GCB Kunstlexikon
DIE KUNST IM DEUTSCHEN SÜDWESTEN VON 1945 BIS ZUR GEGENWART
DEFINITION UND KUNSTHISTORISCHER KONTEXT
Die Kunst im deutschen Südwesten – geografisch deckungsgleich mit dem heutigen Bundesland Baden-Württemberg – bildet seit 1945 eine der dynamischsten und facettenreichsten Regionallandschaften der deutschen Nachkriegsmoderne. Geprägt durch die historischen Zentren Stuttgart und Karlsruhe sowie eine dezentrale Museums- und Galerienlandschaft, bewegt sich die Entwicklung im Spannungsfeld zwischen radikaler Abstraktion, expressiver Figuration, wegweisender Bildhauerei und zukunftsweisender Medienkunst.
ZEITLICHE GLIEDERUNG: KUNSTSTILE & AKTEURE
DIE NACHKRIEGSMODERNE UND DER AUFBRUCH IN DIE ABSTRAKTION
1945–1959
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stand der Südwesten im Zeichen des Wiederaufbaus und der Rehabilitierung der von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamierten Moderne. Neben der Abstraktion existierten wichtige Strömungen des expressiven Realismus und der klassischen figurorientierten Bildhauerei fort.
STILE & STRÖMUNGEN
Konstruktive Kunst
Absolute Malerei
frühes Informel
Expressiver Realismus
traditionelle und biomorphe Bildhauerei
Holzschnitt-Renaissance.
WEGWEISENDE KÜNSTLERINNEN & KÜNSTLER
Georg Meistermann (1911–1990): In Solingen geborener Maler, Zeichner und überregional bedeutender Kunstpädagoge. Nach seinem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf (u. a. bei Heinrich Campendonk) wurde er von den Nationalsozialisten mit Ausstellungsverbot belegt. Ab 1952 wirkte er maßgeblich im Südwesten und leitete von 1955 bis 1960 eine hochkarätige Klasse für Malerei an der Karlsruher Kunstakademie. Meistermann gilt als der international herausragendste Erneuerer der Glasmalerei im 20. Jahrhundert. Seine monumentalen Fensterzyklen (wie in der Stuttgarter St.-Eberhard-Kirche oder dem Kölner Funkhaus) befreiten das Glas von seiner rein dienenden Rolle und verwandelten es in autonome Farb-Licht-Räume von lyrisch-abstrakter Tiefgründigkeit. Neben seinen Glasfenstern schuf er ein eindringliches Œuvre aus symbolhaften Gemälden und psychologischen Porträts (u. a. Willy Brandt). Als zweifacher documenta-Teilnehmer (1955, 1959), Träger des Hans-Molfenter-Preises der Stadt Stuttgart (1974) und langjähriger Präsident des Deutschen Künstlerbundes war er die intellektuelle und kulturpolitische Integrationsfigur, die der ungegenständlichen Nachkriegskunst im Südwesten institutionelles Gewicht verlieh.
Willi Baumeister (1889–1955): In Stuttgart geborener Maler, Grafiker, Typograf, Bühnenbildner und herausragender Kunsttheoretiker. Er studierte an der Stuttgarter Akademie bei Adolf Hölzel und wurde 1933 von den Nationalsozialisten aus seiner Frankfurter Professur entlassen sowie als „entartet“ diffamiert. Während der inneren Emigration erforschte er im Verborgenen (u. a. in der Wuppertaler Lackfabrik von Dr. Kurt Herberts) die Chemie der Malmaterialien und vollendete seine theoretische Programmschrift „Das Unbekannte in der Kunst“ (1947), die zum wichtigsten Manifest der ungegenständlichen Nachkriegskunst in Deutschland wurde. Ab 1946 leitete er eine legendäre Klasse an der Stuttgarter Akademie. Baumeister gilt als die überragende Integrationsfigur der Nachkriegsmoderne. Seine berühmten Werkgruppen (wie die Eidos-, Gilgamesch- oder Montaru-Bilder) untersuchten das organische Wachstum von Formen, biomorphe Urzeichen und reliefartige Materialstrukturen aus Sand und Spachtelmassen. Als treibender Mitbegründer der Künstlergruppe ZEN 49, Mentor unzähliger nachfolgender Meister (u. a. Emil Cimiotti, Georg Karl Pfahler, Bernd Berner) und posthumer Teilnehmer der documenta 1 (1955) legte er das intellektuelle und praktische Fundament, das den Südwesten an die internationale Avantgarde anschloss.
Max Ackermann (1887–1975): In Berlin geborener Maler, Grafiker und herausragender Pionier der Abstraktion. Nach Stationen in Weimar (bei Henry van de Velde) und München kam er 1912 nach Stuttgart, um bei Adolf Hölzel zu studieren. Ackermann gilt kunsthistorisch als einer der frühesten Erfinder der „Absoluten Malerei“ in Deutschland; bereits um 1919 schuf er erste rein ungegenständliche Werke. Von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert, verlor er bei einem Bombenangriff auf sein Stuttgarter Atelier 1943 fast sein gesamtes bisheriges Œuvre. Nach 1945 wurde er zu einer zentralen Galionsfigur des künstlerischen Neubeginns am Bodensee und im Stuttgarter Raum. Seine monumentalen Farb-Rhythmogramme, Pastelle und Siebdrucke verbinden konstruktive Strenge mit musikalischen Prinzipien (wie in seinen berühmten kontrapunktischen Werkgruppen). Ackermann befreit die Farbe von jeglicher gegenständlichen Pflicht und führt sie zu reinen, harmonisch-kosmischen Lichtkompositionen. Als Mitorganisator wegweisender Abstrakten-Ausstellungen und Träger des Professorentitels ehrenhalber des Landes Baden-Württemberg (1964) verankerte er das meditative Erbe der Hölzel-Schule als bleibendes Fundament der Nachkriegsabstraktion.

Kunst im deutschen Südwesten, Max Ackermann, Familienidyll, 1917, Aquarell auf Bütten, 18 cm x 11 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Ida Kerkovius (1879–1964): In Riga geborene Malerin, Bildteppichweberin und herausragende Pionierin der ungegenständlichen Moderne. Sie kam 1903 nach Dachau zu Adolf Hölzel, folgte ihm 1908 nach Stuttgart und wurde dort seine Meisterschülerin und Assistentin in seiner legendären Kompositionsklasse. Um sich weiterzuentwickeln, ging sie 1920 für drei Jahre an das neu gegründete Bauhaus in Weimar, wo sie bei Itten, Kandinsky und Klee lernte und sich intensiv der Avantgarde-Weberei widmete. Von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert, verlor sie 1944 bei einem Luftangriff auf Stuttgart ihr Atelier und den Großteil ihres Lebenswerks. Nach 1945 wurde ihr neues Stuttgarter Atelier zu einem spirituellen Zentrum des künstlerischen Wiederaufbaus. Kerkovius’ Werk zeichnet sich durch eine singuläre Farberuptivität aus: Sowohl in ihren Ölbildern und leuchtenden Pastellen als auch in ihren kunsthistorisch wegweisenden Bildteppichen befreite sie die Farbe von jeglicher abbildenden Funktion und steigerte sie zu autonomen, tief poetischen und magisch-religiösen Lichtklängen. Als zweifache documenta-Teilnehmerin (1955, 1959), Trägerin des Großen Bundesverdienstkreuzes und Ehrenmitglied der Stuttgarter Kunstakademie (1954) sicherte sie weiblichen Positionen einen absolut gleichrangigen, prägenden Platz in der männlich dominierten Nachkriegsabstraktion des Südwestens.
Peter Herkenrath (1900–1989): In Köln geborener Maler und einflussreicher Akademieprofessor. Nach seiner Ausbildung an den Kölner Werkschulen (unter anderem bei Richard Seewald) geriet er während der NS-Diktatur in die Isolation der inneren Emigration. 1953 wurde er als Professor an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe berufen, wo er bis 1965 lehrte und gemeinsam mit Kollegen wie Grieshaber den Karlsruher Nachkriegsaufbruch gestaltete. Herkenraths Œuvre vollzog eine konsequente Entwicklung vom gegenständlichen Expressionismus hin zu einer lyrisch-tektonischen Abstraktion, die eng mit den Strömungen des Informel und der École de Paris korrespondierte. Seine reliefartigen, dichten Farbschichten ordnen sich in späten Werkgruppen zu zeichenhaften, rhythmischen Gefügen an, in denen Farbe als rein plastisches Raumelement fungiert. Als zweifacher documenta-Teilnehmer (1955, 1959), Vorstandsmitglied des Deutschen Künstlerbundes und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes war er eine der zentralen Säulen, die das Rheinland und den Südwesten im Geiste der internationalen Nachkriegsabstraktion institutionell wie künstlerisch vernetzten.
Ida Kerkovius (1879–1964): Bedeutende Malerin und Bauhaus-Schülerin; prägte die Nachkriegszeit mit leuchtender Farbabstraktion.
HAP Grieshaber (1909–1981): In Rot an der Rot geborener Grafiker, Maler, Holzschneider und herausragender Rebell der deutschen Nachkriegsmoderne. Nach einer Schriftsetzerlehre in Reutlingen und einem Studium an der Kunstgewerbeschule Stuttgart führte er ab 1933 ein von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiertes Dasein in der inneren Emigration in seinem Atelier auf der Achalm. Um das vermeintlich verstaubte, mittelalterliche Medium des Holzschnitts grundlegend zu revolutionieren, befreite er die Technik aus dem engen Buchseitenformat und steigerte sie zu monumentalen, wandfüllenden Farb-Einblattdrucken von monumentaler Wucht. Als engagierter „homme engagé“ nutzte er seine Kunst zeitlebens als unüberhörbares politisches und ökologisches Sprachrohr: Mit seiner legendären, im Eigenverlag herausgegebenen Zeitschrift Der Engel der Geschichte kämpfte er leidenschaftlich für Frieden, Menschenrechte und den Umweltschutz. Als einflussreicher Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe (1955–1960) prägte er herausragende Schüler wie Horst Antes und Josua Reichert und machte den Südwesten zu einem weltweiten Zentrum des modernen Hochdrucks. Grieshabers Werk zeichnet sich durch eine singuläre Synthese aus archaischer Formkraft und zeitloser Poesie aus: Sowohl in seinen religiös oder mythologisch aufgeladenen Zyklen (wie dem „Totentanz von Basel“) als auch in seinen leidenschaftlichen Tier- und Menschenpaardarstellungen reduzierte er die Konturen auf wuchtige, blockhafte Kontraste. Als zweifacher documenta-Teilnehmer (1959, 1964), Mitbegründer des Deutschen Künstlerbundes und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes sicherte er der figurativ-abstrahierenden Grafik einen absolut unumstößlichen, international vernetzten Spitzenplatz im kulturellen Gedächtnis der Bundesrepublik.

Kunst im deutschen Südwesten, HAP Grieshaber, Wiese, 1950, Holzschnitt, 60 cm x 78 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, HAP Grieshaber, Affe nicht sprechen, Vorstadium, 1960, Gouache, Holzschnitt, 45 cm x 32 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, HAP Grieshaber, Flötenspieler von Rheinburg, 1965, Holzschnitt, 84 cm x 60 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Manfred Henninger (1894–1986): In Backnang geborener Maler, Zeichner, Grafiker und herausragender Vertreter des Expressiven Realismus sowie der sogenannten „Verschollenen Generation“. Nach einer handwerklichen Konditorlehre und schwerer Verletzung im Ersten Weltkrieg studierte er ab 1919 an der Stuttgarter Kunstakademie und wechselte 1922 an die Dresdner Akademie zu Karl Albiker und Oskar Kokoschka, dessen vibrierender Pinselstrich ihn tief prägte. Fest in der regionalen Avantgarde verwurzelt, gründete er 1929 gemeinsam mit Gleichgesinnten wie Manfred Pahl und Wilhelm Geyer die wegweisende „Stuttgarter Neue Sezession“. Bereits 1933 von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert und mit Ausstellungsverbot belegt, floh er ins Exil nach Ibiza und später ins Schweizer Tessin, wo er trotz politischer Isolation eine enorm produktive Schaffensphase erlebte. Nach seiner Rückkehr im Jahr 1949 berief ihn die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart zum Professor für Landschafts- und Bildnismalerei, eine Position, in der er bis 1961 ganze Generationen von Künstlern des Südwestens prägte und zeitweise als Rektor leitete. Henningers Werk zeichnet sich durch eine singuläre, arkadische Farbpoesie aus: Sowohl in seinen von Licht durchfluteten Landschaftsdarstellungen aus dem Mittelmeerraum als auch in seinen dynamischen Figurenkompositionen wie den „Badenden“ befreite er die Linie zugunsten eines rein aus Farb- und Lichtflecken aufgebauten Rhythmus. Als Gast der renommierten Villa Massimo in Rom (1967/68) und Träger des Bundesverdienstkreuzes sicherte er dem farbintensiven, vom Geist Paul Cézannes inspirierten Spätimpressionismus einen absolut zentralen, unverwechselbaren Platz im künstlerischen Wiederaufbau der südwestdeutschen Moderne.

Kunst im deutschen Südwesten, Manfred Henninger, Rosen, 1973, Öl auf Leinwand, 100 cm x 125 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Manfred Henninger, ohne Titel, Landschaft, 1977, Pastell auf Papier, 50 cm x 66 cm, Preis auf Anfrage, hem002de, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Manfred Henninger, Figurengruppe, 1971, Pastell auf Velin, 43,8 cm x 62,5 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Friedrich Sieber (1925–2002): In Reichenberg (Tschechoslowakei) geborener Maler, Grafiker und wegweisender Mitbegründer der avantgardistischen Nachkriegsabstraktion im Südwesten. Nach Kriegsdienst, Vertreibung und Gefangenschaft kam er 1950 nach Stuttgart, wo er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste bei Manfred Henninger studierte. Auf der Suche nach radikal neuen Ausdrucksformen gründete er dort 1956 gemeinsam mit Georg Karl Pfahler, Günther C. Kirchberger und Attila Biró die legendäre „Gruppe 11“. Diese lose Künstlervereinigung verschrieb sich dem internationalen Impuls des Action Painting und des gestischen Informel, um die traditionelle Malerei durch explosive, ungebremste Spontaneität aufzubrechen. Siebers Werk zeichnet sich durch eine bemerkenswerte stilistische Evolution und eine singuläre Erforschung von Farbbewegungen aus: Während seine frühen, teils stürmischen Mischtechniken der 1950er-Jahre wie „Bedrängtes Blau“ ganz der rauen, emotionalen Materie des Informel verpflichtet waren, vollzog er Anfang der 1960er-Anfänge eine bewusste Wende hin zu größerer struktureller Disziplin. Er beruhigte den Pinselduktus und fand zu einer klaren, zeichenhaften Formensprache, in der er konstruktive Bildelemente organisch mit den flächigen Gesetzen der Farbfeldmalerei verwob. In seinen komplexen Serien wie den „Drehimpulsen“ steigerte er das kontrollierte Fließen von Acryl- und Ölfarben zu geometrisch austarierten Schwingungen. Als tragendes Mitglied der Stuttgarter Schule und unermüdlicher Experimentator über die Genregrenzen hinweg sicherte er dem dynamischen Übergang von der gestischen zur kalkulierten Abstraktion einen absolut prägenden, international geschätzten Platz in der Kunstgeschichte des deutschen Südwestens.

Kunst im deutschen Südwesten, Friedrich Sieber, ohne Titel Farbabstraktion, 1980-1982, Acryl auf Leinwand, 100 cm x 100 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Jakob Wilhelm Fehrle (1884–1974): In Schwäbisch Gmünd geborener Bildhauer, Maler, Zeichner und herausragender Bildchronist der klassischen figürlichen Plastik im 20. Jahrhundert. Nach einer handwerklichen Ausbildung zum Ziseleur studierte er an den Kunstakademien in Berlin bei August Gaul sowie in München bei Balthasar Schmitt. Um seine künstlerische Wahrnehmung international zu schärfen, lebte er in Rom und von 1911 bis 1914 in Paris. Dort am Montparnasse bewegte er sich im Umfeld der Avantgarde, arbeitete zeitweise im Atelier von Auguste Rodin und wurde tief von Aristide Maillol und Wilhelm Lehmbruck geprägt. 1919 kehrte er in seine Heimatstadt zurück, lehrte an der Staatlichen Höheren Fachschule und stieg zu einer regionalen bildhauerischen Ausnahmegestalt auf. Fehrles langes Schaffen spiegelt die politischen Brüche der Epochen wider: Seine Ambitionen auf dem Gebiet der Großplastik führten in der NS-Zeit zu repräsentativen Aufträgen für das Deutsche Reich (wie dem Gmünder Gefallenendenkmal von 1935), obgleich er zeitweise Werke durch Beschlagnahmung verlor und seine eigene Ehefrau mutig vor dem NS-„Euthanasie“-Programm rettete. Nach 1945 knüpfte er an die aufkommende Nachkriegsmoderne an und öffnete sich formal der geometrischen Abstraktion. Fehrles Werk zeichnet sich durch eine singuläre Zuwendung zum menschlichen Körper aus: Vor allem am weiblichen Aktmodell und in seinen anmutigen Muttergottes-Darstellungen balancierte er Statik und Bewegung sensibel aus. Er befreit die klassische Figur von akademischer Schwere und steigert sie zu grazilen, zeitlosen Bronzen, Terrakotten und feinen Zeichnungen. Als Träger des Bundesverdienstkreuzes (1954) und Schöpfer bedeutender Denkmäler und Porträtbüsten im öffentlichen Raum – wie der des Bundespräsidenten Theodor Heuss (1963) – sicherte er der figürlich-sensiblen Plastik einen absolut zentralen, epochenübergreifenden Platz in der Kunstgeschichte des deutschen Südwestens.

Kunst im deutschen Südwesten, Jakob Wilhelm Fehrle, Nach dem Bade, stehender Damenakt ein Tuch haltend, 1944, Höhe 65 cm, Terrakotta modelliert, gebrannt, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Fritz Nuss (1907–1999): In Göppingen geborener Bildhauer, Medailleur und herausragender Meister der figürlichen Nachkriegsplastik im deutschen Südwesten. Nach einer handwerklichen Ausbildung zum Ziseleur in Schwäbisch Gmünd studierte er an den Kunstakademien in München bei Hermann Hahn sowie in Stuttgart bei Ludwig Habich. Bereits 1943 zum Professor ernannt, geriet sein Schaffen durch die politische Anpassung und eine NSDAP-Mitgliedschaft in die Ambivalenzen der Diktatur. Ab 1952 leitete er zwanzig Jahre lang die Klasse für Plastisches Gestalten an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd und begründete dort eine einflussreiche Bildhauerdynastie (darunter sein Sohn Karl Ulrich Nuss). Nuss’ Werk zeichnet sich durch eine singuläre Evolution der menschlichen Figur aus: Während seine frühen Arbeiten der 1930er- und 1940er-Anfänge von geschlossenen Konturen und klassisch-idealer Formstrenge geprägt waren, öffnete er sich ab den 1950er-Jahren – inspiriert durch Henry Moore – spürbar der organischen Abstraktion. Er brach die geschlossenen Volumina auf, betonte die raue Materialität des Modelliertons und steigerte seine Bronzen im Spätwerk zu raumgreifenden, zutiefst sinnlichen und dynamisch-barocken Bewegungschiffren. Als Schöpfer zahlreicher populärer Werke im öffentlichen Raum – wie den markanten Reliefplatten für die Stuttgarter Liederhalle (1956) oder dem „Sitzenden lesend“ vor der Stadtbibliothek – sowie als spiritus rector des Skulpturenpfads in den Weinbergen seines langjährigen Wohnorts Strümpfelbach sicherte er der traditionsbewussten, aber modern reformierten Menschenplastik einen absolut zentralen, identitätsstiftenden Platz in der Kunstgeschichte Baden-Württemberg.

