GCB Kunstlexikon
ART DÉCO
KUNSTWERKE ART DÉCO

Art-déco-Skulptur von Demétre Chiparus | Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 2.0 generisch“ (US-amerikanisch) lizenziert | Colin Rose from Montreal | Canada
VIDEOS ART DÉCO
Stil Epochen 11 | Jugendstil und Art Deco | um 1900-1940 | BR 2009 |
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DEFINITION ART DÉCO
Art déco ist ein prägender internationaler Gestaltungsstil, der seine Hochphase von 1920 bis zum Zweiten Weltkrieg hatte und für Eleganz, Luxus und Modernität steht. Der Name leitet sich von der Pariser Ausstellung „Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes“ im Jahr 1925 ab. Im Gegensatz zum vorhergehenden, verschnörkelten Jugendstil setzt das Art déco auf die Industrialisierung, Symmetrie und geometrische Formen. Art déco stellt eine Mischform von Tradition und Modernismus dar und fand Niederschlag in den Bereichen Architektur, Möbel, Fahrzeuge, Kleidermode, Schmuck, Malerei, Illustragion und auch bei den Gebrauchsgegenständen.
ZENTRALE MERKMALE ART DÉCO
Formen: Geometrische Muster, klare Linien, Zickzack-Muster, Bögen und gestufte Formen.
Farben: Kräftige, kontrastreiche Töne wie Schwarz, Tiefblau, Smaragdgrün, Rubinrot und edles Gold.
Materialien: Kostbare und glänzende Werkstoffe wie Chrom, Edelstahl, Samt, Marmor, Ebenholz und Elfenbein.
Wirkung: Plakativ, flächig, luxuriös und oft ohne natürliche Schattierungen.
WICHTIGE EINFLUSSBEREICHE ART DÉCO
Architektur: Berühmte Wolkenkratzer wie das Chrysler Building oder das Empire State Building in New York prägen diesen Stil.
Möbel & Interior: Schwarz lackierte Hölzer, opulente Statement-Sofas mit Samtbezug und geometrische Leuchten aus Messing.
Grafik & Kunst: Poster und Illustrationen im Stil von Metropolis mit ikonischen Sonnenstrahl-Motiven und stromlinienförmiger Optik.
ABGRENZUNG ZUM JUGENDSTIL
Während der Jugendstil (Art Nouveau) um 1900 auf geschwungene, florale Linien und asymmetrische Naturformen setzte, antwortete das Art déco auf den technologischen Fortschritt mit Symmetrie, Dynamik und technischer Präzision.
HISTORIE + CHRONOLOGIE
Die Geschichte des Art déco ist eng mit den gesellschaftlichen Umbrüchen der Zwischenkriegszeit, den „Goldenen Zwanzigern“ und dem technologischen Fortschritt verknüpft. Der Stil entwickelte sich von einem exklusiven französischen Luxusphänomen zu einer globalen Designbewegung.
Die Wurzeln und die Entstehung (ca. 1910 – 1914)
Reaktion auf den Jugendstil: Designer suchten eine Antwort auf die verschnörkelten, floralen Formen des Jugendstils, die für die moderne industrielle Fertigung zu komplex waren. Künstler ließen sich vom Kubismus (geometrische Zerlegung), dem Futurismus (Feier der Geschwindigkeit und Maschine) und den leuchtenden Farben der Ballets Russes inspirieren. In Paris schlossen sich Kunsthandwerker in Kollektiven zusammen. Der Erste Weltkrieg unterbrach jedoch die geplante große Ausstellung dieser neuen Bewegung.
Der Höhepunkt und die Namensgebung (1925)
Die Pariser Weltausstellung: Im Jahr 1925 fand die „Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes“ in Paris statt. Sie gilt als die Geburtsstunde des Begriffs „Art déco“ (auch wenn der Begriff erst in den 1960er Jahren historisch etabliert wurde). Auf der Ausstellung zeigten sich bereits zwei Richtungen: Die Traditionalisten (wie Émile-Jacques Ruhlmann), die auf extrem teure, handgefertigte Luxusobjekte für die Elite setzten und die Modernisten (wie Le Corbusier), die für funktionale, serielle Fertigung plädierten.
Die Globalisierung und das „Jazz Age“ (1926 – 1929)
Export in die USA: Der Stil erfasste Hollywood, die Musikwelt und die Architektur Amerikas. Er wurde zum Symbol für Wohlstand, Partykultur und Befreiung (z.B. der „Flapper“-Modestil der Frauen).
Wolkenkratzer-Boom: In New York und Chicago entstanden ikonische Gebäude, die den Optimismus der Ära in Stein, Chrom und Glas gossen.
Die Weltwirtschaftskrise und das Spät-Art-Déco (1929 – 1939)
Der Börsencrash (1929): Nach dem Black Thursday änderte sich der Stil drastisch. Protziger Luxus und teure Materialien waren gesellschaftlich nicht mehr vermittelbar.
Streamline Moderne: Das Art déco erfand sich neu. Die Linien wurden aerodynamischer, horizontaler und schlichter. Der Stil orientierte sich visuell an Ozeandampfern, Flugzeugen und Zügen. Günstigere Materialien wie Bakelit und gebogenes Stahlrohr dominierten nun das Produktdesign.
Der Niedergang und das Erbe (ab 1940)
Zweiter Weltkrieg: Mit dem Ausbruch des Krieges endete die Epoche des Art déco. Die Ressourcen flossen in die Rüstung, und der Wunsch nach dekorativer Ästhetik wich dem reinen Funktionalismus.
Nachkriegszeit: Das Art déco wurde vom nüchternen, organischen International Style und dem Mid-Century Modern abgelöst.
Renaissance: In den Spät-1960er und 1980er Jahren (u.a. sichtbar in der Popkultur und Serien wie Miami Vice) erlebte der Stil ein großes visuelles Comeback.
WEGBEREITER ART DÉCO
Künstlerische und gestalterische Strömungen
Wiener Werkstätte (ab 1903): Unter Josef Hoffmann und Koloman Moser brach diese Künstlergemeinschaft radikal mit dem floralen Jugendstil. Sie setzten auf strenge Geometrie (wie das berühmte „Quadratl-Hoffmann“-Design) und die Idee des Gesamtkunstwerks. Das von Hoffmann entworfene Palais Stoclet in Brüssel (1905–1911) gilt als der wichtigste architektonische Vorläufer des Art déco.
