GCB Kunstlexikon
MARIA CASPAR-FILSER
KUNSTWERKE MARIA CASPAR-FILSER
Herbstabend – Frau auf Brücke (1902–1905)
Pfirsiche (1908/1909)
Der Frühlingshügel (1910)
Blumenstrauß und Selbstbildnis (1923)
Frühling in der Stadt (1924)
Blühender Apfelbaum vor dem Haus (1933)
Winternacht im Atelier (vor 1951)
Anemonen (1959)
Großer Sommerstrauß in Goldruten vor blauem Bauerntuch (1960)
BIOGRAFIE MARIA CASPAR-FILSER
Maria Filser wurde 1878 als viertes Kind einer Beamtenfamilie in Riedlingen geboren. Ihre Jugend verbrachte sie an verschiedenen Orten in Württemberg. Nach ihrer akademischen Ausbildung heiratete sie 1907 den Maler Karl Caspar. Gemeinsam entwickelte sich das Paar zu zentralen Figuren der süddeutschen Avantgarde. Unter dem Nationalsozialismus litt Caspar-Filser unter massiver Repression; ihre Kunst wurde als „entartet“ diffamiert. Nach der erzwungenen Aufgabe ihrer Münchner Professur und dem Verlust von Werken zog sich das Paar nach Brannenburg am Inn zurück. In der Nachkriegszeit engagierte sie sich maßgeblich am Wiederaufbau der deutschen Kunstlandschaft.
Geburtsjahr: 1878 (7. August)
Geburtsort: Riedlingen an der Donau, Deutschland
Todesjahr: 1968 (12. Februar)
Sterbeort: Brannenburg am Inn, Deutschland
AUSBILDUNG MARIA CASPAR-FILSER
1896–1903: Studium der Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart unter den Professoren Friedrich von Keller und Gustav Igler.
Zwischenzeitlich: Gast- und Schülerschaft an der Akademie der Bildenden Künste München bei Ludwig von Herterich.
1905: Studienaufenthalt in Paris zur intensiven Auseinandersetzung mit der französischen Avantgarde.
LEHRTÄTIGKEIT MARIA CASPAR-FILSER
Ab 1925: Berufung an die Akademie der Bildenden Künste München. Maria Caspar-Filser erhielt hierbei als erste Malerin in Deutschland den Titel einer Professorin der Bildenden Künste.
1933: Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltungspolitik wurde sie zum Verzicht auf ihre Professur und zur vorzeitigen Emeritierung gezwungen.
MITGLIEDSCHAFTEN MARIA CASPAR-FILSER
Berliner Secession
Künstlervereinigung SEMA (1911, einziges weibliches Gründungsmitglied)
Neue Münchener Secession (1913, einziges weibliches Gründungsmitglied)
Deutscher Künstlerbund (Mithilfe bei der Wiedergründung 1950)
Bayerische Akademie der Schönen Künste (Mitglied ab 1951, später Ehrenmitglied)
AUSZEICHNUNGEN MARIA CASPAR-FILSER
1947: Förderpreis für Bildende Kunst der Landeshauptstadt München
1959: Großes Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (als erste Malerin überhaupt)
1961: Médaille de la Ville de Paris
1963: Hubert-Burda-Preis für Malerei
SAMMLUNGEN MARIA CASPAR-FILSER
Städtische Galerie im Lenbachhaus, München
Kunstmuseum Stuttgart
Kunsthalle Emden
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Städtische Galerie im Fruchtkasten, Ochsenhausen
AUSSTELLUNGEN MARIA CASPAR-FILSER
EINZELAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
2013: Maria Caspar-Filser. Aus der Heimat in die Welt, Kunstmuseum Hohenkarpfen
2013: Maria Caspar-Filser. Farbenklang und Blütenpracht, Städtische Galerie im Fruchtkasten des Klosters Ochsenhausen
2021/2022: Maria Caspar-Filser (1878–1968), Großretrospektive in der Kunsthalle Emden
AUSSTELLUNGSBETEILIGUNGEN AUSWAHL
1905–1936: Kontinuierliche Teilnahme an den Jahresausstellungen des Deutschen Künstlerbundes
1928 & 1948: Biennale di Venezia, Venedig
1937: Beschlagnahmung von Werken im Rahmen der NS-Ausstellung „Entartete Kunst“
1951: Erste Jahresausstellung des rekonstituierten Deutschen Künstlerbundes in Berlin
1959: Deutsche Kunst, Baden-Baden
2022: Kunst und Leben 1918 bis 1955, Lenbachhaus München
PROJEKTE MARIA CASPAR-FILSER
Ihr wichtigstes kulturpolitisches Nachkriegsprojekt war der aktiv betriebene Wiederaufbau und die demokratische Erneuerung freier Künstlervereinigungen in Deutschland (insbesondere des Deutschen Künstlerbundes) ab 1950 zur Überwindung der isolationistischen Folgen der NS-Diktatur.
