GCB Kunstlexikon
FELIX SCHLENKER
KUNSTWERKE FELIX SCHLENKER
Nagelbild (1966) – Hufeisennägel und Acryl auf Holzspanplatte
Nagelbild (1972) – Gereihte Hufeisennägel, Acryl auf Holz (befindet sich in der Kunsthalle Messmer)
Meditation V (1979) – Abstraktes Bildobjekt mit zwei rechteckigen, schimmernden Farbflächen auf einer dunklen, quadratischen Fläche (befindet sich im Kunstmuseum Stuttgart)
Würfel, geteilt (1984) – Skulptur aus Marmor (aufgestellt über KUNSTdünger e.V. Rottweil)
Black cubes (Skulptur / Volumen-Objekt)
Ohne Titel (Serielle Lack- und Reliefobjekte aus den 1960er/1970er Jahren)
BIOGRAFIE FELIX SCHLENKER
Felix Schlenker wuchs in Schwenningen auf und legte dort 1939 sein Abitur ab. Unmittelbar danach folgte der Kriegsdienst von 1939 bis 1945. Nach der Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg wählte er beruflich den Weg des Lehrers, widmete sich jedoch parallel als Autodidakt intensiv der bildenden Kunst und der Kunstgeschichte. In den 1950er Jahren begann er mit Assemblagen aus Zivilisationsabfällen, bevor sich sein Stil ab 1958 radikal zur gegenstandslosen, konkreten und seriellen Kunst wandelte. Schlenker entwickelte sich schnell zu einer zentralen Figur der avantgardistischen Kunstszene in Südwestdeutschland. Neben seiner eigenen Produktion wirkte er als leidenschaftlicher Sammler, Kurator und unermüdlicher Kulturorganisator, der die internationale Avantgarde in die Provinz brachte. Er verstarb im Jahr 2010 kurz vor seinem 90. Geburtstag.
Geburtsjahr: 1920 (12. Juli)
Geburtsort: Schwenningen am Neckar, Deutschland
Todesjahr: 2010 (1. Juli)
Sterbeort: Villingen-Schwenningen, Deutschland
AUSBILDUNG FELIX SCHLENKER
Keine klassische Kunstakademie-Ausbildung. Nach dem Abitur (1939) und Kriegsdienst (1939–1945) erwarb er seine Kenntnisse ab 1945 durch autodidaktische Studien in Malerei, Grafik und Kunstgeschichte sowie durch ausgedehnte Studienreisen.
LEHRTÄTIGKEIT FELIX SCHLENKER
Schuldienst: Hauptberufliche Tätigkeit als Grund- und Hauptschullehrer von 1945 bis 1978. Seine erste Dienststelle trat er von 1947 bis 1948 in Fluorn an.
MITGLIEDSCHAFTEN FELIX SCHLENKER
Deutscher Künstlerbund: Ordentliches Mitglied mit regelmäßiger Ausstellungsbeteiligung von 1964 bis 1991.
Künstlerbund Baden-Württemberg: Langjähriges Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg.
Forum Kunst Rottweil: Mitbegründer (1970) dieses tonangebenden regionalen Kunstvereins.
AUSZEICHNUNGEN FELIX SCHLENKER
Professoren-Titel: Verliehen durch das Land Baden-Württemberg am 5. Dezember 1990 in Würdigung seines künstlerischen und kulturpolitischen Lebenswerks.
Bürgermedaille: Verleihung der Bürgermedaille der Stadt Villingen-Schwenningen (1990).
Villa Massimo: Ehrengast an der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom (1991).
SAMMLUNGEN FELIX SCHLENKER
Städtische Galerie Villingen-Schwenningen: Beheimatet die umfangreiche „Sammlung Felix Schlenker“, die der Künstler der Stadt 1992 als Schenkung überließ (umfasst ca. 99 Werke von 83 internationalen Avantgarde-Künstlern wie Sol LeWitt, Günther Uecker, Bridget Riley oder Daniel Spoerri sowie eigene Werke).
