GCB Kunstlexikon
WANDTEPPICHE IN DER KUNST
KUNSTWERKE WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Eine Welt aus Licht gewebt – Der Wandteppich von Gudrun Müsse-Florin in Spiegelberg | Matveyeva Julia | In der Kirche von Spiegelberg begegnet die Filmemacherin einem monumentalen Wandteppich der Textilkünstlerin Gudrun Müsse-Florin. Licht, Stille und die Bewegung durch den Kirchenraum verwandeln die Betrachtung des Kunstwerks in eine persönliche Erfahrung von Schönheit und Glauben. Idee, Text, Drehbuch, Kamera und Schnitt — Julia Matveyeva Musik und Darbietung auf der Bandura — Anna Konoval | YouTube
Die Fäden der Moderne – Matisse, Picasso, Miró und mehr… als Teppiche in der Kunsthalle! | münchen.tv | Zum ersten Mal in Deutschland präsentiert die Kunsthalle München Tapisserien, die in der Pariser Manufacture des Gobelins nach Entwürfen der namhaftesten Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts entstanden – unter ihnen Henri Matisse, Pablo Picasso, Le Corbusier, Joan Miró und Louise Bourgeois. Anhand einer Vielzahl großformatiger Wandbehänge spannt die Ausstellung den Bogen vom Ende des Ersten Weltkriegs bis in die Gegenwart und zeigt, wie überraschend modern das noble Handwerk der Gobelin-Weberei tatsächlich ist. | YouTube
Der Abraham-Engel-Teppich (ca. 1150): Domkapitel Halberstadt. Das älteste vollständig erhaltene gewebte Bildtextil des europäischen Mittelalters.
Die Apokalypse von Angers (1373–1382): Schloss Angers. Ein gigantischer, ursprünglich 140 Meter langer Zyklus, der das biblische Weltende in dramatischen, farbintensiven Bildern schildert.
Die Dame mit dem Einhorn (ca. 1500): Musée de Cluny, Paris. Ein sechsteiliges, weltberühmtes Meisterwerk des Mille-fleurs-Stils, das als Allegorie auf die menschlichen Sinne gedeutet wird.
Die Raffael-Kartons (1515–1516): Victoria and Albert Museum, London. Die originalen, monumentalen Vorlage-Malereien auf Papier, nach denen in Brüssel die Teppiche für die Sixtinische Kapelle gewebt wurden.
Guernica-Tapisserie (1955): Eine meisterhafte textile Umsetzung von Picassos berühmtem Antikriegs-Gemälde, gewebt von Jacqueline de la Baume Dürrbach, die jahrzehntelang im UN-Sicherheitsrat hing.
DEFINITION WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Als Wandteppich, kunsthistorisch korrekt als Tapisserie oder Bildwirkerei bezeichnet man ein für die Wand bestimmtes, schweres Textilgewebe mit bildlichen, szenischen oder ornamentalen Darstellungen. Im Gegensatz zur klassischen Weberei oder der nachträglichen Stickerei, wie z.B. beim Teppich von Bayeux werden bei der echten Bildwirkerei die farbigen Schussfäden manuell nur so weit geführt, wie es die jeweilige Farbfläche des Bildmotivs verlangt. Wandteppiche vereinen monumentale bildende Kunst mit hochspezialisiertem Kunsthandwerk.
HISTORIE + CHRONOLOGIE WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Wandteppiche gehören zu den ältesten Repräsentationsmedien der Menschheit und übertrafen im Wert zeitweise die klassische Ölmalerei.
Antike & Byzanz (ca. 3000 v. Chr. – 11. Jh.): Erste Nachweise im alten Ägypten, Babylon und Byzanz als kaiserlicher Prunkschmuck.
Romanik & Frühgotik (12. – 13. Jh.): Entstehung der ältesten erhaltenen europäischen Bildteppiche (z. B. in Halberstadt). Klöster fertigen erste großformatige sakrale Werke.
Spätmittelalter (14. – 15. Jh.): Erste große Blütezeit am burgundischen Herzogshof. Wandteppiche dienen Königen als mobile Statussymbole, die auf Reisen von Burg zu Burg transportiert werden und zudem kalte Steinwände isolieren.