WERKBESCHREIBUNG MARIA CASPAR-FILSER
Das Œuvre von Maria Caspar-Filser zeichnet sich durch einen hochemotionalen und pastosen Farbauftrag aus. Ihre Bildkompositionen lösen sich zunehmend vom rein naturalistischen Abbild und transformieren die sichtbare Realität in eigenständige Farbwerte. Ihre Stillleben und Landschaften wirken flächig, besitzen jedoch durch eine feine Abstimmung von Komplementärkontrasten eine innere Dynamik und vitale Leuchtkraft.
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Hauptsächlich Ölmalerei auf Leinwand oder Hartfaser, ergänzt durch Zeichnungen, Aquarelle und Lithografien.
STIL
Ihr Stil bildet eine eigenständige Synthese aus deutschem Impressionismus und gemäßigtem Expressionismus. Er ist maßgeblich geschult an den französischen Fauves sowie an den strukturellen Bildkonzepten von Paul Cézanne (Verwandlung der Lichtwelt in eine reine Farbwelt) und dem expressiven Pinselstrich Vincent van Goghs. Sie wird der „deutschen Matisse-Schule“ nahegerückt.
THEMEN | MOTIVE
Florale Motive: Prachtvolle Blumensträuße, Anemonen, Flieder und ländliche Blütenarrangements.
Landschaften | Veduten: Südeuropäische (italienische) Landschaften, Stadtansichten (München), Obstgärten und heimische Waldwege.
Porträts: Gelegentliche Selbstbildnisse und Figurendarstellungen im Interieur.
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Pionierin der klassischen Moderne und Wegbereiterin für Frauen in der akademischen Lehre. Merkmale sind eine hymnische Farbdominanz, eine rhythmische Pinselführung und der Verzicht auf akademische Tiefenperspektive zugunsten flächig-koloristischer Tektonik.
KURZPORTRÄT MARIA CASPAR-FILSER
Maria Caspar-Filser (1878–1968): In Riedlingen an der Donau geborene Malerin, Grafikerin und wegweisende Pionierin der klassischen Moderne, die als eine der profiliertesten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts und im Jahr 1925 als erste Frau im Freistaat Bayern zur Kunstprofessorin ernannt wurde. Nach ihrer Ausbildung an der Stuttgarter Kunstakademie und der Königlichen Akademie in München schloss sie sich früh avantgardistischen Bewegungen an, war Gründungsmitglied der einflussreichen „Neuen Münchener Sezession“ (1913) und wirkte als feste Größe in renommierten Künstlervereinigungen wie dem Deutschen Künstlerbund. Stilistisch bewegt sich ihr vielschichtiges Werk an einer faszinierenden Schnittstelle von Spätimpressionismus, kraftvollem Fauvismus und expressivem Realismus. Unter dem bewussten Verzicht auf akademische Starrheit überführte sie nach einer prägenden Parisreise im Jahr 1905 die flüchtige Lichtwelt des Impressionismus in eine strukturierte, eigenständige Farbwelt. Ihre von Paul Cézanne und Vincent van Gogh inspirierten Landschaften, Stillleben und Blumenarrangements nutzen einen pastosen, rhythmischen Farbauftrag sowie eine leuchtende Kolorität, um die Natur nicht bloß abzubilden, sondern emotional zu verdichten. In den 1920er-Jahren erlangte sie weitreichende Anerkennung für diese meisterhafte Balance zwischen figürlicher Gegenständlichkeit und autonomer Farbfläche. Während der NS-Diktatur als „entartet“ diffamiert, mit Ausstellungsverbot belegt und durch den Verlust ihrer Professur schwer getroffen, zog sie sich mit ihrem Ehemann Karl Caspar in die innere Emigration nach Brannenburg zurück. Nach 1945 knüpfte sie nahtlos an ihre Erfolge an, war 1955 Teilnehmerin der ersten documenta in Kassel und erhielt als erste Malerin das Große Bundesverdienstkreuz. Ihre berühmten Werkgruppen – heute unter anderem vertreten in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und der Städtischen Galerie im Lenbachhaus – sicherten der Künstlerin einen absoluten Spitzenplatz im kulturellen Erbe der deutschen Moderne.