Kunstmuseum Stuttgart
Kunsthalle Messmer (Riegel am Kaiserstuhl)
AUSSTELLUNGEN FELIX SCHLENKER
EINZELAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
2015: Ein Leben in der Kunst, Dominikanermuseum, Rottweil
2020: Material und Farbe. Felix Schlenker zum 100. Geburtstag, Städtische Galerie Villingen-Schwenningen
AUSSTELLUNGSBETEILIGUNGEN AUSWAHL
1960–1991: Regelmäßige Teilnahme an den jährlichen Ausstellungen des Deutschen Künstlerbundes.
1967: Serielle Formationen, Studio-Galerie der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main (historisch Meilenstein-Ausstellung der deutschen Concept- und Minimal-Art).
2011: abstrakt, konkret und gegen den strich – Felix Schlenker und seine Sammlung, Städtische Galerie Villingen-Schwenningen.
PROJEKTE FELIX SCHLENKER
kleine galerie (Schwenningen): Gründung und Leitung (1961–1967) zusammen mit dem Architekten Karl Heinichen. Die Galerie im Treppenhaus eines Architekturbüros war ein früher Kristallisationspunkt für moderne Kunst und kontroverse Jazz-Vernissagen im Schwarzwald-Baar-Kreis.
Ausstellungsplanung Städtische Galerie: Konzeption, Planung und Organisation der Ausstellungsreihe „Zeitgenössische Kunst“ für die Stadt Villingen-Schwenningen (1974–1990).
Skulpturenfeld Rottweil: Realisierung des permanenten Freilicht-Marmorprojekts Würfel, geteilt (1984) im Rahmen der Aktivitäten des Vereins KUNSTdünger e.V.
WERKBESCHREIBUNG FELIX SCHLENKER
Die künstlerische Entwicklung von Felix Schlenker vollzog sich in radikalen Brüchen. Seine frühesten Arbeiten nach 1945 waren noch figurnah und stark von Paul Klee inspiriert. In den 1950er Jahren wandelte sich seine Praxis hin zu Materialcollagen und Assemblagen, für die er Schutt, Bleche und Zivilisationsabfälle (wie alte Oberamtsschilder) sammelte und neu montierte. Ab 1958 eliminierte Schlenker jegliche Gegenständlichkeit. Es entstanden monochrome, streng geometrische Relief- und Lackobjekte. Weltbekannt im Kontext der Konkreten Kunst wurden seine ab 1966 gefertigten Nagelbilder: Hierfür schlug Schlenker grobe Hufeisennägel in exakten mathematischen Rhythmen in Hartfaser- oder Holzspanplatten ein. Parallel zu diesen kompromisslos ungegenständlichen, oft mathematisch-didaktischen Formexperimenten pflegte Schlenker zeitlebens das Medium des Aquarells als lyrischen Gegenpol.
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Objektkunst & Reliefs: Nagelbilder, serielle Wandobjekte, Materialbilder.
Malerei: Monochrome Lackbilder auf präparierten Holzuntergründen.
Grafik & Zeichnung: Konstruktive Druckgrafik, serielle Entwürfe.
Aquarellmalerei: Landschaftliche und gegenständliche Arbeiten auf Papier.
STIL
Konkrete Kunst & Konstruktivismus: Mathematisch fundierte Bildordnungen ohne Abbildfunktion.
Serielle Kunst & Minimalismus: Wiederholung identischer Module, formale Reduktion.
Kinetische Kunst (Lichtkinetik): Das Werk verändert sich optisch rein durch die Bewegung des Betrachters im Raum.
Informel und Materialkunst: In der frühen Phase der 1950er Jahre.
THEMEN | MOTIVE
Serialität und Rhythmus: Das Verhältnis von Gleichmaß und minimaler Abweichung.
Licht, Schatten und Raum: Aktivierung von Bildoberflächen durch plastische Erhöhungen (Buckellacke, Nagelköpfe).
Visuelle Didaktik: Erforschung der menschlichen Wahrnehmungsschwellen.
Die verschwundene Zeit: Dokumentarischer und kontemplativer Blick auf Natur und Vergänglichkeit (in den Aquarellen).
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Monochromie & Nicht-Farbe: Bevorzugter Einsatz von Weiß, Schwarz, Grau oder reduzierten Farbflächen zur Vermeidung emotionaler Bildtiefe.