Renaissance & Barock (16. – 18. Jh.): Flandern (Brüssel) wird zum Zentrum der europäischen Produktion. Führende Maler liefern Entwürfe. Im 17. Jahrhundert gründet Ludwig XIV. die berühmte königliche Gobelin-Manufaktur in Paris, deren Name im deutschen Sprachraum zum Synonym für Wandteppiche wird.
Klassische Moderne (20. Jh.): Nach einem Niedergang im 19. Jahrhundert (als die Tapisserie nur noch Gemälde platt kopierte) emanzipiert sich das Medium. Die europäische Avantgarde entdeckt die Textur des Fadens als monumentale Ausdrucksform neu.
Zeitgenössische Kunst (21. Jh.): Ein starkes internationales Comeback. Künstler nutzen Tapisserien, Tufting und textiles Weben heute als Medium für politischen Protest, Identitätsfragen und räumliche Installationen.
WEGBEREITER WANDTEPPICHE IN DER KUNST
König Ludwig XIV. & Jean-Baptiste Colbert (17. Jh.): Sie machten die Pariser Gobelin-Manufaktur zum weltweiten Qualitätsmaßstab und etablierten den Teppich als absolutistisches Staatsmedium.
Marie Cuttoli (1879–1973): Die französische Mäzenin überredete in den 1930er-Jahren die führenden Maler der Moderne, Entwürfe für Textilien anzufertigen und rettete die Webwerkstätten von Aubusson vor dem Ruin.
Jean Lurçat (1892–1966): Gilt als der eigentliche „Wiederbeleber“ der modernen Tapisserie. Er revolutionierte das Handwerk, indem er die ausufernde Farbpalette reduzierte und grobe, ausdrucksstarke Webstrukturen anstelle von Gemäldekopien forderte.
KÜNSTLER WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Raffael (1483–1520): Setzte mit seinen Monumentalentwürfen für die Sixtinische Kapelle neue Maßstäbe für die perspektivische Bildkomposition im Textil.
Charles Le Brun (1619–1690): Hofmaler Ludwigs XIV. und künstlerischer Leiter der Gobelin-Manufaktur; prägte den prunkvollen barocken Textilstil.
Pablo Picasso (1881–1973) & Henri Matisse (1869–1954): Nutzten das Medium in der Moderne für flächige, farbintensive Raumkunstwerke.
Joan Miró (1893–1983): Schuf organisch-abstrakte Monumentalteppiche von enormer haptischer Dichte.
Grayson Perry ( 1960): Britischer Gegenwartskünstler, der riesige, maschinell gewebte Tapisserien nutzt, um die moderne Klassengesellschaft und Kultur ironisch zu sezieren.
HAUPTWERKE WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Die Jagd auf das Einhorn (ca. 1495–1505): The Met Cloisters, New York. Eine siebenteilige Serie flämischer Tapisserien, berühmt für ihre lebendige Darstellung von Flora und Fauna sowie christlicher Symbolik.
Die Geschichte des Königs (1665–1680): Gobelin-Manufaktur, Paris. Eine monumentale Barockserie, die die wichtigsten politischen Ereignisse und militärischen Siege im Leben Ludwigs XIV. glorifiziert.
Das Lied der Welt (Le Chant du Monde, 1957–1966): Jean Lurçat, Angers. Ein zehnteiliges, monumentales Werk des 20. Jahrhunderts, das sich als moderne Antwort auf die mittelalterliche Apokalypse versteht und die Bedrohung der Menschheit durch die Atombombe thematisiert.