ZITATE MARIA CASPAR-FILSER
„Was würden wir Franzosen aus einer Landsmännin dieses Formats gemacht haben […] Die Bilder, die sie uns hinterlässt, sind mit dem Pinsel geschriebene Hymnen an die Farbe.“ | zeitgenössische Kunstkritik Baden-Baden 1959
STICHWORTE MARIA CASPAR-FILSER
Klassische Moderne, Expressionismus, Neue Münchner Secession, Erste Kunstprofessorin, Entartete Kunst, Kolorismus, Stillleben, Paul Cézanne, Karl Caspar
MARIA CASPAR-FILSER
KUNSTWERKE MARIA CASPAR-FILSER
Herbstabend – Frau auf Brücke (1902–1905)
Pfirsiche (1908/1909)
Der Frühlingshügel (1910)
Blumenstrauß und Selbstbildnis (1923)
Frühling in der Stadt (1924)
Blühender Apfelbaum vor dem Haus (1933)
Winternacht im Atelier (vor 1951)
Anemonen (1959)
Großer Sommerstrauß in Goldruten vor blauem Bauerntuch (1960)
BIOGRAFIE MARIA CASPAR-FILSER
Maria Filser wurde 1878 als viertes Kind einer Beamtenfamilie in Riedlingen geboren. Ihre Jugend verbrachte sie an verschiedenen Orten in Württemberg. Nach ihrer akademischen Ausbildung heiratete sie 1907 den Maler Karl Caspar. Gemeinsam entwickelte sich das Paar zu zentralen Figuren der süddeutschen Avantgarde. Unter dem Nationalsozialismus litt Caspar-Filser unter massiver Repression; ihre Kunst wurde als „entartet“ diffamiert. Nach der erzwungenen Aufgabe ihrer Münchner Professur und dem Verlust von Werken zog sich das Paar nach Brannenburg am Inn zurück. In der Nachkriegszeit engagierte sie sich maßgeblich am Wiederaufbau der deutschen Kunstlandschaft.
Geburtsjahr: 1878 (7. August)
Geburtsort: Riedlingen an der Donau, Deutschland
Todesjahr: 1968 (12. Februar)
Sterbeort: Brannenburg am Inn, Deutschland
AUSBILDUNG MARIA CASPAR-FILSER
1896–1903: Studium der Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart unter den Professoren Friedrich von Keller und Gustav Igler.
Zwischenzeitlich: Gast- und Schülerschaft an der Akademie der Bildenden Künste München bei Ludwig von Herterich.
1905: Studienaufenthalt in Paris zur intensiven Auseinandersetzung mit der französischen Avantgarde.
LEHRTÄTIGKEIT MARIA CASPAR-FILSER
Ab 1925: Berufung an die Akademie der Bildenden Künste München. Maria Caspar-Filser erhielt hierbei als erste Malerin in Deutschland den Titel einer Professorin der Bildenden Künste.
1933: Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltungspolitik wurde sie zum Verzicht auf ihre Professur und zur vorzeitigen Emeritierung gezwungen.