Kunst im deutschen Südwesten, Fritz Nuss, Strumpfanziehende, 1943, Bronze, 26 cm x 11,2 cm x 15,3 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Fritz Nuss, Stehende II, 1948, Bronze, 181,5 cm x 54 cm x 55 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Fritz Nuss, Wasserschöpferinnen, 1979, Bronze, 42,5 cm x 47 cm x 34 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Fritz Nuss, Stehende I, 1970, Bronze, 100,5 cm x 30 cm x 28 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Fritz Nuss, Stehende, 1986 1987, Bronze, 212 cm x 74 cm x 45 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
KONSOLIDIERUNG DER ABSTRAKTION, FARBFELDMALEREI, SKRIPTUALER EXPRESSIONISMUS, INFORMEL & EXISTENTIELLE FIGURATION
1960er Jahre
In den 1960er Jahren festigte sich der Ruf Stuttgarts als Zentrum der ungegenständlichen Kunst. Die Auseinandersetzung mit der reinen Fläche, der harten geometrischen Kante (Hard Edge) und der informellen Plastik dominierte.
STILE & STRÖMUNGEN
Informel
Farbfeldmalerei
Konkrete Kunst
Konstruktivismus
Minimal Art
ungegenständliche Plastik
informeller Bronzeguss.
WEGWEISENDE KÜNSTLERINNEN & KÜNSTLER
Emil Schumacher (1912–1999): In Hagen geborener Maler, Grafiker und weltweit gefeierter Hauptakteur des deutschen Informel sowie des abstrakten Expressionismus. Nach seinem Grafikdesignstudium in Dortmund und auferlegter Arbeit als technischer Zeichner während des Zweiten Weltkriegs vollzog er Anfang der 1950er-Jahre – inspiriert durch eine Begegnung mit dem Maler Wols in Paris – eine radikale Abkehr von jeglicher Figuration. Um die Malerei aus der reinen Fläche in die Dreidimensionalität zu führen, entwickelte er eine eruptive, physisch fassbare Bildsprache: Seine Leinwände und Holzträger behandelte er nicht als Kompositionsflächen, sondern als Aktionsräume, die er mitunter brachial mit Werkzeugen zerfurchte oder mit dem Hammer zertrümmerte. Als langjähriger Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe (1966–1977) prägte er über Jahrzehnte auch die Kunstlandschaft des deutschen Südwestens nachhaltig. Schumachers Werk zeichnet sich durch eine singuläre, archaische Materialästhetik aus: Sowohl in seinen monumentalen Farblandschaften als auch in seinen taktilen Objekten mischte er Sand, Asche, Sisal oder Draht direkt in die Farbmaterie, wodurch reliefartige Oberflächen von vulkanischer Urgewalt entstanden. Als dreifacher documenta-Teilnehmer (1959, 1964, 1977), Gewinner des renommierten Guggenheim Awards (1958) und Schöpfer eines monumentalen Wandbildes im Berliner Reichstagsgebäude sicherte er der gestischen Materialabstraktion einen unumstößlichen, international vernetzten Spitzenplatz in der europäischen Nachkriegsavantgarde.
Klaus Jürgen-Fischer (1930–2017): In Krefeld geborener Maler, Grafiker und bedeutender Kunsttheoretiker, der nach Studien in Düsseldorf und Stuttgart (unter anderem bei Willi Baumeister) jahrzehntelang im Südwesten wirkte. Jürgen-Fischer erlangte monumentale Bedeutung als Herausgeber der führenden Kunstzeitschrift das kunstwerk in Baden-Baden (1962–1974), durch die er die internationale und regionale Abstraktion theoretisch untermauerte. Als Maler gründete er 1960 die avantgardistische Gruppe „SYN“ und wandte sich gegen das regellose Informel. Sein eigenes Werk suchte eine Synthese aus freier Geste und geometrischer Ordnung. Seine subtilen, oft monochromen „synchromen“ Gemälde untersuchten die Rhythmik von feinen Linienrastern und Farbschichtungen im Licht, wodurch er eine der wichtigsten intellektuellen und meditativen Positionen des Südwestens begründete.
Bert Jäger (1919–1998): In Karlsruhe geborener Maler, Grafiker und Essayist, der nach Kriegsdienst und Gefangenschaft ab 1948 in Freiburg im Breisgau lebte und arbeitete. Jäger gilt als der kompromissloseste Pionier der abstrakten Malerei und des Informel in Südbaden. Weitgehend als Autodidakt gestartet, löste er sich radikal von der landschaftlichen Tradition der Region und entwickelte eine hochdynamische, gestische Bildsprache. Seine wuchtigen, prozesshaften Material- und Strukturbilder leben von der Schichtung, Verletzung und eruptiven Überlagerung reiner Farbmaterie. Als Mitbegründer der avantgardistischen „Breisgauer Sezession“ (1954) und enger Freund von Intellektuellen und Künstlern der Nachkriegszeit war er der entscheidende intellektuelle Motor, der die ungegenständliche Moderne im Südwesten jenseits der Stuttgarter und Karlsruher Zentren verankerte.
Hans-Martin Erhardt (1935–2015): In Emmendingen geborener Maler und Grafiker. Er studierte ab 1956 an der Karlsruher Kunstakademie unter anderem bei HAP Grieshaber und Albert Gehmar. Erhardt entwickelte ein unverwechselbares Werk, das sich im Spannungsfeld zwischen expressiver Geste und geometrischer Disziplin bewegt. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine präzise, oft serielle Erforschung von Formen und Chiffren aus, in denen Landschafts-, Architektur- und Körperfragmente zu dichten, rhythmischen Farb-Raum-Gefügen abstrahiert werden. Erhardt leistete damit einen wesentlichen, eigenständigen Beitrag zur Modernisierung der Grafik und Malerei der Karlsruher Schule ab den 1960er Jahren.
Herbert Kitzel (1928–1978): In Halle an der Saale geborener Maler und Grafiker, der nach seinem Studium an der dortigen Kunstschule Burg Giebichenstein 1957 in den Westen floh und bereits 1958 als Professor an die Karlsruher Kunstakademie berufen wurde. Kitzel gilt als einer der wichtigsten und zugleich melancholischsten Grenzgänger zwischen Figuration und informeller Abstraktion. Seine Bildwelten sind von einer tiefen existenziellen Einsamkeit geprägt; obsessiv thematisierte er maskierte Gestalten, Gaukler, Clowns und fragile Torsi, die sich oft wie geisterhafte Schemen hinter Schleiern aus gedämpften, erdigen Farbschichten hervorheben. Als Lehrer übte er einen fundamentalen, prägenden Einfluss auf Künstler wie Hans Baschang aus und stabilisierte das figurative Erbe im Südwesten gegen den reinen Zeitgeist der Gegenstandslosigkeit.
Georg Karl Pfahler (1926–2002): In Emetzheim geborener Maler, Grafiker und Objektdesigner. Er studierte von 1948 bis 1954 an der Stuttgarter Kunstakademie unter anderem bei Willi Baumeister und prägte den Südwesten über Jahrzehnte hinweg. Pfahler gilt als der international herausragendste Pionier der Hard-Edge-Malerei und des Color-Field-Painting in Deutschland. Nachdem er sich Ende der 1950er Jahre vom Informel gelöst hatte, erforschte er in seinen monumentalen Werken die reine, scharf abgegrenzte Farbwirkung als eigenständigen Raumkörper. Seine Blockformationen und architektonischen Farbkonzepte brachen radikal mit jeglicher Bildillusion. Als deutscher Vertreter auf der Biennale von Venedig (1970), Teilnehmer der documenta 4 (1968) und Träger des Hans-Molfenter-Preises der Stadt Stuttgart (1984) hob er die ungegenständliche Kunst der Region auf internationales Spitzenniveau.

Kunst im deutschen Südwesten, Georg Karl Pfahler, Struk Nr.15 C, 1958, 100 cm x 125 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Georg Karl Pfahler, Formativ Nr. 3/II, 1959-1960, 145 cm x 84 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Georg Karl Pfahler, Warschau Zyklus 1A(9), 1964-1971, 200 cm x 200 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Thomas Lenk (1933–2014): In Berlin geborener Bildhauer, Grafiker und herausragender Pionier der abstrakten Objektkunst des 20. Jahrhunderts. Nach der Übersiedlung nach Württemberg im Jahr 1945 studierte er kurzzeitig an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und absolvierte anschließend eine handwerkliche Steinmetzlehre. Um die herkömmliche, geschlossene Masse der traditionellen Bildhauerei aufzubrechen, entwickelte er ab 1964 seine weltberühmten „Schichtplastiken“: Hierbei stapelte und verschob er identische, flache Quadrate mit charakteristisch abgerundeten Ecken. Durch diese mathematisch-serielle Methode erzeugte er eine faszinierende optische Raumtiefe und Scheinbewegung. Als enger Weggefährte von Künstlern wie Georg Karl Pfahler und Heinz Mack setzte er gezielt leuchtende Signalfarben ein, um die plastischen Körper visuell zu dynamisieren. Lenks Werk zeichnet sich durch eine singuläre Synthese aus Minimal Art und Op-Art aus: Er überführte mit seinen monumentalen Stahlschnitt-Skulpturen im öffentlichen Raum als auch in seinen geometrischen Siebdrucken die Werke in raumgreifende, architekturbezogene Raumkonstruktionen. Als Teilnehmer der documenta 4 (1968) und des legendären Deutschen Pavillons der Venedig-Biennale (1970) sicherte er der konstruktiven, raumgreifenden Abstraktion des Südwestens einen prägenden Platz in der internationalen Avantgarde.
Anton Stankowski (1906–1998): In Gelsenkirchen geborener Grafiker, Fotograf, Maler und herausragender Medientheoretiker. Nach prägenden Wanderjahren in Essen und Zürich, wo er wesentliche Impulse der Schweizer Konkreten erhielt, ließ er sich 1951 endgültig in Stuttgart nieder. Stankowski gilt als das international genialste Genie an der Schnittstelle von Konkreter Kunst und richtungsweisendem Kommunikationsdesign. Er hob die Trennung zwischen freier Bildkunst und funktionaler Grafik radikal auf: Seine theoretisch untermauerten „Angewandten Stile“ übersetzten komplexe physikalische, technische oder wirtschaftliche Prozesse in minimalistische, geometrische Linienstrukturen und Farbchiffren von absoluter Identitätskraft. Weltberühmt wurde er durch Corporate-Design-Meilensteine wie das schräge Quadrat-Logo der Deutschen Bank. Als langjähriger Vorsitzender des Beirats der legendären Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm, Gewinner des Kulturpreises der Stadt Stuttgart (1991) und Gründer der Stankowski-Stiftung prägte sein rationales, visuelles Erbe die Bildsprache des deutschen Südwestens nachhaltig auf weltweitem Spitzenniveau.

Kunst im deutschen Südwesten, Anton Stankowski, 4 Quadratprozessionen, 1990, Acryl auf Leinwand, 89,5 cm x 89,5 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Günter Neusel (1930–2020): In Kassel geborener Bildhauer, Maler und herausragender Vertreter der konstruktiven und Konkreten Kunst. Nach seinem Kunststudium in Düsseldorf, Berlin und Kassel kam er 1958 als freischaffender Künstler nach Stuttgart, wo er sich schnell dem avantgardistischen Kreis um den Philosophen Max Bense anschloss. Um seine streng rationale, geometrische Formensprache weiterzuentwickeln, verbrachte er prägende Jahre im Südwesten und lehrte schließlich ab 1974 als einflussreicher Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Neusels Werk zeichnet sich durch eine singuläre mathematisch-räumliche Präzision aus: Sowohl in seinen dreidimensionalen Skulpturen als auch in seinen seriellen Siebdrucken (wie den „Verdeckten Fachwerken“) befreite er die geometrische Form von jeglicher abbildenden oder emotionalen Funktion und steigerte sie zu autonomen, rational austarierten Strukturen aus Linien, Quadraten und Primärfarben. Als früher Preisträger des renommierten Kulturkreises der deutschen Wirtschaft (ars viva, 1956) und langjähriges Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg sicherte er der rationalen, konstruktiven Abstraktion einen absolut prägenden, international vernetzten Platz in der Nachkriegsmoderne des deutschen Südwestens.
Felix Schlenker (1920–2010): In Schwenningen am Neckar geborener Maler, Grafiker, Objektkünstler und herausragender Wegbereiter der Konkreten Kunst und konstruktiven Abstraktion im deutschen Südwesten. Nach autodidaktischen Studien nach 1945 und frühen künstlerischen Bezügen zu Paul Klee entwickelte er ab den späten 1950er Jahren eine völlig eigenständige Formensprache. Zunächst sammelte er im kriegszerstörten Umfeld Relikte und Schutt, um daraus in der postdadaistischen Tradition von Kurt Schwitters erste, dem Informel verpflichtete Materialbilder und Assemblagen zu formen. Ab 1964 radikalisierte er sein Schaffen hin zu asketischer Strenge: Er beschränkte sich fast ausschließlich auf das quadratische Format und reduzierte seine Arbeiten auf monochrome Bildobjekte, serielle Lackbilder oder rhythmisch angeordnete Hufeisennägel auf Holzplatten. Schlenkers Werk zeichnet sich durch eine singuläre Synthese aus konstruktiver Ordnung und meditativer Materialästhetik aus: Sowohl in seinen strukturierten Reliefs als auch in seinen feinen Aquarellen befreite er die geometrische Struktur von emotionalem Pathos und steigerte das Wechselspiel aus Raum, Licht und feinen Schattenwirkungen zu visuellen Ruhepolen von Zen-buddhistischer Qualität. Als Mitbegründer des einflussreichen „Forum Kunst Rottweil“ prägte er die Kulturregion nachhaltig und sicherte der reduzierten Objektkunst des Südwestens als Träger des Professorentitels ehrenhalber des Landes Baden-Württemberg einen absolut gleichrangigen, international vernetzten Platz in der Nachkriegsavantgarde.
Bernd Berner (1930–2002): In Hamburg geborener Maler, Grafiker und bedeutender Kunstpädagoge, der nach Studien in Hamburg, Paris und Stuttgart (u. a. bei Willi Baumeister) ab 1952 fest in Stuttgart lebte und von 1971 bis 1994 als Professor an der Hochschule in Pforzheim lehrte. Berner gilt kunsthistorisch als einer der profiliertesten Pioniere des Post-Informel und des autonomen Farbraums in Deutschland. Ab Mitte der 1960er Jahre fokussierte er sein gesamtes Schaffen auf das sogenannte „Flächenbild“. Dabei löste er die informelle Geste in dichte, strukturierte Geflechte aus zahllosen, gitterartigen Pinselstrichen und übereinandergelegten Farblasuren auf. Berners Gemälde besitzen keine Gegenständlichkeit oder geometrische Begrenzung; sie leben ausschließlich von der inneren Vibration, der Dichte und der atmosphärischen Tiefenwirkung pulsierender Farbschichten. Als langjähriges Vorstandsmitglied des Deutschen Künstlerbundes hinterließ er eine der stringentesten und meditativsten Positionen der ungegenständlichen südwestdeutschen Kunstgeschichte.

Kunst im deutschen Südwesten, Bernd Berner, Flächenraum, 1963-1964, 130,5 cm x 110,5 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Rolf-Gunter Dienst (1942–2016): In Kiel geborener Maler, Grafiker, einflussreicher Kunstkritiker und herausragender Protagonist der deutschen Nachkriegsabstraktion. Er kam Mitte der 1960er-Jahre nach Stuttgart, wo er mit der Gründung der Künstlergruppe SYN (1965) die Abkehr vom rein emotionalen Informel einleitete, und lehrte später als langjähriger Professor an der Kunstakademie Nürnberg. Um seine künstlerische Sprache international zu schärfen, verbrachte er in den späten 1960er- und 1970er-Jahren prägende Arbeitsaufenthalte in New York, wo er sich intensiv mit dem amerikanischen Color Field Painting und dem Minimalismus auseinandersetzte. Als langjähriger Redakteur der renommierten Zeitschrift Das Kunstwerk prägte er über Jahrzehnte den kunstkritischen Diskurs der Bundesrepublik. Diensts Werk zeichnet sich durch eine singuläre, skripturale Rhythmik aus: Sowohl in seinen großformatigen Ölbildern als auch in seinen nuancierten Zeichnungen befreite er die Linie von jeglicher abbildenden Funktion und steigerte sie zu autonomen, tief poetischen Rastern aus winzigen, asemantischen Chiffren. Als zweifacher Villa-Massimo-Stipendiat, Träger des Bundesverdienstkreuzes und prägende Figur im Grenzbereich von Visueller Poesie und Malerei sicherte er der systematischen, aber zutiefst lyrischen Abstraktion einen absolut singulären, international vernetzten Platz in der deutschen Kunstgeschichte.
Markus Prachensky (1932–2011): In Innsbruck geborener Maler, Grafiker und prägender Pionier des europäischen Informel. Nach seinem Studium der Architektur und Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien gründete er 1956 gemeinsam mit Hollegha, Mikl und Rainer die avantgardistische Gruppe um die Galerie nächst St. Stephan. Ab Ende der 1950er-Jahre trat Prachensky in intensiven, befruchtenden Austausch mit der südwestdeutschen Kunstszene, flankiert durch wegweisende Galeriepräsentationen und Museumsbegegnungen im Stuttgarter und Karlsruher Raum. Prachenskys Œuvre ist ein radikales Monument der reinen, ungebändigten Geste: Seine weltberühmten, hochexpressiven Zyklen (wie Rot auf Weiß, St. Stephan oder seine späteren italienischen Reisebilder) bannen eruptive, gewaltige Farbschwünge – dominiert von einem eigens gemischten, unverkennbaren Prachensky-Rot – auf die Leinwand. Als internationaler Fixstern der Aktions- und Informelmalerei brachte er eine ungestüme, architektonisch-rhythmische Wucht in den abstrakten Diskurs des Südwestens ein und etablierte die physische Präsenz der Farbe als reines Energieereignis.
Lothar Quinte (1923–2000): In Insterburg geborener Maler, Grafiker und bedeutender Wegbereiter der Farbfeld- und Lichtkunst. Nach seinem Studium an der Kunstschule Bernstein (Bernsteinschule) bei HAP Grieshaber und Hans Paul Schmohl wirkte er jahrzehntelang im Südwesten (u. a. in Wettelbrunn). Quinte gilt kunsthistorisch als eine der profiliertesten Galionsfiguren der deutschen Op-Art und meditativen Lichtfeldmalerei. Seine frühen Arbeiten waren noch vom Informel geprägt, doch ab den frühen 1960er Jahren reduzierte er seine Bildsprache radikal auf die Erforschung von geometrischen Systemen, Fächerbündelungen, strahlenden Farbgrenzen und den berühmten Schlitzbildern, bei denen feine, vertikale Lichtspalten die Monochromie der Leinwand spannungsvoll durchbrechen. Neben seinen Gemälden schuf er ein international wegweisendes Œuvre an architekturbezogener Kunst, darunter die monumentalen Fensterzyklen für den Dom zu Speyer oder die Kirche St. Andreas in Karlsruhe. Als Teilnehmer der documenta 4 (1968) und Gastdozent an der Stuttgarter Akademie (1959/1960) hob er das Wechselspiel von Farbe, Raum und optischer Vibration auf internationales Spitzenniveau.
K.R.H. Sonderborg (1919–2000): Eigentlich Karl Robert Harvey Sonderborg, in Sønderborg (Dänemark) geborener Maler und Grafiker. Nach Studien in Hamburg und Paris (Atelier Hayter) wurde er 1965 als Professor an die Stuttgarter Kunstakademie berufen, wo er bis 1985 eine der einflussreichsten Klassen leitete. Sonderborg gilt als einer der international radikalsten Hauptvertreter des deutschen Informel und der Aktionsmalerei. Seine Werke – fast ausschließlich auf kontrastreiches Schwarz-Weiß-Rot reduziert – entstanden oft in eruptiven, rasanten Malsitzungen unter dem Einfluss von Jazzmusik. Unter Einsatz von unkonventionellen Werkzeugen wie Spachteln, Kratzern, Rasierklingen oder Autowischern riss, schleuderte und strukturierte er die Farbe auf den Untergrund. Diese Bilder fangen die nackte Dynamik von Zeit, Rhythmus und Bewegung ein und verweisen metaphorisch auf urbane Architekturen und technische Landschaften. Als dreifacher documenta-Teilnehmer (1959, 1964, 1977), Vertreter Deutschlands auf der Biennale von Venedig (1958) und Gewinner des Hans-Molfenter-Preises der Stadt Stuttgart (1987) verankerte er die internationale Aktionsavantgarde unwiderruflich im Südwesten.
Rudolf Haegele (1926–1998): In Schömberg bei Rottweil geborener Maler, Glasgestalter und einflussreicher Hochschullehrer der baden-württembergischen Nachkriegsmoderne. Schockiert von den traumatischen Erlebnissen im Kriegsdienst bei der Kriegsmarine, verwarf er seinen ursprünglichen Wunsch, Ingenieur zu werden, und wählte die Malerei als Instrument des existenziellen Protests und gesellschaftlichen Wandels. Nach seinem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Fritz Steisslinger und Hermann Sohn (1946–1948) sowie einem prägenden Pariser Stipendiaten-Aufenthalt stieg er zu einer zentralen Leitfigur der regionalen Kunstszene auf. Er amtierte ab 1968 als Vorsitzender der Stuttgarter Sezession und leitete von 1965 bis 1992 als angesehener Professor fast drei Jahrzehnte lang eine eigene Malklasse an der Stuttgarter Kunstakademie. Haegeles Werk zeichnet sich durch eine singuläre existentielle Materialtiefe aus: Sowohl in seinen vielschichtigen Leinwandgemälden als auch in seinen monumentalen Glasfenstern für kommunale und sakrale Räume befreite er das Bild von glatten Oberflächen. Tief beeinflusst von der Philosophie Albert Camus’ und dem französischen Existenzialismus, mischte er Sand und andere Werkstoffe in die Farbmaterie, um durch Schichtung und anschließendes brachiales Auskratzen raue, verletzte Fels- und Mauerstrukturen sowie kryptische Schriftzeichen freizulegen. Als engagierter Pädagoge und unermüdlicher Sucher nach der Conditio humana sicherte er der materialbetonten, philosophisch aufgeladenen Abstraktion einen absolut zentralen, unverwechselbaren Platz im kulturellen Erbe des deutschen Südwestens.

Kunst im deutschen Südwesten, Rudolf Haegele, Palimpsest VOLTERRA, 1981, 195 cm x 163 cm, Mischtechnik auf Leinwand, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Kunst im deutschen Südwesten, Rudolf Haegele, Dreiteiliges Bild Rivoli, 1974 1975, Mischtechnik auf Platte, 60 cm x 131 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Emil Cimiotti (1927–2019): In Göttingen geborener Bildhauer und langjähriger Professor, der von 1951 bis 1954 an der Stuttgarter Akademie bei Willi Baumeister und Otto Baum studierte. Cimiotti gilt als der international bedeutendste Pionier der informellen Bildhauerei in Deutschland. Seine biomorphen, hochfiligranen und raumoffenen Bronzegüsse im Wachsausschmelzverfahren brachen radikal mit dem klassischen Dogma des geschlossenen, geometrischen Volumens. Seine plastischen Strukturen erinnern an zerklüftete Landschaften, wucherndes vegetabiles Geäst oder geologische Formationen, in denen Innen- und Außenraum organisch miteinander verschmelzen. Als zweifacher Teilnehmer der Biennale von Venedig (1958, 1960) sowie der documenta in Kassel (1959, 1964) und Gewinner des Kunstpreises der Stadt Stuttgart (1957) prägte er die dreidimensionale Nachkriegskunst im Südwesten fundamental.

Kunst im deutschen Südwesten, Emil Cimiotti, Pineta III, Bronze gussrau, 58 cm x 24 cm x 23 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Kunst im deutschen Südwesten, Emil Cimiotti, Baum – Strukturen, 2014, Bronze gussrau, 49 cm x 83 cm x 27 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Kunst im deutschen Südwesten, Emil Cimiotti, Knieende, 1983, Bronze gussrau auf Stahl, teilweise bemalt, 191 cm x 44 cm x 67 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Erich Hauser (1930–2004): Schuf monumentale Skulpturen aus Edelstahl; seine glänzenden, kantigen Konstrukte prägen bis heute viele Plätze im Südwesten.

Kunst im deutschen Südwesten, Erich Hauser, 5-89, Edelstahl, poliert, Unikat signiert, 137 cm x 86 cm x 16 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Wilhelm Loth (1920–1993): In Darmstadt geborener Bildhauer, der nach prägenden Lehrjahren bei Toni Stadler und Fritz Schwarzbeck ab 1958 als Professor für Bildhauerei an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe berufen wurde (wo er bis 1986 lehrte). Loth gilt als einer der radikalsten Erneuerer der gegenständlichen Plastik im Deutschland der Nachkriegszeit. Berühmt wurde er für seine obsessive, lebenslange Auseinandersetzung mit dem weiblichen Torso und Körperfragmenten. Seine Skulpturen aus Bronze, Aluminium und später eingefärbten Kunststoffen brachen radikal mit dem klassischen, akademischen Schönheitsideal: Er zeigte den Körper ungeschönt, asymmetrisch, von inneren Kräften deformiert oder wie tektonisch geschichtet. Als documenta-Teilnehmer (1964), Gewinner des Jerg-Ratgeb-Preises (1979) und Mitglied der Darmstädter Sezession prägte er das bildhauerische Klima im Südwesten über Jahrzehnte und schuf ein starkes Gegengewicht zur reinen Abstraktion.

