GCB Kunstlexikon
WALDEMAR GRZIMEK
KUNSTWERKE WALDEMAR GRZIMEK
Heinrich-Heine-Denkmal (1953/1956): Bronze, ursprünglich für Ost-Berlin entworfen, steht als Zweitguss unter anderem in Ludwigsfelde.
Heinrich-Heine-Denkmal (1958): Monumentale Bronzestatue im Berliner Volkspark Friedrichshain.
Buchenwaldglocke (1958): Entwurf und bildhauerische Ausführung der Reliefs für das monumentale Glockenturm-Mahnmal auf dem Ettersberg.
Plastiken für die Gedenkstätte Sachsenhausen (1960): Figurengruppe für das dortige antifaschistische Mahnmal.
Der Bedrohte II (1969): Bekannte figurative David-Statue, welche die existenzielle Verletzlichkeit des Menschen thematisiert.
Der Reiter | Stürzender Reiter (1975): Bronzeplastik im öffentlichen Raum in Darmstadt.
Bronzetür „Gefahren und Kreatur“ (1974-1976): Aufwendig gestaltetes Portal für das Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg.
Brunnen auf dem Wittenbergplatz (1985): Postum fertiggestellte, großflächige Brunnenanlage in Berlin-Schöneberg mit ausdrucksstarken Figurengruppen.
Der Berserker (1989): Postum aufgestellte Bronzeskulptur auf dem Marktplatz in Darmstadt.
BIOGRAFIE WALDEMAR GRZIMEK
Geburtsjahr: 1918 (5. Dezember)
Geburtsort: Rastenburg, Ostpreußen (heute Kętrzyn, Polen)
Todesjahr: 1984 (26. Mai)
Sterbeort: West-Berlin
AUSBILDUNG WALDEMAR GRZIMEK
Frühe Prägung (1929–1933): Erste bildhauerische Versuche im Berliner Zoo; Mentorenschaft durch den Bildhauer Hugo Lederer.
Handwerkliche Basis (1937): Ausbildung zum Steinmetz bei der Philipp Holzmann AG in Berlin.
Akademisches Studium (1937–1941): Studium an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg unter Wilhelm Gerstel; abschließend dessen Meisterschüler.
LEHRTÄTIGKEIT WALDEMAR GRZIMEK
1946–1948: Dozent an der Kunstschule Burg Giebichenstein in Halle (Saale).
1948–1951: Professor an der Hochschule für Bildende Künste Berlin-Charlottenburg (Lehrstuhlverlust wegen politischer Solidarisierung).
1956–1961: Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee in Ost-Berlin.
1967–1984: Professor für Plastisches Gestalten an der TU Darmstadt.
MITGLIEDSCHAFTEN WALDEMAR GRZIMEK
Künstlervereinigung „Die Fähre“: Mitglied ab 1947 in Halle.
Künstlerkabarett „Badewanne“: Mitarbeit in der Berliner Nachkriegszeit.
Darmstädter Sezession: Mitglied ab 1971 nach seiner Übersiedlung in den Westen.
AUSZEICHNUNGEN WALDEMAR GRZIMEK
1931: Erster Preis auf einer Berliner Hundeausstellung für eine frühe Tierplastik (im Alter von 12 Jahren).
1942: Rom-Preis (Villa Massimo).
1959: Nationalpreis der DDR II. Klasse (für sein gestalterisches Mitwirken am Buchenwald-Mahnmal).
1984: Bremer Bildhauerpreis.
SAMMLUNGEN WALDEMAR GRZIMEK
Gerhard-Marcks-Haus (Bremen): Bewahrt den künstlerischen Nachlass sowie eine Stiftung der Familie mit über 100 Skulpturen und umfangreicher Grafik.
Staatliche Kunstsammlungen Dresden (Skulpturensammlung): Umfangreicher Bestand an Kleinplastiken sowie lebensgroßen Bronzen.
Nationalgalerie Berlin (Staatliche Museen zu Berlin): Repräsentative Werke der Berliner Bildhauerschule.
Kunsthalle Mannheim: Besitz von Schlüsselwerken und Plastiken.