Kubismus (ab 1907): Maler wie Pablo Picasso und Georges Braque zerlegten die Realität in geometrische Formen (Würfel, Zylinder, Kegel). Das Art déco übernahm diese Dreidimensionalität und vereinfachte sie zu dekorativen Mustern.
Ballets Russes (ab 1909): Die Pariser Gastspiele des russischen Ensembles von Sergej Djagilew revolutionierten die visuelle Welt. Ihre opulenten Bühnenbilder und Kostüme (oft von Léon Bakst entworfen) brachten schockierend leuchtende Farben (Orient-Blau, Smaragdgrün, Orange) nach Westeuropa, die das Art déco adaptierte.
Futurismus (ab 1909): Diese italienische Bewegung feierte die Geschwindigkeit, die Maschine, das Automobil und die Dynamik der modernen Großstadt. Diese Faszination für das „Stromlinienförmige“ wurde zu einer Kernsäule des Stils.
Paul Poiret (1879–1944)
Der Mode-Revolutionär
Der französische Couturier befreite die Frauen um 1910 vom Korsett und erfand die moderne Silhouette. Er war stark von den Ballets Russes beeinflusst, nutzte kräftige Farben, exotische Muster und gründete mit den Ateliers de Martine eine eigene Schule für dekorative Kunst, die Teppiche und Tapeten im neuen Stil entwarf.
Émile-Jacques Ruhlmann (1879–1933)
Der Meister der Möbel
Ruhlmann gilt als der einflussreichste Möbeldesigner des frühen Art déco. Er begann bereits vor dem Ersten Weltkrieg, Möbel von extremer handwerklicher Präzision zu entwerfen. Er kombinierte klassische französische Linien des 18. Jahrhunderts mit strenger Geometrie und setzte auf extrem luxuriöse Materialien wie Ebenholz, Elfenbein und Haifischhaut (Shagreen).
René Lalique (1860–1945)
Der Magier des Glases [1]
Lalique vollzog eine faszinierende Wandlung: Im Jugendstil feierte er Erfolge mit organischem Schmuck. Ab 1910 wandte er sich komplett der Glasproduktion zu. Mit innovativen Pressglas-Techniken schuf er Vasen, Uhren und sogar Kühlerfiguren für Autos (wie den berühmten Libellen-Flügel), die geometrische Klarheit mit luxuriöser Lichtbrechung verbanden.
Jean Dunand (1877–1942)
Der Meister des Lacks
Dunand war Bildhauer und Kupferschmied, der die traditionelle asiatische Lackkunst (Urushi) erlernte und perfektionierte. Er wendete diese Technik auf geometrische Art-déco-Muster an – sowohl auf Vasen als auch auf riesigen Wandschirmen und Möbeln.
Das Art déco brachte eine Vielzahl von Künstlern, Designern und Architekten hervor, die den Stil weltweit prägten. Da die Epoche stark vom Gesamtkunstwerk lebte, verschwammen die Grenzen zwischen bildender Kunst, Kunsthandwerk und Architektur oft völlig.
WICHTIGSTE KÜNSTLER
Bildende Kunst und Grafik
Tamara de Lempicka (1898–1980)
Die Ikone der Malerei
Die polnische Malerin gilt als das Gesicht der Art-déco-Malerei. Ihre Porträts der High Society verbinden den Kubismus mit einer kühlen, plastischen Erotik und metallisch glänzenden Oberflächen. Ihr berühmtestes Werk, „Autoportrait (Tamara im grünen Bugatti)“, verkörpert perfekt die selbstbewusste, moderne Frau der 1920er Jahre.
Erté (Romain de Tirtoff) (1892–1990)
Der Meister der Mode-Illustration
Der russisch-französische Grafiker prägte das visuelle Gewissen der Epoche. Seine extrem stilisierten, eleganten und detailreichen Illustrationen zierten über 200 Cover der Modezeitschrift Harper’s Bazaar. Er entwarf zudem extravagante Kostüme und Bühnenbilder für die Folies Bergère in Paris und den Broadway in New York.
Jean Dupas (1882–1964)
Der Monumentalmaler
Dupas schuf riesige, akademisch präzise Wandgemälde mit typischen Art-déco-Merkmalen: langgestreckte, skulpturale Körper und allegorische Szenen. Seine berühmtesten Arbeiten verzierten die luxuriösen Salons des legendären französischen Ozeandampfers SS Normandie.
Skulptur und Plastik
Demétre Chiparus (1886–1947)
Der Bildhauer des Jazz Age
Der rumänische Bildhauer fing die Dynamik der Epoche wie kein anderer ein. Seine weltberühmten Statuetten zeigen Tänzerinnen der Ballets Russes oder der Jazz-Clubs. Er nutzte die Chryselephantin-Technik – eine Kombination aus fein geschnitztem Elfenbein (für die Haut) und kalt bemalter Bronze (für die reich verzierten, geometrischen Kostüme).
Ferdinand Preiss (1882–1943)
Der deutsche Meister
Preiss war neben Chiparus der bedeutendste Vertreter der Chryselephantin-Plastik. Seine Figuren stellten oft moderne, sportliche Frauen beim Tennis, Golfen oder Fackeltanz dar und spiegelten das neue Körperideal der 1920er Jahre wider.
Architektur und Design
William Van Alen (1882–1954)
Der Architekt des Chrysler Buildings
Van Alen setzte dem Art déco in New York das ultimative Denkmal. Die von ihm entworfene, strahlende Edelstahl-Spitze des Chrysler Buildings mit ihrem gestuften Sonnenstrahlen-Muster und den an Autokühlerfiguren angelehnten Wasserspeiern ist das bekannteste architektonische Symbol der Epoche.
Jean Dunand und René Lalique
Wie bereits bei den Wegbereitern erwähnt, blieben der Lackkünstler Dunand und der Glaskünstler Lalique auch auf dem absoluten Höhepunkt der Bewegung in den späten 1920er Jahren die unumstrittenen Stars des gehobenen Kunsthandwerks.
HAUPTWERKE ART DÉCO
Die Hauptwerke des Art déco erstrecken sich über die ganze Welt und umfassen monumentale Architektur, luxuriöse Transportmittel und bahnbrechende Kunstobjekte. Sie alle vereinen den typischen Optimismus, die Geometrie und den Luxus dieser Epoche.