Kunst im deutschen Südwesten, Wilhelm Loth, Neue Figuration, Torso aus konvexen Formen, 1984, Bronze, 50 cm x 82 cm x 15,5 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Gerlinde Beck (1930–2006): Bildhauerin, die das Prinzip der Abstraktion in den Raum übertrug; bekannt für choreografierte Stahlskulpturen.
REDUKTIVER MATERIAL-REALISMUS, EXISTENTIELLE MATERIALABSTRAKTION & POETISCHER MINIMALISMUS
1968 – 1990
Fritz Klemm hat als „Grenzgänger der Kunst“ eine Werkgruppe, die sich als reduktiver Material-Realismus oder poetischer Minimalismus charakterisieren lässt, im Zeitraum von Ende der 1960er-Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1990 entwickelt und geschaffen.
Fritz Klemm (1902–1990): In Mannheim geborener Maler, Zeichner und einflussreicher Wegbereiter einer radikal reduzierten, materialbetonten Stillleben- und Raumkunst. Nach seinem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe kehrte er nach dem Zweiten Weltkrieg dorthin zurück und prägte die Institution von 1953 bis 1970 als legendärer Professor für Kunsterziehung, wodurch er Generationen bedeutender Künstler des Südwestens (darunter Franz Bernhard und Walter Stöhrer) formte. Um die traditionelle Malerei von akademischen Zwängen zu befreien, konzentrierte er sich in seinem reifen Werk auf scheinbar banale Gegenstände seines unmittelbaren Alltags: Atelierwände, karge Tische, Fensterrahmen oder einfache Holzbretter. Ausgehend von diesen Motiven entwickelte er ab den 1960er-Jahren seine charakteristischen Mischtechniken und Materialcollagen, bei denen er grobe Packpapiere, Wellpappe, Karton und dünne Lasuren so übereinanderlegte und bearbeitete, dass die raue Textur des Bildträgers selbst zum eigentlichen Bildinhalt wurde. Klemms Werk zeichnet sich durch eine singuläre Sensibilität für das Unscheinbare und eine meisterhafte Beherrschung von Nuancen aus: Sowohl in seinen fast monochromen, weiß-grauen Ölbildern als auch in seinen fragilen Zeichnungen steigerte er die Struktur des Materials zu autonomen, zutiefst meditativen und melancholischen Bildräumen. Als früher Villa-Romana-Preisträger (1938), Träger des Hans-Thoma-Preises des Landes Baden-Württemberg (1971) und Ehrenmitglied der Karlsruher Kunstakademie (1983) sicherte er der minimalistischen, existentiellen Materialabstraktion einen absolut prägenden, zeitlosen Platz im künstlerischen Gefüge der Nachkriegszeit.
MONUMENTALE BILDHAUEREI, NEUE FIGURATION & KRITISCHER REALISMUS
1970er & 1980er Jahre
Als Reaktion auf das Dogma der Abstraktion bildete sich an der Karlsruher Akademie eine weltberühmte figurative Schule. Parallel dazu erlebte der Südwesten eine Blütezeit der monumentalen Architektur-Plastik und des kritischen Realismus.
STILE & STRÖMUNGEN
Neue Figuration
Kritischer Realismus
Neo-Expressivismus
Konzeptuelle Figuration
monumentale, architektonische Bildhauerei
Kunst im öffentlichen Raum.
WEGWEISENDE KÜNSTLERINNEN & KÜNSTLER
Hans Baschang (1937–2017): In Karlsruhe geborener Maler, Zeichner und Bildhauer, der an der Karlsruher Akademie bei HAP Grieshaber, Herbert Kitzel und Fritz Klemm studierte. Baschang gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter und theoretischen Köpfe der Karlsruher „Neuen Figuration“. Sein Werk zeichnet sich durch eine radikale Erforschung des menschlichen Körpers mittels der autonomen Linie aus: Als virtuoser „Magier der Linie“ reduzierte er die menschliche Gestalt auf hochsensible Chiffren, fragile Strichlagen und skulpturale Zeichenkonstrukte, die im Spannungsfeld von Abstraktion und Figuration eine enorme existenzielle Wucht entfalten. Er prägte die Nachkriegskunst im Südwesten nachhaltig und wirkte als langjähriger, einflussreicher Professor an der Münchner Kunstakademie, wo er nachfolgende Generationen prägte.
Walter Stöhrer (1937–2000): In Stuttgart geborener Maler und Grafiker, der von 1956 bis 1959 an der Karlsruher Akademie gemeinsam mit Horst Antes und Heinz Schanz in der Klasse von HAP Grieshaber studierte. Stöhrer zählt zu den einflussreichsten Protagonisten der deutschen Nachkriegskunst. Seine fundamentale Bildsprache – von ihm selbst als „intrapsychisch realistisch“ definiert – bricht radikal das Diktat der reinen Abstraktion auf: Stöhrer ging von Schriftzeichen, Gedichtfragmenten (u. a. André Breton) und feinen kalligrafischen Kürzeln aus, die er impulsiv mit ungezähmten, hochexpressiven Farbbahnen verstrich, verwischte und übermalte. Seine großformatigen, wuchtigen Werke erinnern an das surrealistische Prinzip der Écriture automatique und bündeln ein enormes energetisches Kraftfeld. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Kunstpreis der Jugend (1962) und dem Hans-Molfenter-Preis (1995), hinterließ er als langjähriger Berliner Akademieprofessor ein wegweisendes grafisches und malerisches Erbe.
Heinz Schanz (1927–2003): In Genkingen geborener Maler und Zeichner. Er war Schüler von HAP Grieshaber an der Bernsteinschule und folgte ihm 1956 an die Karlsruher Akademie. Schanz gilt neben Horst Antes und Walter Stöhrer als Mitbegründer der Karlsruher „Neuen Figuration“. Seine Werke zeichnen sich durch ein radikales Pendeln zwischen ungegenständlicher Geste und figurativer Rückkehr aus: Schanz schleuderte und goss Temperafarbe kraftvoll auf den Bildträger und unterwarf seine Kompositionen einem obsessiven Prozess der Schichten-Übermalung. Dadurch steigerte er eine leuchtende, zutiefst charakteristische Tiefenräumlichkeit. Als Träger des Villa-Romana-Preises (1977) und des Kunstpreises der Stadt Stuttgart (1990) prägte er die südwestdeutsche Nachkriegsmalerei maßgeblich.
Horst Antes (*1936): In Heppenheim geborener Maler, Grafiker und Bildhauer, der von 1957 bis 1959 an der Karlsruher Akademie bei HAP Grieshaber studierte und dort später selbst jahrzehntelang als einflussreicher Professor lehrte. Antes gilt als eine der wegweisendsten Galionsfiguren der deutschen Nachkriegskunst und als Mitbegründer der Karlsruher „Neuen Figuration“. Zu Beginn der 1960er Jahre erfand er sein ikonisches Kunstsymbol: den „Kopffüßler“, eine archaische, auf Kopf und Füße reduzierte Kunstfigur, die er in zahllosen malerischen, grafischen und bildhauerischen Variationen (u. a. monumentale Eisen- und Cortenstahlskulpturen im öffentlichen Raum) untersuchte. Seine Bildwelten verknüpfen Einflüsse der klassischen Moderne, indigene Kunstformen (Hopis) und existentielle Fragen zu Chiffren von zeitloser Symbolkraft. Als dreifacher documenta-Teilnehmer (1964, 1968, 1977), Träger des Großen Preises der Biennale von São Paulo (1991) und des Hans-Molfenter-Preises der Stadt Stuttgart (1989) prägte er die visuelle Identität des deutschen Südwestens auf internationalem Spitzenniveau.
Markus Lüpertz (*1941): International gefeierter Maler, Grafiker und Bildhauer; wirkte von 1974 bis 1986 als prägender Professor für Malerei an der Karlsruher Akademie und brach mit seiner „Dithyrambischen Malerei“ sowie seinen monumentalen, suggestiven Bildchiffren und Skulpturen radikal die Vorherrschaft der reinen Abstraktion im Nachkriegsdeutschland.
Georg Baselitz (*1938): Lehrte ab 1977 in Karlsruhe; erlangte Weltruhm durch das Umkehren seiner Bildmotive auf den Kopf.
Max Kaminski (1938–2019): Bedeutender documenta-Teilnehmer und langjähriger Professor an der Karlsruher Kunstakademie (ab 1981); erlangte große Relevanz durch seine hochexpressiven, farbgewaltigen Figurenbilder und raumgreifenden Zyklen, die existenzielle Themen wie Mythologie, Tragik und Tod formal konsequent gegen den Trend des reinen Informel behaupteten.

Kunst im deutschen Südwesten, Max Kaminski, Notre Dame (Marseille), 2003, Öl auf Leinwand, 190 cm x 190 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Peter Dreher (1932–2020): In Mannheim geborener Maler, Grafiker und weltweit gefeierter Pionier des konzeptuellen Realismus. Er studierte an der Karlsruher Kunstakademie bei Karl Hubbuch und Wilhelm Schnarrenberger und leitete von 1968 bis 1997 als Professor die Freiburger Außenstelle der Akademie, an der er Generationen von Schülern (darunter Anselm Kiefer) grundlegend prägte. Drehers Schaffen bildet ein monumentales Monument der zeitgenössischen Malereigeschichte: Im Zentrum steht sein 1974 begonnenes und über 45 Jahre fortgeführtes Serien-Hauptwerk „Tag um Tag guter Tag“. Darin porträtierte er ein einfaches leeres Wasserglas unter sich ständig ändernden Lichtverhältnissen weit über 5.000 Mal in absolut realistischer Präzision auf identischen 25 × 20 cm großen Bildträgern. Abseits dieser Jahrhundertserie schuf er komplexe Interieurs, dichte Stillleben und großformatige Landschaften (wie die Schwarzwald-Bilder). Als Träger des Hans-Thoma-Preises (1979) und des Reinhold-Schneider-Preises (2000) bewies er meisterhaft, dass die gegenständliche Malerei durch radikale konzeptuelle Serialität die Grenzen zwischen Realismus, Meditation und zeitgenössischer Konzeptkunst vollkommen aufhebt.
Dieter Krieg (1937–2005): In Lindau geborener Maler, Zeichner und langjähriger Professor, der von 1958 bis 1962 an der Karlsruher Akademie bei HAP Grieshaber und Herbert Kitzel studierte. Krieg gilt als einer der radikalsten Grenzgänger der deutschen Nachkriegskunst. Mit einer geradezu eruptiven, zentimeterdicken Pastosität schleuderte und strich er reine Farbmaterie auf gigantische Leinwände und Packpapierbögen. Seine Bildmotive sind von einer monumentalen und zugleich existentiellen Profanität: Er malte banale Alltagsgegenstände wie Fritten, Fleischbrocken, Betten, Badewannen, Kreuze, Salatköpfe oder Eimer, die in ihrer schieren materiellen Wucht den Raum physisch attackieren und sich zwischen vollkommener Abstraktion und schonungslosem Ding-Realismus bewegen. Als Vertreter Deutschlands auf der Biennale von Venedig (1978) sowie als Empfänger des Hans-Molfenter-Preises der Stadt Stuttgart (1993) prägte sein kompromissloses Werk das kunsthistorische Klima im Südwesten tiefgreifend.
Ben Willikens (*1939): Weltbekannt für seine monumental-metaphorischen „Grauen Räume“, Anstalt-Interieurs und die Neugestaltung des Stuttgarter Landtags.

Kunst im deutschen Südwesten, Ben Willikens, Boxer – Spind, Olympia 1972 München 1971, Gemälde Acryl auf Leinwand, 78 cm x 54 cm, 81,5 cm x 57 cm mit Rahmen, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Helmut Goettl (1934–2011): Wichtiger Vertreter des sozialkritischen Realismus im Raum Karlsruhe; dokumentierte den Alltag mit ironisch-analytischem Blick.

Kunst im deutschen Südwesten, Helmut Goettl, Gartenfest, 1992, Zeichnung, 102 cm x 73 cm, goh010re, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Romane Holderried Kaesdorf (1922–2007): Schuf ein unverwechselbares zeichnerisches Werk, das menschliche (oft männliche) Verhaltensmuster skurril-ironisch zerlegte.

Kunst im deutschen Südwesten, Romane Holderried-Kaesdorf, die Spielerinnen, 1994, Öl und Bleistift auf Sperrholz, 77 cm x 80 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Julius Kaesdorf (1914–1993): Als Autodidakt schuf er minimalistische, zeichenhafte und humorvolle Werke von hoher Prägnanz.

Kunst im deutschen Südwesten, Julius Kaesdorf, Kleine Figur im Sessel, 1957-67 2, Werkverzeichnis I995, Öl auf Leinwand auf Platte, 18,2 cm x 14 cm, mit Rahmen 33 cm x 30 cm, Sammlung Fritz Genkinger, SüdWestGalerie
Günter Schöllkopf (1935–1979): Grafiker und Zeichner; bekannt für seine literarischen Illustrationen und surreal-grotesken Radierungen.

Kunst im deutschen Südwesten, Günter Schöllkopf, Another Sherlock Holmes, 1979, Radierung, 44 cm x 33 cm, scg001re, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Artur Stoll (1947–2003): Schüler von Grieshaber; schuf hochexpressive, reliefartige Gemälde von urwüchsiger, physischer Präsenz.

Artur Stoll, Das Tier und die Wahrheit, 1988, Öl auf Leinwand, 133 cm x 143 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Artur Stoll, Blumen für die Welt, je t’aime Liebe, 2000, Öl auf Leinwand, 120 cm x 160 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Jürgen Brodwolf (geb. 1932): In Dübendorf (Schweiz) geborener Bildhauer, Objektkünstler, Maler und international gefeierter Schöpfer der weltberühmten „Tubenfigur“. Nach einer Ausbildung zum Entwurfszeichner in einer Zürcher Lithografieanstalt und ausgedehnten Studienreisen nach Paris und Florenz kam er Mitte der 1950er-Jahre in den deutschen Südwesten, wo er zunächst als freischaffender Restaurator in Vogelbach (Südbaden) wirkte. Im Jahr 1959 vollzog er seine kunsthistorische Jahrhundertentdeckung: Er fand eine ausgedrückte, deformierte Bleitube, deren plastische Form ihn an den menschlichen Körper erinnerte, und erhob dieses weggeworfene Alltagsobjekt zu seiner lebenslangen, archetypischen Urfigur. Um diese faszinierende Schnittstelle zwischen banalem Konsumgut und verletzlicher menschlicher Existenz tiefer zu erforschen, entwickelte er über Jahrzehnte hinweg ein singuläres, unerschöpfliches Werk aus Skulpturen, Reliquiaren und raumgreifenden Installationen. Als langjähriger Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (1976–1982) prägte er die Region nachhaltig. Brodwolfs Werk zeichnet sich durch eine zutiefst berührende, existenzielle Materialästhetik aus: Sowohl in seinen mit Mullbändern, Asche und Kreide umwickelten Tuben-Menschlein als auch in seinen monumentalen Figurengruppen aus Blei, Holz oder Papier befreite er die Figur von heroischen Posen und steigerte sie zu Chiffren von Vergänglichkeit, Isolation und Schutzbedürftigkeit. Als Teilnehmer der documenta 6 (1977), Träger des Hans-Thoma-Preises des Landes Baden-Württemberg (1981) und Begründer der geschichtsträchtigen Brodwolf-Stiftung im Kulturzentrum Kandern sicherte er der anthropomorphen Objektkunst einen absolut unverwechselbaren, zeitlosen Spitzenplatz in der europäischen Nachkriegsavantgarde.

Kunst im deutschen Südwesten, Jürgen Brodwolf, Ikarus II , 1997, Fundstück, verhüllte Tubenfigur, 1974, 45 cm x 51 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Jürgen Brodwolf, Figurentypologie 2008, umhüllte Tubenfigur um 1980, 40 cm x 30 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Otto Herbert Hajek (1927–2005): In Kaltenbach geborener Bildhauer, Maler und herausragender Pionier der ungegenständlichen Plastik im öffentlichen Raum. Er kam 1947 nach Stuttgart, absolvierte dort sein Bildhauerstudium an der Kunstakademie und machte die Landeshauptstadt zum Zentrum seines weltweiten Schaffens. Nach prägenden Anfängen im Informel erlangte er ab den 1950er-Jahren erste internationale Anerkennung durch sein bahnbrechendes Frühwerk: In seinen plastisch dichten „Raumknoten“ und vielschichtigen „Raumschichtungen“ durchbrach er die geschlossene Form der klassischen Skulptur und webte filigrane Netze aus Linien, Graten und Durchbrüchen in den Raum, die das Licht in plastische Energie verwandelten. Ab den 1960er-Jahren übertrug er diese plastischen Raumuntersuchungen radikal in den urbanen Bereich und begründete seine weltbekannte „Stadtikonographie“ – monumentale, geometrische und begehbare Beton- und Stahlsuklpturen, die mit signalhaften Farbwegen die graue Nachkriegsarchitektur humanisieren und damit einen positiven gesellschaftspolitischen Beitrag leisten sollten. Er gestaltete Plätze sowie Universitäten weltweit und prägte als langjähriger Vorsitzender des Deutschen Künstlerbundes die Kulturpolitik der Bundesrepublik entscheidend mit. Als zweifacher documenta-Teilnehmer (1959, 1964) und Professor in Karlsruhe sicherte er der abstrakten Plastik des Südwestens einen absolut prägenden, international vernetzten Platz in der Moderne.

Kunst im deutschen Südwesten, Otto Herbert Hajek, P 138, 60 3, 1960, Bronze, 27 cm x 25 cm x 11 cm – Höhe ohne Sockel, Unikat, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Otto Herbert Hajek, Raumknoten, 1958, Tusche laviert auf Papier, 44 cm x 62 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Ulrich Nuss (*1943): Setzte die Familientradition (Sohn von Fritz Nuss) fort; schuf ausdrucksstarke, oft narrative Bronzefiguren im öffentlichen Raum.
Franz Bernhard (1934–2013): In Neuhäuser (Böhmerwald) geborener Bildhauer, Zeichner und herausragender Erneuerer der ungegenständlichen, anthropomorphen Plastik der Nachkriegszeit. Nach Flucht und Vertreibung kam er 1946 in den Landkreis Heilbronn, absolvierte eine Schreinerlehre und studierte anschließend von 1959 bis 1966 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Wilhelm Loth und Fritz Klemm. Um den menschlichen Körper ohne jede anatomische Detailtreue neu zu begreifen, entwickelte er ab den Spätsechzigern monumentale, sockellose Außenskulpturen, die er vorzugsweise aus der archaischen, rauen Materialkombination von massivem Holz und rostendem CorTen-Stahl zusammensetzte. Trotz der harten, industriellen Werkstoffe transportieren seine Arbeiten stets eine vitale, existenzielle Körperlichkeit, die Haltung, Gestik und Aufrichtung versinnbildlicht. Als langjähriger Erster Vorsitzender des Künstlerbundes Baden-Württemberg (1994–2001) und Träger des Bundesverdienstkreuzes prägte er die Kulturlandschaft im deutschen Südwesten tiefgreifend. Bernhards Werk zeichnet sich durch eine singuläre Synthese aus minimalisierter Tektonik und anthropomorpher Präsenz aus: Sowohl in seinen tonnenschweren Stadtikonen wie der „Großen Mannheimerin“ als auch in seinen kraftvollen, zeichenhaften Großzeichnungen befreite er das Menschenbild von abbildenden Konventionen. Als Teilnehmer der documenta 6 (1977), Villa-Romana-Preisträger und Träger einer Ehrenprofessur des Landes Baden-Württemberg sicherte er der zeichenhaften, materialbetonten Abstraktion einen absolut singulären, zeitlosen Platz in der europäischen Plastik.

Kunst im deutschen Südwesten, Franz Bernhard, Kreuzform, 1994, Eisen, Gips, Höhe 167 cm, Breite 99 cm,, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Hans Schreiner (1930–2023): Übersetzte Landschaften und Naturerlebnisse in großformatige, lyrisch-abstrakte Farbräume.

Kunst im deutschen Südwesten, Hans Schreiner, ohne Titel, 1960, Öl auf Leinwand, 61 cm x 81 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Hans Schreiner, ohne Titel, 1960, Öl auf Leinwand, 61 cm x 81 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
PLURALISMUS, GRAFIK-INNOVATIONEN & MATERIALEXPERIMENTE
1990er Jahre bis ca. 2010
Mit der Gründung des ZKM in Karlsruhe öffnete sich die Kunstregion der Digitalisierung. Gleichzeitig etablierte sich eine Generation, die das Erbe der klassischen Abstraktion, der Bildhauerei und insbesondere der manuellen Druckgrafik durch unkonventionelle Werkstoffe und serielle Konzepte radikalisierte.
STILE & STRÖMUNGEN
Neokonstruktivismus
Radikale Druckgrafik
experimenteller Holzschnitt
Farbfeld-Radierung
architektonische Holzbildhauerei
Konzeptkunst
WEGWEISENDE KÜNSTLERINNEN & KÜNSTLER
GRAFISCHE & MALERISCHE POSITIONEN
Rudolf Schoofs (1932–2009): Herausragender Maler und Zeichner des deutschen Informel; erlangte als Professor für Freie Grafik an der Stuttgarter Akademie (1976–1997) fundamentalen Einfluss im Südwesten. Seine international beachteten, in sensiblen Strichlagen geschichteten Dickichte, kosmischen Vegetationen und Stadtlandschaften bildeten das pädagogische und ästhetische Fundament für eine ganze Generation moderner Zeichner der Region.

Kunst im deutschen Südwesten, Rudolf Schoofs, Stadtlandschaft, 1983, Öl auf Leinwand, 155 cm x 220 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Peter Guth (1957–2006): In Mengen geborener Zeichner und Holzschneider erlangte Bedeutung durch seine kraftvollen, dichten Zeichnungen sowie experimentelle, raumgreifende Holzschnitte und serielle Buchobjekte, die auf archaischen Werkstoffen basierten.
Werner Zaiß (*1943): In Stuttgart geborener und an der Höheren Grafischen Fachschule ausgebildeter Künstler; wirkte über Jahrzehnte als freier Grafiker und prägte als langjähriger Leiter der Radierwerkstätten am Studium Generale der Universität Stuttgart nachfolgende Generationen durch seine meisterhaften Farbradierungen und prägnanten Farblinolschnitte.

Kunst im deutschen Südwesten, Peter Guth, Treppensockel, Tanzboden, Holzschnitt Unikat, 1995, 169 cm x 123 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Georg Heller (*1954): In Eichstätt geborener, an der Stuttgarter Akademie ausgebildeter Grafiker und Kunsterzieher; bekannt für großformatige, konzeptionell streng durchdachte Linoldrucke mit Offsetfarbe auf Köper sowie experimentelle PC-Grafiken.

Kunst im deutschen Südwesten, Georg Heller, und wenn sie nicht gestorben sind, Linolschnitt, 1992, 200 cm x 280 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Isa Dahl (*1965): Bekannt für dynamische, rhythmische Schlingen- und Pinselstrukturen, die tiefe visuelle Farbräume erzeugen.
Hanspeter Münch (*1951): Meister der lyrischen Abstraktion; schafft lichtdurchflutete, vielschichtige Farb- und Lasurgemälde.

Kunst im deutschen Südwesten, Isa Dahl, nur so, 2011, Öl auf Leinwand, 210 cm x 240 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Bruno Kurz (*1957): Nutzt Metallgaze und transluzide Untergründe, um in seinen abstrakten Landschaften Lichtphänomene einzufangen.

