GCB Kunstlexikon
HERBERT KITZEL
Das Œuvre von Herbert Kitzel zeichnet sich durch einen bemerkenswerten stilistischen Wandel aus: Während seine frühe Hallesche Phase von einer existenziellen, melancholischen Figurensprache geprägt war, entwickelte er nach seiner Flucht in den Westen eine zunehmend abstraktere, expressive Bildwelt. Seine bedeutendsten Motive und Kunstwerke lassen sich in drei zentrale Themenbereiche gliedern:
1. Zirkuswelt, Harlekine und Artisten – Die Hallesche Phase
In den 1950er-Jahren schuf Kitzel in Halle an der Saale ein dichtes Frühwerk, das stark von der Metaphysik der Zirkuswelt inspiriert war. Die Figuren dienten ihm als Sinnbilder für menschliche Isolation und das Leben in der DDR-Diktatur.
Gaukler (1956): Eines seiner bekanntesten Hauptwerke aus dieser Epoche. Es fängt die Zerrissenheit und die schwermütige Identität des Künstlers ein. Zu sehen in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.
Liegender Harlekin: Eine typische Arbeit, die stilistisch an Max Beckmann und Pablo Picasso erinnert. Sie reflektiert Passivität, Ohnmacht und die Melancholie des Kunstschaffenden.
Artist (1958): Entstanden im Jahr seines Umzugs nach Karlsruhe. Diese kraftvolle und zugleich verletzliche Figurendarstellung markiert die Schwelle zu seinem westdeutschen Spätwerk.
Legende (1952): Ein frühes, vielschichtiges Werk der DDR-Zeit, das exemplarisch für seinen damaligen, figürlich-metaphysischen Ansatz steht.
2. Aktdarstellungen und Musikszenen
Neben den Gauklermotiven beschäftigte sich Kitzel intensiv mit der menschlichen Dynamik, oft gepaart mit Musik oder reduzierten Interieurs.
Jazzkapelle: Eine rhythmische, stark abstrahierte Darstellung von Musikern an ihren Instrumenten, bei der Farbe und Form die Dynamik der Musik transportieren.
Weiblicher Rückenakt (1969) – Komposition mit zwei Akten im Profil
Die späten Kohle- und Mischtechnik-Arbeiten zeigen, wie radikal Kitzel die menschliche Körperform in den späten 1960er-Jahren auf grobe, fast blockhafte Konturen und reduzierte Farbflächen reduzierte.
3. Landschaften und späte Abstraktionen
In seiner Karlsruher Zeit sowie auf Reisen (unter anderem nach Spanien) löste sich Kitzel immer weiter vom Gegenstand.
Landschaft, Alfaz del Pi (1973) & Abstrahiertes Flussufer in Altea: Diese späten, in Spanien entstandenen Arbeiten kombinieren Grafit, Gouache und Kreide. Sie zeigen den Übergang von konkreten Landschaften hin zu reinen, expressiv-gewischten Farb- und Formkompositionen.
Am Strand (1950): Ein wichtiges Frühwerk, das zu den typischen Strandbildern der damaligen Halleschen Malschule gehört.
BIOGRAFIE HERBERT KITZEL
Herbert Kitzel (1928–1978) war ein bedeutender deutscher Maler, Grafiker, Keramiker und Hochschullehrer. Seine Biografie spiegelt die Zerrissenheit eines Künstlers zwischen den repressiven Kulturvorgaben der frühen DDR und dem Drang nach künstlerischer Freiheit im Westen wider. Er gilt als eine der prägendsten Figuren des „Halleschen Graus“.
GEBURTSJAHR | 1928
GEBURTSORT | Halle
TODESJAHR | 1978
STERBEORT | Karlsruhe
1958 Übersiedelung von Halle nach Karlsruhe, da Herbert Kitzels abstrakte Malereien den Vorgaben des Sozialistischen Realismus entsprechen sollte
AUSBILDUNG HERBERT KITZEL
1945 – 1950 Kunst- und Werkkunstschule Halle | Burg Giebichenstein bei dem Typografen Herbert Post
LEHRTÄTIGKEIT HERBERT KITZEL
1957 Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
1962 Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
MITGLIEDSCHAFTEN HERBERT KITZEL
Verband Bildender Künstler Deutschlands | VBKD
Vorstand Künstlerbundes Baden-Württemberg
AUSZEICHNUNGEN HERBERT KITZEL
1963 Kunstpreis der Stadt Darmstadt | Wilhelm-Loth-Preis
SAMMLUNGEN HERBERT KITZEL
Große Teile seines Nachlasses und seiner wichtigsten Arbeiten werden heute in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe bewahrt, die regelmäßig Ausstellungen zu seinem Werk ausrichtet.