MITGLIEDSCHAFTEN MARIA CASPAR-FILSER
Berliner Secession
Künstlervereinigung SEMA (1911, einziges weibliches Gründungsmitglied)
Neue Münchener Secession (1913, einziges weibliches Gründungsmitglied)
Deutscher Künstlerbund (Mithilfe bei der Wiedergründung 1950)
Bayerische Akademie der Schönen Künste (Mitglied ab 1951, später Ehrenmitglied)
AUSZEICHNUNGEN MARIA CASPAR-FILSER
1947: Förderpreis für Bildende Kunst der Landeshauptstadt München
1959: Großes Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (als erste Malerin überhaupt)
1961: Médaille de la Ville de Paris
1963: Hubert-Burda-Preis für Malerei
SAMMLUNGEN MARIA CASPAR-FILSER
Städtische Galerie im Lenbachhaus, München
Kunstmuseum Stuttgart
Kunsthalle Emden
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Städtische Galerie im Fruchtkasten, Ochsenhausen
AUSSTELLUNGEN MARIA CASPAR-FILSER
EINZELAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
2013: Maria Caspar-Filser. Aus der Heimat in die Welt, Kunstmuseum Hohenkarpfen
2013: Maria Caspar-Filser. Farbenklang und Blütenpracht, Städtische Galerie im Fruchtkasten des Klosters Ochsenhausen
2021/2022: Maria Caspar-Filser (1878–1968), Großretrospektive in der Kunsthalle Emden
AUSSTELLUNGSBETEILIGUNGEN AUSWAHL
1905–1936: Kontinuierliche Teilnahme an den Jahresausstellungen des Deutschen Künstlerbundes
1928 & 1948: Biennale di Venezia, Venedig
1937: Beschlagnahmung von Werken im Rahmen der NS-Ausstellung „Entartete Kunst“
1951: Erste Jahresausstellung des rekonstituierten Deutschen Künstlerbundes in Berlin
1959: Deutsche Kunst, Baden-Baden
2022: Kunst und Leben 1918 bis 1955, Lenbachhaus München
PROJEKTE MARIA CASPAR-FILSER
Ihr wichtigstes kulturpolitisches Nachkriegsprojekt war der aktiv betriebene Wiederaufbau und die demokratische Erneuerung freier Künstlervereinigungen in Deutschland (insbesondere des Deutschen Künstlerbundes) ab 1950 zur Überwindung der isolationistischen Folgen der NS-Diktatur.
WERKBESCHREIBUNG MARIA CASPAR-FILSER
Das Œuvre von Maria Caspar-Filser zeichnet sich durch einen hochemotionalen und pastosen Farbauftrag aus. Ihre Bildkompositionen lösen sich zunehmend vom rein naturalistischen Abbild und transformieren die sichtbare Realität in eigenständige Farbwerte. Ihre Stillleben und Landschaften wirken flächig, besitzen jedoch durch eine feine Abstimmung von Komplementärkontrasten eine innere Dynamik und vitale Leuchtkraft.
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Hauptsächlich Ölmalerei auf Leinwand oder Hartfaser, ergänzt durch Zeichnungen, Aquarelle und Lithografien.
STIL
Ihr Stil bildet eine eigenständige Synthese aus deutschem Impressionismus und gemäßigtem Expressionismus. Er ist maßgeblich geschult an den französischen Fauves sowie an den strukturellen Bildkonzepten von Paul Cézanne (Verwandlung der Lichtwelt in eine reine Farbwelt) und dem expressiven Pinselstrich Vincent van Goghs. Sie wird der „deutschen Matisse-Schule“ nahegerückt.
THEMEN | MOTIVE
Florale Motive: Prachtvolle Blumensträuße, Anemonen, Flieder und ländliche Blütenarrangements.
Landschaften | Veduten: Südeuropäische (italienische) Landschaften, Stadtansichten (München), Obstgärten und heimische Waldwege.
Porträts: Gelegentliche Selbstbildnisse und Figurendarstellungen im Interieur.
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Pionierin der klassischen Moderne und Wegbereiterin für Frauen in der akademischen Lehre. Merkmale sind eine hymnische Farbdominanz, eine rhythmische Pinselführung und der Verzicht auf akademische Tiefenperspektive zugunsten flächig-koloristischer Tektonik.