Architektur (Ikonen der Skyline)
Chrysler Building (New York, USA – 1930): Entworfen von William Van Alen, ist dieser Wolkenkratzer das ultimative Symbol des Art déco. Legendär ist die gestufte, strahlende Edelstahl-Spitze mit ihrem Sonnenstrahl-Motiv und den Wasserspeiern, die amerikanischen Autokühlerfiguren nachempfunden sind.
Empire State Building (New York, USA – 1931): Das von Shreve, Lamb und Harmon entworfene Gebäude besticht durch seine strengen, vertikalen Linien und den gestuften Rücksprüngen (Setbacks). Die im Art-déco-Stil gestaltete Marmor-Eingangshalle gehört zu den prachtvollsten Innenräumen weltweit.
Palais de Chaillot (Paris, Frankreich – 1937): Errichtet für die Weltausstellung 1937, zeigt dieses Monumentalbauwerk die klassizistische, monumentale Spätphase des europäischen Art déco mit klaren Linien, vergoldeten Statuen und geometrischen Reliefs.
Art Deco District (Miami Beach, USA – 1930er): Entlang des Ocean Drive steht die weltweit größte Ansammlung von Gebäuden im Streamline-Moderne-Stil. Charakteristisch sind die Pastellfarben, abgerundeten Ecken, Bullaugen-Fenster und spektakulären Neon-Beleuchtungen bei Nacht.
Transport und Gesamtkunstwerke
Luxusschiff „SS Normandie“ (1935): Der französische Ozeandampfer war das schwimmende Meisterwerk des Art déco. Die Salons waren ausgestattet mit riesigen Glaswänden von René Lalique, monumentalen Wandgemälden von Jean Dupas und Lackarbeiten von Jean Dunand. Sie verkörperte den absoluten Gipfel des französischen Luxusdesigns.
Zug „20th Century Limited“ (1938): Entworfen von Henry Dreyfuss, gilt dieser New Yorker Expresszug als Meisterwerk des amerikanischen Streamline Moderne. Die stromlinienförmige, graue Lokomotive und das perfekt abgestimmte Interieur machten ihn zum Inbegriff der modernen Reisegeschwindigkeit.
Bildende Kunst und Skulptur
„Autoportrait (Tamara im grünen Bugatti)“ (1929): Das berühmteste Gemälde von Tamara de Lempicka. Es zeigt eine kühle, selbstbewusste Frau am Steuer eines Rennwagens und fing das Lebensgefühl der „Neuen Frau“ und die Faszination für die Maschine perfekt ein.
Christus der Erlöser (Rio de Janeiro, Brasilien – 1931): Die weltberühmte, 30 Meter hohe Christusstatue auf dem Corcovado ist das größte Art-déco-Kunstwerk der Welt. Entworfen vom französischen Bildhauer Paul Landowski, zeichnet sie sich durch die streng geometrische, klare Linienführung des Gewandes und der Hände aus.
„Les Alizes“ (Die Passatwinde) (ca. 1925): Eine berühmte Statuette von Demétre Chiparus. Sie zeigt eine Tänzerin in dynamischer Pose, gefertigt aus Elfenbein und Bronze, verziert mit feinsten geometrischen Mustern – die Verkörperung des Jazz Age.
ZITATE ART DÉCO
„Mein Ziel ist es niemals, zu kopieren. Schaffe einen neuen Stil, klare, leuchtende Farben und spüre die Eleganz der Modelle.“ | Tamara de Lempicka (Malerin)
„Ich war die erste Frau, die sauber malte, und das war die Basis meines Erfolgs.“ | Tamara de Lempicka
„Zuerst bemerken sie dich, dann bemerken sie deine Sachen. Also hast du besser schöne Dinge, wenn du alt wirst.“ | Tamara de Lempicka
„Um etwas Neues zu schaffen, muss man zuerst alles infrage stellen.“ | Eileen Gray (Möbeldesignerin und Architektin des frühen Art déco)
„Ein bisschen Party hat noch niemandem geschadet.“ | F. Scott Fitzgerald (oft im Art-déco-Grafikdesign verwendet)
„Ich liebe große Partys. Sie sind so intim. Auf kleinen Partys gibt es nie Privatsphäre.“ | F. Scott Fitzgerald, „Der große Gatsby“
„Zu viel von allem ist schlecht, aber zu viel Spaß ist genau richtig.“ | Lebensmotto der Goldenen Zwanziger (oft im Gatsby-Design zitiert)
ART DÉCO
KUNSTWERKE ART DÉCO

Art-déco-Skulptur von Demétre Chiparus | Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 2.0 generisch“ (US-amerikanisch) lizenziert | Colin Rose from Montreal | Canada
VIDEOS ART DÉCO
Stil Epochen 11 | Jugendstil und Art Deco | um 1900-1940 | BR 2009 |
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DEFINITION ART DÉCO
Art déco ist ein prägender internationaler Gestaltungsstil, der seine Hochphase von 1920 bis zum Zweiten Weltkrieg hatte und für Eleganz, Luxus und Modernität steht. Der Name leitet sich von der Pariser Ausstellung „Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes“ im Jahr 1925 ab. Im Gegensatz zum vorhergehenden, verschnörkelten Jugendstil setzt das Art déco auf die Industrialisierung, Symmetrie und geometrische Formen. Art déco stellt eine Mischform von Tradition und Modernismus dar und fand Niederschlag in den Bereichen Architektur, Möbel, Fahrzeuge, Kleidermode, Schmuck, Malerei, Illustragion und auch bei den Gebrauchsgegenständen.
ZENTRALE MERKMALE ART DÉCO
Formen: Geometrische Muster, klare Linien, Zickzack-Muster, Bögen und gestufte Formen.
Farben: Kräftige, kontrastreiche Töne wie Schwarz, Tiefblau, Smaragdgrün, Rubinrot und edles Gold.
Materialien: Kostbare und glänzende Werkstoffe wie Chrom, Edelstahl, Samt, Marmor, Ebenholz und Elfenbein.
Wirkung: Plakativ, flächig, luxuriös und oft ohne natürliche Schattierungen.
WICHTIGE EINFLUSSBEREICHE ART DÉCO
Architektur: Berühmte Wolkenkratzer wie das Chrysler Building oder das Empire State Building in New York prägen diesen Stil.
Möbel & Interior: Schwarz lackierte Hölzer, opulente Statement-Sofas mit Samtbezug und geometrische Leuchten aus Messing.
Grafik & Kunst: Poster und Illustrationen im Stil von Metropolis mit ikonischen Sonnenstrahl-Motiven und stromlinienförmiger Optik.