Kunst im deutschen Südwesten, Bruno Kurz, Korona, 2018, Acryl und Öl auf Leinwand, 180 cm x 180 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Oliver Christmann (*1960): Untersucht in seiner Malerei das
Zusammenspiel von reduzierter Form, Farbkörper und raumgreifender Farbwirkung.
Sabine Christmann (*1961): Virtuose des zeitgenössischen Stilllebens; erhebt profane Alltagsgegenstände (Plastiktüten, Verpackungen) zu fotorealistischen Studien.

Kunst im deutschen Südwesten, Sabine Christmann, Rot macht high, 2020, Öl auf Leinwand, 70 cm x 120 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Sabine Christmann, Trügerische Ruhe 2, Acryl auf Papier, 70 cm x 100 cm, 2021, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Thomas Kitzinger (*1955): Vertreter eines radikalen, analytischen Realismus; seziert Objekte und Porträts mit extrem präziser Maltechnik.
Andreas Lau (*1964): Arbeitet mit systematischen Rasterungen und Verfremdungen; bewegt sich im Grenzbereich von Erkennbarkeit und Abstraktion.
Werner Fohrer (*1947): Verknüpft in seinen Werken fotorealistische Fragmente mit gesellschaftspolitischen und zeitgeschichtlichen Themen.

Kunst im deutschen Südwesten, Werner Fohrer, Artificial Life II, 2018, Öl auf Leinwand, 150 cm x 200 cm , Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Uwe Ernst (*1947): Schafft hochkomplexe, oft düstere, figurativ-surreale Bildwelten voller mythologischer und zeitkritischer Chiffren.

Kunst im deutschen Südwesten, Uwe Ernst, Die Stiefelwichser, 1993, Schwarze Kreide auf Papier, 81 cm x 104 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Joachim Kupke (*1947): Konzeptkünstler und Maler; hinterfragt in altmeisterlicher Perfektion die Mechanismen der Kunstgeschichte und Zitatkultur.

Kunst im deutschen Südwesten, Joachim Kupke, Farewell, 1972, 42 cm x 52,5 cm, Bleistift Tempera Buntstift auf Papier, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Hannes Münz (1940–2014): Autonomer Einzelgänger; schuf ein radikal reduziertes, expressives Werk zwischen Figuration und Chiffre.

Kunst im deutschen Südwesten, Hannes Münz, Ausblick, 1988, Kassein auf Papier, 50 cm x 70 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Hannes Münz, Dynamische Landschaft, 1991, 38 cm x 25 cm, Rahmengröße: 63,cm x 53 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Elke Wree (*1940): Übersetzt vegetative Strukturen und Landschaften in lichte, freie Farbkompositionen.

Kunst im deutschen Südwesten, Elke Wree, Yamara, 2016, Tusche auf Papier, 57 cm x 77 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
BILDHAUERISCHE POSITIONEN
Robert Schad (*1953): Zeichnet mit massivem, vierkantigem Erzeugnisstahl filigrane, tanzende Linien in den Raum und die Landschaft.

Kunst im deutschen Südwesten, Robert Schad, FILIMU, 2014, Vierkantstahl massiv; 45 mm, 260 cm x 130 cm x 100 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Werner Pokorny (1949–2022): Arbeitete in Holz und Cortenstahl; variierte obsessiv das Ur-Motiv des „Hauses“ als Chiffre für Verortung und Existenz.

Kunst im deutschen Südwesten, Werner Pokorny, Gefäß und Haus XV, 2004, 213 cm x 68 cm x 30 cm, WVZ 616, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Armin Göhringer (*1959): Schneidet mit der Kettensäge fragile, gitterartige Strukturen aus massiven Holzblöcken; visualisiert Schwere und Halt.

Kunst im deutschen Südwesten, Armin Göhringer, ohne Titel, 2001, Holz geschwärzt, 199 cm x 70 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalrie

Kunst im deutschen Südwesten, Armin Göhringer, o.T. (24), 2013, Holz geschwärzt, 87 cm x 120 cm x 28 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Andrea Zaumseil (*1956): Schafft monumentale, raumgreifende Skulpturen aus tiefdunklem Eisenblech sowie melancholische Riesenpastelle.

Kunst im deutschen Südwesten, Andrea Zaumseil, Ohne Titel, 1998, Stahl, 3 Teile, Höhe ca. 278 cm, 295 cm, 265 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Andrea Zaumseil, o.T., 1998, Stahl, 90 cm x 100 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Rudolf Kurz (*1952): Schafft reduzierte Steinskulpturen und sakrale Räume, die durch präzise Schnitte die innere Kraft des Materials freilegen.

Kunst im deutschen Südwesten, Rudolf Kurz, Torso, 1993, 65 cm x 50 cm x 14 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Christoph Traub (*1964): Steinkünstler, der die harte Materie in organisch fließende, anthropomorphe Torsi und Wachstumsformen verwandelt.

Kunst im deutschen Südwesten, Christoph Traub, Haut 1, 2014, Jura, Stahl, 95 cm x 15 cm x 30 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
ZEITGENÖSSISCHE TENDENZEN & GEGENWART
Ab 2010
Die aktuelle Kunstszene zeichnet sich durch einen global vernetzten Pluralismus aus. Im Südwesten fällt eine starke Dichte an Positionen auf, die traditionelle Handwerke (Guss, Keramik, Schnitzerei) konzeptuell brechen oder sich mit Ökologie und postdigitaler Identität befassen.
STILE & STRÖMUNGEN
Postdigitale Kunst
Expressive Materialmalerei
Bio-Art
Dekonstruktive Bildhauerei
Rauminstallation
Konzeptuelle Keramik
WEGWEISENDE KÜNSTLERINNEN & KÜNSTLER
MALERISCHE & KONZEPTUELLE POSITIONEN
Max Peter Haering (*1948): Maler und Zeichner der Fantastischen Kunst. Er befasst sich in seinen altmeisterlich dichten, suggestiven Tuschfeder- und Graphitzeichnungen intensiv mit literarischen Vorlagen. Seine Werke eröffnen durch komplexe Meta-Erzählungen aus Linien und Punkten tiefgründige Doppelbedeutungen. International erlangte sein zeichnerisches Schaffen herausragende Anerkennung durch den renommierten Gold Award des asiatischen JIA Illustration Awards.

Kunst im deutschen Südwesten, Max Peter Haering, Küste der Blinden, 1987, Tuschzeichnung, 26 cm x 33 cm, ham010, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Dietmar Brixy (*1961): Der Mannheimer Künstler ist bekannt für hochexpressive, reliefartige und farbgewaltige Materialbilder, die Naturprozesse reflektieren.
Alfred Bast (*1948): Begreift Kunst als Bewusstseinsprozess; dokumentiert in feinsinnigen Bildern, Zeichnungen und Naturstudien („Krieger des Friedens“) existentielle Zusammenhänge.

Kunst im deutschen Südwesten, Alfred Bast, Kosmische Verwandlung, 1978, 119 cm x 89 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Alfred Bast, Ver-Bindungen, 1985, Farbstift auf Malgrund, 200 cm x 155 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Ulrich Brauchle (*1971): Maler und exzellenter Radierer; fängt Landschaften in dynamischen Strichen und sensiblen Farbräumen ein.

Kunst im deutschen Südwesten, Ulrich Brauchle, Malerei, 2020, Öl auf Leinwand, 175 cm x 185 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Elly Weiblen (*1950): Schichtet transparente Farben und Pigmente auf; beschäftigt sich mit Erinnerungstopografien, Natur und Zeit.
Gerlinde Zantis (*1962): Bildet in fein nuancierten Kreide- und Pigmentzeichnungen Landschaften und dichte Waldstrukturen von fast fotorealistischer, meditativer Tiefe ab.

Kunst im deutschen Südwesten, Gerlinde Zantis, Dépt 07/Ruisseau de la Fontinelle VI, 2018, Pastell, 120 cm x 160 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Thomas Rissler (*1962): Schafft farbgewaltige, expressive Gemälde sowie monumentale, zeitgenössische Holzschnitte.

Kunst im deutschen Südwesten, Thomas Rissler, ohne Titel, 2022, Acryl, Öl und Sprühfarbe auf Leinwand, 130 cm x 120 cm, Preis auf Anfrage, rit013kü, SüdWestGalerie
Paul Groll (*1962): Seine farbenfroh-heiteren und vor Lebensfreude sprühenden, vom Zeichnerischen getragenen Werke wirken im ersten Augenblick durch ihre verspielten Farbkompositionen und eine barock-opulente Farbenpracht in einem lebhaften Durcheinander chaotisch. Dieser Eindruck löst sich jedoch auf, sobald sich die Linien und amorphen Fleckenformen zu schemenhaften Gebilden und feinsinnig austarierten, asymmetrischen Ordnungen zusammenziehen.

Kunst im deutschen Südwesten, Paul Groll, Sitzende, 1994, Mischtechnik, 34 x 24 cm, grp003re, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
BILDHAUERISCHE POSITIONEN
Jeanette Zippel (*1963): Grenzgängerin zwischen Bildhauerei, Landschaftsgestaltung und Ökologie. Sie gilt im Südwesten als Pionierin einer skulpturalen Land Art. Berühmt ist sie für ihre architektonisch-landschaftlichen Bienengärten (u. a. für die IGA 1993 in Stuttgart), deren Wegenetze der Choreografie des Bienentanzes folgen. Im Zentrum dieser Areale stehen ihre monumentalen, aus Naturmaterialien (Eichenholz, Lehm, Weidengeflecht) errichteten, figurativen Figurenstöcke. Diese anthropomorphen, an die antike Bienen-Göttin Artemis angelehnten Skulpturen sind konzeptionell so konstruiert, dass sie von Honig- und Wildbienen real besiedelt und durch deren Naturwabenbau im Inneren zu „belebten Plastiken“ werden.

Kunst im deutschen Südwesten, Jeanette Zippel, Wabenbau, Soziales Prinzip 3, 2005, Bienenwachs auf Kartonträger, 70 cm x 100 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Daniel Wagenblast (*1963): Seine aus Holz geschlagenen, farbig gefassten Männerfiguren (oft mit Auto oder Weltenkugel) sind humorvolle, weltberühmte Ikonen des „Jedermann“.

Kunst im deutschen Südwesten, Daniel Wagenblast, Schoko Frau, 2014, Holz bemalt, 25 cm x 27 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Andreas Welzenbach (*1965): Bildhauer des zeitgenössischen Holzbildwerks; bricht die Tradition der Schnitzkunst durch ironische, erzählerische und popkulturelle Motive.

Kunst im deutschen Südwesten, Andreas Welzenbach, Selbstmordattentäter, 2007, Holz, farbig gefasst, 110 x 80 x 72 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Miriam Lenk (*1975): Schafft opulente, barock-üppige Skulpturen aus Ton und Epoxidharz, die patriarchale Schönheitsideale lustvoll untergraben.

Kunst im deutschen Südwesten, Miriam Lenk, Oktopussy, 2013, Keramik, 40 cm x 40 cm x 38cm 33, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Silvia Siemes (*1960): Bildhauerin der leisen Töne; schafft melancholische Figuren aus Terrakotta, deren matte Bemalung ihnen eine zeitlose Aura verleiht.

Kunst im deutschen Südwesten, Silvia Siemes, Große Sitzende, 2020, Terrakotta, gebrannt, Höhe 73cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Stephan Hasslinger (*1960): Transformiert das klassische Medium Keramik in glänzende, geschwungene und oft textile Assoziationen weckende Skulpturen von hoher Sinnlichkeit.

Kunst im deutschen Südwesten, Stephan Hasslinger, Paisly, Keramik und Glasuren, 2017, 112 cm x 66 cm x 65 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Gerda Bier (*1943): Kombiniert verwittertes Altholz, Fundstücke und Blei zu sakral wirkenden Objekten, die von Vergänglichkeit und Würde erzählen.
Stefanie Ehrenfried (*1964): Erzeugt durch ihre bahnbrechenden, teils lebensgroßen Filz-Plastiken ein tiefes Spannungsfeld aus unmittelbarer Irritation und archaischer Präsenz. In einem jahrelangen, hochintensiven Arbeitsprozess verdichtet sie naturbelassene Schafwolle mittels zehntausender Einstiche der Filznadel zu erstaunlich stabilen, autonomen Körpern.

Kunst im deutschen Südwesten, Stefanie Ehrenfried, Große Beere, 2012-2017, Schafwolle nadelgefilzt, 55 cm x 75 cm x 115 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Martin Bruno Schmid (*1970): Konzeptueller Bildhauer; bohrt, spaltet oder verletzt bestehende Architekturen und Materialien (z. B. Säulen oder Leinwände), um deren inneres Wesen sichtbar zu machen.
Susanne Rudolph (*1943): In monumentalen Skulpturen, wie der „Fischgöttin“, gegossen in massivem, mineralischem Steinguss/Beton) verdichtet Susanne Rudolph ihr zentrales Thema – das menschliche Abbild und dessen inhärente Widersprüche – zu einer archetypischen, fast mythologischen Chiffre.

Kunst im deutschen Südwesten, Susanne Rudolph, Fischgöttin, 2017, Steinguss, Höhe: 130 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
DIE KUNST IM DEUTSCHEN SÜDWESTEN VON 1945 BIS ZUR GEGENWART
DEFINITION UND KUNSTHISTORISCHER KONTEXT
Die Kunst im deutschen Südwesten – geografisch deckungsgleich mit dem heutigen Bundesland Baden-Württemberg – bildet seit 1945 eine der dynamischsten und facettenreichsten Regionallandschaften der deutschen Nachkriegsmoderne. Geprägt durch die historischen Zentren Stuttgart und Karlsruhe sowie eine dezentrale Museums- und Galerienlandschaft, bewegt sich die Entwicklung im Spannungsfeld zwischen radikaler Abstraktion, expressiver Figuration, wegweisender Bildhauerei und zukunftsweisender Medienkunst.
ZEITLICHE GLIEDERUNG: KUNSTSTILE & AKTEURE
DIE NACHKRIEGSMODERNE UND DER AUFBRUCH IN DIE ABSTRAKTION
1945–1959
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stand der Südwesten im Zeichen des Wiederaufbaus und der Rehabilitierung der von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamierten Moderne. Neben der Abstraktion existierten wichtige Strömungen des expressiven Realismus und der klassischen figurorientierten Bildhauerei fort.
STILE & STRÖMUNGEN
Konstruktive Kunst
Absolute Malerei
frühes Informel
Expressiver Realismus
traditionelle und biomorphe Bildhauerei
Holzschnitt-Renaissance.
WEGWEISENDE KÜNSTLERINNEN & KÜNSTLER
Georg Meistermann (1911–1990): In Solingen geborener Maler, Zeichner und überregional bedeutender Kunstpädagoge. Nach seinem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf (u. a. bei Heinrich Campendonk) wurde er von den Nationalsozialisten mit Ausstellungsverbot belegt. Ab 1952 wirkte er maßgeblich im Südwesten und leitete von 1955 bis 1960 eine hochkarätige Klasse für Malerei an der Karlsruher Kunstakademie. Meistermann gilt als der international herausragendste Erneuerer der Glasmalerei im 20. Jahrhundert. Seine monumentalen Fensterzyklen (wie in der Stuttgarter St.-Eberhard-Kirche oder dem Kölner Funkhaus) befreiten das Glas von seiner rein dienenden Rolle und verwandelten es in autonome Farb-Licht-Räume von lyrisch-abstrakter Tiefgründigkeit. Neben seinen Glasfenstern schuf er ein eindringliches Œuvre aus symbolhaften Gemälden und psychologischen Porträts (u. a. Willy Brandt). Als zweifacher documenta-Teilnehmer (1955, 1959), Träger des Hans-Molfenter-Preises der Stadt Stuttgart (1974) und langjähriger Präsident des Deutschen Künstlerbundes war er die intellektuelle und kulturpolitische Integrationsfigur, die der ungegenständlichen Nachkriegskunst im Südwesten institutionelles Gewicht verlieh.
Willi Baumeister (1889–1955): In Stuttgart geborener Maler, Grafiker, Typograf, Bühnenbildner und herausragender Kunsttheoretiker. Er studierte an der Stuttgarter Akademie bei Adolf Hölzel und wurde 1933 von den Nationalsozialisten aus seiner Frankfurter Professur entlassen sowie als „entartet“ diffamiert. Während der inneren Emigration erforschte er im Verborgenen (u. a. in der Wuppertaler Lackfabrik von Dr. Kurt Herberts) die Chemie der Malmaterialien und vollendete seine theoretische Programmschrift „Das Unbekannte in der Kunst“ (1947), die zum wichtigsten Manifest der ungegenständlichen Nachkriegskunst in Deutschland wurde. Ab 1946 leitete er eine legendäre Klasse an der Stuttgarter Akademie. Baumeister gilt als die überragende Integrationsfigur der Nachkriegsmoderne. Seine berühmten Werkgruppen (wie die Eidos-, Gilgamesch- oder Montaru-Bilder) untersuchten das organische Wachstum von Formen, biomorphe Urzeichen und reliefartige Materialstrukturen aus Sand und Spachtelmassen. Als treibender Mitbegründer der Künstlergruppe ZEN 49, Mentor unzähliger nachfolgender Meister (u. a. Emil Cimiotti, Georg Karl Pfahler, Bernd Berner) und posthumer Teilnehmer der documenta 1 (1955) legte er das intellektuelle und praktische Fundament, das den Südwesten an die internationale Avantgarde anschloss.
Max Ackermann (1887–1975): In Berlin geborener Maler, Grafiker und herausragender Pionier der Abstraktion. Nach Stationen in Weimar (bei Henry van de Velde) und München kam er 1912 nach Stuttgart, um bei Adolf Hölzel zu studieren. Ackermann gilt kunsthistorisch als einer der frühesten Erfinder der „Absoluten Malerei“ in Deutschland; bereits um 1919 schuf er erste rein ungegenständliche Werke. Von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert, verlor er bei einem Bombenangriff auf sein Stuttgarter Atelier 1943 fast sein gesamtes bisheriges Œuvre. Nach 1945 wurde er zu einer zentralen Galionsfigur des künstlerischen Neubeginns am Bodensee und im Stuttgarter Raum. Seine monumentalen Farb-Rhythmogramme, Pastelle und Siebdrucke verbinden konstruktive Strenge mit musikalischen Prinzipien (wie in seinen berühmten kontrapunktischen Werkgruppen). Ackermann befreit die Farbe von jeglicher gegenständlichen Pflicht und führt sie zu reinen, harmonisch-kosmischen Lichtkompositionen. Als Mitorganisator wegweisender Abstrakten-Ausstellungen und Träger des Professorentitels ehrenhalber des Landes Baden-Württemberg (1964) verankerte er das meditative Erbe der Hölzel-Schule als bleibendes Fundament der Nachkriegsabstraktion.

Kunst im deutschen Südwesten, Max Ackermann, Familienidyll, 1917, Aquarell auf Bütten, 18 cm x 11 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Ida Kerkovius (1879–1964): In Riga geborene Malerin, Bildteppichweberin und herausragende Pionierin der ungegenständlichen Moderne. Sie kam 1903 nach Dachau zu Adolf Hölzel, folgte ihm 1908 nach Stuttgart und wurde dort seine Meisterschülerin und Assistentin in seiner legendären Kompositionsklasse. Um sich weiterzuentwickeln, ging sie 1920 für drei Jahre an das neu gegründete Bauhaus in Weimar, wo sie bei Itten, Kandinsky und Klee lernte und sich intensiv der Avantgarde-Weberei widmete. Von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert, verlor sie 1944 bei einem Luftangriff auf Stuttgart ihr Atelier und den Großteil ihres Lebenswerks. Nach 1945 wurde ihr neues Stuttgarter Atelier zu einem spirituellen Zentrum des künstlerischen Wiederaufbaus. Kerkovius’ Werk zeichnet sich durch eine singuläre Farberuptivität aus: Sowohl in ihren Ölbildern und leuchtenden Pastellen als auch in ihren kunsthistorisch wegweisenden Bildteppichen befreite sie die Farbe von jeglicher abbildenden Funktion und steigerte sie zu autonomen, tief poetischen und magisch-religiösen Lichtklängen. Als zweifache documenta-Teilnehmerin (1955, 1959), Trägerin des Großen Bundesverdienstkreuzes und Ehrenmitglied der Stuttgarter Kunstakademie (1954) sicherte sie weiblichen Positionen einen absolut gleichrangigen, prägenden Platz in der männlich dominierten Nachkriegsabstraktion des Südwestens.
Peter Herkenrath (1900–1989): In Köln geborener Maler und einflussreicher Akademieprofessor. Nach seiner Ausbildung an den Kölner Werkschulen (unter anderem bei Richard Seewald) geriet er während der NS-Diktatur in die Isolation der inneren Emigration. 1953 wurde er als Professor an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe berufen, wo er bis 1965 lehrte und gemeinsam mit Kollegen wie Grieshaber den Karlsruher Nachkriegsaufbruch gestaltete. Herkenraths Œuvre vollzog eine konsequente Entwicklung vom gegenständlichen Expressionismus hin zu einer lyrisch-tektonischen Abstraktion, die eng mit den Strömungen des Informel und der École de Paris korrespondierte. Seine reliefartigen, dichten Farbschichten ordnen sich in späten Werkgruppen zu zeichenhaften, rhythmischen Gefügen an, in denen Farbe als rein plastisches Raumelement fungiert. Als zweifacher documenta-Teilnehmer (1955, 1959), Vorstandsmitglied des Deutschen Künstlerbundes und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes war er eine der zentralen Säulen, die das Rheinland und den Südwesten im Geiste der internationalen Nachkriegsabstraktion institutionell wie künstlerisch vernetzten.
Ida Kerkovius (1879–1964): Bedeutende Malerin und Bauhaus-Schülerin; prägte die Nachkriegszeit mit leuchtender Farbabstraktion.
HAP Grieshaber (1909–1981): In Rot an der Rot geborener Grafiker, Maler, Holzschneider und herausragender Rebell der deutschen Nachkriegsmoderne. Nach einer Schriftsetzerlehre in Reutlingen und einem Studium an der Kunstgewerbeschule Stuttgart führte er ab 1933 ein von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiertes Dasein in der inneren Emigration in seinem Atelier auf der Achalm. Um das vermeintlich verstaubte, mittelalterliche Medium des Holzschnitts grundlegend zu revolutionieren, befreite er die Technik aus dem engen Buchseitenformat und steigerte sie zu monumentalen, wandfüllenden Farb-Einblattdrucken von monumentaler Wucht. Als engagierter „homme engagé“ nutzte er seine Kunst zeitlebens als unüberhörbares politisches und ökologisches Sprachrohr: Mit seiner legendären, im Eigenverlag herausgegebenen Zeitschrift Der Engel der Geschichte kämpfte er leidenschaftlich für Frieden, Menschenrechte und den Umweltschutz. Als einflussreicher Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe (1955–1960) prägte er herausragende Schüler wie Horst Antes und Josua Reichert und machte den Südwesten zu einem weltweiten Zentrum des modernen Hochdrucks. Grieshabers Werk zeichnet sich durch eine singuläre Synthese aus archaischer Formkraft und zeitloser Poesie aus: Sowohl in seinen religiös oder mythologisch aufgeladenen Zyklen (wie dem „Totentanz von Basel“) als auch in seinen leidenschaftlichen Tier- und Menschenpaardarstellungen reduzierte er die Konturen auf wuchtige, blockhafte Kontraste. Als zweifacher documenta-Teilnehmer (1959, 1964), Mitbegründer des Deutschen Künstlerbundes und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes sicherte er der figurativ-abstrahierenden Grafik einen absolut unumstößlichen, international vernetzten Spitzenplatz im kulturellen Gedächtnis der Bundesrepublik.