Verwendung von Alltagsmaterialien: Entfremdung von industriellen Massenprodukten (Hufeisennägeln) durch die Überführung in ein ästhetisches Rastersystem.
Gefügte Dreidimensionalität: Schlenkers Bilder hängen nicht flach an der Wand; sie ragen als Objekte in den Raum hinein. Durch Schlitze, Abstände zu Grundplatten oder Buckelstrukturen scheint die Bildebene optisch zu schweben.
KÜNSTLERPORTRÄT FELIX SCHLENKER
Felix Schlenker (1920–2010): In Schwenningen am Neckar geborener Maler, Grafiker, Objektkünstler und herausragender Wegbereiter der Konkreten Kunst und konstruktiven Abstraktion im deutschen Südwesten. Nach autodidaktischen Studien nach 1945 und frühen künstlerischen Bezügen zu Paul Klee entwickelte er ab den späten 1950er Jahren eine völlig eigenständige Formensprache. Zunächst sammelte er im kriegszerstörten Umfeld Relikte und Schutt, um daraus in der postdadaistischen Tradition von Kurt Schwitters erste, dem Informel verpflichtete Materialbilder und Assemblagen zu formen. Ab 1964 radikalisierte er sein Schaffen hin zu asketischer Strenge: Er beschränkte sich fast ausschließlich auf das quadratische Format und reduzierte seine Arbeiten auf monochrome Bildobjekte, serielle Lackbilder oder rhythmisch angeordnete Hufeisennägel auf Holzplatten. Schlenkers Werk zeichnet sich durch eine singuläre Synthese aus konstruktiver Ordnung und meditativer Materialästhetik aus: Sowohl in seinen strukturierten Reliefs als auch in seinen feinen Aquarellen befreite er die geometrische Struktur von emotionalem Pathos und steigerte das Wechselspiel aus Raum, Licht und feinen Schattenwirkungen zu visuellen Ruhepolen von Zen-buddhistischer Qualität. Als Mitbegründer des einflussreichen „Forum Kunst Rottweil“ prägte er die Kulturregion nachhaltig und sicherte der reduzierten Objektkunst des Südwestens als Träger des Professorentitels ehrenhalber des Landes Baden-Württemberg einen absolut gleichrangigen, international vernetzten Platz in der Nachkriegsavantgarde.
STICHWORTE FELIX SCHLENKER
Konkrete Kunst, Nagelbilder, Forum Kunst Rottweil, kleine galerie Schwenningen, Serielle Formationen, Minimalismus, Lackobjekt, Materialbild, Schenkung Schlenker, Kunstsammlung Villingen-Schwenningen, Künstlerbund Baden-Württemberg, Deutscher Künstlerbund, Autodidakt
FELIX SCHLENKER
KUNSTWERKE FELIX SCHLENKER
Nagelbild (1966) – Hufeisennägel und Acryl auf Holzspanplatte
Nagelbild (1972) – Gereihte Hufeisennägel, Acryl auf Holz (befindet sich in der Kunsthalle Messmer)
Meditation V (1979) – Abstraktes Bildobjekt mit zwei rechteckigen, schimmernden Farbflächen auf einer dunklen, quadratischen Fläche (befindet sich im Kunstmuseum Stuttgart)
Würfel, geteilt (1984) – Skulptur aus Marmor (aufgestellt über KUNSTdünger e.V. Rottweil)
Black cubes (Skulptur / Volumen-Objekt)
Ohne Titel (Serielle Lack- und Reliefobjekte aus den 1960er/1970er Jahren)
BIOGRAFIE FELIX SCHLENKER
Felix Schlenker wuchs in Schwenningen auf und legte dort 1939 sein Abitur ab. Unmittelbar danach folgte der Kriegsdienst von 1939 bis 1945. Nach der Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg wählte er beruflich den Weg des Lehrers, widmete sich jedoch parallel als Autodidakt intensiv der bildenden Kunst und der Kunstgeschichte. In den 1950er Jahren begann er mit Assemblagen aus Zivilisationsabfällen, bevor sich sein Stil ab 1958 radikal zur gegenstandslosen, konkreten und seriellen Kunst wandelte. Schlenker entwickelte sich schnell zu einer zentralen Figur der avantgardistischen Kunstszene in Südwestdeutschland. Neben seiner eigenen Produktion wirkte er als leidenschaftlicher Sammler, Kurator und unermüdlicher Kulturorganisator, der die internationale Avantgarde in die Provinz brachte. Er verstarb im Jahr 2010 kurz vor seinem 90. Geburtstag.