ABGRENZUNG ZUM JUGENDSTIL
Während der Jugendstil (Art Nouveau) um 1900 auf geschwungene, florale Linien und asymmetrische Naturformen setzte, antwortete das Art déco auf den technologischen Fortschritt mit Symmetrie, Dynamik und technischer Präzision.
HISTORIE + CHRONOLOGIE
Die Geschichte des Art déco ist eng mit den gesellschaftlichen Umbrüchen der Zwischenkriegszeit, den „Goldenen Zwanzigern“ und dem technologischen Fortschritt verknüpft. Der Stil entwickelte sich von einem exklusiven französischen Luxusphänomen zu einer globalen Designbewegung.
Die Wurzeln und die Entstehung (ca. 1910 – 1914)
Reaktion auf den Jugendstil: Designer suchten eine Antwort auf die verschnörkelten, floralen Formen des Jugendstils, die für die moderne industrielle Fertigung zu komplex waren. Künstler ließen sich vom Kubismus (geometrische Zerlegung), dem Futurismus (Feier der Geschwindigkeit und Maschine) und den leuchtenden Farben der Ballets Russes inspirieren. In Paris schlossen sich Kunsthandwerker in Kollektiven zusammen. Der Erste Weltkrieg unterbrach jedoch die geplante große Ausstellung dieser neuen Bewegung.
Der Höhepunkt und die Namensgebung (1925)
Die Pariser Weltausstellung: Im Jahr 1925 fand die „Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes“ in Paris statt. Sie gilt als die Geburtsstunde des Begriffs „Art déco“ (auch wenn der Begriff erst in den 1960er Jahren historisch etabliert wurde). Auf der Ausstellung zeigten sich bereits zwei Richtungen: Die Traditionalisten (wie Émile-Jacques Ruhlmann), die auf extrem teure, handgefertigte Luxusobjekte für die Elite setzten und die Modernisten (wie Le Corbusier), die für funktionale, serielle Fertigung plädierten.
Die Globalisierung und das „Jazz Age“ (1926 – 1929)
Export in die USA: Der Stil erfasste Hollywood, die Musikwelt und die Architektur Amerikas. Er wurde zum Symbol für Wohlstand, Partykultur und Befreiung (z.B. der „Flapper“-Modestil der Frauen).
Wolkenkratzer-Boom: In New York und Chicago entstanden ikonische Gebäude, die den Optimismus der Ära in Stein, Chrom und Glas gossen.
Die Weltwirtschaftskrise und das Spät-Art-Déco (1929 – 1939)
Der Börsencrash (1929): Nach dem Black Thursday änderte sich der Stil drastisch. Protziger Luxus und teure Materialien waren gesellschaftlich nicht mehr vermittelbar.
Streamline Moderne: Das Art déco erfand sich neu. Die Linien wurden aerodynamischer, horizontaler und schlichter. Der Stil orientierte sich visuell an Ozeandampfern, Flugzeugen und Zügen. Günstigere Materialien wie Bakelit und gebogenes Stahlrohr dominierten nun das Produktdesign.
Der Niedergang und das Erbe (ab 1940)
Zweiter Weltkrieg: Mit dem Ausbruch des Krieges endete die Epoche des Art déco. Die Ressourcen flossen in die Rüstung, und der Wunsch nach dekorativer Ästhetik wich dem reinen Funktionalismus.
Nachkriegszeit: Das Art déco wurde vom nüchternen, organischen International Style und dem Mid-Century Modern abgelöst.
Renaissance: In den Spät-1960er und 1980er Jahren (u.a. sichtbar in der Popkultur und Serien wie Miami Vice) erlebte der Stil ein großes visuelles Comeback.
WEGBEREITER ART DÉCO
Künstlerische und gestalterische Strömungen
Wiener Werkstätte (ab 1903): Unter Josef Hoffmann und Koloman Moser brach diese Künstlergemeinschaft radikal mit dem floralen Jugendstil. Sie setzten auf strenge Geometrie (wie das berühmte „Quadratl-Hoffmann“-Design) und die Idee des Gesamtkunstwerks. Das von Hoffmann entworfene Palais Stoclet in Brüssel (1905–1911) gilt als der wichtigste architektonische Vorläufer des Art déco.
Kubismus (ab 1907): Maler wie Pablo Picasso und Georges Braque zerlegten die Realität in geometrische Formen (Würfel, Zylinder, Kegel). Das Art déco übernahm diese Dreidimensionalität und vereinfachte sie zu dekorativen Mustern.
Ballets Russes (ab 1909): Die Pariser Gastspiele des russischen Ensembles von Sergej Djagilew revolutionierten die visuelle Welt. Ihre opulenten Bühnenbilder und Kostüme (oft von Léon Bakst entworfen) brachten schockierend leuchtende Farben (Orient-Blau, Smaragdgrün, Orange) nach Westeuropa, die das Art déco adaptierte.
Futurismus (ab 1909): Diese italienische Bewegung feierte die Geschwindigkeit, die Maschine, das Automobil und die Dynamik der modernen Großstadt. Diese Faszination für das „Stromlinienförmige“ wurde zu einer Kernsäule des Stils.
Paul Poiret (1879–1944)
Der Mode-Revolutionär
Der französische Couturier befreite die Frauen um 1910 vom Korsett und erfand die moderne Silhouette. Er war stark von den Ballets Russes beeinflusst, nutzte kräftige Farben, exotische Muster und gründete mit den Ateliers de Martine eine eigene Schule für dekorative Kunst, die Teppiche und Tapeten im neuen Stil entwarf.
Émile-Jacques Ruhlmann (1879–1933)
Der Meister der Möbel
Ruhlmann gilt als der einflussreichste Möbeldesigner des frühen Art déco. Er begann bereits vor dem Ersten Weltkrieg, Möbel von extremer handwerklicher Präzision zu entwerfen. Er kombinierte klassische französische Linien des 18. Jahrhunderts mit strenger Geometrie und setzte auf extrem luxuriöse Materialien wie Ebenholz, Elfenbein und Haifischhaut (Shagreen).
René Lalique (1860–1945)
Der Magier des Glases [1]
Lalique vollzog eine faszinierende Wandlung: Im Jugendstil feierte er Erfolge mit organischem Schmuck. Ab 1910 wandte er sich komplett der Glasproduktion zu. Mit innovativen Pressglas-Techniken schuf er Vasen, Uhren und sogar Kühlerfiguren für Autos (wie den berühmten Libellen-Flügel), die geometrische Klarheit mit luxuriöser Lichtbrechung verbanden.