Kunst im deutschen Südwesten, HAP Grieshaber, Wiese, 1950, Holzschnitt, 60 cm x 78 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, HAP Grieshaber, Affe nicht sprechen, Vorstadium, 1960, Gouache, Holzschnitt, 45 cm x 32 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, HAP Grieshaber, Flötenspieler von Rheinburg, 1965, Holzschnitt, 84 cm x 60 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Manfred Henninger (1894–1986): In Backnang geborener Maler, Zeichner, Grafiker und herausragender Vertreter des Expressiven Realismus sowie der sogenannten „Verschollenen Generation“. Nach einer handwerklichen Konditorlehre und schwerer Verletzung im Ersten Weltkrieg studierte er ab 1919 an der Stuttgarter Kunstakademie und wechselte 1922 an die Dresdner Akademie zu Karl Albiker und Oskar Kokoschka, dessen vibrierender Pinselstrich ihn tief prägte. Fest in der regionalen Avantgarde verwurzelt, gründete er 1929 gemeinsam mit Gleichgesinnten wie Manfred Pahl und Wilhelm Geyer die wegweisende „Stuttgarter Neue Sezession“. Bereits 1933 von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert und mit Ausstellungsverbot belegt, floh er ins Exil nach Ibiza und später ins Schweizer Tessin, wo er trotz politischer Isolation eine enorm produktive Schaffensphase erlebte. Nach seiner Rückkehr im Jahr 1949 berief ihn die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart zum Professor für Landschafts- und Bildnismalerei, eine Position, in der er bis 1961 ganze Generationen von Künstlern des Südwestens prägte und zeitweise als Rektor leitete. Henningers Werk zeichnet sich durch eine singuläre, arkadische Farbpoesie aus: Sowohl in seinen von Licht durchfluteten Landschaftsdarstellungen aus dem Mittelmeerraum als auch in seinen dynamischen Figurenkompositionen wie den „Badenden“ befreite er die Linie zugunsten eines rein aus Farb- und Lichtflecken aufgebauten Rhythmus. Als Gast der renommierten Villa Massimo in Rom (1967/68) und Träger des Bundesverdienstkreuzes sicherte er dem farbintensiven, vom Geist Paul Cézannes inspirierten Spätimpressionismus einen absolut zentralen, unverwechselbaren Platz im künstlerischen Wiederaufbau der südwestdeutschen Moderne.

Kunst im deutschen Südwesten, Manfred Henninger, Rosen, 1973, Öl auf Leinwand, 100 cm x 125 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Manfred Henninger, ohne Titel, Landschaft, 1977, Pastell auf Papier, 50 cm x 66 cm, Preis auf Anfrage, hem002de, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Manfred Henninger, Figurengruppe, 1971, Pastell auf Velin, 43,8 cm x 62,5 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Friedrich Sieber (1925–2002): In Reichenberg (Tschechoslowakei) geborener Maler, Grafiker und wegweisender Mitbegründer der avantgardistischen Nachkriegsabstraktion im Südwesten. Nach Kriegsdienst, Vertreibung und Gefangenschaft kam er 1950 nach Stuttgart, wo er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste bei Manfred Henninger studierte. Auf der Suche nach radikal neuen Ausdrucksformen gründete er dort 1956 gemeinsam mit Georg Karl Pfahler, Günther C. Kirchberger und Attila Biró die legendäre „Gruppe 11“. Diese lose Künstlervereinigung verschrieb sich dem internationalen Impuls des Action Painting und des gestischen Informel, um die traditionelle Malerei durch explosive, ungebremste Spontaneität aufzubrechen. Siebers Werk zeichnet sich durch eine bemerkenswerte stilistische Evolution und eine singuläre Erforschung von Farbbewegungen aus: Während seine frühen, teils stürmischen Mischtechniken der 1950er-Jahre wie „Bedrängtes Blau“ ganz der rauen, emotionalen Materie des Informel verpflichtet waren, vollzog er Anfang der 1960er-Anfänge eine bewusste Wende hin zu größerer struktureller Disziplin. Er beruhigte den Pinselduktus und fand zu einer klaren, zeichenhaften Formensprache, in der er konstruktive Bildelemente organisch mit den flächigen Gesetzen der Farbfeldmalerei verwob. In seinen komplexen Serien wie den „Drehimpulsen“ steigerte er das kontrollierte Fließen von Acryl- und Ölfarben zu geometrisch austarierten Schwingungen. Als tragendes Mitglied der Stuttgarter Schule und unermüdlicher Experimentator über die Genregrenzen hinweg sicherte er dem dynamischen Übergang von der gestischen zur kalkulierten Abstraktion einen absolut prägenden, international geschätzten Platz in der Kunstgeschichte des deutschen Südwestens.

Kunst im deutschen Südwesten, Friedrich Sieber, ohne Titel Farbabstraktion, 1980-1982, Acryl auf Leinwand, 100 cm x 100 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Jakob Wilhelm Fehrle (1884–1974): In Schwäbisch Gmünd geborener Bildhauer, Maler, Zeichner und herausragender Bildchronist der klassischen figürlichen Plastik im 20. Jahrhundert. Nach einer handwerklichen Ausbildung zum Ziseleur studierte er an den Kunstakademien in Berlin bei August Gaul sowie in München bei Balthasar Schmitt. Um seine künstlerische Wahrnehmung international zu schärfen, lebte er in Rom und von 1911 bis 1914 in Paris. Dort am Montparnasse bewegte er sich im Umfeld der Avantgarde, arbeitete zeitweise im Atelier von Auguste Rodin und wurde tief von Aristide Maillol und Wilhelm Lehmbruck geprägt. 1919 kehrte er in seine Heimatstadt zurück, lehrte an der Staatlichen Höheren Fachschule und stieg zu einer regionalen bildhauerischen Ausnahmegestalt auf. Fehrles langes Schaffen spiegelt die politischen Brüche der Epochen wider: Seine Ambitionen auf dem Gebiet der Großplastik führten in der NS-Zeit zu repräsentativen Aufträgen für das Deutsche Reich (wie dem Gmünder Gefallenendenkmal von 1935), obgleich er zeitweise Werke durch Beschlagnahmung verlor und seine eigene Ehefrau mutig vor dem NS-„Euthanasie“-Programm rettete. Nach 1945 knüpfte er an die aufkommende Nachkriegsmoderne an und öffnete sich formal der geometrischen Abstraktion. Fehrles Werk zeichnet sich durch eine singuläre Zuwendung zum menschlichen Körper aus: Vor allem am weiblichen Aktmodell und in seinen anmutigen Muttergottes-Darstellungen balancierte er Statik und Bewegung sensibel aus. Er befreit die klassische Figur von akademischer Schwere und steigert sie zu grazilen, zeitlosen Bronzen, Terrakotten und feinen Zeichnungen. Als Träger des Bundesverdienstkreuzes (1954) und Schöpfer bedeutender Denkmäler und Porträtbüsten im öffentlichen Raum – wie der des Bundespräsidenten Theodor Heuss (1963) – sicherte er der figürlich-sensiblen Plastik einen absolut zentralen, epochenübergreifenden Platz in der Kunstgeschichte des deutschen Südwestens.

Kunst im deutschen Südwesten, Jakob Wilhelm Fehrle, Nach dem Bade, stehender Damenakt ein Tuch haltend, 1944, Höhe 65 cm, Terrakotta modelliert, gebrannt, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Fritz Nuss (1907–1999): In Göppingen geborener Bildhauer, Medailleur und herausragender Meister der figürlichen Nachkriegsplastik im deutschen Südwesten. Nach einer handwerklichen Ausbildung zum Ziseleur in Schwäbisch Gmünd studierte er an den Kunstakademien in München bei Hermann Hahn sowie in Stuttgart bei Ludwig Habich. Bereits 1943 zum Professor ernannt, geriet sein Schaffen durch die politische Anpassung und eine NSDAP-Mitgliedschaft in die Ambivalenzen der Diktatur. Ab 1952 leitete er zwanzig Jahre lang die Klasse für Plastisches Gestalten an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd und begründete dort eine einflussreiche Bildhauerdynastie (darunter sein Sohn Karl Ulrich Nuss). Nuss’ Werk zeichnet sich durch eine singuläre Evolution der menschlichen Figur aus: Während seine frühen Arbeiten der 1930er- und 1940er-Anfänge von geschlossenen Konturen und klassisch-idealer Formstrenge geprägt waren, öffnete er sich ab den 1950er-Jahren – inspiriert durch Henry Moore – spürbar der organischen Abstraktion. Er brach die geschlossenen Volumina auf, betonte die raue Materialität des Modelliertons und steigerte seine Bronzen im Spätwerk zu raumgreifenden, zutiefst sinnlichen und dynamisch-barocken Bewegungschiffren. Als Schöpfer zahlreicher populärer Werke im öffentlichen Raum – wie den markanten Reliefplatten für die Stuttgarter Liederhalle (1956) oder dem „Sitzenden lesend“ vor der Stadtbibliothek – sowie als spiritus rector des Skulpturenpfads in den Weinbergen seines langjährigen Wohnorts Strümpfelbach sicherte er der traditionsbewussten, aber modern reformierten Menschenplastik einen absolut zentralen, identitätsstiftenden Platz in der Kunstgeschichte Baden-Württemberg.

Kunst im deutschen Südwesten, Fritz Nuss, Strumpfanziehende, 1943, Bronze, 26 cm x 11,2 cm x 15,3 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Fritz Nuss, Stehende II, 1948, Bronze, 181,5 cm x 54 cm x 55 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Fritz Nuss, Wasserschöpferinnen, 1979, Bronze, 42,5 cm x 47 cm x 34 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Fritz Nuss, Stehende I, 1970, Bronze, 100,5 cm x 30 cm x 28 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Fritz Nuss, Stehende, 1986 1987, Bronze, 212 cm x 74 cm x 45 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
KONSOLIDIERUNG DER ABSTRAKTION, FARBFELDMALEREI, SKRIPTUALER EXPRESSIONISMUS, INFORMEL & EXISTENTIELLE FIGURATION
1960er Jahre
In den 1960er Jahren festigte sich der Ruf Stuttgarts als Zentrum der ungegenständlichen Kunst. Die Auseinandersetzung mit der reinen Fläche, der harten geometrischen Kante (Hard Edge) und der informellen Plastik dominierte.
STILE & STRÖMUNGEN
Informel
Farbfeldmalerei
Konkrete Kunst
Konstruktivismus
Minimal Art
ungegenständliche Plastik
informeller Bronzeguss.
WEGWEISENDE KÜNSTLERINNEN & KÜNSTLER
Emil Schumacher (1912–1999): In Hagen geborener Maler, Grafiker und weltweit gefeierter Hauptakteur des deutschen Informel sowie des abstrakten Expressionismus. Nach seinem Grafikdesignstudium in Dortmund und auferlegter Arbeit als technischer Zeichner während des Zweiten Weltkriegs vollzog er Anfang der 1950er-Jahre – inspiriert durch eine Begegnung mit dem Maler Wols in Paris – eine radikale Abkehr von jeglicher Figuration. Um die Malerei aus der reinen Fläche in die Dreidimensionalität zu führen, entwickelte er eine eruptive, physisch fassbare Bildsprache: Seine Leinwände und Holzträger behandelte er nicht als Kompositionsflächen, sondern als Aktionsräume, die er mitunter brachial mit Werkzeugen zerfurchte oder mit dem Hammer zertrümmerte. Als langjähriger Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe (1966–1977) prägte er über Jahrzehnte auch die Kunstlandschaft des deutschen Südwestens nachhaltig. Schumachers Werk zeichnet sich durch eine singuläre, archaische Materialästhetik aus: Sowohl in seinen monumentalen Farblandschaften als auch in seinen taktilen Objekten mischte er Sand, Asche, Sisal oder Draht direkt in die Farbmaterie, wodurch reliefartige Oberflächen von vulkanischer Urgewalt entstanden. Als dreifacher documenta-Teilnehmer (1959, 1964, 1977), Gewinner des renommierten Guggenheim Awards (1958) und Schöpfer eines monumentalen Wandbildes im Berliner Reichstagsgebäude sicherte er der gestischen Materialabstraktion einen unumstößlichen, international vernetzten Spitzenplatz in der europäischen Nachkriegsavantgarde.
Klaus Jürgen-Fischer (1930–2017): In Krefeld geborener Maler, Grafiker und bedeutender Kunsttheoretiker, der nach Studien in Düsseldorf und Stuttgart (unter anderem bei Willi Baumeister) jahrzehntelang im Südwesten wirkte. Jürgen-Fischer erlangte monumentale Bedeutung als Herausgeber der führenden Kunstzeitschrift das kunstwerk in Baden-Baden (1962–1974), durch die er die internationale und regionale Abstraktion theoretisch untermauerte. Als Maler gründete er 1960 die avantgardistische Gruppe „SYN“ und wandte sich gegen das regellose Informel. Sein eigenes Werk suchte eine Synthese aus freier Geste und geometrischer Ordnung. Seine subtilen, oft monochromen „synchromen“ Gemälde untersuchten die Rhythmik von feinen Linienrastern und Farbschichtungen im Licht, wodurch er eine der wichtigsten intellektuellen und meditativen Positionen des Südwestens begründete.
Bert Jäger (1919–1998): In Karlsruhe geborener Maler, Grafiker und Essayist, der nach Kriegsdienst und Gefangenschaft ab 1948 in Freiburg im Breisgau lebte und arbeitete. Jäger gilt als der kompromissloseste Pionier der abstrakten Malerei und des Informel in Südbaden. Weitgehend als Autodidakt gestartet, löste er sich radikal von der landschaftlichen Tradition der Region und entwickelte eine hochdynamische, gestische Bildsprache. Seine wuchtigen, prozesshaften Material- und Strukturbilder leben von der Schichtung, Verletzung und eruptiven Überlagerung reiner Farbmaterie. Als Mitbegründer der avantgardistischen „Breisgauer Sezession“ (1954) und enger Freund von Intellektuellen und Künstlern der Nachkriegszeit war er der entscheidende intellektuelle Motor, der die ungegenständliche Moderne im Südwesten jenseits der Stuttgarter und Karlsruher Zentren verankerte.
Hans-Martin Erhardt (1935–2015): In Emmendingen geborener Maler und Grafiker. Er studierte ab 1956 an der Karlsruher Kunstakademie unter anderem bei HAP Grieshaber und Albert Gehmar. Erhardt entwickelte ein unverwechselbares Werk, das sich im Spannungsfeld zwischen expressiver Geste und geometrischer Disziplin bewegt. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine präzise, oft serielle Erforschung von Formen und Chiffren aus, in denen Landschafts-, Architektur- und Körperfragmente zu dichten, rhythmischen Farb-Raum-Gefügen abstrahiert werden. Erhardt leistete damit einen wesentlichen, eigenständigen Beitrag zur Modernisierung der Grafik und Malerei der Karlsruher Schule ab den 1960er Jahren.
Herbert Kitzel (1928–1978): In Halle an der Saale geborener Maler und Grafiker, der nach seinem Studium an der dortigen Kunstschule Burg Giebichenstein 1957 in den Westen floh und bereits 1958 als Professor an die Karlsruher Kunstakademie berufen wurde. Kitzel gilt als einer der wichtigsten und zugleich melancholischsten Grenzgänger zwischen Figuration und informeller Abstraktion. Seine Bildwelten sind von einer tiefen existenziellen Einsamkeit geprägt; obsessiv thematisierte er maskierte Gestalten, Gaukler, Clowns und fragile Torsi, die sich oft wie geisterhafte Schemen hinter Schleiern aus gedämpften, erdigen Farbschichten hervorheben. Als Lehrer übte er einen fundamentalen, prägenden Einfluss auf Künstler wie Hans Baschang aus und stabilisierte das figurative Erbe im Südwesten gegen den reinen Zeitgeist der Gegenstandslosigkeit.
Georg Karl Pfahler (1926–2002): In Emetzheim geborener Maler, Grafiker und Objektdesigner. Er studierte von 1948 bis 1954 an der Stuttgarter Kunstakademie unter anderem bei Willi Baumeister und prägte den Südwesten über Jahrzehnte hinweg. Pfahler gilt als der international herausragendste Pionier der Hard-Edge-Malerei und des Color-Field-Painting in Deutschland. Nachdem er sich Ende der 1950er Jahre vom Informel gelöst hatte, erforschte er in seinen monumentalen Werken die reine, scharf abgegrenzte Farbwirkung als eigenständigen Raumkörper. Seine Blockformationen und architektonischen Farbkonzepte brachen radikal mit jeglicher Bildillusion. Als deutscher Vertreter auf der Biennale von Venedig (1970), Teilnehmer der documenta 4 (1968) und Träger des Hans-Molfenter-Preises der Stadt Stuttgart (1984) hob er die ungegenständliche Kunst der Region auf internationales Spitzenniveau.

Kunst im deutschen Südwesten, Georg Karl Pfahler, Struk Nr.15 C, 1958, 100 cm x 125 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Georg Karl Pfahler, Formativ Nr. 3/II, 1959-1960, 145 cm x 84 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Georg Karl Pfahler, Warschau Zyklus 1A(9), 1964-1971, 200 cm x 200 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Thomas Lenk (1933–2014): In Berlin geborener Bildhauer, Grafiker und herausragender Pionier der abstrakten Objektkunst des 20. Jahrhunderts. Nach der Übersiedlung nach Württemberg im Jahr 1945 studierte er kurzzeitig an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und absolvierte anschließend eine handwerkliche Steinmetzlehre. Um die herkömmliche, geschlossene Masse der traditionellen Bildhauerei aufzubrechen, entwickelte er ab 1964 seine weltberühmten „Schichtplastiken“: Hierbei stapelte und verschob er identische, flache Quadrate mit charakteristisch abgerundeten Ecken. Durch diese mathematisch-serielle Methode erzeugte er eine faszinierende optische Raumtiefe und Scheinbewegung. Als enger Weggefährte von Künstlern wie Georg Karl Pfahler und Heinz Mack setzte er gezielt leuchtende Signalfarben ein, um die plastischen Körper visuell zu dynamisieren. Lenks Werk zeichnet sich durch eine singuläre Synthese aus Minimal Art und Op-Art aus: Er überführte mit seinen monumentalen Stahlschnitt-Skulpturen im öffentlichen Raum als auch in seinen geometrischen Siebdrucken die Werke in raumgreifende, architekturbezogene Raumkonstruktionen. Als Teilnehmer der documenta 4 (1968) und des legendären Deutschen Pavillons der Venedig-Biennale (1970) sicherte er der konstruktiven, raumgreifenden Abstraktion des Südwestens einen prägenden Platz in der internationalen Avantgarde.
Anton Stankowski (1906–1998): In Gelsenkirchen geborener Grafiker, Fotograf, Maler und herausragender Medientheoretiker. Nach prägenden Wanderjahren in Essen und Zürich, wo er wesentliche Impulse der Schweizer Konkreten erhielt, ließ er sich 1951 endgültig in Stuttgart nieder. Stankowski gilt als das international genialste Genie an der Schnittstelle von Konkreter Kunst und richtungsweisendem Kommunikationsdesign. Er hob die Trennung zwischen freier Bildkunst und funktionaler Grafik radikal auf: Seine theoretisch untermauerten „Angewandten Stile“ übersetzten komplexe physikalische, technische oder wirtschaftliche Prozesse in minimalistische, geometrische Linienstrukturen und Farbchiffren von absoluter Identitätskraft. Weltberühmt wurde er durch Corporate-Design-Meilensteine wie das schräge Quadrat-Logo der Deutschen Bank. Als langjähriger Vorsitzender des Beirats der legendären Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm, Gewinner des Kulturpreises der Stadt Stuttgart (1991) und Gründer der Stankowski-Stiftung prägte sein rationales, visuelles Erbe die Bildsprache des deutschen Südwestens nachhaltig auf weltweitem Spitzenniveau.

Kunst im deutschen Südwesten, Anton Stankowski, 4 Quadratprozessionen, 1990, Acryl auf Leinwand, 89,5 cm x 89,5 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Günter Neusel (1930–2020): In Kassel geborener Bildhauer, Maler und herausragender Vertreter der konstruktiven und Konkreten Kunst. Nach seinem Kunststudium in Düsseldorf, Berlin und Kassel kam er 1958 als freischaffender Künstler nach Stuttgart, wo er sich schnell dem avantgardistischen Kreis um den Philosophen Max Bense anschloss. Um seine streng rationale, geometrische Formensprache weiterzuentwickeln, verbrachte er prägende Jahre im Südwesten und lehrte schließlich ab 1974 als einflussreicher Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Neusels Werk zeichnet sich durch eine singuläre mathematisch-räumliche Präzision aus: Sowohl in seinen dreidimensionalen Skulpturen als auch in seinen seriellen Siebdrucken (wie den „Verdeckten Fachwerken“) befreite er die geometrische Form von jeglicher abbildenden oder emotionalen Funktion und steigerte sie zu autonomen, rational austarierten Strukturen aus Linien, Quadraten und Primärfarben. Als früher Preisträger des renommierten Kulturkreises der deutschen Wirtschaft (ars viva, 1956) und langjähriges Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg sicherte er der rationalen, konstruktiven Abstraktion einen absolut prägenden, international vernetzten Platz in der Nachkriegsmoderne des deutschen Südwestens.
Felix Schlenker (1920–2010): In Schwenningen am Neckar geborener Maler, Grafiker, Objektkünstler und herausragender Wegbereiter der Konkreten Kunst und konstruktiven Abstraktion im deutschen Südwesten. Nach autodidaktischen Studien nach 1945 und frühen künstlerischen Bezügen zu Paul Klee entwickelte er ab den späten 1950er Jahren eine völlig eigenständige Formensprache. Zunächst sammelte er im kriegszerstörten Umfeld Relikte und Schutt, um daraus in der postdadaistischen Tradition von Kurt Schwitters erste, dem Informel verpflichtete Materialbilder und Assemblagen zu formen. Ab 1964 radikalisierte er sein Schaffen hin zu asketischer Strenge: Er beschränkte sich fast ausschließlich auf das quadratische Format und reduzierte seine Arbeiten auf monochrome Bildobjekte, serielle Lackbilder oder rhythmisch angeordnete Hufeisennägel auf Holzplatten. Schlenkers Werk zeichnet sich durch eine singuläre Synthese aus konstruktiver Ordnung und meditativer Materialästhetik aus: Sowohl in seinen strukturierten Reliefs als auch in seinen feinen Aquarellen befreite er die geometrische Struktur von emotionalem Pathos und steigerte das Wechselspiel aus Raum, Licht und feinen Schattenwirkungen zu visuellen Ruhepolen von Zen-buddhistischer Qualität. Als Mitbegründer des einflussreichen „Forum Kunst Rottweil“ prägte er die Kulturregion nachhaltig und sicherte der reduzierten Objektkunst des Südwestens als Träger des Professorentitels ehrenhalber des Landes Baden-Württemberg einen absolut gleichrangigen, international vernetzten Platz in der Nachkriegsavantgarde.
Bernd Berner (1930–2002): In Hamburg geborener Maler, Grafiker und bedeutender Kunstpädagoge, der nach Studien in Hamburg, Paris und Stuttgart (u. a. bei Willi Baumeister) ab 1952 fest in Stuttgart lebte und von 1971 bis 1994 als Professor an der Hochschule in Pforzheim lehrte. Berner gilt kunsthistorisch als einer der profiliertesten Pioniere des Post-Informel und des autonomen Farbraums in Deutschland. Ab Mitte der 1960er Jahre fokussierte er sein gesamtes Schaffen auf das sogenannte „Flächenbild“. Dabei löste er die informelle Geste in dichte, strukturierte Geflechte aus zahllosen, gitterartigen Pinselstrichen und übereinandergelegten Farblasuren auf. Berners Gemälde besitzen keine Gegenständlichkeit oder geometrische Begrenzung; sie leben ausschließlich von der inneren Vibration, der Dichte und der atmosphärischen Tiefenwirkung pulsierender Farbschichten. Als langjähriges Vorstandsmitglied des Deutschen Künstlerbundes hinterließ er eine der stringentesten und meditativsten Positionen der ungegenständlichen südwestdeutschen Kunstgeschichte.