Geburtsjahr: 1920 (12. Juli)
Geburtsort: Schwenningen am Neckar, Deutschland
Todesjahr: 2010 (1. Juli)
Sterbeort: Villingen-Schwenningen, Deutschland
AUSBILDUNG FELIX SCHLENKER
Keine klassische Kunstakademie-Ausbildung. Nach dem Abitur (1939) und Kriegsdienst (1939–1945) erwarb er seine Kenntnisse ab 1945 durch autodidaktische Studien in Malerei, Grafik und Kunstgeschichte sowie durch ausgedehnte Studienreisen.
LEHRTÄTIGKEIT FELIX SCHLENKER
Schuldienst: Hauptberufliche Tätigkeit als Grund- und Hauptschullehrer von 1945 bis 1978. Seine erste Dienststelle trat er von 1947 bis 1948 in Fluorn an.
MITGLIEDSCHAFTEN FELIX SCHLENKER
Deutscher Künstlerbund: Ordentliches Mitglied mit regelmäßiger Ausstellungsbeteiligung von 1964 bis 1991.
Künstlerbund Baden-Württemberg: Langjähriges Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg.
Forum Kunst Rottweil: Mitbegründer (1970) dieses tonangebenden regionalen Kunstvereins.
AUSZEICHNUNGEN FELIX SCHLENKER
Professoren-Titel: Verliehen durch das Land Baden-Württemberg am 5. Dezember 1990 in Würdigung seines künstlerischen und kulturpolitischen Lebenswerks.
Bürgermedaille: Verleihung der Bürgermedaille der Stadt Villingen-Schwenningen (1990).
Villa Massimo: Ehrengast an der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom (1991).
SAMMLUNGEN FELIX SCHLENKER
Städtische Galerie Villingen-Schwenningen: Beheimatet die umfangreiche „Sammlung Felix Schlenker“, die der Künstler der Stadt 1992 als Schenkung überließ (umfasst ca. 99 Werke von 83 internationalen Avantgarde-Künstlern wie Sol LeWitt, Günther Uecker, Bridget Riley oder Daniel Spoerri sowie eigene Werke).
Kunstmuseum Stuttgart
Kunsthalle Messmer (Riegel am Kaiserstuhl)
AUSSTELLUNGEN FELIX SCHLENKER
EINZELAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
2015: Ein Leben in der Kunst, Dominikanermuseum, Rottweil
2020: Material und Farbe. Felix Schlenker zum 100. Geburtstag, Städtische Galerie Villingen-Schwenningen
AUSSTELLUNGSBETEILIGUNGEN AUSWAHL
1960–1991: Regelmäßige Teilnahme an den jährlichen Ausstellungen des Deutschen Künstlerbundes.
1967: Serielle Formationen, Studio-Galerie der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main (historisch Meilenstein-Ausstellung der deutschen Concept- und Minimal-Art).
2011: abstrakt, konkret und gegen den strich – Felix Schlenker und seine Sammlung, Städtische Galerie Villingen-Schwenningen.
PROJEKTE FELIX SCHLENKER
kleine galerie (Schwenningen): Gründung und Leitung (1961–1967) zusammen mit dem Architekten Karl Heinichen. Die Galerie im Treppenhaus eines Architekturbüros war ein früher Kristallisationspunkt für moderne Kunst und kontroverse Jazz-Vernissagen im Schwarzwald-Baar-Kreis.
Ausstellungsplanung Städtische Galerie: Konzeption, Planung und Organisation der Ausstellungsreihe „Zeitgenössische Kunst“ für die Stadt Villingen-Schwenningen (1974–1990).