Jean Dunand (1877–1942)
Der Meister des Lacks
Dunand war Bildhauer und Kupferschmied, der die traditionelle asiatische Lackkunst (Urushi) erlernte und perfektionierte. Er wendete diese Technik auf geometrische Art-déco-Muster an – sowohl auf Vasen als auch auf riesigen Wandschirmen und Möbeln.
Das Art déco brachte eine Vielzahl von Künstlern, Designern und Architekten hervor, die den Stil weltweit prägten. Da die Epoche stark vom Gesamtkunstwerk lebte, verschwammen die Grenzen zwischen bildender Kunst, Kunsthandwerk und Architektur oft völlig.
WICHTIGSTE KÜNSTLER
Bildende Kunst und Grafik
Tamara de Lempicka (1898–1980)
Die Ikone der Malerei
Die polnische Malerin gilt als das Gesicht der Art-déco-Malerei. Ihre Porträts der High Society verbinden den Kubismus mit einer kühlen, plastischen Erotik und metallisch glänzenden Oberflächen. Ihr berühmtestes Werk, „Autoportrait (Tamara im grünen Bugatti)“, verkörpert perfekt die selbstbewusste, moderne Frau der 1920er Jahre.
Erté (Romain de Tirtoff) (1892–1990)
Der Meister der Mode-Illustration
Der russisch-französische Grafiker prägte das visuelle Gewissen der Epoche. Seine extrem stilisierten, eleganten und detailreichen Illustrationen zierten über 200 Cover der Modezeitschrift Harper’s Bazaar. Er entwarf zudem extravagante Kostüme und Bühnenbilder für die Folies Bergère in Paris und den Broadway in New York.
Jean Dupas (1882–1964)
Der Monumentalmaler
Dupas schuf riesige, akademisch präzise Wandgemälde mit typischen Art-déco-Merkmalen: langgestreckte, skulpturale Körper und allegorische Szenen. Seine berühmtesten Arbeiten verzierten die luxuriösen Salons des legendären französischen Ozeandampfers SS Normandie.
Skulptur und Plastik
Demétre Chiparus (1886–1947)
Der Bildhauer des Jazz Age
Der rumänische Bildhauer fing die Dynamik der Epoche wie kein anderer ein. Seine weltberühmten Statuetten zeigen Tänzerinnen der Ballets Russes oder der Jazz-Clubs. Er nutzte die Chryselephantin-Technik – eine Kombination aus fein geschnitztem Elfenbein (für die Haut) und kalt bemalter Bronze (für die reich verzierten, geometrischen Kostüme).
Ferdinand Preiss (1882–1943)
Der deutsche Meister
Preiss war neben Chiparus der bedeutendste Vertreter der Chryselephantin-Plastik. Seine Figuren stellten oft moderne, sportliche Frauen beim Tennis, Golfen oder Fackeltanz dar und spiegelten das neue Körperideal der 1920er Jahre wider.
Architektur und Design
William Van Alen (1882–1954)
Der Architekt des Chrysler Buildings
Van Alen setzte dem Art déco in New York das ultimative Denkmal. Die von ihm entworfene, strahlende Edelstahl-Spitze des Chrysler Buildings mit ihrem gestuften Sonnenstrahlen-Muster und den an Autokühlerfiguren angelehnten Wasserspeiern ist das bekannteste architektonische Symbol der Epoche.
Jean Dunand und René Lalique
Wie bereits bei den Wegbereitern erwähnt, blieben der Lackkünstler Dunand und der Glaskünstler Lalique auch auf dem absoluten Höhepunkt der Bewegung in den späten 1920er Jahren die unumstrittenen Stars des gehobenen Kunsthandwerks.
HAUPTWERKE ART DÉCO
Die Hauptwerke des Art déco erstrecken sich über die ganze Welt und umfassen monumentale Architektur, luxuriöse Transportmittel und bahnbrechende Kunstobjekte. Sie alle vereinen den typischen Optimismus, die Geometrie und den Luxus dieser Epoche.
Architektur (Ikonen der Skyline)
Chrysler Building (New York, USA – 1930): Entworfen von William Van Alen, ist dieser Wolkenkratzer das ultimative Symbol des Art déco. Legendär ist die gestufte, strahlende Edelstahl-Spitze mit ihrem Sonnenstrahl-Motiv und den Wasserspeiern, die amerikanischen Autokühlerfiguren nachempfunden sind.
Empire State Building (New York, USA – 1931): Das von Shreve, Lamb und Harmon entworfene Gebäude besticht durch seine strengen, vertikalen Linien und den gestuften Rücksprüngen (Setbacks). Die im Art-déco-Stil gestaltete Marmor-Eingangshalle gehört zu den prachtvollsten Innenräumen weltweit.
Palais de Chaillot (Paris, Frankreich – 1937): Errichtet für die Weltausstellung 1937, zeigt dieses Monumentalbauwerk die klassizistische, monumentale Spätphase des europäischen Art déco mit klaren Linien, vergoldeten Statuen und geometrischen Reliefs.
Art Deco District (Miami Beach, USA – 1930er): Entlang des Ocean Drive steht die weltweit größte Ansammlung von Gebäuden im Streamline-Moderne-Stil. Charakteristisch sind die Pastellfarben, abgerundeten Ecken, Bullaugen-Fenster und spektakulären Neon-Beleuchtungen bei Nacht.
Transport und Gesamtkunstwerke
Luxusschiff „SS Normandie“ (1935): Der französische Ozeandampfer war das schwimmende Meisterwerk des Art déco. Die Salons waren ausgestattet mit riesigen Glaswänden von René Lalique, monumentalen Wandgemälden von Jean Dupas und Lackarbeiten von Jean Dunand. Sie verkörperte den absoluten Gipfel des französischen Luxusdesigns.
Zug „20th Century Limited“ (1938): Entworfen von Henry Dreyfuss, gilt dieser New Yorker Expresszug als Meisterwerk des amerikanischen Streamline Moderne. Die stromlinienförmige, graue Lokomotive und das perfekt abgestimmte Interieur machten ihn zum Inbegriff der modernen Reisegeschwindigkeit.