Neue Nationalgalerie | Staatliche Museen zu Berlin
Albertinum | Galerie Neue Meister | Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Museum für aktuelle Kunst | Sammlung Hurrle | Durbach
Kunstmuseum Moritzburg | Stiftung Moritzburg | Halle
Kustodie und Archiv der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Kulturhistorisches Museum Magdeburg
Bayerische Staatsgemäldesammlung | Pinakothek München
AUSSTELLUNGEN HERBERT KITZEL
EINZELAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
1956 Erste Einzelausstellung | Galerie Eduard Henning | Halle
1959 Karlsruher Akademie
1963 Kunst- und Museumsverein Wuppertal
1974 Retrospektive | Kunsthalle Baden-Baden
GRUPPENAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
Jahresausstellungen des Deutschen Künstlerbundes
1957 Große Kunstausstellung im Haus der Kunst | München
Ausstellung „junger Westen“ | Recklinghausenr
Ausstellung „art allemand de bade-wurtemberg“ | Nancy
Ausstellung Deutsche Kunst | Südamerika
1959 Neue Darmstädter Sezession
WERKBESCHREIBUNG HERBERT KITZEL
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Malerei | Plastiken | Keramische Arbeiten | Grafik | Zeichnungen | Gouachen | Aquarelle | Radierungen | Lithographien | Herbert Kitzel schuf weit 1000 Werke
STIL
Neue Figuration | gegenständlich | figurativ | Abstrakter Expressionismus | Farbraummalerei | unruhig geführten Malerei mit harten Farb- und Formkontrasten
THEMEN | MOTIVE | WERKE
Menschen | Seiltänzer | Gaukler | Akrobaten | Stürzende | Totenkarren | Klagefiguren | Totenhunde | Kreuzigungen| Köpfe |
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Figuren werden im Stil informellen Kalligrafien in abstrakte Komposition eingebunden und reflektieren die existenziell wichtigen Fragen der Menschheit und die bedrohte menschliche Existenz | abstrakte Farbbewegungen die eine gewisse Nähe zur Art Brut erkennen lassen
KÜNSTLERPORTRÄT HERBERT KITZEL
Herbert Kitzel (1928–1978): In Halle an der Saale geborener Maler und Grafiker, der nach seinem Studium an der dortigen Kunstschule Burg Giebichenstein 1957 in den Westen floh und bereits 1958 als Professor an die Karlsruher Kunstakademie berufen wurde. Kitzel gilt als einer der wichtigsten und zugleich melancholischsten Grenzgänger zwischen Figuration und informeller Abstraktion. Seine Bildwelten sind von einer tiefen existenziellen Einsamkeit geprägt; obsessiv thematisierte er maskierte Gestalten, Gaukler, Clowns und fragile Torsi, die sich oft wie geisterhafte Schemen hinter Schleiern aus gedämpften, erdigen Farbschichten hervorheben. Als Lehrer übte er einen fundamentalen, prägenden Einfluss auf Künstler wie Hans Baschang aus und stabilisierte das figurative Erbe im Südwesten gegen den reinen Zeitgeist der Gegenstandslosigkeit.