Kunst im deutschen Südwesten, Bernd Berner, Flächenraum, 1963-1964, 130,5 cm x 110,5 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Rolf-Gunter Dienst (1942–2016): In Kiel geborener Maler, Grafiker, einflussreicher Kunstkritiker und herausragender Protagonist der deutschen Nachkriegsabstraktion. Er kam Mitte der 1960er-Jahre nach Stuttgart, wo er mit der Gründung der Künstlergruppe SYN (1965) die Abkehr vom rein emotionalen Informel einleitete, und lehrte später als langjähriger Professor an der Kunstakademie Nürnberg. Um seine künstlerische Sprache international zu schärfen, verbrachte er in den späten 1960er- und 1970er-Jahren prägende Arbeitsaufenthalte in New York, wo er sich intensiv mit dem amerikanischen Color Field Painting und dem Minimalismus auseinandersetzte. Als langjähriger Redakteur der renommierten Zeitschrift Das Kunstwerk prägte er über Jahrzehnte den kunstkritischen Diskurs der Bundesrepublik. Diensts Werk zeichnet sich durch eine singuläre, skripturale Rhythmik aus: Sowohl in seinen großformatigen Ölbildern als auch in seinen nuancierten Zeichnungen befreite er die Linie von jeglicher abbildenden Funktion und steigerte sie zu autonomen, tief poetischen Rastern aus winzigen, asemantischen Chiffren. Als zweifacher Villa-Massimo-Stipendiat, Träger des Bundesverdienstkreuzes und prägende Figur im Grenzbereich von Visueller Poesie und Malerei sicherte er der systematischen, aber zutiefst lyrischen Abstraktion einen absolut singulären, international vernetzten Platz in der deutschen Kunstgeschichte.
Markus Prachensky (1932–2011): In Innsbruck geborener Maler, Grafiker und prägender Pionier des europäischen Informel. Nach seinem Studium der Architektur und Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien gründete er 1956 gemeinsam mit Hollegha, Mikl und Rainer die avantgardistische Gruppe um die Galerie nächst St. Stephan. Ab Ende der 1950er-Jahre trat Prachensky in intensiven, befruchtenden Austausch mit der südwestdeutschen Kunstszene, flankiert durch wegweisende Galeriepräsentationen und Museumsbegegnungen im Stuttgarter und Karlsruher Raum. Prachenskys Œuvre ist ein radikales Monument der reinen, ungebändigten Geste: Seine weltberühmten, hochexpressiven Zyklen (wie Rot auf Weiß, St. Stephan oder seine späteren italienischen Reisebilder) bannen eruptive, gewaltige Farbschwünge – dominiert von einem eigens gemischten, unverkennbaren Prachensky-Rot – auf die Leinwand. Als internationaler Fixstern der Aktions- und Informelmalerei brachte er eine ungestüme, architektonisch-rhythmische Wucht in den abstrakten Diskurs des Südwestens ein und etablierte die physische Präsenz der Farbe als reines Energieereignis.
Lothar Quinte (1923–2000): In Insterburg geborener Maler, Grafiker und bedeutender Wegbereiter der Farbfeld- und Lichtkunst. Nach seinem Studium an der Kunstschule Bernstein (Bernsteinschule) bei HAP Grieshaber und Hans Paul Schmohl wirkte er jahrzehntelang im Südwesten (u. a. in Wettelbrunn). Quinte gilt kunsthistorisch als eine der profiliertesten Galionsfiguren der deutschen Op-Art und meditativen Lichtfeldmalerei. Seine frühen Arbeiten waren noch vom Informel geprägt, doch ab den frühen 1960er Jahren reduzierte er seine Bildsprache radikal auf die Erforschung von geometrischen Systemen, Fächerbündelungen, strahlenden Farbgrenzen und den berühmten Schlitzbildern, bei denen feine, vertikale Lichtspalten die Monochromie der Leinwand spannungsvoll durchbrechen. Neben seinen Gemälden schuf er ein international wegweisendes Œuvre an architekturbezogener Kunst, darunter die monumentalen Fensterzyklen für den Dom zu Speyer oder die Kirche St. Andreas in Karlsruhe. Als Teilnehmer der documenta 4 (1968) und Gastdozent an der Stuttgarter Akademie (1959/1960) hob er das Wechselspiel von Farbe, Raum und optischer Vibration auf internationales Spitzenniveau.
K.R.H. Sonderborg (1919–2000): Eigentlich Karl Robert Harvey Sonderborg, in Sønderborg (Dänemark) geborener Maler und Grafiker. Nach Studien in Hamburg und Paris (Atelier Hayter) wurde er 1965 als Professor an die Stuttgarter Kunstakademie berufen, wo er bis 1985 eine der einflussreichsten Klassen leitete. Sonderborg gilt als einer der international radikalsten Hauptvertreter des deutschen Informel und der Aktionsmalerei. Seine Werke – fast ausschließlich auf kontrastreiches Schwarz-Weiß-Rot reduziert – entstanden oft in eruptiven, rasanten Malsitzungen unter dem Einfluss von Jazzmusik. Unter Einsatz von unkonventionellen Werkzeugen wie Spachteln, Kratzern, Rasierklingen oder Autowischern riss, schleuderte und strukturierte er die Farbe auf den Untergrund. Diese Bilder fangen die nackte Dynamik von Zeit, Rhythmus und Bewegung ein und verweisen metaphorisch auf urbane Architekturen und technische Landschaften. Als dreifacher documenta-Teilnehmer (1959, 1964, 1977), Vertreter Deutschlands auf der Biennale von Venedig (1958) und Gewinner des Hans-Molfenter-Preises der Stadt Stuttgart (1987) verankerte er die internationale Aktionsavantgarde unwiderruflich im Südwesten.
Rudolf Haegele (1926–1998): In Schömberg bei Rottweil geborener Maler, Glasgestalter und einflussreicher Hochschullehrer der baden-württembergischen Nachkriegsmoderne. Schockiert von den traumatischen Erlebnissen im Kriegsdienst bei der Kriegsmarine, verwarf er seinen ursprünglichen Wunsch, Ingenieur zu werden, und wählte die Malerei als Instrument des existenziellen Protests und gesellschaftlichen Wandels. Nach seinem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Fritz Steisslinger und Hermann Sohn (1946–1948) sowie einem prägenden Pariser Stipendiaten-Aufenthalt stieg er zu einer zentralen Leitfigur der regionalen Kunstszene auf. Er amtierte ab 1968 als Vorsitzender der Stuttgarter Sezession und leitete von 1965 bis 1992 als angesehener Professor fast drei Jahrzehnte lang eine eigene Malklasse an der Stuttgarter Kunstakademie. Haegeles Werk zeichnet sich durch eine singuläre existentielle Materialtiefe aus: Sowohl in seinen vielschichtigen Leinwandgemälden als auch in seinen monumentalen Glasfenstern für kommunale und sakrale Räume befreite er das Bild von glatten Oberflächen. Tief beeinflusst von der Philosophie Albert Camus’ und dem französischen Existenzialismus, mischte er Sand und andere Werkstoffe in die Farbmaterie, um durch Schichtung und anschließendes brachiales Auskratzen raue, verletzte Fels- und Mauerstrukturen sowie kryptische Schriftzeichen freizulegen. Als engagierter Pädagoge und unermüdlicher Sucher nach der Conditio humana sicherte er der materialbetonten, philosophisch aufgeladenen Abstraktion einen absolut zentralen, unverwechselbaren Platz im kulturellen Erbe des deutschen Südwestens.

Kunst im deutschen Südwesten, Rudolf Haegele, Palimpsest VOLTERRA, 1981, 195 cm x 163 cm, Mischtechnik auf Leinwand, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Kunst im deutschen Südwesten, Rudolf Haegele, Dreiteiliges Bild Rivoli, 1974 1975, Mischtechnik auf Platte, 60 cm x 131 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Emil Cimiotti (1927–2019): In Göttingen geborener Bildhauer und langjähriger Professor, der von 1951 bis 1954 an der Stuttgarter Akademie bei Willi Baumeister und Otto Baum studierte. Cimiotti gilt als der international bedeutendste Pionier der informellen Bildhauerei in Deutschland. Seine biomorphen, hochfiligranen und raumoffenen Bronzegüsse im Wachsausschmelzverfahren brachen radikal mit dem klassischen Dogma des geschlossenen, geometrischen Volumens. Seine plastischen Strukturen erinnern an zerklüftete Landschaften, wucherndes vegetabiles Geäst oder geologische Formationen, in denen Innen- und Außenraum organisch miteinander verschmelzen. Als zweifacher Teilnehmer der Biennale von Venedig (1958, 1960) sowie der documenta in Kassel (1959, 1964) und Gewinner des Kunstpreises der Stadt Stuttgart (1957) prägte er die dreidimensionale Nachkriegskunst im Südwesten fundamental.

Kunst im deutschen Südwesten, Emil Cimiotti, Pineta III, Bronze gussrau, 58 cm x 24 cm x 23 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Kunst im deutschen Südwesten, Emil Cimiotti, Baum – Strukturen, 2014, Bronze gussrau, 49 cm x 83 cm x 27 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Kunst im deutschen Südwesten, Emil Cimiotti, Knieende, 1983, Bronze gussrau auf Stahl, teilweise bemalt, 191 cm x 44 cm x 67 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Erich Hauser (1930–2004): Schuf monumentale Skulpturen aus Edelstahl; seine glänzenden, kantigen Konstrukte prägen bis heute viele Plätze im Südwesten.

Kunst im deutschen Südwesten, Erich Hauser, 5-89, Edelstahl, poliert, Unikat signiert, 137 cm x 86 cm x 16 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Wilhelm Loth (1920–1993): In Darmstadt geborener Bildhauer, der nach prägenden Lehrjahren bei Toni Stadler und Fritz Schwarzbeck ab 1958 als Professor für Bildhauerei an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe berufen wurde (wo er bis 1986 lehrte). Loth gilt als einer der radikalsten Erneuerer der gegenständlichen Plastik im Deutschland der Nachkriegszeit. Berühmt wurde er für seine obsessive, lebenslange Auseinandersetzung mit dem weiblichen Torso und Körperfragmenten. Seine Skulpturen aus Bronze, Aluminium und später eingefärbten Kunststoffen brachen radikal mit dem klassischen, akademischen Schönheitsideal: Er zeigte den Körper ungeschönt, asymmetrisch, von inneren Kräften deformiert oder wie tektonisch geschichtet. Als documenta-Teilnehmer (1964), Gewinner des Jerg-Ratgeb-Preises (1979) und Mitglied der Darmstädter Sezession prägte er das bildhauerische Klima im Südwesten über Jahrzehnte und schuf ein starkes Gegengewicht zur reinen Abstraktion.

Kunst im deutschen Südwesten, Wilhelm Loth, Neue Figuration, Torso aus konvexen Formen, 1984, Bronze, 50 cm x 82 cm x 15,5 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Gerlinde Beck (1930–2006): Bildhauerin, die das Prinzip der Abstraktion in den Raum übertrug; bekannt für choreografierte Stahlskulpturen.
REDUKTIVER MATERIAL-REALISMUS, EXISTENTIELLE MATERIALABSTRAKTION & POETISCHER MINIMALISMUS
1968 – 1990
Fritz Klemm hat als „Grenzgänger der Kunst“ eine Werkgruppe, die sich als reduktiver Material-Realismus oder poetischer Minimalismus charakterisieren lässt, im Zeitraum von Ende der 1960er-Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1990 entwickelt und geschaffen.
Fritz Klemm (1902–1990): In Mannheim geborener Maler, Zeichner und einflussreicher Wegbereiter einer radikal reduzierten, materialbetonten Stillleben- und Raumkunst. Nach seinem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe kehrte er nach dem Zweiten Weltkrieg dorthin zurück und prägte die Institution von 1953 bis 1970 als legendärer Professor für Kunsterziehung, wodurch er Generationen bedeutender Künstler des Südwestens (darunter Franz Bernhard und Walter Stöhrer) formte. Um die traditionelle Malerei von akademischen Zwängen zu befreien, konzentrierte er sich in seinem reifen Werk auf scheinbar banale Gegenstände seines unmittelbaren Alltags: Atelierwände, karge Tische, Fensterrahmen oder einfache Holzbretter. Ausgehend von diesen Motiven entwickelte er ab den 1960er-Jahren seine charakteristischen Mischtechniken und Materialcollagen, bei denen er grobe Packpapiere, Wellpappe, Karton und dünne Lasuren so übereinanderlegte und bearbeitete, dass die raue Textur des Bildträgers selbst zum eigentlichen Bildinhalt wurde. Klemms Werk zeichnet sich durch eine singuläre Sensibilität für das Unscheinbare und eine meisterhafte Beherrschung von Nuancen aus: Sowohl in seinen fast monochromen, weiß-grauen Ölbildern als auch in seinen fragilen Zeichnungen steigerte er die Struktur des Materials zu autonomen, zutiefst meditativen und melancholischen Bildräumen. Als früher Villa-Romana-Preisträger (1938), Träger des Hans-Thoma-Preises des Landes Baden-Württemberg (1971) und Ehrenmitglied der Karlsruher Kunstakademie (1983) sicherte er der minimalistischen, existentiellen Materialabstraktion einen absolut prägenden, zeitlosen Platz im künstlerischen Gefüge der Nachkriegszeit.
MONUMENTALE BILDHAUEREI, NEUE FIGURATION & KRITISCHER REALISMUS
1970er & 1980er Jahre
Als Reaktion auf das Dogma der Abstraktion bildete sich an der Karlsruher Akademie eine weltberühmte figurative Schule. Parallel dazu erlebte der Südwesten eine Blütezeit der monumentalen Architektur-Plastik und des kritischen Realismus.
STILE & STRÖMUNGEN
Neue Figuration
Kritischer Realismus
Neo-Expressivismus
Konzeptuelle Figuration
monumentale, architektonische Bildhauerei
Kunst im öffentlichen Raum.
WEGWEISENDE KÜNSTLERINNEN & KÜNSTLER
Hans Baschang (1937–2017): In Karlsruhe geborener Maler, Zeichner und Bildhauer, der an der Karlsruher Akademie bei HAP Grieshaber, Herbert Kitzel und Fritz Klemm studierte. Baschang gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter und theoretischen Köpfe der Karlsruher „Neuen Figuration“. Sein Werk zeichnet sich durch eine radikale Erforschung des menschlichen Körpers mittels der autonomen Linie aus: Als virtuoser „Magier der Linie“ reduzierte er die menschliche Gestalt auf hochsensible Chiffren, fragile Strichlagen und skulpturale Zeichenkonstrukte, die im Spannungsfeld von Abstraktion und Figuration eine enorme existenzielle Wucht entfalten. Er prägte die Nachkriegskunst im Südwesten nachhaltig und wirkte als langjähriger, einflussreicher Professor an der Münchner Kunstakademie, wo er nachfolgende Generationen prägte.
Walter Stöhrer (1937–2000): In Stuttgart geborener Maler und Grafiker, der von 1956 bis 1959 an der Karlsruher Akademie gemeinsam mit Horst Antes und Heinz Schanz in der Klasse von HAP Grieshaber studierte. Stöhrer zählt zu den einflussreichsten Protagonisten der deutschen Nachkriegskunst. Seine fundamentale Bildsprache – von ihm selbst als „intrapsychisch realistisch“ definiert – bricht radikal das Diktat der reinen Abstraktion auf: Stöhrer ging von Schriftzeichen, Gedichtfragmenten (u. a. André Breton) und feinen kalligrafischen Kürzeln aus, die er impulsiv mit ungezähmten, hochexpressiven Farbbahnen verstrich, verwischte und übermalte. Seine großformatigen, wuchtigen Werke erinnern an das surrealistische Prinzip der Écriture automatique und bündeln ein enormes energetisches Kraftfeld. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Kunstpreis der Jugend (1962) und dem Hans-Molfenter-Preis (1995), hinterließ er als langjähriger Berliner Akademieprofessor ein wegweisendes grafisches und malerisches Erbe.
Heinz Schanz (1927–2003): In Genkingen geborener Maler und Zeichner. Er war Schüler von HAP Grieshaber an der Bernsteinschule und folgte ihm 1956 an die Karlsruher Akademie. Schanz gilt neben Horst Antes und Walter Stöhrer als Mitbegründer der Karlsruher „Neuen Figuration“. Seine Werke zeichnen sich durch ein radikales Pendeln zwischen ungegenständlicher Geste und figurativer Rückkehr aus: Schanz schleuderte und goss Temperafarbe kraftvoll auf den Bildträger und unterwarf seine Kompositionen einem obsessiven Prozess der Schichten-Übermalung. Dadurch steigerte er eine leuchtende, zutiefst charakteristische Tiefenräumlichkeit. Als Träger des Villa-Romana-Preises (1977) und des Kunstpreises der Stadt Stuttgart (1990) prägte er die südwestdeutsche Nachkriegsmalerei maßgeblich.
Horst Antes (*1936): In Heppenheim geborener Maler, Grafiker und Bildhauer, der von 1957 bis 1959 an der Karlsruher Akademie bei HAP Grieshaber studierte und dort später selbst jahrzehntelang als einflussreicher Professor lehrte. Antes gilt als eine der wegweisendsten Galionsfiguren der deutschen Nachkriegskunst und als Mitbegründer der Karlsruher „Neuen Figuration“. Zu Beginn der 1960er Jahre erfand er sein ikonisches Kunstsymbol: den „Kopffüßler“, eine archaische, auf Kopf und Füße reduzierte Kunstfigur, die er in zahllosen malerischen, grafischen und bildhauerischen Variationen (u. a. monumentale Eisen- und Cortenstahlskulpturen im öffentlichen Raum) untersuchte. Seine Bildwelten verknüpfen Einflüsse der klassischen Moderne, indigene Kunstformen (Hopis) und existentielle Fragen zu Chiffren von zeitloser Symbolkraft. Als dreifacher documenta-Teilnehmer (1964, 1968, 1977), Träger des Großen Preises der Biennale von São Paulo (1991) und des Hans-Molfenter-Preises der Stadt Stuttgart (1989) prägte er die visuelle Identität des deutschen Südwestens auf internationalem Spitzenniveau.
Markus Lüpertz (*1941): International gefeierter Maler, Grafiker und Bildhauer; wirkte von 1974 bis 1986 als prägender Professor für Malerei an der Karlsruher Akademie und brach mit seiner „Dithyrambischen Malerei“ sowie seinen monumentalen, suggestiven Bildchiffren und Skulpturen radikal die Vorherrschaft der reinen Abstraktion im Nachkriegsdeutschland.
Georg Baselitz (*1938): Lehrte ab 1977 in Karlsruhe; erlangte Weltruhm durch das Umkehren seiner Bildmotive auf den Kopf.
Max Kaminski (1938–2019): Bedeutender documenta-Teilnehmer und langjähriger Professor an der Karlsruher Kunstakademie (ab 1981); erlangte große Relevanz durch seine hochexpressiven, farbgewaltigen Figurenbilder und raumgreifenden Zyklen, die existenzielle Themen wie Mythologie, Tragik und Tod formal konsequent gegen den Trend des reinen Informel behaupteten.

Kunst im deutschen Südwesten, Max Kaminski, Notre Dame (Marseille), 2003, Öl auf Leinwand, 190 cm x 190 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Peter Dreher (1932–2020): In Mannheim geborener Maler, Grafiker und weltweit gefeierter Pionier des konzeptuellen Realismus. Er studierte an der Karlsruher Kunstakademie bei Karl Hubbuch und Wilhelm Schnarrenberger und leitete von 1968 bis 1997 als Professor die Freiburger Außenstelle der Akademie, an der er Generationen von Schülern (darunter Anselm Kiefer) grundlegend prägte. Drehers Schaffen bildet ein monumentales Monument der zeitgenössischen Malereigeschichte: Im Zentrum steht sein 1974 begonnenes und über 45 Jahre fortgeführtes Serien-Hauptwerk „Tag um Tag guter Tag“. Darin porträtierte er ein einfaches leeres Wasserglas unter sich ständig ändernden Lichtverhältnissen weit über 5.000 Mal in absolut realistischer Präzision auf identischen 25 × 20 cm großen Bildträgern. Abseits dieser Jahrhundertserie schuf er komplexe Interieurs, dichte Stillleben und großformatige Landschaften (wie die Schwarzwald-Bilder). Als Träger des Hans-Thoma-Preises (1979) und des Reinhold-Schneider-Preises (2000) bewies er meisterhaft, dass die gegenständliche Malerei durch radikale konzeptuelle Serialität die Grenzen zwischen Realismus, Meditation und zeitgenössischer Konzeptkunst vollkommen aufhebt.
Dieter Krieg (1937–2005): In Lindau geborener Maler, Zeichner und langjähriger Professor, der von 1958 bis 1962 an der Karlsruher Akademie bei HAP Grieshaber und Herbert Kitzel studierte. Krieg gilt als einer der radikalsten Grenzgänger der deutschen Nachkriegskunst. Mit einer geradezu eruptiven, zentimeterdicken Pastosität schleuderte und strich er reine Farbmaterie auf gigantische Leinwände und Packpapierbögen. Seine Bildmotive sind von einer monumentalen und zugleich existentiellen Profanität: Er malte banale Alltagsgegenstände wie Fritten, Fleischbrocken, Betten, Badewannen, Kreuze, Salatköpfe oder Eimer, die in ihrer schieren materiellen Wucht den Raum physisch attackieren und sich zwischen vollkommener Abstraktion und schonungslosem Ding-Realismus bewegen. Als Vertreter Deutschlands auf der Biennale von Venedig (1978) sowie als Empfänger des Hans-Molfenter-Preises der Stadt Stuttgart (1993) prägte sein kompromissloses Werk das kunsthistorische Klima im Südwesten tiefgreifend.
Ben Willikens (*1939): Weltbekannt für seine monumental-metaphorischen „Grauen Räume“, Anstalt-Interieurs und die Neugestaltung des Stuttgarter Landtags.