AUSSTELLUNGEN WALDEMAR GRZIMEK
EINZELAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
1957: Plastik, Handzeichnungen, Druckgraphik, Magdeburg.
1967: Skulpturen, Berlin.
2011: Retrospektive in der Galerie Poll, Berlin.
Seit 2024 (Dauerausstellung): Depotausstellung Waldemar Grzimek und Christa Cremer auf dem GOLEM Hof Petersdorf.
GRUPPENAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
1933: Erste vielbeachtete Präsentation jugendlicher Tierplastiken in der Akademie der Künste, Berlin.
1958: Jahresausstellung der Akademie der Künste, Berlin (gemeinsam mit Fritz Cremer und Gustav Seitz).
PROJEKTE WALDEMAR GRZIMEK
Baukeramische Projekte (ab 1951): Intensive gestalterische Zusammenarbeit mit den Hedwig Bollhagen Werkstätten in Marwitz zur Entwicklung serieller Baukeramik und strukturierter Gefäße.
WERKBESCHREIBUNG WALDEMAR GRZIMEK
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Figurative Rundplastik (von der filigranen Kleinplastik bis zur überlebensgroßen Monumentalskulptur).
Bauplastik, Reliefs, Porträtbüsten und Medaillenkunst.
Zeichnung, Lithografie, Holzschnitt und angewandte Baukeramik.
STIL
Neuer Realismus | Expressive Figuration: Fundiert in der klassischen Tradition der Berliner Bildhauerschule. Er bricht die akademische Strenge durch bewusste anatomische Übertreibungen, unruhige Konturen und stark rhythmisierte Bewegungsabläufe auf.
THEMEN | MOTIVE
Akte, Liegende, Schwimmerinnen und Torsos im Spannungsfeld von Anspannung und Kreatürlichkeit, Trauer, Widerstand und die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, Tierplastiken (Nashörner, Büffel, Hunde) dominieren vor allem das Frühwerk.
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Grzimeks Plastiken meiden die glatte Idealisierung. Charakteristisch ist eine lebendige, offene Oberflächenmodellierung, die den Entstehungsprozess im Ton oder Gips spürbar lässt. Das Spiel von Licht und Schatten auf den unebenen Bronzeflächen verleiht den Figuren eine psychologische Tiefe, innere Zerrissenheit und existentielle Dynamik. Er gilt als einer der wenigen Künstler, die der figurativen Kunst in Ost und West gleichermaßen fundamentale Impulse gaben.
KÜNSTLERPORTRÄT WALDEMAR GRZIMEK
Waldemar Grzimek (1918–1984): In Rastenburg (Ostpreußen) geborener Bildhauer, Grafiker und herausragender Hochschullehrer, der als einer der bedeutendsten und eigenständigsten Meister der figurativen Plastik im geteilten Nachkriegsdeutschland gilt. Aufgewachsen in Berlin, wurde sein außergewöhnliches Talent früh im Zoologischen Garten entdeckt, wo er als Junge unter der Anleitung von Hugo Lederer erste Tierplastiken modellierte. Er absolvierte eine Steinmetzlehre bei Philipp Holzmann, studierte an der Berliner Hochschule der Bildenden Künste und wurde 1941 Meisterschüler des renommierten Wilhelm Gerstel, ehe er 1942 mit dem Villa-Massimo-Preis in Rom ausgezeichnet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg vollzog Grzimek ein kunsthistorisches Kunststück als wandernder Brückenbauer zwischen den Systemen: Er lehrte zunächst an der Kunstschule Burg Giebichenstein in Halle (1946–1948), als Professor an der HBK Berlin-Charlottenburg im Westen (1948–1951) sowie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee im Osten (1956–1961). Am Tag des Mauerbaus 1961 verblieb er im Westen, schuf in Friedrichshafen ein neues Atelier und wirkte ab 1968 für fast zwei Jahrzehnte als prägender Professor für Plastisches Gestalten an der Technischen Hochschule Darmstadt. Stilistisch blieb Grzimek zeitlebens unerschütterlich der menschlichen und tierischen Figur verbunden, die er mit expressiver Vitalität, rauen Oberflächenstrukturen und tektonischer Spannung auflud. Seine berühmten Werkgruppen (darunter sinnliche, vitale Frauenakte wie die Schwimmerin, charakterstarke Porträts und ausdrucksvolle Tierbronzen) untersuchten das vitale Kraftspiel von Volumen im realen Raum. Als Schöpfer bedeutender öffentlicher Monumente – wie dem Mahnmal für die Gedenkstätte Sachsenhausen (1961) oder der David-Statue Der Bedrohte II (1969) – sowie als Autor des Standardwerks Deutsche Bildhauer des zwanzigsten Jahrhunderts (1969) legte er ein intellektuelles und praktisches Fundament, das die figurative Bildhauerkunst der Moderne über politische Grenzen hinweg nachhaltig prägte.