STICHWORTE HERBERT KITZEL
Überlebenskampf der Kreaturen, Kunst in der DDR, Kunst nach 1945, deutscher Künstler des 20. Jahrhunderts
ZITATE HERBERT KITZEL
„Das Grau in den Bildern war das Grau über Halle…. Kaum ein Maler seiner Generation hat entschiedener aus dem Grau heraus gemalt. … Bewegung, Gegenstand und Farbe sind von ungestümer Melancholie…“ | Klaus Gallwitz
LINKS HERBERT KITZEL
HERBERT KITZEL
Das Œuvre von Herbert Kitzel zeichnet sich durch einen bemerkenswerten stilistischen Wandel aus: Während seine frühe Hallesche Phase von einer existenziellen, melancholischen Figurensprache geprägt war, entwickelte er nach seiner Flucht in den Westen eine zunehmend abstraktere, expressive Bildwelt. Seine bedeutendsten Motive und Kunstwerke lassen sich in drei zentrale Themenbereiche gliedern:
1. Zirkuswelt, Harlekine und Artisten – Die Hallesche Phase
In den 1950er-Jahren schuf Kitzel in Halle an der Saale ein dichtes Frühwerk, das stark von der Metaphysik der Zirkuswelt inspiriert war. Die Figuren dienten ihm als Sinnbilder für menschliche Isolation und das Leben in der DDR-Diktatur.
Gaukler (1956): Eines seiner bekanntesten Hauptwerke aus dieser Epoche. Es fängt die Zerrissenheit und die schwermütige Identität des Künstlers ein. Zu sehen in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.
Liegender Harlekin: Eine typische Arbeit, die stilistisch an Max Beckmann und Pablo Picasso erinnert. Sie reflektiert Passivität, Ohnmacht und die Melancholie des Kunstschaffenden.
Artist (1958): Entstanden im Jahr seines Umzugs nach Karlsruhe. Diese kraftvolle und zugleich verletzliche Figurendarstellung markiert die Schwelle zu seinem westdeutschen Spätwerk.
Legende (1952): Ein frühes, vielschichtiges Werk der DDR-Zeit, das exemplarisch für seinen damaligen, figürlich-metaphysischen Ansatz steht.
2. Aktdarstellungen und Musikszenen
Neben den Gauklermotiven beschäftigte sich Kitzel intensiv mit der menschlichen Dynamik, oft gepaart mit Musik oder reduzierten Interieurs.
Jazzkapelle: Eine rhythmische, stark abstrahierte Darstellung von Musikern an ihren Instrumenten, bei der Farbe und Form die Dynamik der Musik transportieren.
Weiblicher Rückenakt (1969) – Komposition mit zwei Akten im Profil
Die späten Kohle- und Mischtechnik-Arbeiten zeigen, wie radikal Kitzel die menschliche Körperform in den späten 1960er-Jahren auf grobe, fast blockhafte Konturen und reduzierte Farbflächen reduzierte.
3. Landschaften und späte Abstraktionen
In seiner Karlsruher Zeit sowie auf Reisen (unter anderem nach Spanien) löste sich Kitzel immer weiter vom Gegenstand.
Landschaft, Alfaz del Pi (1973) & Abstrahiertes Flussufer in Altea: Diese späten, in Spanien entstandenen Arbeiten kombinieren Grafit, Gouache und Kreide. Sie zeigen den Übergang von konkreten Landschaften hin zu reinen, expressiv-gewischten Farb- und Formkompositionen.
Am Strand (1950): Ein wichtiges Frühwerk, das zu den typischen Strandbildern der damaligen Halleschen Malschule gehört.
BIOGRAFIE HERBERT KITZEL
Herbert Kitzel (1928–1978) war ein bedeutender deutscher Maler, Grafiker, Keramiker und Hochschullehrer. Seine Biografie spiegelt die Zerrissenheit eines Künstlers zwischen den repressiven Kulturvorgaben der frühen DDR und dem Drang nach künstlerischer Freiheit im Westen wider. Er gilt als eine der prägendsten Figuren des „Halleschen Graus“.
GEBURTSJAHR | 1928
GEBURTSORT | Halle
TODESJAHR | 1978
STERBEORT | Karlsruhe
1958 Übersiedelung von Halle nach Karlsruhe, da Herbert Kitzels abstrakte Malereien den Vorgaben des Sozialistischen Realismus entsprechen sollte
AUSBILDUNG HERBERT KITZEL
1945 – 1950 Kunst- und Werkkunstschule Halle | Burg Giebichenstein bei dem Typografen Herbert Post
LEHRTÄTIGKEIT HERBERT KITZEL
1957 Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
1962 Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
MITGLIEDSCHAFTEN HERBERT KITZEL
Verband Bildender Künstler Deutschlands | VBKD
Vorstand Künstlerbundes Baden-Württemberg
AUSZEICHNUNGEN HERBERT KITZEL
1963 Kunstpreis der Stadt Darmstadt | Wilhelm-Loth-Preis
SAMMLUNGEN HERBERT KITZEL
Große Teile seines Nachlasses und seiner wichtigsten Arbeiten werden heute in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe bewahrt, die regelmäßig Ausstellungen zu seinem Werk ausrichtet.