Bildende Kunst und Skulptur
„Autoportrait (Tamara im grünen Bugatti)“ (1929): Das berühmteste Gemälde von Tamara de Lempicka. Es zeigt eine kühle, selbstbewusste Frau am Steuer eines Rennwagens und fing das Lebensgefühl der „Neuen Frau“ und die Faszination für die Maschine perfekt ein.
Christus der Erlöser (Rio de Janeiro, Brasilien – 1931): Die weltberühmte, 30 Meter hohe Christusstatue auf dem Corcovado ist das größte Art-déco-Kunstwerk der Welt. Entworfen vom französischen Bildhauer Paul Landowski, zeichnet sie sich durch die streng geometrische, klare Linienführung des Gewandes und der Hände aus.
„Les Alizes“ (Die Passatwinde) (ca. 1925): Eine berühmte Statuette von Demétre Chiparus. Sie zeigt eine Tänzerin in dynamischer Pose, gefertigt aus Elfenbein und Bronze, verziert mit feinsten geometrischen Mustern – die Verkörperung des Jazz Age.
ZITATE ART DÉCO
„Mein Ziel ist es niemals, zu kopieren. Schaffe einen neuen Stil, klare, leuchtende Farben und spüre die Eleganz der Modelle.“ | Tamara de Lempicka (Malerin)
„Ich war die erste Frau, die sauber malte, und das war die Basis meines Erfolgs.“ | Tamara de Lempicka
„Zuerst bemerken sie dich, dann bemerken sie deine Sachen. Also hast du besser schöne Dinge, wenn du alt wirst.“ | Tamara de Lempicka
„Um etwas Neues zu schaffen, muss man zuerst alles infrage stellen.“ | Eileen Gray (Möbeldesignerin und Architektin des frühen Art déco)
„Ein bisschen Party hat noch niemandem geschadet.“ | F. Scott Fitzgerald (oft im Art-déco-Grafikdesign verwendet)
„Ich liebe große Partys. Sie sind so intim. Auf kleinen Partys gibt es nie Privatsphäre.“ | F. Scott Fitzgerald, „Der große Gatsby“
„Zu viel von allem ist schlecht, aber zu viel Spaß ist genau richtig.“ | Lebensmotto der Goldenen Zwanziger (oft im Gatsby-Design zitiert)
ART DÉCO
KUNSTWERKE ART DÉCO

Art-déco-Skulptur von Demétre Chiparus | Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 2.0 generisch“ (US-amerikanisch) lizenziert | Colin Rose from Montreal | Canada
VIDEOS ART DÉCO
Stil Epochen 11 | Jugendstil und Art Deco | um 1900-1940 | BR 2009 |
YouTube
DEFINITION ART DÉCO
Art déco ist ein prägender internationaler Gestaltungsstil, der seine Hochphase von 1920 bis zum Zweiten Weltkrieg hatte und für Eleganz, Luxus und Modernität steht. Der Name leitet sich von der Pariser Ausstellung „Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes“ im Jahr 1925 ab. Im Gegensatz zum vorhergehenden, verschnörkelten Jugendstil setzt das Art déco auf die Industrialisierung, Symmetrie und geometrische Formen. Art déco stellt eine Mischform von Tradition und Modernismus dar und fand Niederschlag in den Bereichen Architektur, Möbel, Fahrzeuge, Kleidermode, Schmuck, Malerei, Illustragion und auch bei den Gebrauchsgegenständen.
ZENTRALE MERKMALE ART DÉCO
Formen: Geometrische Muster, klare Linien, Zickzack-Muster, Bögen und gestufte Formen.
Farben: Kräftige, kontrastreiche Töne wie Schwarz, Tiefblau, Smaragdgrün, Rubinrot und edles Gold.
Materialien: Kostbare und glänzende Werkstoffe wie Chrom, Edelstahl, Samt, Marmor, Ebenholz und Elfenbein.
Wirkung: Plakativ, flächig, luxuriös und oft ohne natürliche Schattierungen.
WICHTIGE EINFLUSSBEREICHE ART DÉCO
Architektur: Berühmte Wolkenkratzer wie das Chrysler Building oder das Empire State Building in New York prägen diesen Stil.
Möbel & Interior: Schwarz lackierte Hölzer, opulente Statement-Sofas mit Samtbezug und geometrische Leuchten aus Messing.
Grafik & Kunst: Poster und Illustrationen im Stil von Metropolis mit ikonischen Sonnenstrahl-Motiven und stromlinienförmiger Optik.
ABGRENZUNG ZUM JUGENDSTIL
Während der Jugendstil (Art Nouveau) um 1900 auf geschwungene, florale Linien und asymmetrische Naturformen setzte, antwortete das Art déco auf den technologischen Fortschritt mit Symmetrie, Dynamik und technischer Präzision.
HISTORIE + CHRONOLOGIE
Die Geschichte des Art déco ist eng mit den gesellschaftlichen Umbrüchen der Zwischenkriegszeit, den „Goldenen Zwanzigern“ und dem technologischen Fortschritt verknüpft. Der Stil entwickelte sich von einem exklusiven französischen Luxusphänomen zu einer globalen Designbewegung.
Die Wurzeln und die Entstehung (ca. 1910 – 1914)
Reaktion auf den Jugendstil: Designer suchten eine Antwort auf die verschnörkelten, floralen Formen des Jugendstils, die für die moderne industrielle Fertigung zu komplex waren. Künstler ließen sich vom Kubismus (geometrische Zerlegung), dem Futurismus (Feier der Geschwindigkeit und Maschine) und den leuchtenden Farben der Ballets Russes inspirieren. In Paris schlossen sich Kunsthandwerker in Kollektiven zusammen. Der Erste Weltkrieg unterbrach jedoch die geplante große Ausstellung dieser neuen Bewegung.
Der Höhepunkt und die Namensgebung (1925)
Die Pariser Weltausstellung: Im Jahr 1925 fand die „Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes“ in Paris statt. Sie gilt als die Geburtsstunde des Begriffs „Art déco“ (auch wenn der Begriff erst in den 1960er Jahren historisch etabliert wurde). Auf der Ausstellung zeigten sich bereits zwei Richtungen: Die Traditionalisten (wie Émile-Jacques Ruhlmann), die auf extrem teure, handgefertigte Luxusobjekte für die Elite setzten und die Modernisten (wie Le Corbusier), die für funktionale, serielle Fertigung plädierten.