KURZPORTRÄT MARIA CASPAR-FILSER
Maria Caspar-Filser (1878–1968): In Riedlingen an der Donau geborene Malerin, Grafikerin und wegweisende Pionierin der klassischen Moderne, die als eine der profiliertesten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts und im Jahr 1925 als erste Frau im Freistaat Bayern zur Kunstprofessorin ernannt wurde. Nach ihrer Ausbildung an der Stuttgarter Kunstakademie und der Königlichen Akademie in München schloss sie sich früh avantgardistischen Bewegungen an, war Gründungsmitglied der einflussreichen „Neuen Münchener Sezession“ (1913) und wirkte als feste Größe in renommierten Künstlervereinigungen wie dem Deutschen Künstlerbund. Stilistisch bewegt sich ihr vielschichtiges Werk an einer faszinierenden Schnittstelle von Spätimpressionismus, kraftvollem Fauvismus und expressivem Realismus. Unter dem bewussten Verzicht auf akademische Starrheit überführte sie nach einer prägenden Parisreise im Jahr 1905 die flüchtige Lichtwelt des Impressionismus in eine strukturierte, eigenständige Farbwelt. Ihre von Paul Cézanne und Vincent van Gogh inspirierten Landschaften, Stillleben und Blumenarrangements nutzen einen pastosen, rhythmischen Farbauftrag sowie eine leuchtende Kolorität, um die Natur nicht bloß abzubilden, sondern emotional zu verdichten. In den 1920er-Jahren erlangte sie weitreichende Anerkennung für diese meisterhafte Balance zwischen figürlicher Gegenständlichkeit und autonomer Farbfläche. Während der NS-Diktatur als „entartet“ diffamiert, mit Ausstellungsverbot belegt und durch den Verlust ihrer Professur schwer getroffen, zog sie sich mit ihrem Ehemann Karl Caspar in die innere Emigration nach Brannenburg zurück. Nach 1945 knüpfte sie nahtlos an ihre Erfolge an, war 1955 Teilnehmerin der ersten documenta in Kassel und erhielt als erste Malerin das Große Bundesverdienstkreuz. Ihre berühmten Werkgruppen – heute unter anderem vertreten in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und der Städtischen Galerie im Lenbachhaus – sicherten der Künstlerin einen absoluten Spitzenplatz im kulturellen Erbe der deutschen Moderne.
ZITATE MARIA CASPAR-FILSER
„Was würden wir Franzosen aus einer Landsmännin dieses Formats gemacht haben […] Die Bilder, die sie uns hinterlässt, sind mit dem Pinsel geschriebene Hymnen an die Farbe.“ | zeitgenössische Kunstkritik Baden-Baden 1959
STICHWORTE MARIA CASPAR-FILSER
Klassische Moderne, Expressionismus, Neue Münchner Secession, Erste Kunstprofessorin, Entartete Kunst, Kolorismus, Stillleben, Paul Cézanne, Karl Caspar
MARIA CASPAR-FILSER
KUNSTWERKE MARIA CASPAR-FILSER
Herbstabend – Frau auf Brücke (1902–1905)
Pfirsiche (1908/1909)
Der Frühlingshügel (1910)
Blumenstrauß und Selbstbildnis (1923)
Frühling in der Stadt (1924)
Blühender Apfelbaum vor dem Haus (1933)
Winternacht im Atelier (vor 1951)
Anemonen (1959)
Großer Sommerstrauß in Goldruten vor blauem Bauerntuch (1960)
BIOGRAFIE MARIA CASPAR-FILSER
Maria Filser wurde 1878 als viertes Kind einer Beamtenfamilie in Riedlingen geboren. Ihre Jugend verbrachte sie an verschiedenen Orten in Württemberg. Nach ihrer akademischen Ausbildung heiratete sie 1907 den Maler Karl Caspar. Gemeinsam entwickelte sich das Paar zu zentralen Figuren der süddeutschen Avantgarde. Unter dem Nationalsozialismus litt Caspar-Filser unter massiver Repression; ihre Kunst wurde als „entartet“ diffamiert. Nach der erzwungenen Aufgabe ihrer Münchner Professur und dem Verlust von Werken zog sich das Paar nach Brannenburg am Inn zurück. In der Nachkriegszeit engagierte sie sich maßgeblich am Wiederaufbau der deutschen Kunstlandschaft.