Neue Nationalgalerie | Staatliche Museen zu Berlin
Albertinum | Galerie Neue Meister | Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Museum für aktuelle Kunst | Sammlung Hurrle | Durbach
Kunstmuseum Moritzburg | Stiftung Moritzburg | Halle
Kustodie und Archiv der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Kulturhistorisches Museum Magdeburg
Bayerische Staatsgemäldesammlung | Pinakothek München
AUSSTELLUNGEN HERBERT KITZEL
EINZELAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
1956 Erste Einzelausstellung | Galerie Eduard Henning | Halle
1959 Karlsruher Akademie
1963 Kunst- und Museumsverein Wuppertal
1974 Retrospektive | Kunsthalle Baden-Baden
GRUPPENAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
Jahresausstellungen des Deutschen Künstlerbundes
1957 Große Kunstausstellung im Haus der Kunst | München
Ausstellung „junger Westen“ | Recklinghausenr
Ausstellung „art allemand de bade-wurtemberg“ | Nancy
Ausstellung Deutsche Kunst | Südamerika
1959 Neue Darmstädter Sezession
WERKBESCHREIBUNG HERBERT KITZEL
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Malerei | Plastiken | Keramische Arbeiten | Grafik | Zeichnungen | Gouachen | Aquarelle | Radierungen | Lithographien | Herbert Kitzel schuf weit 1000 Werke
STIL
Neue Figuration | gegenständlich | figurativ | Abstrakter Expressionismus | Farbraummalerei | unruhig geführten Malerei mit harten Farb- und Formkontrasten
THEMEN | MOTIVE | WERKE
Menschen | Seiltänzer | Gaukler | Akrobaten | Stürzende | Totenkarren | Klagefiguren | Totenhunde | Kreuzigungen| Köpfe |
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Figuren werden im Stil informellen Kalligrafien in abstrakte Komposition eingebunden und reflektieren die existenziell wichtigen Fragen der Menschheit und die bedrohte menschliche Existenz | abstrakte Farbbewegungen die eine gewisse Nähe zur Art Brut erkennen lassen
KÜNSTLERPORTRÄT HERBERT KITZEL
Herbert Kitzel (1928–1978): In Halle an der Saale geborener Maler und Grafiker, der nach seinem Studium an der dortigen Kunstschule Burg Giebichenstein 1957 in den Westen floh und bereits 1958 als Professor an die Karlsruher Kunstakademie berufen wurde. Kitzel gilt als einer der wichtigsten und zugleich melancholischsten Grenzgänger zwischen Figuration und informeller Abstraktion. Seine Bildwelten sind von einer tiefen existenziellen Einsamkeit geprägt; obsessiv thematisierte er maskierte Gestalten, Gaukler, Clowns und fragile Torsi, die sich oft wie geisterhafte Schemen hinter Schleiern aus gedämpften, erdigen Farbschichten hervorheben. Als Lehrer übte er einen fundamentalen, prägenden Einfluss auf Künstler wie Hans Baschang aus und stabilisierte das figurative Erbe im Südwesten gegen den reinen Zeitgeist der Gegenstandslosigkeit.