ZITATE WANDTEPPICHE IN DER KUNST
„Ein Wandteppich ist die Malerei der Nomaden.“ | Le Corbusier
„Das Leben ist ein großer Wandteppich. Das Individuum ist nur ein unbedeutender Faden in einem immensen und wunderbaren Muster.“ | Albert Einstein
STICHWORTE WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Tapisserie, Bildwirkerei, Gobelin, Kettfaden, Schussfaden, Aubusson, Mille-fleurs, Textilkunst, Webstuhl
WANDTEPPICHE IN DER KUNST
KUNSTWERKE WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Eine Welt aus Licht gewebt – Der Wandteppich von Gudrun Müsse-Florin in Spiegelberg | Matveyeva Julia | In der Kirche von Spiegelberg begegnet die Filmemacherin einem monumentalen Wandteppich der Textilkünstlerin Gudrun Müsse-Florin. Licht, Stille und die Bewegung durch den Kirchenraum verwandeln die Betrachtung des Kunstwerks in eine persönliche Erfahrung von Schönheit und Glauben. Idee, Text, Drehbuch, Kamera und Schnitt — Julia Matveyeva Musik und Darbietung auf der Bandura — Anna Konoval | YouTube
Die Fäden der Moderne – Matisse, Picasso, Miró und mehr… als Teppiche in der Kunsthalle! | münchen.tv | Zum ersten Mal in Deutschland präsentiert die Kunsthalle München Tapisserien, die in der Pariser Manufacture des Gobelins nach Entwürfen der namhaftesten Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts entstanden – unter ihnen Henri Matisse, Pablo Picasso, Le Corbusier, Joan Miró und Louise Bourgeois. Anhand einer Vielzahl großformatiger Wandbehänge spannt die Ausstellung den Bogen vom Ende des Ersten Weltkriegs bis in die Gegenwart und zeigt, wie überraschend modern das noble Handwerk der Gobelin-Weberei tatsächlich ist. | YouTube
Der Abraham-Engel-Teppich (ca. 1150): Domkapitel Halberstadt. Das älteste vollständig erhaltene gewebte Bildtextil des europäischen Mittelalters.
Die Apokalypse von Angers (1373–1382): Schloss Angers. Ein gigantischer, ursprünglich 140 Meter langer Zyklus, der das biblische Weltende in dramatischen, farbintensiven Bildern schildert.
Die Dame mit dem Einhorn (ca. 1500): Musée de Cluny, Paris. Ein sechsteiliges, weltberühmtes Meisterwerk des Mille-fleurs-Stils, das als Allegorie auf die menschlichen Sinne gedeutet wird.
Die Raffael-Kartons (1515–1516): Victoria and Albert Museum, London. Die originalen, monumentalen Vorlage-Malereien auf Papier, nach denen in Brüssel die Teppiche für die Sixtinische Kapelle gewebt wurden.
Guernica-Tapisserie (1955): Eine meisterhafte textile Umsetzung von Picassos berühmtem Antikriegs-Gemälde, gewebt von Jacqueline de la Baume Dürrbach, die jahrzehntelang im UN-Sicherheitsrat hing.
DEFINITION WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Als Wandteppich, kunsthistorisch korrekt als Tapisserie oder Bildwirkerei bezeichnet man ein für die Wand bestimmtes, schweres Textilgewebe mit bildlichen, szenischen oder ornamentalen Darstellungen. Im Gegensatz zur klassischen Weberei oder der nachträglichen Stickerei, wie z.B. beim Teppich von Bayeux werden bei der echten Bildwirkerei die farbigen Schussfäden manuell nur so weit geführt, wie es die jeweilige Farbfläche des Bildmotivs verlangt. Wandteppiche vereinen monumentale bildende Kunst mit hochspezialisiertem Kunsthandwerk.
HISTORIE + CHRONOLOGIE WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Wandteppiche gehören zu den ältesten Repräsentationsmedien der Menschheit und übertrafen im Wert zeitweise die klassische Ölmalerei.
Antike & Byzanz (ca. 3000 v. Chr. – 11. Jh.): Erste Nachweise im alten Ägypten, Babylon und Byzanz als kaiserlicher Prunkschmuck.
Romanik & Frühgotik (12. – 13. Jh.): Entstehung der ältesten erhaltenen europäischen Bildteppiche (z. B. in Halberstadt). Klöster fertigen erste großformatige sakrale Werke.
Spätmittelalter (14. – 15. Jh.): Erste große Blütezeit am burgundischen Herzogshof. Wandteppiche dienen Königen als mobile Statussymbole, die auf Reisen von Burg zu Burg transportiert werden und zudem kalte Steinwände isolieren.