Geburtsjahr: 1878 (7. August)
Geburtsort: Riedlingen an der Donau, Deutschland
Todesjahr: 1968 (12. Februar)
Sterbeort: Brannenburg am Inn, Deutschland
AUSBILDUNG MARIA CASPAR-FILSER
1896–1903: Studium der Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart unter den Professoren Friedrich von Keller und Gustav Igler.
Zwischenzeitlich: Gast- und Schülerschaft an der Akademie der Bildenden Künste München bei Ludwig von Herterich.
1905: Studienaufenthalt in Paris zur intensiven Auseinandersetzung mit der französischen Avantgarde.
LEHRTÄTIGKEIT MARIA CASPAR-FILSER
Ab 1925: Berufung an die Akademie der Bildenden Künste München. Maria Caspar-Filser erhielt hierbei als erste Malerin in Deutschland den Titel einer Professorin der Bildenden Künste.
1933: Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltungspolitik wurde sie zum Verzicht auf ihre Professur und zur vorzeitigen Emeritierung gezwungen.
MITGLIEDSCHAFTEN MARIA CASPAR-FILSER
Berliner Secession
Künstlervereinigung SEMA (1911, einziges weibliches Gründungsmitglied)
Neue Münchener Secession (1913, einziges weibliches Gründungsmitglied)
Deutscher Künstlerbund (Mithilfe bei der Wiedergründung 1950)
Bayerische Akademie der Schönen Künste (Mitglied ab 1951, später Ehrenmitglied)
AUSZEICHNUNGEN MARIA CASPAR-FILSER
1947: Förderpreis für Bildende Kunst der Landeshauptstadt München
1959: Großes Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (als erste Malerin überhaupt)
1961: Médaille de la Ville de Paris
1963: Hubert-Burda-Preis für Malerei
SAMMLUNGEN MARIA CASPAR-FILSER
Städtische Galerie im Lenbachhaus, München
Kunstmuseum Stuttgart
Kunsthalle Emden
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Städtische Galerie im Fruchtkasten, Ochsenhausen
AUSSTELLUNGEN MARIA CASPAR-FILSER
EINZELAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
2013: Maria Caspar-Filser. Aus der Heimat in die Welt, Kunstmuseum Hohenkarpfen
2013: Maria Caspar-Filser. Farbenklang und Blütenpracht, Städtische Galerie im Fruchtkasten des Klosters Ochsenhausen
2021/2022: Maria Caspar-Filser (1878–1968), Großretrospektive in der Kunsthalle Emden
AUSSTELLUNGSBETEILIGUNGEN AUSWAHL
1905–1936: Kontinuierliche Teilnahme an den Jahresausstellungen des Deutschen Künstlerbundes
1928 & 1948: Biennale di Venezia, Venedig
1937: Beschlagnahmung von Werken im Rahmen der NS-Ausstellung „Entartete Kunst“
1951: Erste Jahresausstellung des rekonstituierten Deutschen Künstlerbundes in Berlin
1959: Deutsche Kunst, Baden-Baden
2022: Kunst und Leben 1918 bis 1955, Lenbachhaus München
PROJEKTE MARIA CASPAR-FILSER
Ihr wichtigstes kulturpolitisches Nachkriegsprojekt war der aktiv betriebene Wiederaufbau und die demokratische Erneuerung freier Künstlervereinigungen in Deutschland (insbesondere des Deutschen Künstlerbundes) ab 1950 zur Überwindung der isolationistischen Folgen der NS-Diktatur.
WERKBESCHREIBUNG MARIA CASPAR-FILSER
Das Œuvre von Maria Caspar-Filser zeichnet sich durch einen hochemotionalen und pastosen Farbauftrag aus. Ihre Bildkompositionen lösen sich zunehmend vom rein naturalistischen Abbild und transformieren die sichtbare Realität in eigenständige Farbwerte. Ihre Stillleben und Landschaften wirken flächig, besitzen jedoch durch eine feine Abstimmung von Komplementärkontrasten eine innere Dynamik und vitale Leuchtkraft.