Kunst im deutschen Südwesten, Ben Willikens, Boxer – Spind, Olympia 1972 München 1971, Gemälde Acryl auf Leinwand, 78 cm x 54 cm, 81,5 cm x 57 cm mit Rahmen, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Helmut Goettl (1934–2011): Wichtiger Vertreter des sozialkritischen Realismus im Raum Karlsruhe; dokumentierte den Alltag mit ironisch-analytischem Blick.

Kunst im deutschen Südwesten, Helmut Goettl, Gartenfest, 1992, Zeichnung, 102 cm x 73 cm, goh010re, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Romane Holderried Kaesdorf (1922–2007): Schuf ein unverwechselbares zeichnerisches Werk, das menschliche (oft männliche) Verhaltensmuster skurril-ironisch zerlegte.

Kunst im deutschen Südwesten, Romane Holderried-Kaesdorf, die Spielerinnen, 1994, Öl und Bleistift auf Sperrholz, 77 cm x 80 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Julius Kaesdorf (1914–1993): Als Autodidakt schuf er minimalistische, zeichenhafte und humorvolle Werke von hoher Prägnanz.

Kunst im deutschen Südwesten, Julius Kaesdorf, Kleine Figur im Sessel, 1957-67 2, Werkverzeichnis I995, Öl auf Leinwand auf Platte, 18,2 cm x 14 cm, mit Rahmen 33 cm x 30 cm, Sammlung Fritz Genkinger, SüdWestGalerie
Günter Schöllkopf (1935–1979): Grafiker und Zeichner; bekannt für seine literarischen Illustrationen und surreal-grotesken Radierungen.

Kunst im deutschen Südwesten, Günter Schöllkopf, Another Sherlock Holmes, 1979, Radierung, 44 cm x 33 cm, scg001re, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Artur Stoll (1947–2003): Schüler von Grieshaber; schuf hochexpressive, reliefartige Gemälde von urwüchsiger, physischer Präsenz.

Artur Stoll, Das Tier und die Wahrheit, 1988, Öl auf Leinwand, 133 cm x 143 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Artur Stoll, Blumen für die Welt, je t’aime Liebe, 2000, Öl auf Leinwand, 120 cm x 160 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Jürgen Brodwolf (geb. 1932): In Dübendorf (Schweiz) geborener Bildhauer, Objektkünstler, Maler und international gefeierter Schöpfer der weltberühmten „Tubenfigur“. Nach einer Ausbildung zum Entwurfszeichner in einer Zürcher Lithografieanstalt und ausgedehnten Studienreisen nach Paris und Florenz kam er Mitte der 1950er-Jahre in den deutschen Südwesten, wo er zunächst als freischaffender Restaurator in Vogelbach (Südbaden) wirkte. Im Jahr 1959 vollzog er seine kunsthistorische Jahrhundertentdeckung: Er fand eine ausgedrückte, deformierte Bleitube, deren plastische Form ihn an den menschlichen Körper erinnerte, und erhob dieses weggeworfene Alltagsobjekt zu seiner lebenslangen, archetypischen Urfigur. Um diese faszinierende Schnittstelle zwischen banalem Konsumgut und verletzlicher menschlicher Existenz tiefer zu erforschen, entwickelte er über Jahrzehnte hinweg ein singuläres, unerschöpfliches Werk aus Skulpturen, Reliquiaren und raumgreifenden Installationen. Als langjähriger Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (1976–1982) prägte er die Region nachhaltig. Brodwolfs Werk zeichnet sich durch eine zutiefst berührende, existenzielle Materialästhetik aus: Sowohl in seinen mit Mullbändern, Asche und Kreide umwickelten Tuben-Menschlein als auch in seinen monumentalen Figurengruppen aus Blei, Holz oder Papier befreite er die Figur von heroischen Posen und steigerte sie zu Chiffren von Vergänglichkeit, Isolation und Schutzbedürftigkeit. Als Teilnehmer der documenta 6 (1977), Träger des Hans-Thoma-Preises des Landes Baden-Württemberg (1981) und Begründer der geschichtsträchtigen Brodwolf-Stiftung im Kulturzentrum Kandern sicherte er der anthropomorphen Objektkunst einen absolut unverwechselbaren, zeitlosen Spitzenplatz in der europäischen Nachkriegsavantgarde.

Kunst im deutschen Südwesten, Jürgen Brodwolf, Ikarus II , 1997, Fundstück, verhüllte Tubenfigur, 1974, 45 cm x 51 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Jürgen Brodwolf, Figurentypologie 2008, umhüllte Tubenfigur um 1980, 40 cm x 30 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Otto Herbert Hajek (1927–2005): In Kaltenbach geborener Bildhauer, Maler und herausragender Pionier der ungegenständlichen Plastik im öffentlichen Raum. Er kam 1947 nach Stuttgart, absolvierte dort sein Bildhauerstudium an der Kunstakademie und machte die Landeshauptstadt zum Zentrum seines weltweiten Schaffens. Nach prägenden Anfängen im Informel erlangte er ab den 1950er-Jahren erste internationale Anerkennung durch sein bahnbrechendes Frühwerk: In seinen plastisch dichten „Raumknoten“ und vielschichtigen „Raumschichtungen“ durchbrach er die geschlossene Form der klassischen Skulptur und webte filigrane Netze aus Linien, Graten und Durchbrüchen in den Raum, die das Licht in plastische Energie verwandelten. Ab den 1960er-Jahren übertrug er diese plastischen Raumuntersuchungen radikal in den urbanen Bereich und begründete seine weltbekannte „Stadtikonographie“ – monumentale, geometrische und begehbare Beton- und Stahlsuklpturen, die mit signalhaften Farbwegen die graue Nachkriegsarchitektur humanisieren und damit einen positiven gesellschaftspolitischen Beitrag leisten sollten. Er gestaltete Plätze sowie Universitäten weltweit und prägte als langjähriger Vorsitzender des Deutschen Künstlerbundes die Kulturpolitik der Bundesrepublik entscheidend mit. Als zweifacher documenta-Teilnehmer (1959, 1964) und Professor in Karlsruhe sicherte er der abstrakten Plastik des Südwestens einen absolut prägenden, international vernetzten Platz in der Moderne.

Kunst im deutschen Südwesten, Otto Herbert Hajek, P 138, 60 3, 1960, Bronze, 27 cm x 25 cm x 11 cm – Höhe ohne Sockel, Unikat, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Otto Herbert Hajek, Raumknoten, 1958, Tusche laviert auf Papier, 44 cm x 62 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Ulrich Nuss (*1943): Setzte die Familientradition (Sohn von Fritz Nuss) fort; schuf ausdrucksstarke, oft narrative Bronzefiguren im öffentlichen Raum.
Franz Bernhard (1934–2013): In Neuhäuser (Böhmerwald) geborener Bildhauer, Zeichner und herausragender Erneuerer der ungegenständlichen, anthropomorphen Plastik der Nachkriegszeit. Nach Flucht und Vertreibung kam er 1946 in den Landkreis Heilbronn, absolvierte eine Schreinerlehre und studierte anschließend von 1959 bis 1966 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Wilhelm Loth und Fritz Klemm. Um den menschlichen Körper ohne jede anatomische Detailtreue neu zu begreifen, entwickelte er ab den Spätsechzigern monumentale, sockellose Außenskulpturen, die er vorzugsweise aus der archaischen, rauen Materialkombination von massivem Holz und rostendem CorTen-Stahl zusammensetzte. Trotz der harten, industriellen Werkstoffe transportieren seine Arbeiten stets eine vitale, existenzielle Körperlichkeit, die Haltung, Gestik und Aufrichtung versinnbildlicht. Als langjähriger Erster Vorsitzender des Künstlerbundes Baden-Württemberg (1994–2001) und Träger des Bundesverdienstkreuzes prägte er die Kulturlandschaft im deutschen Südwesten tiefgreifend. Bernhards Werk zeichnet sich durch eine singuläre Synthese aus minimalisierter Tektonik und anthropomorpher Präsenz aus: Sowohl in seinen tonnenschweren Stadtikonen wie der „Großen Mannheimerin“ als auch in seinen kraftvollen, zeichenhaften Großzeichnungen befreite er das Menschenbild von abbildenden Konventionen. Als Teilnehmer der documenta 6 (1977), Villa-Romana-Preisträger und Träger einer Ehrenprofessur des Landes Baden-Württemberg sicherte er der zeichenhaften, materialbetonten Abstraktion einen absolut singulären, zeitlosen Platz in der europäischen Plastik.

Kunst im deutschen Südwesten, Franz Bernhard, Kreuzform, 1994, Eisen, Gips, Höhe 167 cm, Breite 99 cm,, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Hans Schreiner (1930–2023): Übersetzte Landschaften und Naturerlebnisse in großformatige, lyrisch-abstrakte Farbräume.

Kunst im deutschen Südwesten, Hans Schreiner, ohne Titel, 1960, Öl auf Leinwand, 61 cm x 81 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Hans Schreiner, ohne Titel, 1960, Öl auf Leinwand, 61 cm x 81 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
PLURALISMUS, GRAFIK-INNOVATIONEN & MATERIALEXPERIMENTE
1990er Jahre bis ca. 2010
Mit der Gründung des ZKM in Karlsruhe öffnete sich die Kunstregion der Digitalisierung. Gleichzeitig etablierte sich eine Generation, die das Erbe der klassischen Abstraktion, der Bildhauerei und insbesondere der manuellen Druckgrafik durch unkonventionelle Werkstoffe und serielle Konzepte radikalisierte.
STILE & STRÖMUNGEN
Neokonstruktivismus
Radikale Druckgrafik
experimenteller Holzschnitt
Farbfeld-Radierung
architektonische Holzbildhauerei
Konzeptkunst
WEGWEISENDE KÜNSTLERINNEN & KÜNSTLER
GRAFISCHE & MALERISCHE POSITIONEN
Rudolf Schoofs (1932–2009): Herausragender Maler und Zeichner des deutschen Informel; erlangte als Professor für Freie Grafik an der Stuttgarter Akademie (1976–1997) fundamentalen Einfluss im Südwesten. Seine international beachteten, in sensiblen Strichlagen geschichteten Dickichte, kosmischen Vegetationen und Stadtlandschaften bildeten das pädagogische und ästhetische Fundament für eine ganze Generation moderner Zeichner der Region.

Kunst im deutschen Südwesten, Rudolf Schoofs, Stadtlandschaft, 1983, Öl auf Leinwand, 155 cm x 220 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Peter Guth (1957–2006): In Mengen geborener Zeichner und Holzschneider erlangte Bedeutung durch seine kraftvollen, dichten Zeichnungen sowie experimentelle, raumgreifende Holzschnitte und serielle Buchobjekte, die auf archaischen Werkstoffen basierten.
Werner Zaiß (*1943): In Stuttgart geborener und an der Höheren Grafischen Fachschule ausgebildeter Künstler; wirkte über Jahrzehnte als freier Grafiker und prägte als langjähriger Leiter der Radierwerkstätten am Studium Generale der Universität Stuttgart nachfolgende Generationen durch seine meisterhaften Farbradierungen und prägnanten Farblinolschnitte.

Kunst im deutschen Südwesten, Peter Guth, Treppensockel, Tanzboden, Holzschnitt Unikat, 1995, 169 cm x 123 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Georg Heller (*1954): In Eichstätt geborener, an der Stuttgarter Akademie ausgebildeter Grafiker und Kunsterzieher; bekannt für großformatige, konzeptionell streng durchdachte Linoldrucke mit Offsetfarbe auf Köper sowie experimentelle PC-Grafiken.

Kunst im deutschen Südwesten, Georg Heller, und wenn sie nicht gestorben sind, Linolschnitt, 1992, 200 cm x 280 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Isa Dahl (*1965): Bekannt für dynamische, rhythmische Schlingen- und Pinselstrukturen, die tiefe visuelle Farbräume erzeugen.
Hanspeter Münch (*1951): Meister der lyrischen Abstraktion; schafft lichtdurchflutete, vielschichtige Farb- und Lasurgemälde.

Kunst im deutschen Südwesten, Isa Dahl, nur so, 2011, Öl auf Leinwand, 210 cm x 240 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Bruno Kurz (*1957): Nutzt Metallgaze und transluzide Untergründe, um in seinen abstrakten Landschaften Lichtphänomene einzufangen.

Kunst im deutschen Südwesten, Bruno Kurz, Korona, 2018, Acryl und Öl auf Leinwand, 180 cm x 180 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Oliver Christmann (*1960): Untersucht in seiner Malerei das
Zusammenspiel von reduzierter Form, Farbkörper und raumgreifender Farbwirkung.
Sabine Christmann (*1961): Virtuose des zeitgenössischen Stilllebens; erhebt profane Alltagsgegenstände (Plastiktüten, Verpackungen) zu fotorealistischen Studien.

Kunst im deutschen Südwesten, Sabine Christmann, Rot macht high, 2020, Öl auf Leinwand, 70 cm x 120 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Sabine Christmann, Trügerische Ruhe 2, Acryl auf Papier, 70 cm x 100 cm, 2021, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Thomas Kitzinger (*1955): Vertreter eines radikalen, analytischen Realismus; seziert Objekte und Porträts mit extrem präziser Maltechnik.
Andreas Lau (*1964): Arbeitet mit systematischen Rasterungen und Verfremdungen; bewegt sich im Grenzbereich von Erkennbarkeit und Abstraktion.
Werner Fohrer (*1947): Verknüpft in seinen Werken fotorealistische Fragmente mit gesellschaftspolitischen und zeitgeschichtlichen Themen.

Kunst im deutschen Südwesten, Werner Fohrer, Artificial Life II, 2018, Öl auf Leinwand, 150 cm x 200 cm , Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Uwe Ernst (*1947): Schafft hochkomplexe, oft düstere, figurativ-surreale Bildwelten voller mythologischer und zeitkritischer Chiffren.

Kunst im deutschen Südwesten, Uwe Ernst, Die Stiefelwichser, 1993, Schwarze Kreide auf Papier, 81 cm x 104 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Joachim Kupke (*1947): Konzeptkünstler und Maler; hinterfragt in altmeisterlicher Perfektion die Mechanismen der Kunstgeschichte und Zitatkultur.

Kunst im deutschen Südwesten, Joachim Kupke, Farewell, 1972, 42 cm x 52,5 cm, Bleistift Tempera Buntstift auf Papier, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Hannes Münz (1940–2014): Autonomer Einzelgänger; schuf ein radikal reduziertes, expressives Werk zwischen Figuration und Chiffre.

Kunst im deutschen Südwesten, Hannes Münz, Ausblick, 1988, Kassein auf Papier, 50 cm x 70 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Hannes Münz, Dynamische Landschaft, 1991, 38 cm x 25 cm, Rahmengröße: 63,cm x 53 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Elke Wree (*1940): Übersetzt vegetative Strukturen und Landschaften in lichte, freie Farbkompositionen.

Kunst im deutschen Südwesten, Elke Wree, Yamara, 2016, Tusche auf Papier, 57 cm x 77 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
BILDHAUERISCHE POSITIONEN
Robert Schad (*1953): Zeichnet mit massivem, vierkantigem Erzeugnisstahl filigrane, tanzende Linien in den Raum und die Landschaft.

Kunst im deutschen Südwesten, Robert Schad, FILIMU, 2014, Vierkantstahl massiv; 45 mm, 260 cm x 130 cm x 100 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Werner Pokorny (1949–2022): Arbeitete in Holz und Cortenstahl; variierte obsessiv das Ur-Motiv des „Hauses“ als Chiffre für Verortung und Existenz.

Kunst im deutschen Südwesten, Werner Pokorny, Gefäß und Haus XV, 2004, 213 cm x 68 cm x 30 cm, WVZ 616, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Armin Göhringer (*1959): Schneidet mit der Kettensäge fragile, gitterartige Strukturen aus massiven Holzblöcken; visualisiert Schwere und Halt.

Kunst im deutschen Südwesten, Armin Göhringer, ohne Titel, 2001, Holz geschwärzt, 199 cm x 70 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalrie

Kunst im deutschen Südwesten, Armin Göhringer, o.T. (24), 2013, Holz geschwärzt, 87 cm x 120 cm x 28 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Andrea Zaumseil (*1956): Schafft monumentale, raumgreifende Skulpturen aus tiefdunklem Eisenblech sowie melancholische Riesenpastelle.

Kunst im deutschen Südwesten, Andrea Zaumseil, Ohne Titel, 1998, Stahl, 3 Teile, Höhe ca. 278 cm, 295 cm, 265 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Andrea Zaumseil, o.T., 1998, Stahl, 90 cm x 100 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Rudolf Kurz (*1952): Schafft reduzierte Steinskulpturen und sakrale Räume, die durch präzise Schnitte die innere Kraft des Materials freilegen.

Kunst im deutschen Südwesten, Rudolf Kurz, Torso, 1993, 65 cm x 50 cm x 14 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Christoph Traub (*1964): Steinkünstler, der die harte Materie in organisch fließende, anthropomorphe Torsi und Wachstumsformen verwandelt.

Kunst im deutschen Südwesten, Christoph Traub, Haut 1, 2014, Jura, Stahl, 95 cm x 15 cm x 30 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
ZEITGENÖSSISCHE TENDENZEN & GEGENWART
Ab 2010
Die aktuelle Kunstszene zeichnet sich durch einen global vernetzten Pluralismus aus. Im Südwesten fällt eine starke Dichte an Positionen auf, die traditionelle Handwerke (Guss, Keramik, Schnitzerei) konzeptuell brechen oder sich mit Ökologie und postdigitaler Identität befassen.
STILE & STRÖMUNGEN
Postdigitale Kunst
Expressive Materialmalerei
Bio-Art
Dekonstruktive Bildhauerei
Rauminstallation
Konzeptuelle Keramik
WEGWEISENDE KÜNSTLERINNEN & KÜNSTLER
MALERISCHE & KONZEPTUELLE POSITIONEN
Max Peter Haering (*1948): Maler und Zeichner der Fantastischen Kunst. Er befasst sich in seinen altmeisterlich dichten, suggestiven Tuschfeder- und Graphitzeichnungen intensiv mit literarischen Vorlagen. Seine Werke eröffnen durch komplexe Meta-Erzählungen aus Linien und Punkten tiefgründige Doppelbedeutungen. International erlangte sein zeichnerisches Schaffen herausragende Anerkennung durch den renommierten Gold Award des asiatischen JIA Illustration Awards.

Kunst im deutschen Südwesten, Max Peter Haering, Küste der Blinden, 1987, Tuschzeichnung, 26 cm x 33 cm, ham010, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Dietmar Brixy (*1961): Der Mannheimer Künstler ist bekannt für hochexpressive, reliefartige und farbgewaltige Materialbilder, die Naturprozesse reflektieren.
Alfred Bast (*1948): Begreift Kunst als Bewusstseinsprozess; dokumentiert in feinsinnigen Bildern, Zeichnungen und Naturstudien („Krieger des Friedens“) existentielle Zusammenhänge.

Kunst im deutschen Südwesten, Alfred Bast, Kosmische Verwandlung, 1978, 119 cm x 89 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Alfred Bast, Ver-Bindungen, 1985, Farbstift auf Malgrund, 200 cm x 155 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Ulrich Brauchle (*1971): Maler und exzellenter Radierer; fängt Landschaften in dynamischen Strichen und sensiblen Farbräumen ein.

Kunst im deutschen Südwesten, Ulrich Brauchle, Malerei, 2020, Öl auf Leinwand, 175 cm x 185 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Elly Weiblen (*1950): Schichtet transparente Farben und Pigmente auf; beschäftigt sich mit Erinnerungstopografien, Natur und Zeit.
Gerlinde Zantis (*1962): Bildet in fein nuancierten Kreide- und Pigmentzeichnungen Landschaften und dichte Waldstrukturen von fast fotorealistischer, meditativer Tiefe ab.

Kunst im deutschen Südwesten, Gerlinde Zantis, Dépt 07/Ruisseau de la Fontinelle VI, 2018, Pastell, 120 cm x 160 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Thomas Rissler (*1962): Schafft farbgewaltige, expressive Gemälde sowie monumentale, zeitgenössische Holzschnitte.

Kunst im deutschen Südwesten, Thomas Rissler, ohne Titel, 2022, Acryl, Öl und Sprühfarbe auf Leinwand, 130 cm x 120 cm, Preis auf Anfrage, rit013kü, SüdWestGalerie
Paul Groll (*1962): Seine farbenfroh-heiteren und vor Lebensfreude sprühenden, vom Zeichnerischen getragenen Werke wirken im ersten Augenblick durch ihre verspielten Farbkompositionen und eine barock-opulente Farbenpracht in einem lebhaften Durcheinander chaotisch. Dieser Eindruck löst sich jedoch auf, sobald sich die Linien und amorphen Fleckenformen zu schemenhaften Gebilden und feinsinnig austarierten, asymmetrischen Ordnungen zusammenziehen.

Kunst im deutschen Südwesten, Paul Groll, Sitzende, 1994, Mischtechnik, 34 x 24 cm, grp003re, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
BILDHAUERISCHE POSITIONEN
Jeanette Zippel (*1963): Grenzgängerin zwischen Bildhauerei, Landschaftsgestaltung und Ökologie. Sie gilt im Südwesten als Pionierin einer skulpturalen Land Art. Berühmt ist sie für ihre architektonisch-landschaftlichen Bienengärten (u. a. für die IGA 1993 in Stuttgart), deren Wegenetze der Choreografie des Bienentanzes folgen. Im Zentrum dieser Areale stehen ihre monumentalen, aus Naturmaterialien (Eichenholz, Lehm, Weidengeflecht) errichteten, figurativen Figurenstöcke. Diese anthropomorphen, an die antike Bienen-Göttin Artemis angelehnten Skulpturen sind konzeptionell so konstruiert, dass sie von Honig- und Wildbienen real besiedelt und durch deren Naturwabenbau im Inneren zu „belebten Plastiken“ werden.

Kunst im deutschen Südwesten, Jeanette Zippel, Wabenbau, Soziales Prinzip 3, 2005, Bienenwachs auf Kartonträger, 70 cm x 100 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Daniel Wagenblast (*1963): Seine aus Holz geschlagenen, farbig gefassten Männerfiguren (oft mit Auto oder Weltenkugel) sind humorvolle, weltberühmte Ikonen des „Jedermann“.