Renaissance & Barock (16. – 18. Jh.): Flandern (Brüssel) wird zum Zentrum der europäischen Produktion. Führende Maler liefern Entwürfe. Im 17. Jahrhundert gründet Ludwig XIV. die berühmte königliche Gobelin-Manufaktur in Paris, deren Name im deutschen Sprachraum zum Synonym für Wandteppiche wird.
Klassische Moderne (20. Jh.): Nach einem Niedergang im 19. Jahrhundert (als die Tapisserie nur noch Gemälde platt kopierte) emanzipiert sich das Medium. Die europäische Avantgarde entdeckt die Textur des Fadens als monumentale Ausdrucksform neu.
Zeitgenössische Kunst (21. Jh.): Ein starkes internationales Comeback. Künstler nutzen Tapisserien, Tufting und textiles Weben heute als Medium für politischen Protest, Identitätsfragen und räumliche Installationen.
WEGBEREITER WANDTEPPICHE IN DER KUNST
König Ludwig XIV. & Jean-Baptiste Colbert (17. Jh.): Sie machten die Pariser Gobelin-Manufaktur zum weltweiten Qualitätsmaßstab und etablierten den Teppich als absolutistisches Staatsmedium.
Marie Cuttoli (1879–1973): Die französische Mäzenin überredete in den 1930er-Jahren die führenden Maler der Moderne, Entwürfe für Textilien anzufertigen und rettete die Webwerkstätten von Aubusson vor dem Ruin.
Jean Lurçat (1892–1966): Gilt als der eigentliche „Wiederbeleber“ der modernen Tapisserie. Er revolutionierte das Handwerk, indem er die ausufernde Farbpalette reduzierte und grobe, ausdrucksstarke Webstrukturen anstelle von Gemäldekopien forderte.
KÜNSTLER WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Raffael (1483–1520): Setzte mit seinen Monumentalentwürfen für die Sixtinische Kapelle neue Maßstäbe für die perspektivische Bildkomposition im Textil.
Charles Le Brun (1619–1690): Hofmaler Ludwigs XIV. und künstlerischer Leiter der Gobelin-Manufaktur; prägte den prunkvollen barocken Textilstil.
Pablo Picasso (1881–1973) & Henri Matisse (1869–1954): Nutzten das Medium in der Moderne für flächige, farbintensive Raumkunstwerke.
Joan Miró (1893–1983): Schuf organisch-abstrakte Monumentalteppiche von enormer haptischer Dichte.
Grayson Perry ( 1960): Britischer Gegenwartskünstler, der riesige, maschinell gewebte Tapisserien nutzt, um die moderne Klassengesellschaft und Kultur ironisch zu sezieren.
HAUPTWERKE WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Die Jagd auf das Einhorn (ca. 1495–1505): The Met Cloisters, New York. Eine siebenteilige Serie flämischer Tapisserien, berühmt für ihre lebendige Darstellung von Flora und Fauna sowie christlicher Symbolik.
Die Geschichte des Königs (1665–1680): Gobelin-Manufaktur, Paris. Eine monumentale Barockserie, die die wichtigsten politischen Ereignisse und militärischen Siege im Leben Ludwigs XIV. glorifiziert.
Das Lied der Welt (Le Chant du Monde, 1957–1966): Jean Lurçat, Angers. Ein zehnteiliges, monumentales Werk des 20. Jahrhunderts, das sich als moderne Antwort auf die mittelalterliche Apokalypse versteht und die Bedrohung der Menschheit durch die Atombombe thematisiert.