Die Globalisierung und das „Jazz Age“ (1926 – 1929)
Export in die USA: Der Stil erfasste Hollywood, die Musikwelt und die Architektur Amerikas. Er wurde zum Symbol für Wohlstand, Partykultur und Befreiung (z.B. der „Flapper“-Modestil der Frauen).
Wolkenkratzer-Boom: In New York und Chicago entstanden ikonische Gebäude, die den Optimismus der Ära in Stein, Chrom und Glas gossen.
Die Weltwirtschaftskrise und das Spät-Art-Déco (1929 – 1939)
Der Börsencrash (1929): Nach dem Black Thursday änderte sich der Stil drastisch. Protziger Luxus und teure Materialien waren gesellschaftlich nicht mehr vermittelbar.
Streamline Moderne: Das Art déco erfand sich neu. Die Linien wurden aerodynamischer, horizontaler und schlichter. Der Stil orientierte sich visuell an Ozeandampfern, Flugzeugen und Zügen. Günstigere Materialien wie Bakelit und gebogenes Stahlrohr dominierten nun das Produktdesign.
Der Niedergang und das Erbe (ab 1940)
Zweiter Weltkrieg: Mit dem Ausbruch des Krieges endete die Epoche des Art déco. Die Ressourcen flossen in die Rüstung, und der Wunsch nach dekorativer Ästhetik wich dem reinen Funktionalismus.
Nachkriegszeit: Das Art déco wurde vom nüchternen, organischen International Style und dem Mid-Century Modern abgelöst.
Renaissance: In den Spät-1960er und 1980er Jahren (u.a. sichtbar in der Popkultur und Serien wie Miami Vice) erlebte der Stil ein großes visuelles Comeback.
WEGBEREITER ART DÉCO
Künstlerische und gestalterische Strömungen
Wiener Werkstätte (ab 1903): Unter Josef Hoffmann und Koloman Moser brach diese Künstlergemeinschaft radikal mit dem floralen Jugendstil. Sie setzten auf strenge Geometrie (wie das berühmte „Quadratl-Hoffmann“-Design) und die Idee des Gesamtkunstwerks. Das von Hoffmann entworfene Palais Stoclet in Brüssel (1905–1911) gilt als der wichtigste architektonische Vorläufer des Art déco.
Kubismus (ab 1907): Maler wie Pablo Picasso und Georges Braque zerlegten die Realität in geometrische Formen (Würfel, Zylinder, Kegel). Das Art déco übernahm diese Dreidimensionalität und vereinfachte sie zu dekorativen Mustern.
Ballets Russes (ab 1909): Die Pariser Gastspiele des russischen Ensembles von Sergej Djagilew revolutionierten die visuelle Welt. Ihre opulenten Bühnenbilder und Kostüme (oft von Léon Bakst entworfen) brachten schockierend leuchtende Farben (Orient-Blau, Smaragdgrün, Orange) nach Westeuropa, die das Art déco adaptierte.
Futurismus (ab 1909): Diese italienische Bewegung feierte die Geschwindigkeit, die Maschine, das Automobil und die Dynamik der modernen Großstadt. Diese Faszination für das „Stromlinienförmige“ wurde zu einer Kernsäule des Stils.
Paul Poiret (1879–1944)
Der Mode-Revolutionär
Der französische Couturier befreite die Frauen um 1910 vom Korsett und erfand die moderne Silhouette. Er war stark von den Ballets Russes beeinflusst, nutzte kräftige Farben, exotische Muster und gründete mit den Ateliers de Martine eine eigene Schule für dekorative Kunst, die Teppiche und Tapeten im neuen Stil entwarf.
Émile-Jacques Ruhlmann (1879–1933)
Der Meister der Möbel
Ruhlmann gilt als der einflussreichste Möbeldesigner des frühen Art déco. Er begann bereits vor dem Ersten Weltkrieg, Möbel von extremer handwerklicher Präzision zu entwerfen. Er kombinierte klassische französische Linien des 18. Jahrhunderts mit strenger Geometrie und setzte auf extrem luxuriöse Materialien wie Ebenholz, Elfenbein und Haifischhaut (Shagreen).
René Lalique (1860–1945)
Der Magier des Glases [1]
Lalique vollzog eine faszinierende Wandlung: Im Jugendstil feierte er Erfolge mit organischem Schmuck. Ab 1910 wandte er sich komplett der Glasproduktion zu. Mit innovativen Pressglas-Techniken schuf er Vasen, Uhren und sogar Kühlerfiguren für Autos (wie den berühmten Libellen-Flügel), die geometrische Klarheit mit luxuriöser Lichtbrechung verbanden.
Jean Dunand (1877–1942)
Der Meister des Lacks
Dunand war Bildhauer und Kupferschmied, der die traditionelle asiatische Lackkunst (Urushi) erlernte und perfektionierte. Er wendete diese Technik auf geometrische Art-déco-Muster an – sowohl auf Vasen als auch auf riesigen Wandschirmen und Möbeln.
Das Art déco brachte eine Vielzahl von Künstlern, Designern und Architekten hervor, die den Stil weltweit prägten. Da die Epoche stark vom Gesamtkunstwerk lebte, verschwammen die Grenzen zwischen bildender Kunst, Kunsthandwerk und Architektur oft völlig.
WICHTIGSTE KÜNSTLER
Bildende Kunst und Grafik
Tamara de Lempicka (1898–1980)
Die Ikone der Malerei
Die polnische Malerin gilt als das Gesicht der Art-déco-Malerei. Ihre Porträts der High Society verbinden den Kubismus mit einer kühlen, plastischen Erotik und metallisch glänzenden Oberflächen. Ihr berühmtestes Werk, „Autoportrait (Tamara im grünen Bugatti)“, verkörpert perfekt die selbstbewusste, moderne Frau der 1920er Jahre.
Erté (Romain de Tirtoff) (1892–1990)
Der Meister der Mode-Illustration
Der russisch-französische Grafiker prägte das visuelle Gewissen der Epoche. Seine extrem stilisierten, eleganten und detailreichen Illustrationen zierten über 200 Cover der Modezeitschrift Harper’s Bazaar. Er entwarf zudem extravagante Kostüme und Bühnenbilder für die Folies Bergère in Paris und den Broadway in New York.
Jean Dupas (1882–1964)
Der Monumentalmaler
Dupas schuf riesige, akademisch präzise Wandgemälde mit typischen Art-déco-Merkmalen: langgestreckte, skulpturale Körper und allegorische Szenen. Seine berühmtesten Arbeiten verzierten die luxuriösen Salons des legendären französischen Ozeandampfers SS Normandie.