STICHWORTE HERBERT KITZEL
Überlebenskampf der Kreaturen, Kunst in der DDR, Kunst nach 1945, deutscher Künstler des 20. Jahrhunderts
ZITATE HERBERT KITZEL
„Das Grau in den Bildern war das Grau über Halle…. Kaum ein Maler seiner Generation hat entschiedener aus dem Grau heraus gemalt. … Bewegung, Gegenstand und Farbe sind von ungestümer Melancholie…“ | Klaus Gallwitz
LINKS HERBERT KITZEL
HERBERT KITZEL
Das Œuvre von Herbert Kitzel zeichnet sich durch einen bemerkenswerten stilistischen Wandel aus: Während seine frühe Hallesche Phase von einer existenziellen, melancholischen Figurensprache geprägt war, entwickelte er nach seiner Flucht in den Westen eine zunehmend abstraktere, expressive Bildwelt. Seine bedeutendsten Motive und Kunstwerke lassen sich in drei zentrale Themenbereiche gliedern:
1. Zirkuswelt, Harlekine und Artisten – Die Hallesche Phase
In den 1950er-Jahren schuf Kitzel in Halle an der Saale ein dichtes Frühwerk, das stark von der Metaphysik der Zirkuswelt inspiriert war. Die Figuren dienten ihm als Sinnbilder für menschliche Isolation und das Leben in der DDR-Diktatur.
Gaukler (1956): Eines seiner bekanntesten Hauptwerke aus dieser Epoche. Es fängt die Zerrissenheit und die schwermütige Identität des Künstlers ein. Zu sehen in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.
Liegender Harlekin: Eine typische Arbeit, die stilistisch an Max Beckmann und Pablo Picasso erinnert. Sie reflektiert Passivität, Ohnmacht und die Melancholie des Kunstschaffenden.
Artist (1958): Entstanden im Jahr seines Umzugs nach Karlsruhe. Diese kraftvolle und zugleich verletzliche Figurendarstellung markiert die Schwelle zu seinem westdeutschen Spätwerk.
Legende (1952): Ein frühes, vielschichtiges Werk der DDR-Zeit, das exemplarisch für seinen damaligen, figürlich-metaphysischen Ansatz steht.
2. Aktdarstellungen und Musikszenen
Neben den Gauklermotiven beschäftigte sich Kitzel intensiv mit der menschlichen Dynamik, oft gepaart mit Musik oder reduzierten Interieurs.
Jazzkapelle: Eine rhythmische, stark abstrahierte Darstellung von Musikern an ihren Instrumenten, bei der Farbe und Form die Dynamik der Musik transportieren.
Weiblicher Rückenakt (1969) – Komposition mit zwei Akten im Profil
Die späten Kohle- und Mischtechnik-Arbeiten zeigen, wie radikal Kitzel die menschliche Körperform in den späten 1960er-Jahren auf grobe, fast blockhafte Konturen und reduzierte Farbflächen reduzierte.
3. Landschaften und späte Abstraktionen
In seiner Karlsruher Zeit sowie auf Reisen (unter anderem nach Spanien) löste sich Kitzel immer weiter vom Gegenstand.
Landschaft, Alfaz del Pi (1973) & Abstrahiertes Flussufer in Altea: Diese späten, in Spanien entstandenen Arbeiten kombinieren Grafit, Gouache und Kreide. Sie zeigen den Übergang von konkreten Landschaften hin zu reinen, expressiv-gewischten Farb- und Formkompositionen.
Am Strand (1950): Ein wichtiges Frühwerk, das zu den typischen Strandbildern der damaligen Halleschen Malschule gehört.
BIOGRAFIE HERBERT KITZEL
Herbert Kitzel (1928–1978) war ein bedeutender deutscher Maler, Grafiker, Keramiker und Hochschullehrer. Seine Biografie spiegelt die Zerrissenheit eines Künstlers zwischen den repressiven Kulturvorgaben der frühen DDR und dem Drang nach künstlerischer Freiheit im Westen wider. Er gilt als eine der prägendsten Figuren des „Halleschen Graus“.
GEBURTSJAHR | 1928
GEBURTSORT | Halle
TODESJAHR | 1978
STERBEORT | Karlsruhe
1958 Übersiedelung von Halle nach Karlsruhe, da Herbert Kitzels abstrakte Malereien den Vorgaben des Sozialistischen Realismus entsprechen sollte
AUSBILDUNG HERBERT KITZEL
1945 – 1950 Kunst- und Werkkunstschule Halle | Burg Giebichenstein bei dem Typografen Herbert Post
LEHRTÄTIGKEIT HERBERT KITZEL
1957 Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
1962 Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
MITGLIEDSCHAFTEN HERBERT KITZEL
Verband Bildender Künstler Deutschlands | VBKD
Vorstand Künstlerbundes Baden-Württemberg
AUSZEICHNUNGEN HERBERT KITZEL
1963 Kunstpreis der Stadt Darmstadt | Wilhelm-Loth-Preis
SAMMLUNGEN HERBERT KITZEL
Große Teile seines Nachlasses und seiner wichtigsten Arbeiten werden heute in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe bewahrt, die regelmäßig Ausstellungen zu seinem Werk ausrichtet.