ZITATE WANDTEPPICHE IN DER KUNST
„Ein Wandteppich ist die Malerei der Nomaden.“ | Le Corbusier
„Das Leben ist ein großer Wandteppich. Das Individuum ist nur ein unbedeutender Faden in einem immensen und wunderbaren Muster.“ | Albert Einstein
STICHWORTE WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Tapisserie, Bildwirkerei, Gobelin, Kettfaden, Schussfaden, Aubusson, Mille-fleurs, Textilkunst, Webstuhl
WANDTEPPICHE IN DER KUNST
KUNSTWERKE WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Eine Welt aus Licht gewebt – Der Wandteppich von Gudrun Müsse-Florin in Spiegelberg | Matveyeva Julia | In der Kirche von Spiegelberg begegnet die Filmemacherin einem monumentalen Wandteppich der Textilkünstlerin Gudrun Müsse-Florin. Licht, Stille und die Bewegung durch den Kirchenraum verwandeln die Betrachtung des Kunstwerks in eine persönliche Erfahrung von Schönheit und Glauben. Idee, Text, Drehbuch, Kamera und Schnitt — Julia Matveyeva Musik und Darbietung auf der Bandura — Anna Konoval | YouTube
Die Fäden der Moderne – Matisse, Picasso, Miró und mehr… als Teppiche in der Kunsthalle! | münchen.tv | Zum ersten Mal in Deutschland präsentiert die Kunsthalle München Tapisserien, die in der Pariser Manufacture des Gobelins nach Entwürfen der namhaftesten Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts entstanden – unter ihnen Henri Matisse, Pablo Picasso, Le Corbusier, Joan Miró und Louise Bourgeois. Anhand einer Vielzahl großformatiger Wandbehänge spannt die Ausstellung den Bogen vom Ende des Ersten Weltkriegs bis in die Gegenwart und zeigt, wie überraschend modern das noble Handwerk der Gobelin-Weberei tatsächlich ist. | YouTube
Der Abraham-Engel-Teppich (ca. 1150): Domkapitel Halberstadt. Das älteste vollständig erhaltene gewebte Bildtextil des europäischen Mittelalters.
Die Apokalypse von Angers (1373–1382): Schloss Angers. Ein gigantischer, ursprünglich 140 Meter langer Zyklus, der das biblische Weltende in dramatischen, farbintensiven Bildern schildert.
Die Dame mit dem Einhorn (ca. 1500): Musée de Cluny, Paris. Ein sechsteiliges, weltberühmtes Meisterwerk des Mille-fleurs-Stils, das als Allegorie auf die menschlichen Sinne gedeutet wird.
Die Raffael-Kartons (1515–1516): Victoria and Albert Museum, London. Die originalen, monumentalen Vorlage-Malereien auf Papier, nach denen in Brüssel die Teppiche für die Sixtinische Kapelle gewebt wurden.
Guernica-Tapisserie (1955): Eine meisterhafte textile Umsetzung von Picassos berühmtem Antikriegs-Gemälde, gewebt von Jacqueline de la Baume Dürrbach, die jahrzehntelang im UN-Sicherheitsrat hing.
DEFINITION WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Als Wandteppich, kunsthistorisch korrekt als Tapisserie oder Bildwirkerei bezeichnet man ein für die Wand bestimmtes, schweres Textilgewebe mit bildlichen, szenischen oder ornamentalen Darstellungen. Im Gegensatz zur klassischen Weberei oder der nachträglichen Stickerei, wie z.B. beim Teppich von Bayeux werden bei der echten Bildwirkerei die farbigen Schussfäden manuell nur so weit geführt, wie es die jeweilige Farbfläche des Bildmotivs verlangt. Wandteppiche vereinen monumentale bildende Kunst mit hochspezialisiertem Kunsthandwerk.
HISTORIE + CHRONOLOGIE WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Wandteppiche gehören zu den ältesten Repräsentationsmedien der Menschheit und übertrafen im Wert zeitweise die klassische Ölmalerei.
Antike & Byzanz (ca. 3000 v. Chr. – 11. Jh.): Erste Nachweise im alten Ägypten, Babylon und Byzanz als kaiserlicher Prunkschmuck.
Romanik & Frühgotik (12. – 13. Jh.): Entstehung der ältesten erhaltenen europäischen Bildteppiche (z. B. in Halberstadt). Klöster fertigen erste großformatige sakrale Werke.
Spätmittelalter (14. – 15. Jh.): Erste große Blütezeit am burgundischen Herzogshof. Wandteppiche dienen Königen als mobile Statussymbole, die auf Reisen von Burg zu Burg transportiert werden und zudem kalte Steinwände isolieren.
