
Feldarbeit (1943)
Heuhaufen (1944)
Blaue Nacht (1969)
BIOGRAFIE JAKOB BRÄCKLE
Jakob Bräckle wuchs als fünftes von neun Kindern einer oberschwäbischen Bauernfamilie in sehr einfachen Verhältnissen auf. Infolge einer unglücklich verlaufenen Pockenschutzimpfung im Kleinkindalter litt er zeit seines Lebens unter einer schweren Gehbehinderung. Diese körperliche Einschränkung zwang ihn dazu, seine Landschaftsstudien fast ausschließlich im Sitzen aus einer bodennahen, leicht untersichtigen Perspektive anzufertigen. Ab 1937 lebte und arbeitete er in einem bescheidenen Haus im Biberacher Talfeld. In den Jahren 1938 bis 1945 war er aus Sorge vor politischer Repression Mitglied der NSDAP. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte er eine tiefgreifende künstlerische Emanzipation. Er verbrachte sein gesamtes Leben geographisch fokussiert auf den Radius seiner Heimatgemeinde.
Geburtsjahr: 10. Dezember 1897
Geburtsort: Winterreute (heute ein Ortsteil von Biberach an der Riß, Deutschland)
Todesjahr: 29. Oktober 1987
Sterbeort: Biberach an der Riß
AUSBILDUNG JAKOB BRÄCKLE
1915: Ausbildung im Zeichensaal der Gewerbeschule Biberach.
1917–1918: Studium an der Kunstgewerbeschule Stuttgart (Fachabteilung für grafische Künste und Buchgewerbe).
1918–1923: Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Er war dort Meisterschüler und lernte unter prägenden Professoren wie Christian Landenberger, Christian Speyer und Heinrich Altherr.
MITGLIEDSCHAFTEN JAKOB BRÄCKLE
Stuttgarter Sezession: Eintritt im Jahr 1924; aktive Teilnahme an den progressiven Ausstellungen bis zur Zwangsauflösung durch die Nationalsozialisten.
Deutscher Künstlerbund: Mitglied ab 1932.
AUSZEICHNUNGEN JAKOB BRÄCKLE
1967: Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Biberach an der Riß.
1970: Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse.
1977: Verleihung des Ehrentitels „Professor“ durch das Land Baden-Württemberg.
1982: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg.
SAMMLUNGEN JAKOB BRÄCKLE
Die wichtigste und umfangreichste öffentliche Instanz ist das Braith-Mali-Museum in Biberach, welches neben hunderten seiner Gemälde auch sein komplettes, originalgetreu dorthin übertragenes Atelier beherbergt. Weitere nennenswerte Bestände befinden sich in der Kunstsammlung der Kreissparkasse Ravensburg, der Staatsgalerie Stuttgart sowie in bedeutenden privaten Süddeutschland-Sammlungen.
AUSSTELLUNGEN JAKOB BRÄCKLE
EINZELAUSSTELLUNGEN (Auswahl)
1977: Jakob Bräckle zum 80. Geburtstag, Städtische Sammlungen Braith-Mali-Museum, Biberach.
2018: Jakob Bräckle – Meine einfache Landschaft, Retrospektive im Museum Biberach sowie Folgestationen u. a. in der Städtischen Galerie Böblingen (2019).
AUSSTELLUNGSBETEILIGUNGEN (Auswahl)
1924–1932: Regelmäßige Ausstellungen im Verband der Stuttgarter Sezession.
Kollektivausstellungen im Württembergischen Kunstverein Stuttgart.
PROJEKTE JAKOB BRÄCKLE
Bedingt durch seine Gehbehinderung und seine stark introspektive Arbeitsweise isolierte sich Bräckle weitgehend von internationalen Künstlersymposien. Sein wichtigstes künstlerisches Kernprojekt war die lebenslange, serielle Dokumentation des landwirtschaftlichen Strukturwandels seiner Heimat Winterreute.