Skulpturenfeld Rottweil: Realisierung des permanenten Freilicht-Marmorprojekts Würfel, geteilt (1984) im Rahmen der Aktivitäten des Vereins KUNSTdünger e.V.
WERKBESCHREIBUNG FELIX SCHLENKER
Die künstlerische Entwicklung von Felix Schlenker vollzog sich in radikalen Brüchen. Seine frühesten Arbeiten nach 1945 waren noch figurnah und stark von Paul Klee inspiriert. In den 1950er Jahren wandelte sich seine Praxis hin zu Materialcollagen und Assemblagen, für die er Schutt, Bleche und Zivilisationsabfälle (wie alte Oberamtsschilder) sammelte und neu montierte. Ab 1958 eliminierte Schlenker jegliche Gegenständlichkeit. Es entstanden monochrome, streng geometrische Relief- und Lackobjekte. Weltbekannt im Kontext der Konkreten Kunst wurden seine ab 1966 gefertigten Nagelbilder: Hierfür schlug Schlenker grobe Hufeisennägel in exakten mathematischen Rhythmen in Hartfaser- oder Holzspanplatten ein. Parallel zu diesen kompromisslos ungegenständlichen, oft mathematisch-didaktischen Formexperimenten pflegte Schlenker zeitlebens das Medium des Aquarells als lyrischen Gegenpol.
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Objektkunst & Reliefs: Nagelbilder, serielle Wandobjekte, Materialbilder.
Malerei: Monochrome Lackbilder auf präparierten Holzuntergründen.
Grafik & Zeichnung: Konstruktive Druckgrafik, serielle Entwürfe.
Aquarellmalerei: Landschaftliche und gegenständliche Arbeiten auf Papier.
STIL
Konkrete Kunst & Konstruktivismus: Mathematisch fundierte Bildordnungen ohne Abbildfunktion.
Serielle Kunst & Minimalismus: Wiederholung identischer Module, formale Reduktion.
Kinetische Kunst (Lichtkinetik): Das Werk verändert sich optisch rein durch die Bewegung des Betrachters im Raum.
Informel und Materialkunst: In der frühen Phase der 1950er Jahre.
THEMEN | MOTIVE
Serialität und Rhythmus: Das Verhältnis von Gleichmaß und minimaler Abweichung.
Licht, Schatten und Raum: Aktivierung von Bildoberflächen durch plastische Erhöhungen (Buckellacke, Nagelköpfe).
Visuelle Didaktik: Erforschung der menschlichen Wahrnehmungsschwellen.
Die verschwundene Zeit: Dokumentarischer und kontemplativer Blick auf Natur und Vergänglichkeit (in den Aquarellen).
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Monochromie & Nicht-Farbe: Bevorzugter Einsatz von Weiß, Schwarz, Grau oder reduzierten Farbflächen zur Vermeidung emotionaler Bildtiefe.
Verwendung von Alltagsmaterialien: Entfremdung von industriellen Massenprodukten (Hufeisennägeln) durch die Überführung in ein ästhetisches Rastersystem.
Gefügte Dreidimensionalität: Schlenkers Bilder hängen nicht flach an der Wand; sie ragen als Objekte in den Raum hinein. Durch Schlitze, Abstände zu Grundplatten oder Buckelstrukturen scheint die Bildebene optisch zu schweben.