Renaissance & Barock (16. – 18. Jh.): Flandern (Brüssel) wird zum Zentrum der europäischen Produktion. Führende Maler liefern Entwürfe. Im 17. Jahrhundert gründet Ludwig XIV. die berühmte königliche Gobelin-Manufaktur in Paris, deren Name im deutschen Sprachraum zum Synonym für Wandteppiche wird.
Klassische Moderne (20. Jh.): Nach einem Niedergang im 19. Jahrhundert (als die Tapisserie nur noch Gemälde platt kopierte) emanzipiert sich das Medium. Die europäische Avantgarde entdeckt die Textur des Fadens als monumentale Ausdrucksform neu.
Zeitgenössische Kunst (21. Jh.): Ein starkes internationales Comeback. Künstler nutzen Tapisserien, Tufting und textiles Weben heute als Medium für politischen Protest, Identitätsfragen und räumliche Installationen.
WEGBEREITER WANDTEPPICHE IN DER KUNST
König Ludwig XIV. & Jean-Baptiste Colbert (17. Jh.): Sie machten die Pariser Gobelin-Manufaktur zum weltweiten Qualitätsmaßstab und etablierten den Teppich als absolutistisches Staatsmedium.
Marie Cuttoli (1879–1973): Die französische Mäzenin überredete in den 1930er-Jahren die führenden Maler der Moderne, Entwürfe für Textilien anzufertigen und rettete die Webwerkstätten von Aubusson vor dem Ruin.
Jean Lurçat (1892–1966): Gilt als der eigentliche „Wiederbeleber“ der modernen Tapisserie. Er revolutionierte das Handwerk, indem er die ausufernde Farbpalette reduzierte und grobe, ausdrucksstarke Webstrukturen anstelle von Gemäldekopien forderte.
KÜNSTLER WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Raffael (1483–1520): Setzte mit seinen Monumentalentwürfen für die Sixtinische Kapelle neue Maßstäbe für die perspektivische Bildkomposition im Textil.
Charles Le Brun (1619–1690): Hofmaler Ludwigs XIV. und künstlerischer Leiter der Gobelin-Manufaktur; prägte den prunkvollen barocken Textilstil.
Pablo Picasso (1881–1973) & Henri Matisse (1869–1954): Nutzten das Medium in der Moderne für flächige, farbintensive Raumkunstwerke.
Joan Miró (1893–1983): Schuf organisch-abstrakte Monumentalteppiche von enormer haptischer Dichte.
Grayson Perry ( 1960): Britischer Gegenwartskünstler, der riesige, maschinell gewebte Tapisserien nutzt, um die moderne Klassengesellschaft und Kultur ironisch zu sezieren.
HAUPTWERKE WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Die Jagd auf das Einhorn (ca. 1495–1505): The Met Cloisters, New York. Eine siebenteilige Serie flämischer Tapisserien, berühmt für ihre lebendige Darstellung von Flora und Fauna sowie christlicher Symbolik.
Die Geschichte des Königs (1665–1680): Gobelin-Manufaktur, Paris. Eine monumentale Barockserie, die die wichtigsten politischen Ereignisse und militärischen Siege im Leben Ludwigs XIV. glorifiziert.
Das Lied der Welt (Le Chant du Monde, 1957–1966): Jean Lurçat, Angers. Ein zehnteiliges, monumentales Werk des 20. Jahrhunderts, das sich als moderne Antwort auf die mittelalterliche Apokalypse versteht und die Bedrohung der Menschheit durch die Atombombe thematisiert.
ZITATE WANDTEPPICHE IN DER KUNST
„Ein Wandteppich ist die Malerei der Nomaden.“ | Le Corbusier
„Das Leben ist ein großer Wandteppich. Das Individuum ist nur ein unbedeutender Faden in einem immensen und wunderbaren Muster.“ | Albert Einstein
STICHWORTE WANDTEPPICHE IN DER KUNST
Tapisserie, Bildwirkerei, Gobelin, Kettfaden, Schussfaden, Aubusson, Mille-fleurs, Textilkunst, Webstuhl