ZITATE WALDEMAR GRZIMEK
„Form muss dienen.“ – Ein zentrales Credo, das Waldemar Grzimeks Auffassung widerspiegelt, nach der die plastische Gestaltung niemals rein dekorativer Selbstzweck sein darf, sondern der architektonischen, inhaltlichen oder gedenkkulturellen Aufgabe untergeordnet sein muss.
STICHWORTE WALDEMAR GRZIMEK
Berliner Bildhauerschule, Figurative Plastik, Nachkriegsmoderne, Nationalpreis der DDR, TU Darmstadt, Hedwig Bollhagen, Villa Massimo, Mahnmal Buchenwald, Realismus, Bronzeplastik
LINKS WALDEMAR GRZIMEK
WALDEMAR GRZIMEK
KUNSTWERKE WALDEMAR GRZIMEK
Heinrich-Heine-Denkmal (1953/1956): Bronze, ursprünglich für Ost-Berlin entworfen, steht als Zweitguss unter anderem in Ludwigsfelde.
Heinrich-Heine-Denkmal (1958): Monumentale Bronzestatue im Berliner Volkspark Friedrichshain.
Buchenwaldglocke (1958): Entwurf und bildhauerische Ausführung der Reliefs für das monumentale Glockenturm-Mahnmal auf dem Ettersberg.
Plastiken für die Gedenkstätte Sachsenhausen (1960): Figurengruppe für das dortige antifaschistische Mahnmal.
Der Bedrohte II (1969): Bekannte figurative David-Statue, welche die existenzielle Verletzlichkeit des Menschen thematisiert.
Der Reiter | Stürzender Reiter (1975): Bronzeplastik im öffentlichen Raum in Darmstadt.
Bronzetür „Gefahren und Kreatur“ (1974-1976): Aufwendig gestaltetes Portal für das Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg.
Brunnen auf dem Wittenbergplatz (1985): Postum fertiggestellte, großflächige Brunnenanlage in Berlin-Schöneberg mit ausdrucksstarken Figurengruppen.
Der Berserker (1989): Postum aufgestellte Bronzeskulptur auf dem Marktplatz in Darmstadt.
BIOGRAFIE WALDEMAR GRZIMEK
Geburtsjahr: 1918 (5. Dezember)
Geburtsort: Rastenburg, Ostpreußen (heute Kętrzyn, Polen)
Todesjahr: 1984 (26. Mai)
Sterbeort: West-Berlin
AUSBILDUNG WALDEMAR GRZIMEK
Frühe Prägung (1929–1933): Erste bildhauerische Versuche im Berliner Zoo; Mentorenschaft durch den Bildhauer Hugo Lederer.
Handwerkliche Basis (1937): Ausbildung zum Steinmetz bei der Philipp Holzmann AG in Berlin.
Akademisches Studium (1937–1941): Studium an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg unter Wilhelm Gerstel; abschließend dessen Meisterschüler.
LEHRTÄTIGKEIT WALDEMAR GRZIMEK
1946–1948: Dozent an der Kunstschule Burg Giebichenstein in Halle (Saale).
1948–1951: Professor an der Hochschule für Bildende Künste Berlin-Charlottenburg (Lehrstuhlverlust wegen politischer Solidarisierung).
1956–1961: Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee in Ost-Berlin.
1967–1984: Professor für Plastisches Gestalten an der TU Darmstadt.
MITGLIEDSCHAFTEN WALDEMAR GRZIMEK
Künstlervereinigung „Die Fähre“: Mitglied ab 1947 in Halle.