KÜNSTLERPORTRÄT FELIX SCHLENKER
Felix Schlenker (1920–2010): In Schwenningen am Neckar geborener Maler, Grafiker, Objektkünstler und herausragender Wegbereiter der Konkreten Kunst und konstruktiven Abstraktion im deutschen Südwesten. Nach autodidaktischen Studien nach 1945 und frühen künstlerischen Bezügen zu Paul Klee entwickelte er ab den späten 1950er Jahren eine völlig eigenständige Formensprache. Zunächst sammelte er im kriegszerstörten Umfeld Relikte und Schutt, um daraus in der postdadaistischen Tradition von Kurt Schwitters erste, dem Informel verpflichtete Materialbilder und Assemblagen zu formen. Ab 1964 radikalisierte er sein Schaffen hin zu asketischer Strenge: Er beschränkte sich fast ausschließlich auf das quadratische Format und reduzierte seine Arbeiten auf monochrome Bildobjekte, serielle Lackbilder oder rhythmisch angeordnete Hufeisennägel auf Holzplatten. Schlenkers Werk zeichnet sich durch eine singuläre Synthese aus konstruktiver Ordnung und meditativer Materialästhetik aus: Sowohl in seinen strukturierten Reliefs als auch in seinen feinen Aquarellen befreite er die geometrische Struktur von emotionalem Pathos und steigerte das Wechselspiel aus Raum, Licht und feinen Schattenwirkungen zu visuellen Ruhepolen von Zen-buddhistischer Qualität. Als Mitbegründer des einflussreichen „Forum Kunst Rottweil“ prägte er die Kulturregion nachhaltig und sicherte der reduzierten Objektkunst des Südwestens als Träger des Professorentitels ehrenhalber des Landes Baden-Württemberg einen absolut gleichrangigen, international vernetzten Platz in der Nachkriegsavantgarde.
STICHWORTE FELIX SCHLENKER
Konkrete Kunst, Nagelbilder, Forum Kunst Rottweil, kleine galerie Schwenningen, Serielle Formationen, Minimalismus, Lackobjekt, Materialbild, Schenkung Schlenker, Kunstsammlung Villingen-Schwenningen, Künstlerbund Baden-Württemberg, Deutscher Künstlerbund, Autodidakt
FELIX SCHLENKER
KUNSTWERKE FELIX SCHLENKER
Nagelbild (1966) – Hufeisennägel und Acryl auf Holzspanplatte
Nagelbild (1972) – Gereihte Hufeisennägel, Acryl auf Holz (befindet sich in der Kunsthalle Messmer)
Meditation V (1979) – Abstraktes Bildobjekt mit zwei rechteckigen, schimmernden Farbflächen auf einer dunklen, quadratischen Fläche (befindet sich im Kunstmuseum Stuttgart)
Würfel, geteilt (1984) – Skulptur aus Marmor (aufgestellt über KUNSTdünger e.V. Rottweil)
Black cubes (Skulptur / Volumen-Objekt)
Ohne Titel (Serielle Lack- und Reliefobjekte aus den 1960er/1970er Jahren)
BIOGRAFIE FELIX SCHLENKER
Felix Schlenker wuchs in Schwenningen auf und legte dort 1939 sein Abitur ab. Unmittelbar danach folgte der Kriegsdienst von 1939 bis 1945. Nach der Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg wählte er beruflich den Weg des Lehrers, widmete sich jedoch parallel als Autodidakt intensiv der bildenden Kunst und der Kunstgeschichte. In den 1950er Jahren begann er mit Assemblagen aus Zivilisationsabfällen, bevor sich sein Stil ab 1958 radikal zur gegenstandslosen, konkreten und seriellen Kunst wandelte. Schlenker entwickelte sich schnell zu einer zentralen Figur der avantgardistischen Kunstszene in Südwestdeutschland. Neben seiner eigenen Produktion wirkte er als leidenschaftlicher Sammler, Kurator und unermüdlicher Kulturorganisator, der die internationale Avantgarde in die Provinz brachte. Er verstarb im Jahr 2010 kurz vor seinem 90. Geburtstag.
Geburtsjahr: 1920 (12. Juli)
Geburtsort: Schwenningen am Neckar, Deutschland
Todesjahr: 2010 (1. Juli)
Sterbeort: Villingen-Schwenningen, Deutschland
AUSBILDUNG FELIX SCHLENKER
Keine klassische Kunstakademie-Ausbildung. Nach dem Abitur (1939) und Kriegsdienst (1939–1945) erwarb er seine Kenntnisse ab 1945 durch autodidaktische Studien in Malerei, Grafik und Kunstgeschichte sowie durch ausgedehnte Studienreisen.
LEHRTÄTIGKEIT FELIX SCHLENKER
Schuldienst: Hauptberufliche Tätigkeit als Grund- und Hauptschullehrer von 1945 bis 1978. Seine erste Dienststelle trat er von 1947 bis 1948 in Fluorn an.