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Hauptsächlich Ölmalerei auf Leinwand oder Hartfaser, ergänzt durch Zeichnungen, Aquarelle und Lithografien.
STIL
Ihr Stil bildet eine eigenständige Synthese aus deutschem Impressionismus und gemäßigtem Expressionismus. Er ist maßgeblich geschult an den französischen Fauves sowie an den strukturellen Bildkonzepten von Paul Cézanne (Verwandlung der Lichtwelt in eine reine Farbwelt) und dem expressiven Pinselstrich Vincent van Goghs. Sie wird der „deutschen Matisse-Schule“ nahegerückt.
THEMEN | MOTIVE
Florale Motive: Prachtvolle Blumensträuße, Anemonen, Flieder und ländliche Blütenarrangements.
Landschaften | Veduten: Südeuropäische (italienische) Landschaften, Stadtansichten (München), Obstgärten und heimische Waldwege.
Porträts: Gelegentliche Selbstbildnisse und Figurendarstellungen im Interieur.
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Pionierin der klassischen Moderne und Wegbereiterin für Frauen in der akademischen Lehre. Merkmale sind eine hymnische Farbdominanz, eine rhythmische Pinselführung und der Verzicht auf akademische Tiefenperspektive zugunsten flächig-koloristischer Tektonik.
KURZPORTRÄT MARIA CASPAR-FILSER
Maria Caspar-Filser (1878–1968): In Riedlingen an der Donau geborene Malerin, Grafikerin und wegweisende Pionierin der klassischen Moderne, die als eine der profiliertesten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts und im Jahr 1925 als erste Frau im Freistaat Bayern zur Kunstprofessorin ernannt wurde. Nach ihrer Ausbildung an der Stuttgarter Kunstakademie und der Königlichen Akademie in München schloss sie sich früh avantgardistischen Bewegungen an, war Gründungsmitglied der einflussreichen „Neuen Münchener Sezession“ (1913) und wirkte als feste Größe in renommierten Künstlervereinigungen wie dem Deutschen Künstlerbund. Stilistisch bewegt sich ihr vielschichtiges Werk an einer faszinierenden Schnittstelle von Spätimpressionismus, kraftvollem Fauvismus und expressivem Realismus. Unter dem bewussten Verzicht auf akademische Starrheit überführte sie nach einer prägenden Parisreise im Jahr 1905 die flüchtige Lichtwelt des Impressionismus in eine strukturierte, eigenständige Farbwelt. Ihre von Paul Cézanne und Vincent van Gogh inspirierten Landschaften, Stillleben und Blumenarrangements nutzen einen pastosen, rhythmischen Farbauftrag sowie eine leuchtende Kolorität, um die Natur nicht bloß abzubilden, sondern emotional zu verdichten. In den 1920er-Jahren erlangte sie weitreichende Anerkennung für diese meisterhafte Balance zwischen figürlicher Gegenständlichkeit und autonomer Farbfläche. Während der NS-Diktatur als „entartet“ diffamiert, mit Ausstellungsverbot belegt und durch den Verlust ihrer Professur schwer getroffen, zog sie sich mit ihrem Ehemann Karl Caspar in die innere Emigration nach Brannenburg zurück. Nach 1945 knüpfte sie nahtlos an ihre Erfolge an, war 1955 Teilnehmerin der ersten documenta in Kassel und erhielt als erste Malerin das Große Bundesverdienstkreuz. Ihre berühmten Werkgruppen – heute unter anderem vertreten in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und der Städtischen Galerie im Lenbachhaus – sicherten der Künstlerin einen absoluten Spitzenplatz im kulturellen Erbe der deutschen Moderne.
ZITATE MARIA CASPAR-FILSER
„Was würden wir Franzosen aus einer Landsmännin dieses Formats gemacht haben […] Die Bilder, die sie uns hinterlässt, sind mit dem Pinsel geschriebene Hymnen an die Farbe.“ | zeitgenössische Kunstkritik Baden-Baden 1959
STICHWORTE MARIA CASPAR-FILSER
Klassische Moderne, Expressionismus, Neue Münchner Secession, Erste Kunstprofessorin, Entartete Kunst, Kolorismus, Stillleben, Paul Cézanne, Karl Caspar