Künstlerkabarett „Badewanne“: Mitarbeit in der Berliner Nachkriegszeit.
Darmstädter Sezession: Mitglied ab 1971 nach seiner Übersiedlung in den Westen.
AUSZEICHNUNGEN WALDEMAR GRZIMEK
1931: Erster Preis auf einer Berliner Hundeausstellung für eine frühe Tierplastik (im Alter von 12 Jahren).
1942: Rom-Preis (Villa Massimo).
1959: Nationalpreis der DDR II. Klasse (für sein gestalterisches Mitwirken am Buchenwald-Mahnmal).
1984: Bremer Bildhauerpreis.
SAMMLUNGEN WALDEMAR GRZIMEK
Gerhard-Marcks-Haus (Bremen): Bewahrt den künstlerischen Nachlass sowie eine Stiftung der Familie mit über 100 Skulpturen und umfangreicher Grafik.
Staatliche Kunstsammlungen Dresden (Skulpturensammlung): Umfangreicher Bestand an Kleinplastiken sowie lebensgroßen Bronzen.
Nationalgalerie Berlin (Staatliche Museen zu Berlin): Repräsentative Werke der Berliner Bildhauerschule.
Kunsthalle Mannheim: Besitz von Schlüsselwerken und Plastiken.
AUSSTELLUNGEN WALDEMAR GRZIMEK
EINZELAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
1957: Plastik, Handzeichnungen, Druckgraphik, Magdeburg.
1967: Skulpturen, Berlin.
2011: Retrospektive in der Galerie Poll, Berlin.
Seit 2024 (Dauerausstellung): Depotausstellung Waldemar Grzimek und Christa Cremer auf dem GOLEM Hof Petersdorf.
GRUPPENAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
1933: Erste vielbeachtete Präsentation jugendlicher Tierplastiken in der Akademie der Künste, Berlin.
1958: Jahresausstellung der Akademie der Künste, Berlin (gemeinsam mit Fritz Cremer und Gustav Seitz).
PROJEKTE WALDEMAR GRZIMEK
Baukeramische Projekte (ab 1951): Intensive gestalterische Zusammenarbeit mit den Hedwig Bollhagen Werkstätten in Marwitz zur Entwicklung serieller Baukeramik und strukturierter Gefäße.
WERKBESCHREIBUNG WALDEMAR GRZIMEK
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Figurative Rundplastik (von der filigranen Kleinplastik bis zur überlebensgroßen Monumentalskulptur).
Bauplastik, Reliefs, Porträtbüsten und Medaillenkunst.
Zeichnung, Lithografie, Holzschnitt und angewandte Baukeramik.
STIL
Neuer Realismus | Expressive Figuration: Fundiert in der klassischen Tradition der Berliner Bildhauerschule. Er bricht die akademische Strenge durch bewusste anatomische Übertreibungen, unruhige Konturen und stark rhythmisierte Bewegungsabläufe auf.
THEMEN | MOTIVE
Akte, Liegende, Schwimmerinnen und Torsos im Spannungsfeld von Anspannung und Kreatürlichkeit, Trauer, Widerstand und die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, Tierplastiken (Nashörner, Büffel, Hunde) dominieren vor allem das Frühwerk.
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Grzimeks Plastiken meiden die glatte Idealisierung. Charakteristisch ist eine lebendige, offene Oberflächenmodellierung, die den Entstehungsprozess im Ton oder Gips spürbar lässt. Das Spiel von Licht und Schatten auf den unebenen Bronzeflächen verleiht den Figuren eine psychologische Tiefe, innere Zerrissenheit und existentielle Dynamik. Er gilt als einer der wenigen Künstler, die der figurativen Kunst in Ost und West gleichermaßen fundamentale Impulse gaben.