WERKBESCHREIBUNG JAKOB BRÄCKLE
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Fast ausschließlich Ölmalerei auf Leinwand, Karton oder Hartfaserplatten; daneben Zeichnungen. In der ersten Schaffenshälfte überwiegend Miniaturen und extreme Kleinformate. Später, unter dem Einfluss der Abstraktion, wählte er zunehmend größere Bildformate.
STIL
Bräckles Stil vollzog eine radikale Metamorphose:
Frühstil (bis ca. 1940): Ein feiner, distanzierter Realismus mit spätimpressionistischen Lichtstimmungen. Die Kompositionen bestechen durch extreme Klarheit und eine eigentümliche, fast sakrale Würde.
Spätstil (ab ca. 1945): Bedingt durch die Begegnung mit Werken von Kasimir Malewitsch (die der Architekt Hugo Häring während des Krieges in Biberach versteckt hatte), wandte sich Bräckle einer konkreten, geometrischen Reduktion zu. Seine Landschaften lösten sich in radikal vereinfachte, oft zweidimensionale, monochrome Farbfelder auf.
THEMEN | MOTIVE | WERKE
Das zentrale Thema ist die oberschwäbische Kulturlandschaft. Seine Motive kreisen obsessiv um: Pflügende oder erntende Bauern bei der Feldarbeit, Äcker, Heuhaufen und Kornfelder im Wandel der Jahreszeiten, schlichte, dörfliche Nutzbauten (Backhäuser, Scheunen)
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Das Alleinstellungsmerkmal von Bräckles Kunst liegt in der Kombination aus tiefer Heimatverbundenheit und radikaler Moderne. Seine Bilder vermitteln eine meditative Stille, Einsamkeit und zeitlose Beständigkeit. Ein formales Hauptmerkmal vieler Werke ist die leichte Untersicht – bedingt durch seine sitzende Position beim Malen –, wodurch der Horizont oft tief liegt und den Himmel oder die Erdscholle mächtig wirken lässt.
ZITATE JAKOB BRÄCKLE
„Diese, meine einfache Landschaft Winterreute, welche nicht viel äußeren Reiz hat, lässt mich schon früh in das Geheimnisvolle der Natur, in das Unsichtbare, in das Ewige hineinblicken.“ | Jakob Bräckle 1967
KÜNSTLERPORTRÄT JAKOB BRÄCKLE
Jakob Bräckle (1897–1987): In Winterreute bei Biberach geborener Maler und einer der eigenständigsten Chronisten der oberschwäbischen Kulturlandschaft. Nach seinem Studium an der Stuttgarter Kunstakademie (u. a. bei Christian Landenberger und Heinrich Altherr) kehrte er in seine Heimat zurück und wurde 1924 Mitglied der Stuttgarter Sezession. Bräckle gilt als herausragender Meister des Magischen Realismus im süddeutschen Raum. Seine meist kleinformatigen Miniaturen bannten den dörflichen Alltag, bäuerliche Feldarbeiten und weite Winterlandschaften mit sparsamsten malerischen Mitteln auf die Leinwand. Durch eine charakteristische, oft aus leichter Untersicht gewählte Perspektive und eine würdevolle, geometrisch klare Komposition verlieh er dem einfachen Landleben eine metaphysische, fast sakrale Stille. Die schicksalhafte Begegnung mit Werken Kasimir Malewitschs in den 1940er Jahren führte sein Spätwerk konsequent in eine radikale, nahezu monochrome Abstraktion, die das Wesen der Natur auf pure Farb- und Lichtflächen reduzierte. Als „Maler Oberschwabens“ schuf er ein zeitloses, rund 3.900 Ölgemälde umfassendes Œuvre von europäischem Rang, dessen bleibendes Vermächtnis heute im Museum Biberach bewahrt wird.
STICHWORTE JAKOB BRÄCKLE
Oberschwaben, Landschaftsmalerei, Biberach an der Riß, Winterreute, Stuttgarter Sezession, Christian Landenberger, Kasimir Malewitsch, Hugo Häring, Farbfeldmalerei, Reduktion, Agrarlandschaft, Braith-Mali-Museum, Bauernmaler, Konkrete Kunst