Skulptur und Plastik
Demétre Chiparus (1886–1947)
Der Bildhauer des Jazz Age
Der rumänische Bildhauer fing die Dynamik der Epoche wie kein anderer ein. Seine weltberühmten Statuetten zeigen Tänzerinnen der Ballets Russes oder der Jazz-Clubs. Er nutzte die Chryselephantin-Technik – eine Kombination aus fein geschnitztem Elfenbein (für die Haut) und kalt bemalter Bronze (für die reich verzierten, geometrischen Kostüme).
Ferdinand Preiss (1882–1943)
Der deutsche Meister
Preiss war neben Chiparus der bedeutendste Vertreter der Chryselephantin-Plastik. Seine Figuren stellten oft moderne, sportliche Frauen beim Tennis, Golfen oder Fackeltanz dar und spiegelten das neue Körperideal der 1920er Jahre wider.
Architektur und Design
William Van Alen (1882–1954)
Der Architekt des Chrysler Buildings
Van Alen setzte dem Art déco in New York das ultimative Denkmal. Die von ihm entworfene, strahlende Edelstahl-Spitze des Chrysler Buildings mit ihrem gestuften Sonnenstrahlen-Muster und den an Autokühlerfiguren angelehnten Wasserspeiern ist das bekannteste architektonische Symbol der Epoche.
Jean Dunand und René Lalique
Wie bereits bei den Wegbereitern erwähnt, blieben der Lackkünstler Dunand und der Glaskünstler Lalique auch auf dem absoluten Höhepunkt der Bewegung in den späten 1920er Jahren die unumstrittenen Stars des gehobenen Kunsthandwerks.
HAUPTWERKE ART DÉCO
Die Hauptwerke des Art déco erstrecken sich über die ganze Welt und umfassen monumentale Architektur, luxuriöse Transportmittel und bahnbrechende Kunstobjekte. Sie alle vereinen den typischen Optimismus, die Geometrie und den Luxus dieser Epoche.
Architektur (Ikonen der Skyline)
Chrysler Building (New York, USA – 1930): Entworfen von William Van Alen, ist dieser Wolkenkratzer das ultimative Symbol des Art déco. Legendär ist die gestufte, strahlende Edelstahl-Spitze mit ihrem Sonnenstrahl-Motiv und den Wasserspeiern, die amerikanischen Autokühlerfiguren nachempfunden sind.
Empire State Building (New York, USA – 1931): Das von Shreve, Lamb und Harmon entworfene Gebäude besticht durch seine strengen, vertikalen Linien und den gestuften Rücksprüngen (Setbacks). Die im Art-déco-Stil gestaltete Marmor-Eingangshalle gehört zu den prachtvollsten Innenräumen weltweit.
Palais de Chaillot (Paris, Frankreich – 1937): Errichtet für die Weltausstellung 1937, zeigt dieses Monumentalbauwerk die klassizistische, monumentale Spätphase des europäischen Art déco mit klaren Linien, vergoldeten Statuen und geometrischen Reliefs.
Art Deco District (Miami Beach, USA – 1930er): Entlang des Ocean Drive steht die weltweit größte Ansammlung von Gebäuden im Streamline-Moderne-Stil. Charakteristisch sind die Pastellfarben, abgerundeten Ecken, Bullaugen-Fenster und spektakulären Neon-Beleuchtungen bei Nacht.
Transport und Gesamtkunstwerke
Luxusschiff „SS Normandie“ (1935): Der französische Ozeandampfer war das schwimmende Meisterwerk des Art déco. Die Salons waren ausgestattet mit riesigen Glaswänden von René Lalique, monumentalen Wandgemälden von Jean Dupas und Lackarbeiten von Jean Dunand. Sie verkörperte den absoluten Gipfel des französischen Luxusdesigns.
Zug „20th Century Limited“ (1938): Entworfen von Henry Dreyfuss, gilt dieser New Yorker Expresszug als Meisterwerk des amerikanischen Streamline Moderne. Die stromlinienförmige, graue Lokomotive und das perfekt abgestimmte Interieur machten ihn zum Inbegriff der modernen Reisegeschwindigkeit.
Bildende Kunst und Skulptur
„Autoportrait (Tamara im grünen Bugatti)“ (1929): Das berühmteste Gemälde von Tamara de Lempicka. Es zeigt eine kühle, selbstbewusste Frau am Steuer eines Rennwagens und fing das Lebensgefühl der „Neuen Frau“ und die Faszination für die Maschine perfekt ein.
Christus der Erlöser (Rio de Janeiro, Brasilien – 1931): Die weltberühmte, 30 Meter hohe Christusstatue auf dem Corcovado ist das größte Art-déco-Kunstwerk der Welt. Entworfen vom französischen Bildhauer Paul Landowski, zeichnet sie sich durch die streng geometrische, klare Linienführung des Gewandes und der Hände aus.
„Les Alizes“ (Die Passatwinde) (ca. 1925): Eine berühmte Statuette von Demétre Chiparus. Sie zeigt eine Tänzerin in dynamischer Pose, gefertigt aus Elfenbein und Bronze, verziert mit feinsten geometrischen Mustern – die Verkörperung des Jazz Age.
ZITATE ART DÉCO
„Mein Ziel ist es niemals, zu kopieren. Schaffe einen neuen Stil, klare, leuchtende Farben und spüre die Eleganz der Modelle.“ | Tamara de Lempicka (Malerin)
„Ich war die erste Frau, die sauber malte, und das war die Basis meines Erfolgs.“ | Tamara de Lempicka
„Zuerst bemerken sie dich, dann bemerken sie deine Sachen. Also hast du besser schöne Dinge, wenn du alt wirst.“ | Tamara de Lempicka
„Um etwas Neues zu schaffen, muss man zuerst alles infrage stellen.“ | Eileen Gray (Möbeldesignerin und Architektin des frühen Art déco)
„Ein bisschen Party hat noch niemandem geschadet.“ | F. Scott Fitzgerald (oft im Art-déco-Grafikdesign verwendet)
„Ich liebe große Partys. Sie sind so intim. Auf kleinen Partys gibt es nie Privatsphäre.“ | F. Scott Fitzgerald, „Der große Gatsby“
„Zu viel von allem ist schlecht, aber zu viel Spaß ist genau richtig.“ | Lebensmotto der Goldenen Zwanziger (oft im Gatsby-Design zitiert)