KÜNSTLERPORTRÄT WALDEMAR GRZIMEK
Waldemar Grzimek (1918–1984): In Rastenburg (Ostpreußen) geborener Bildhauer, Grafiker und herausragender Hochschullehrer, der als einer der bedeutendsten und eigenständigsten Meister der figurativen Plastik im geteilten Nachkriegsdeutschland gilt. Aufgewachsen in Berlin, wurde sein außergewöhnliches Talent früh im Zoologischen Garten entdeckt, wo er als Junge unter der Anleitung von Hugo Lederer erste Tierplastiken modellierte. Er absolvierte eine Steinmetzlehre bei Philipp Holzmann, studierte an der Berliner Hochschule der Bildenden Künste und wurde 1941 Meisterschüler des renommierten Wilhelm Gerstel, ehe er 1942 mit dem Villa-Massimo-Preis in Rom ausgezeichnet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg vollzog Grzimek ein kunsthistorisches Kunststück als wandernder Brückenbauer zwischen den Systemen: Er lehrte zunächst an der Kunstschule Burg Giebichenstein in Halle (1946–1948), als Professor an der HBK Berlin-Charlottenburg im Westen (1948–1951) sowie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee im Osten (1956–1961). Am Tag des Mauerbaus 1961 verblieb er im Westen, schuf in Friedrichshafen ein neues Atelier und wirkte ab 1968 für fast zwei Jahrzehnte als prägender Professor für Plastisches Gestalten an der Technischen Hochschule Darmstadt. Stilistisch blieb Grzimek zeitlebens unerschütterlich der menschlichen und tierischen Figur verbunden, die er mit expressiver Vitalität, rauen Oberflächenstrukturen und tektonischer Spannung auflud. Seine berühmten Werkgruppen (darunter sinnliche, vitale Frauenakte wie die Schwimmerin, charakterstarke Porträts und ausdrucksvolle Tierbronzen) untersuchten das vitale Kraftspiel von Volumen im realen Raum. Als Schöpfer bedeutender öffentlicher Monumente – wie dem Mahnmal für die Gedenkstätte Sachsenhausen (1961) oder der David-Statue Der Bedrohte II (1969) – sowie als Autor des Standardwerks Deutsche Bildhauer des zwanzigsten Jahrhunderts (1969) legte er ein intellektuelles und praktisches Fundament, das die figurative Bildhauerkunst der Moderne über politische Grenzen hinweg nachhaltig prägte.
ZITATE WALDEMAR GRZIMEK
„Form muss dienen.“ – Ein zentrales Credo, das Waldemar Grzimeks Auffassung widerspiegelt, nach der die plastische Gestaltung niemals rein dekorativer Selbstzweck sein darf, sondern der architektonischen, inhaltlichen oder gedenkkulturellen Aufgabe untergeordnet sein muss.
STICHWORTE WALDEMAR GRZIMEK
Berliner Bildhauerschule, Figurative Plastik, Nachkriegsmoderne, Nationalpreis der DDR, TU Darmstadt, Hedwig Bollhagen, Villa Massimo, Mahnmal Buchenwald, Realismus, Bronzeplastik
LINKS WALDEMAR GRZIMEK
WALDEMAR GRZIMEK
KUNSTWERKE WALDEMAR GRZIMEK
Heinrich-Heine-Denkmal (1953/1956): Bronze, ursprünglich für Ost-Berlin entworfen, steht als Zweitguss unter anderem in Ludwigsfelde.
Heinrich-Heine-Denkmal (1958): Monumentale Bronzestatue im Berliner Volkspark Friedrichshain.
Buchenwaldglocke (1958): Entwurf und bildhauerische Ausführung der Reliefs für das monumentale Glockenturm-Mahnmal auf dem Ettersberg.
Plastiken für die Gedenkstätte Sachsenhausen (1960): Figurengruppe für das dortige antifaschistische Mahnmal.
Der Bedrohte II (1969): Bekannte figurative David-Statue, welche die existenzielle Verletzlichkeit des Menschen thematisiert.
Der Reiter | Stürzender Reiter (1975): Bronzeplastik im öffentlichen Raum in Darmstadt.
Bronzetür „Gefahren und Kreatur“ (1974-1976): Aufwendig gestaltetes Portal für das Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg.
Brunnen auf dem Wittenbergplatz (1985): Postum fertiggestellte, großflächige Brunnenanlage in Berlin-Schöneberg mit ausdrucksstarken Figurengruppen.