MITGLIEDSCHAFTEN FELIX SCHLENKER
Deutscher Künstlerbund: Ordentliches Mitglied mit regelmäßiger Ausstellungsbeteiligung von 1964 bis 1991.
Künstlerbund Baden-Württemberg: Langjähriges Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg.
Forum Kunst Rottweil: Mitbegründer (1970) dieses tonangebenden regionalen Kunstvereins.
AUSZEICHNUNGEN FELIX SCHLENKER
Professoren-Titel: Verliehen durch das Land Baden-Württemberg am 5. Dezember 1990 in Würdigung seines künstlerischen und kulturpolitischen Lebenswerks.
Bürgermedaille: Verleihung der Bürgermedaille der Stadt Villingen-Schwenningen (1990).
Villa Massimo: Ehrengast an der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom (1991).
SAMMLUNGEN FELIX SCHLENKER
Städtische Galerie Villingen-Schwenningen: Beheimatet die umfangreiche „Sammlung Felix Schlenker“, die der Künstler der Stadt 1992 als Schenkung überließ (umfasst ca. 99 Werke von 83 internationalen Avantgarde-Künstlern wie Sol LeWitt, Günther Uecker, Bridget Riley oder Daniel Spoerri sowie eigene Werke).
Kunstmuseum Stuttgart
Kunsthalle Messmer (Riegel am Kaiserstuhl)
AUSSTELLUNGEN FELIX SCHLENKER
EINZELAUSSTELLUNGEN AUSWAHL
2015: Ein Leben in der Kunst, Dominikanermuseum, Rottweil
2020: Material und Farbe. Felix Schlenker zum 100. Geburtstag, Städtische Galerie Villingen-Schwenningen
AUSSTELLUNGSBETEILIGUNGEN AUSWAHL
1960–1991: Regelmäßige Teilnahme an den jährlichen Ausstellungen des Deutschen Künstlerbundes.
1967: Serielle Formationen, Studio-Galerie der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main (historisch Meilenstein-Ausstellung der deutschen Concept- und Minimal-Art).
2011: abstrakt, konkret und gegen den strich – Felix Schlenker und seine Sammlung, Städtische Galerie Villingen-Schwenningen.
PROJEKTE FELIX SCHLENKER
kleine galerie (Schwenningen): Gründung und Leitung (1961–1967) zusammen mit dem Architekten Karl Heinichen. Die Galerie im Treppenhaus eines Architekturbüros war ein früher Kristallisationspunkt für moderne Kunst und kontroverse Jazz-Vernissagen im Schwarzwald-Baar-Kreis.
Ausstellungsplanung Städtische Galerie: Konzeption, Planung und Organisation der Ausstellungsreihe „Zeitgenössische Kunst“ für die Stadt Villingen-Schwenningen (1974–1990).
Skulpturenfeld Rottweil: Realisierung des permanenten Freilicht-Marmorprojekts Würfel, geteilt (1984) im Rahmen der Aktivitäten des Vereins KUNSTdünger e.V.
WERKBESCHREIBUNG FELIX SCHLENKER
Die künstlerische Entwicklung von Felix Schlenker vollzog sich in radikalen Brüchen. Seine frühesten Arbeiten nach 1945 waren noch figurnah und stark von Paul Klee inspiriert. In den 1950er Jahren wandelte sich seine Praxis hin zu Materialcollagen und Assemblagen, für die er Schutt, Bleche und Zivilisationsabfälle (wie alte Oberamtsschilder) sammelte und neu montierte. Ab 1958 eliminierte Schlenker jegliche Gegenständlichkeit. Es entstanden monochrome, streng geometrische Relief- und Lackobjekte. Weltbekannt im Kontext der Konkreten Kunst wurden seine ab 1966 gefertigten Nagelbilder: Hierfür schlug Schlenker grobe Hufeisennägel in exakten mathematischen Rhythmen in Hartfaser- oder Holzspanplatten ein. Parallel zu diesen kompromisslos ungegenständlichen, oft mathematisch-didaktischen Formexperimenten pflegte Schlenker zeitlebens das Medium des Aquarells als lyrischen Gegenpol.
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Objektkunst & Reliefs: Nagelbilder, serielle Wandobjekte, Materialbilder.