Neue Nationalgalerie | Staatliche Museen zu Berlin
Albertinum | Galerie Neue Meister | Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Museum für aktuelle Kunst | Sammlung Hurrle | Durbach
Kunstmuseum Moritzburg | Stiftung Moritzburg | Halle
Kustodie und Archiv der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Kulturhistorisches Museum Magdeburg
Bayerische Staatsgemäldesammlung | Pinakothek München
AUSSTELLUNGEN HERBERT KITZEL
EINZELAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
1956 Erste Einzelausstellung | Galerie Eduard Henning | Halle
1959 Karlsruher Akademie
1963 Kunst- und Museumsverein Wuppertal
1974 Retrospektive | Kunsthalle Baden-Baden
GRUPPENAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
Jahresausstellungen des Deutschen Künstlerbundes
1957 Große Kunstausstellung im Haus der Kunst | München
Ausstellung „junger Westen“ | Recklinghausenr
Ausstellung „art allemand de bade-wurtemberg“ | Nancy
Ausstellung Deutsche Kunst | Südamerika
1959 Neue Darmstädter Sezession
WERKBESCHREIBUNG HERBERT KITZEL
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Malerei | Plastiken | Keramische Arbeiten | Grafik | Zeichnungen | Gouachen | Aquarelle | Radierungen | Lithographien | Herbert Kitzel schuf weit 1000 Werke
STIL
Neue Figuration | gegenständlich | figurativ | Abstrakter Expressionismus | Farbraummalerei | unruhig geführten Malerei mit harten Farb- und Formkontrasten
THEMEN | MOTIVE | WERKE
Menschen | Seiltänzer | Gaukler | Akrobaten | Stürzende | Totenkarren | Klagefiguren | Totenhunde | Kreuzigungen| Köpfe |
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Figuren werden im Stil informellen Kalligrafien in abstrakte Komposition eingebunden und reflektieren die existenziell wichtigen Fragen der Menschheit und die bedrohte menschliche Existenz | abstrakte Farbbewegungen die eine gewisse Nähe zur Art Brut erkennen lassen
KÜNSTLERPORTRÄT HERBERT KITZEL
Herbert Kitzel (1928–1978): In Halle an der Saale geborener Maler und Grafiker, der nach seinem Studium an der dortigen Kunstschule Burg Giebichenstein 1957 in den Westen floh und bereits 1958 als Professor an die Karlsruher Kunstakademie berufen wurde. Kitzel gilt als einer der wichtigsten und zugleich melancholischsten Grenzgänger zwischen Figuration und informeller Abstraktion. Seine Bildwelten sind von einer tiefen existenziellen Einsamkeit geprägt; obsessiv thematisierte er maskierte Gestalten, Gaukler, Clowns und fragile Torsi, die sich oft wie geisterhafte Schemen hinter Schleiern aus gedämpften, erdigen Farbschichten hervorheben. Als Lehrer übte er einen fundamentalen, prägenden Einfluss auf Künstler wie Hans Baschang aus und stabilisierte das figurative Erbe im Südwesten gegen den reinen Zeitgeist der Gegenstandslosigkeit.
STICHWORTE HERBERT KITZEL
Überlebenskampf der Kreaturen, Kunst in der DDR, Kunst nach 1945, deutscher Künstler des 20. Jahrhunderts
ZITATE HERBERT KITZEL
„Das Grau in den Bildern war das Grau über Halle…. Kaum ein Maler seiner Generation hat entschiedener aus dem Grau heraus gemalt. … Bewegung, Gegenstand und Farbe sind von ungestümer Melancholie…“ | Klaus Gallwitz