Der Berserker (1989): Postum aufgestellte Bronzeskulptur auf dem Marktplatz in Darmstadt.
BIOGRAFIE WALDEMAR GRZIMEK
Geburtsjahr: 1918 (5. Dezember)
Geburtsort: Rastenburg, Ostpreußen (heute Kętrzyn, Polen)
Todesjahr: 1984 (26. Mai)
Sterbeort: West-Berlin
AUSBILDUNG WALDEMAR GRZIMEK
Frühe Prägung (1929–1933): Erste bildhauerische Versuche im Berliner Zoo; Mentorenschaft durch den Bildhauer Hugo Lederer.
Handwerkliche Basis (1937): Ausbildung zum Steinmetz bei der Philipp Holzmann AG in Berlin.
Akademisches Studium (1937–1941): Studium an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg unter Wilhelm Gerstel; abschließend dessen Meisterschüler.
LEHRTÄTIGKEIT WALDEMAR GRZIMEK
1946–1948: Dozent an der Kunstschule Burg Giebichenstein in Halle (Saale).
1948–1951: Professor an der Hochschule für Bildende Künste Berlin-Charlottenburg (Lehrstuhlverlust wegen politischer Solidarisierung).
1956–1961: Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee in Ost-Berlin.
1967–1984: Professor für Plastisches Gestalten an der TU Darmstadt.
MITGLIEDSCHAFTEN WALDEMAR GRZIMEK
Künstlervereinigung „Die Fähre“: Mitglied ab 1947 in Halle.
Künstlerkabarett „Badewanne“: Mitarbeit in der Berliner Nachkriegszeit.
Darmstädter Sezession: Mitglied ab 1971 nach seiner Übersiedlung in den Westen.
AUSZEICHNUNGEN WALDEMAR GRZIMEK
1931: Erster Preis auf einer Berliner Hundeausstellung für eine frühe Tierplastik (im Alter von 12 Jahren).
1942: Rom-Preis (Villa Massimo).
1959: Nationalpreis der DDR II. Klasse (für sein gestalterisches Mitwirken am Buchenwald-Mahnmal).
1984: Bremer Bildhauerpreis.
SAMMLUNGEN WALDEMAR GRZIMEK
Gerhard-Marcks-Haus (Bremen): Bewahrt den künstlerischen Nachlass sowie eine Stiftung der Familie mit über 100 Skulpturen und umfangreicher Grafik.
Staatliche Kunstsammlungen Dresden (Skulpturensammlung): Umfangreicher Bestand an Kleinplastiken sowie lebensgroßen Bronzen.
Nationalgalerie Berlin (Staatliche Museen zu Berlin): Repräsentative Werke der Berliner Bildhauerschule.
Kunsthalle Mannheim: Besitz von Schlüsselwerken und Plastiken.
AUSSTELLUNGEN WALDEMAR GRZIMEK
EINZELAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
1957: Plastik, Handzeichnungen, Druckgraphik, Magdeburg.
1967: Skulpturen, Berlin.
2011: Retrospektive in der Galerie Poll, Berlin.
Seit 2024 (Dauerausstellung): Depotausstellung Waldemar Grzimek und Christa Cremer auf dem GOLEM Hof Petersdorf.
GRUPPENAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
1933: Erste vielbeachtete Präsentation jugendlicher Tierplastiken in der Akademie der Künste, Berlin.
1958: Jahresausstellung der Akademie der Künste, Berlin (gemeinsam mit Fritz Cremer und Gustav Seitz).
PROJEKTE WALDEMAR GRZIMEK
Baukeramische Projekte (ab 1951): Intensive gestalterische Zusammenarbeit mit den Hedwig Bollhagen Werkstätten in Marwitz zur Entwicklung serieller Baukeramik und strukturierter Gefäße.
WERKBESCHREIBUNG WALDEMAR GRZIMEK
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Figurative Rundplastik (von der filigranen Kleinplastik bis zur überlebensgroßen Monumentalskulptur).
Bauplastik, Reliefs, Porträtbüsten und Medaillenkunst.
Zeichnung, Lithografie, Holzschnitt und angewandte Baukeramik.