Malerei: Monochrome Lackbilder auf präparierten Holzuntergründen.
Grafik & Zeichnung: Konstruktive Druckgrafik, serielle Entwürfe.
Aquarellmalerei: Landschaftliche und gegenständliche Arbeiten auf Papier.
STIL
Konkrete Kunst & Konstruktivismus: Mathematisch fundierte Bildordnungen ohne Abbildfunktion.
Serielle Kunst & Minimalismus: Wiederholung identischer Module, formale Reduktion.
Kinetische Kunst (Lichtkinetik): Das Werk verändert sich optisch rein durch die Bewegung des Betrachters im Raum.
Informel und Materialkunst: In der frühen Phase der 1950er Jahre.
THEMEN | MOTIVE
Serialität und Rhythmus: Das Verhältnis von Gleichmaß und minimaler Abweichung.
Licht, Schatten und Raum: Aktivierung von Bildoberflächen durch plastische Erhöhungen (Buckellacke, Nagelköpfe).
Visuelle Didaktik: Erforschung der menschlichen Wahrnehmungsschwellen.
Die verschwundene Zeit: Dokumentarischer und kontemplativer Blick auf Natur und Vergänglichkeit (in den Aquarellen).
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Monochromie & Nicht-Farbe: Bevorzugter Einsatz von Weiß, Schwarz, Grau oder reduzierten Farbflächen zur Vermeidung emotionaler Bildtiefe.
Verwendung von Alltagsmaterialien: Entfremdung von industriellen Massenprodukten (Hufeisennägeln) durch die Überführung in ein ästhetisches Rastersystem.
Gefügte Dreidimensionalität: Schlenkers Bilder hängen nicht flach an der Wand; sie ragen als Objekte in den Raum hinein. Durch Schlitze, Abstände zu Grundplatten oder Buckelstrukturen scheint die Bildebene optisch zu schweben.
KÜNSTLERPORTRÄT FELIX SCHLENKER
Felix Schlenker (1920–2010): In Schwenningen am Neckar geborener Maler, Grafiker, Objektkünstler und herausragender Wegbereiter der Konkreten Kunst und konstruktiven Abstraktion im deutschen Südwesten. Nach autodidaktischen Studien nach 1945 und frühen künstlerischen Bezügen zu Paul Klee entwickelte er ab den späten 1950er Jahren eine völlig eigenständige Formensprache. Zunächst sammelte er im kriegszerstörten Umfeld Relikte und Schutt, um daraus in der postdadaistischen Tradition von Kurt Schwitters erste, dem Informel verpflichtete Materialbilder und Assemblagen zu formen. Ab 1964 radikalisierte er sein Schaffen hin zu asketischer Strenge: Er beschränkte sich fast ausschließlich auf das quadratische Format und reduzierte seine Arbeiten auf monochrome Bildobjekte, serielle Lackbilder oder rhythmisch angeordnete Hufeisennägel auf Holzplatten. Schlenkers Werk zeichnet sich durch eine singuläre Synthese aus konstruktiver Ordnung und meditativer Materialästhetik aus: Sowohl in seinen strukturierten Reliefs als auch in seinen feinen Aquarellen befreite er die geometrische Struktur von emotionalem Pathos und steigerte das Wechselspiel aus Raum, Licht und feinen Schattenwirkungen zu visuellen Ruhepolen von Zen-buddhistischer Qualität. Als Mitbegründer des einflussreichen „Forum Kunst Rottweil“ prägte er die Kulturregion nachhaltig und sicherte der reduzierten Objektkunst des Südwestens als Träger des Professorentitels ehrenhalber des Landes Baden-Württemberg einen absolut gleichrangigen, international vernetzten Platz in der Nachkriegsavantgarde.
STICHWORTE FELIX SCHLENKER
Konkrete Kunst, Nagelbilder, Forum Kunst Rottweil, kleine galerie Schwenningen, Serielle Formationen, Minimalismus, Lackobjekt, Materialbild, Schenkung Schlenker, Kunstsammlung Villingen-Schwenningen, Künstlerbund Baden-Württemberg, Deutscher Künstlerbund, Autodidakt