STIL
Neuer Realismus | Expressive Figuration: Fundiert in der klassischen Tradition der Berliner Bildhauerschule. Er bricht die akademische Strenge durch bewusste anatomische Übertreibungen, unruhige Konturen und stark rhythmisierte Bewegungsabläufe auf.
THEMEN | MOTIVE
Akte, Liegende, Schwimmerinnen und Torsos im Spannungsfeld von Anspannung und Kreatürlichkeit, Trauer, Widerstand und die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, Tierplastiken (Nashörner, Büffel, Hunde) dominieren vor allem das Frühwerk.
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Grzimeks Plastiken meiden die glatte Idealisierung. Charakteristisch ist eine lebendige, offene Oberflächenmodellierung, die den Entstehungsprozess im Ton oder Gips spürbar lässt. Das Spiel von Licht und Schatten auf den unebenen Bronzeflächen verleiht den Figuren eine psychologische Tiefe, innere Zerrissenheit und existentielle Dynamik. Er gilt als einer der wenigen Künstler, die der figurativen Kunst in Ost und West gleichermaßen fundamentale Impulse gaben.
KÜNSTLERPORTRÄT WALDEMAR GRZIMEK
Waldemar Grzimek (1918–1984): In Rastenburg (Ostpreußen) geborener Bildhauer, Grafiker und herausragender Hochschullehrer, der als einer der bedeutendsten und eigenständigsten Meister der figurativen Plastik im geteilten Nachkriegsdeutschland gilt. Aufgewachsen in Berlin, wurde sein außergewöhnliches Talent früh im Zoologischen Garten entdeckt, wo er als Junge unter der Anleitung von Hugo Lederer erste Tierplastiken modellierte. Er absolvierte eine Steinmetzlehre bei Philipp Holzmann, studierte an der Berliner Hochschule der Bildenden Künste und wurde 1941 Meisterschüler des renommierten Wilhelm Gerstel, ehe er 1942 mit dem Villa-Massimo-Preis in Rom ausgezeichnet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg vollzog Grzimek ein kunsthistorisches Kunststück als wandernder Brückenbauer zwischen den Systemen: Er lehrte zunächst an der Kunstschule Burg Giebichenstein in Halle (1946–1948), als Professor an der HBK Berlin-Charlottenburg im Westen (1948–1951) sowie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee im Osten (1956–1961). Am Tag des Mauerbaus 1961 verblieb er im Westen, schuf in Friedrichshafen ein neues Atelier und wirkte ab 1968 für fast zwei Jahrzehnte als prägender Professor für Plastisches Gestalten an der Technischen Hochschule Darmstadt. Stilistisch blieb Grzimek zeitlebens unerschütterlich der menschlichen und tierischen Figur verbunden, die er mit expressiver Vitalität, rauen Oberflächenstrukturen und tektonischer Spannung auflud. Seine berühmten Werkgruppen (darunter sinnliche, vitale Frauenakte wie die Schwimmerin, charakterstarke Porträts und ausdrucksvolle Tierbronzen) untersuchten das vitale Kraftspiel von Volumen im realen Raum. Als Schöpfer bedeutender öffentlicher Monumente – wie dem Mahnmal für die Gedenkstätte Sachsenhausen (1961) oder der David-Statue Der Bedrohte II (1969) – sowie als Autor des Standardwerks Deutsche Bildhauer des zwanzigsten Jahrhunderts (1969) legte er ein intellektuelles und praktisches Fundament, das die figurative Bildhauerkunst der Moderne über politische Grenzen hinweg nachhaltig prägte.
ZITATE WALDEMAR GRZIMEK
„Form muss dienen.“ – Ein zentrales Credo, das Waldemar Grzimeks Auffassung widerspiegelt, nach der die plastische Gestaltung niemals rein dekorativer Selbstzweck sein darf, sondern der architektonischen, inhaltlichen oder gedenkkulturellen Aufgabe untergeordnet sein muss.
STICHWORTE WALDEMAR GRZIMEK
Berliner Bildhauerschule, Figurative Plastik, Nachkriegsmoderne, Nationalpreis der DDR, TU Darmstadt, Hedwig Bollhagen, Villa Massimo, Mahnmal Buchenwald, Realismus, Bronzeplastik