Kunst im deutschen Südwesten, Daniel Wagenblast, Schoko Frau, 2014, Holz bemalt, 25 cm x 27 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Andreas Welzenbach (*1965): Bildhauer des zeitgenössischen Holzbildwerks; bricht die Tradition der Schnitzkunst durch ironische, erzählerische und popkulturelle Motive.

Kunst im deutschen Südwesten, Andreas Welzenbach, Selbstmordattentäter, 2007, Holz, farbig gefasst, 110 x 80 x 72 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Miriam Lenk (*1975): Schafft opulente, barock-üppige Skulpturen aus Ton und Epoxidharz, die patriarchale Schönheitsideale lustvoll untergraben.

Kunst im deutschen Südwesten, Miriam Lenk, Oktopussy, 2013, Keramik, 40 cm x 40 cm x 38cm 33, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Silvia Siemes (*1960): Bildhauerin der leisen Töne; schafft melancholische Figuren aus Terrakotta, deren matte Bemalung ihnen eine zeitlose Aura verleiht.

Kunst im deutschen Südwesten, Silvia Siemes, Große Sitzende, 2020, Terrakotta, gebrannt, Höhe 73cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Stephan Hasslinger (*1960): Transformiert das klassische Medium Keramik in glänzende, geschwungene und oft textile Assoziationen weckende Skulpturen von hoher Sinnlichkeit.

Kunst im deutschen Südwesten, Stephan Hasslinger, Paisly, Keramik und Glasuren, 2017, 112 cm x 66 cm x 65 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Gerda Bier (*1943): Kombiniert verwittertes Altholz, Fundstücke und Blei zu sakral wirkenden Objekten, die von Vergänglichkeit und Würde erzählen.
Stefanie Ehrenfried (*1964): Erzeugt durch ihre bahnbrechenden, teils lebensgroßen Filz-Plastiken ein tiefes Spannungsfeld aus unmittelbarer Irritation und archaischer Präsenz. In einem jahrelangen, hochintensiven Arbeitsprozess verdichtet sie naturbelassene Schafwolle mittels zehntausender Einstiche der Filznadel zu erstaunlich stabilen, autonomen Körpern.

Kunst im deutschen Südwesten, Stefanie Ehrenfried, Große Beere, 2012-2017, Schafwolle nadelgefilzt, 55 cm x 75 cm x 115 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Martin Bruno Schmid (*1970): Konzeptueller Bildhauer; bohrt, spaltet oder verletzt bestehende Architekturen und Materialien (z. B. Säulen oder Leinwände), um deren inneres Wesen sichtbar zu machen.
Susanne Rudolph (*1943): In monumentalen Skulpturen, wie der „Fischgöttin“, gegossen in massivem, mineralischem Steinguss/Beton) verdichtet Susanne Rudolph ihr zentrales Thema – das menschliche Abbild und dessen inhärente Widersprüche – zu einer archetypischen, fast mythologischen Chiffre.

Kunst im deutschen Südwesten, Susanne Rudolph, Fischgöttin, 2017, Steinguss, Höhe: 130 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
DIE KUNST IM DEUTSCHEN SÜDWESTEN VON 1945 BIS ZUR GEGENWART
DEFINITION UND KUNSTHISTORISCHER KONTEXT
Die Kunst im deutschen Südwesten – geografisch deckungsgleich mit dem heutigen Bundesland Baden-Württemberg – bildet seit 1945 eine der dynamischsten und facettenreichsten Regionallandschaften der deutschen Nachkriegsmoderne. Geprägt durch die historischen Zentren Stuttgart und Karlsruhe sowie eine dezentrale Museums- und Galerienlandschaft, bewegt sich die Entwicklung im Spannungsfeld zwischen radikaler Abstraktion, expressiver Figuration, wegweisender Bildhauerei und zukunftsweisender Medienkunst.
ZEITLICHE GLIEDERUNG: KUNSTSTILE & AKTEURE
DIE NACHKRIEGSMODERNE UND DER AUFBRUCH IN DIE ABSTRAKTION
1945–1959
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stand der Südwesten im Zeichen des Wiederaufbaus und der Rehabilitierung der von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamierten Moderne. Neben der Abstraktion existierten wichtige Strömungen des expressiven Realismus und der klassischen figurorientierten Bildhauerei fort.
STILE & STRÖMUNGEN
Konstruktive Kunst
Absolute Malerei
frühes Informel
Expressiver Realismus
traditionelle und biomorphe Bildhauerei
Holzschnitt-Renaissance.
WEGWEISENDE KÜNSTLERINNEN & KÜNSTLER
Georg Meistermann (1911–1990): In Solingen geborener Maler, Zeichner und überregional bedeutender Kunstpädagoge. Nach seinem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf (u. a. bei Heinrich Campendonk) wurde er von den Nationalsozialisten mit Ausstellungsverbot belegt. Ab 1952 wirkte er maßgeblich im Südwesten und leitete von 1955 bis 1960 eine hochkarätige Klasse für Malerei an der Karlsruher Kunstakademie. Meistermann gilt als der international herausragendste Erneuerer der Glasmalerei im 20. Jahrhundert. Seine monumentalen Fensterzyklen (wie in der Stuttgarter St.-Eberhard-Kirche oder dem Kölner Funkhaus) befreiten das Glas von seiner rein dienenden Rolle und verwandelten es in autonome Farb-Licht-Räume von lyrisch-abstrakter Tiefgründigkeit. Neben seinen Glasfenstern schuf er ein eindringliches Œuvre aus symbolhaften Gemälden und psychologischen Porträts (u. a. Willy Brandt). Als zweifacher documenta-Teilnehmer (1955, 1959), Träger des Hans-Molfenter-Preises der Stadt Stuttgart (1974) und langjähriger Präsident des Deutschen Künstlerbundes war er die intellektuelle und kulturpolitische Integrationsfigur, die der ungegenständlichen Nachkriegskunst im Südwesten institutionelles Gewicht verlieh.
Willi Baumeister (1889–1955): In Stuttgart geborener Maler, Grafiker, Typograf, Bühnenbildner und herausragender Kunsttheoretiker. Er studierte an der Stuttgarter Akademie bei Adolf Hölzel und wurde 1933 von den Nationalsozialisten aus seiner Frankfurter Professur entlassen sowie als „entartet“ diffamiert. Während der inneren Emigration erforschte er im Verborgenen (u. a. in der Wuppertaler Lackfabrik von Dr. Kurt Herberts) die Chemie der Malmaterialien und vollendete seine theoretische Programmschrift „Das Unbekannte in der Kunst“ (1947), die zum wichtigsten Manifest der ungegenständlichen Nachkriegskunst in Deutschland wurde. Ab 1946 leitete er eine legendäre Klasse an der Stuttgarter Akademie. Baumeister gilt als die überragende Integrationsfigur der Nachkriegsmoderne. Seine berühmten Werkgruppen (wie die Eidos-, Gilgamesch- oder Montaru-Bilder) untersuchten das organische Wachstum von Formen, biomorphe Urzeichen und reliefartige Materialstrukturen aus Sand und Spachtelmassen. Als treibender Mitbegründer der Künstlergruppe ZEN 49, Mentor unzähliger nachfolgender Meister (u. a. Emil Cimiotti, Georg Karl Pfahler, Bernd Berner) und posthumer Teilnehmer der documenta 1 (1955) legte er das intellektuelle und praktische Fundament, das den Südwesten an die internationale Avantgarde anschloss.
Max Ackermann (1887–1975): In Berlin geborener Maler, Grafiker und herausragender Pionier der Abstraktion. Nach Stationen in Weimar (bei Henry van de Velde) und München kam er 1912 nach Stuttgart, um bei Adolf Hölzel zu studieren. Ackermann gilt kunsthistorisch als einer der frühesten Erfinder der „Absoluten Malerei“ in Deutschland; bereits um 1919 schuf er erste rein ungegenständliche Werke. Von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert, verlor er bei einem Bombenangriff auf sein Stuttgarter Atelier 1943 fast sein gesamtes bisheriges Œuvre. Nach 1945 wurde er zu einer zentralen Galionsfigur des künstlerischen Neubeginns am Bodensee und im Stuttgarter Raum. Seine monumentalen Farb-Rhythmogramme, Pastelle und Siebdrucke verbinden konstruktive Strenge mit musikalischen Prinzipien (wie in seinen berühmten kontrapunktischen Werkgruppen). Ackermann befreit die Farbe von jeglicher gegenständlichen Pflicht und führt sie zu reinen, harmonisch-kosmischen Lichtkompositionen. Als Mitorganisator wegweisender Abstrakten-Ausstellungen und Träger des Professorentitels ehrenhalber des Landes Baden-Württemberg (1964) verankerte er das meditative Erbe der Hölzel-Schule als bleibendes Fundament der Nachkriegsabstraktion.

Kunst im deutschen Südwesten, Max Ackermann, Familienidyll, 1917, Aquarell auf Bütten, 18 cm x 11 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Ida Kerkovius (1879–1964): In Riga geborene Malerin, Bildteppichweberin und herausragende Pionierin der ungegenständlichen Moderne. Sie kam 1903 nach Dachau zu Adolf Hölzel, folgte ihm 1908 nach Stuttgart und wurde dort seine Meisterschülerin und Assistentin in seiner legendären Kompositionsklasse. Um sich weiterzuentwickeln, ging sie 1920 für drei Jahre an das neu gegründete Bauhaus in Weimar, wo sie bei Itten, Kandinsky und Klee lernte und sich intensiv der Avantgarde-Weberei widmete. Von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert, verlor sie 1944 bei einem Luftangriff auf Stuttgart ihr Atelier und den Großteil ihres Lebenswerks. Nach 1945 wurde ihr neues Stuttgarter Atelier zu einem spirituellen Zentrum des künstlerischen Wiederaufbaus. Kerkovius’ Werk zeichnet sich durch eine singuläre Farberuptivität aus: Sowohl in ihren Ölbildern und leuchtenden Pastellen als auch in ihren kunsthistorisch wegweisenden Bildteppichen befreite sie die Farbe von jeglicher abbildenden Funktion und steigerte sie zu autonomen, tief poetischen und magisch-religiösen Lichtklängen. Als zweifache documenta-Teilnehmerin (1955, 1959), Trägerin des Großen Bundesverdienstkreuzes und Ehrenmitglied der Stuttgarter Kunstakademie (1954) sicherte sie weiblichen Positionen einen absolut gleichrangigen, prägenden Platz in der männlich dominierten Nachkriegsabstraktion des Südwestens.
Peter Herkenrath (1900–1989): In Köln geborener Maler und einflussreicher Akademieprofessor. Nach seiner Ausbildung an den Kölner Werkschulen (unter anderem bei Richard Seewald) geriet er während der NS-Diktatur in die Isolation der inneren Emigration. 1953 wurde er als Professor an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe berufen, wo er bis 1965 lehrte und gemeinsam mit Kollegen wie Grieshaber den Karlsruher Nachkriegsaufbruch gestaltete. Herkenraths Œuvre vollzog eine konsequente Entwicklung vom gegenständlichen Expressionismus hin zu einer lyrisch-tektonischen Abstraktion, die eng mit den Strömungen des Informel und der École de Paris korrespondierte. Seine reliefartigen, dichten Farbschichten ordnen sich in späten Werkgruppen zu zeichenhaften, rhythmischen Gefügen an, in denen Farbe als rein plastisches Raumelement fungiert. Als zweifacher documenta-Teilnehmer (1955, 1959), Vorstandsmitglied des Deutschen Künstlerbundes und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes war er eine der zentralen Säulen, die das Rheinland und den Südwesten im Geiste der internationalen Nachkriegsabstraktion institutionell wie künstlerisch vernetzten.
Ida Kerkovius (1879–1964): Bedeutende Malerin und Bauhaus-Schülerin; prägte die Nachkriegszeit mit leuchtender Farbabstraktion.
HAP Grieshaber (1909–1981): In Rot an der Rot geborener Grafiker, Maler, Holzschneider und herausragender Rebell der deutschen Nachkriegsmoderne. Nach einer Schriftsetzerlehre in Reutlingen und einem Studium an der Kunstgewerbeschule Stuttgart führte er ab 1933 ein von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiertes Dasein in der inneren Emigration in seinem Atelier auf der Achalm. Um das vermeintlich verstaubte, mittelalterliche Medium des Holzschnitts grundlegend zu revolutionieren, befreite er die Technik aus dem engen Buchseitenformat und steigerte sie zu monumentalen, wandfüllenden Farb-Einblattdrucken von monumentaler Wucht. Als engagierter „homme engagé“ nutzte er seine Kunst zeitlebens als unüberhörbares politisches und ökologisches Sprachrohr: Mit seiner legendären, im Eigenverlag herausgegebenen Zeitschrift Der Engel der Geschichte kämpfte er leidenschaftlich für Frieden, Menschenrechte und den Umweltschutz. Als einflussreicher Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe (1955–1960) prägte er herausragende Schüler wie Horst Antes und Josua Reichert und machte den Südwesten zu einem weltweiten Zentrum des modernen Hochdrucks. Grieshabers Werk zeichnet sich durch eine singuläre Synthese aus archaischer Formkraft und zeitloser Poesie aus: Sowohl in seinen religiös oder mythologisch aufgeladenen Zyklen (wie dem „Totentanz von Basel“) als auch in seinen leidenschaftlichen Tier- und Menschenpaardarstellungen reduzierte er die Konturen auf wuchtige, blockhafte Kontraste. Als zweifacher documenta-Teilnehmer (1959, 1964), Mitbegründer des Deutschen Künstlerbundes und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes sicherte er der figurativ-abstrahierenden Grafik einen absolut unumstößlichen, international vernetzten Spitzenplatz im kulturellen Gedächtnis der Bundesrepublik.

Kunst im deutschen Südwesten, HAP Grieshaber, Wiese, 1950, Holzschnitt, 60 cm x 78 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, HAP Grieshaber, Affe nicht sprechen, Vorstadium, 1960, Gouache, Holzschnitt, 45 cm x 32 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, HAP Grieshaber, Flötenspieler von Rheinburg, 1965, Holzschnitt, 84 cm x 60 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Manfred Henninger (1894–1986): In Backnang geborener Maler, Zeichner, Grafiker und herausragender Vertreter des Expressiven Realismus sowie der sogenannten „Verschollenen Generation“. Nach einer handwerklichen Konditorlehre und schwerer Verletzung im Ersten Weltkrieg studierte er ab 1919 an der Stuttgarter Kunstakademie und wechselte 1922 an die Dresdner Akademie zu Karl Albiker und Oskar Kokoschka, dessen vibrierender Pinselstrich ihn tief prägte. Fest in der regionalen Avantgarde verwurzelt, gründete er 1929 gemeinsam mit Gleichgesinnten wie Manfred Pahl und Wilhelm Geyer die wegweisende „Stuttgarter Neue Sezession“. Bereits 1933 von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert und mit Ausstellungsverbot belegt, floh er ins Exil nach Ibiza und später ins Schweizer Tessin, wo er trotz politischer Isolation eine enorm produktive Schaffensphase erlebte. Nach seiner Rückkehr im Jahr 1949 berief ihn die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart zum Professor für Landschafts- und Bildnismalerei, eine Position, in der er bis 1961 ganze Generationen von Künstlern des Südwestens prägte und zeitweise als Rektor leitete. Henningers Werk zeichnet sich durch eine singuläre, arkadische Farbpoesie aus: Sowohl in seinen von Licht durchfluteten Landschaftsdarstellungen aus dem Mittelmeerraum als auch in seinen dynamischen Figurenkompositionen wie den „Badenden“ befreite er die Linie zugunsten eines rein aus Farb- und Lichtflecken aufgebauten Rhythmus. Als Gast der renommierten Villa Massimo in Rom (1967/68) und Träger des Bundesverdienstkreuzes sicherte er dem farbintensiven, vom Geist Paul Cézannes inspirierten Spätimpressionismus einen absolut zentralen, unverwechselbaren Platz im künstlerischen Wiederaufbau der südwestdeutschen Moderne.

Kunst im deutschen Südwesten, Manfred Henninger, Rosen, 1973, Öl auf Leinwand, 100 cm x 125 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Manfred Henninger, ohne Titel, Landschaft, 1977, Pastell auf Papier, 50 cm x 66 cm, Preis auf Anfrage, hem002de, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Manfred Henninger, Figurengruppe, 1971, Pastell auf Velin, 43,8 cm x 62,5 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Friedrich Sieber (1925–2002): In Reichenberg (Tschechoslowakei) geborener Maler, Grafiker und wegweisender Mitbegründer der avantgardistischen Nachkriegsabstraktion im Südwesten. Nach Kriegsdienst, Vertreibung und Gefangenschaft kam er 1950 nach Stuttgart, wo er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste bei Manfred Henninger studierte. Auf der Suche nach radikal neuen Ausdrucksformen gründete er dort 1956 gemeinsam mit Georg Karl Pfahler, Günther C. Kirchberger und Attila Biró die legendäre „Gruppe 11“. Diese lose Künstlervereinigung verschrieb sich dem internationalen Impuls des Action Painting und des gestischen Informel, um die traditionelle Malerei durch explosive, ungebremste Spontaneität aufzubrechen. Siebers Werk zeichnet sich durch eine bemerkenswerte stilistische Evolution und eine singuläre Erforschung von Farbbewegungen aus: Während seine frühen, teils stürmischen Mischtechniken der 1950er-Jahre wie „Bedrängtes Blau“ ganz der rauen, emotionalen Materie des Informel verpflichtet waren, vollzog er Anfang der 1960er-Anfänge eine bewusste Wende hin zu größerer struktureller Disziplin. Er beruhigte den Pinselduktus und fand zu einer klaren, zeichenhaften Formensprache, in der er konstruktive Bildelemente organisch mit den flächigen Gesetzen der Farbfeldmalerei verwob. In seinen komplexen Serien wie den „Drehimpulsen“ steigerte er das kontrollierte Fließen von Acryl- und Ölfarben zu geometrisch austarierten Schwingungen. Als tragendes Mitglied der Stuttgarter Schule und unermüdlicher Experimentator über die Genregrenzen hinweg sicherte er dem dynamischen Übergang von der gestischen zur kalkulierten Abstraktion einen absolut prägenden, international geschätzten Platz in der Kunstgeschichte des deutschen Südwestens.

Kunst im deutschen Südwesten, Friedrich Sieber, ohne Titel Farbabstraktion, 1980-1982, Acryl auf Leinwand, 100 cm x 100 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Jakob Wilhelm Fehrle (1884–1974): In Schwäbisch Gmünd geborener Bildhauer, Maler, Zeichner und herausragender Bildchronist der klassischen figürlichen Plastik im 20. Jahrhundert. Nach einer handwerklichen Ausbildung zum Ziseleur studierte er an den Kunstakademien in Berlin bei August Gaul sowie in München bei Balthasar Schmitt. Um seine künstlerische Wahrnehmung international zu schärfen, lebte er in Rom und von 1911 bis 1914 in Paris. Dort am Montparnasse bewegte er sich im Umfeld der Avantgarde, arbeitete zeitweise im Atelier von Auguste Rodin und wurde tief von Aristide Maillol und Wilhelm Lehmbruck geprägt. 1919 kehrte er in seine Heimatstadt zurück, lehrte an der Staatlichen Höheren Fachschule und stieg zu einer regionalen bildhauerischen Ausnahmegestalt auf. Fehrles langes Schaffen spiegelt die politischen Brüche der Epochen wider: Seine Ambitionen auf dem Gebiet der Großplastik führten in der NS-Zeit zu repräsentativen Aufträgen für das Deutsche Reich (wie dem Gmünder Gefallenendenkmal von 1935), obgleich er zeitweise Werke durch Beschlagnahmung verlor und seine eigene Ehefrau mutig vor dem NS-„Euthanasie“-Programm rettete. Nach 1945 knüpfte er an die aufkommende Nachkriegsmoderne an und öffnete sich formal der geometrischen Abstraktion. Fehrles Werk zeichnet sich durch eine singuläre Zuwendung zum menschlichen Körper aus: Vor allem am weiblichen Aktmodell und in seinen anmutigen Muttergottes-Darstellungen balancierte er Statik und Bewegung sensibel aus. Er befreit die klassische Figur von akademischer Schwere und steigert sie zu grazilen, zeitlosen Bronzen, Terrakotten und feinen Zeichnungen. Als Träger des Bundesverdienstkreuzes (1954) und Schöpfer bedeutender Denkmäler und Porträtbüsten im öffentlichen Raum – wie der des Bundespräsidenten Theodor Heuss (1963) – sicherte er der figürlich-sensiblen Plastik einen absolut zentralen, epochenübergreifenden Platz in der Kunstgeschichte des deutschen Südwestens.

Kunst im deutschen Südwesten, Jakob Wilhelm Fehrle, Nach dem Bade, stehender Damenakt ein Tuch haltend, 1944, Höhe 65 cm, Terrakotta modelliert, gebrannt, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Fritz Nuss (1907–1999): In Göppingen geborener Bildhauer, Medailleur und herausragender Meister der figürlichen Nachkriegsplastik im deutschen Südwesten. Nach einer handwerklichen Ausbildung zum Ziseleur in Schwäbisch Gmünd studierte er an den Kunstakademien in München bei Hermann Hahn sowie in Stuttgart bei Ludwig Habich. Bereits 1943 zum Professor ernannt, geriet sein Schaffen durch die politische Anpassung und eine NSDAP-Mitgliedschaft in die Ambivalenzen der Diktatur. Ab 1952 leitete er zwanzig Jahre lang die Klasse für Plastisches Gestalten an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd und begründete dort eine einflussreiche Bildhauerdynastie (darunter sein Sohn Karl Ulrich Nuss). Nuss’ Werk zeichnet sich durch eine singuläre Evolution der menschlichen Figur aus: Während seine frühen Arbeiten der 1930er- und 1940er-Anfänge von geschlossenen Konturen und klassisch-idealer Formstrenge geprägt waren, öffnete er sich ab den 1950er-Jahren – inspiriert durch Henry Moore – spürbar der organischen Abstraktion. Er brach die geschlossenen Volumina auf, betonte die raue Materialität des Modelliertons und steigerte seine Bronzen im Spätwerk zu raumgreifenden, zutiefst sinnlichen und dynamisch-barocken Bewegungschiffren. Als Schöpfer zahlreicher populärer Werke im öffentlichen Raum – wie den markanten Reliefplatten für die Stuttgarter Liederhalle (1956) oder dem „Sitzenden lesend“ vor der Stadtbibliothek – sowie als spiritus rector des Skulpturenpfads in den Weinbergen seines langjährigen Wohnorts Strümpfelbach sicherte er der traditionsbewussten, aber modern reformierten Menschenplastik einen absolut zentralen, identitätsstiftenden Platz in der Kunstgeschichte Baden-Württemberg.

Kunst im deutschen Südwesten, Fritz Nuss, Strumpfanziehende, 1943, Bronze, 26 cm x 11,2 cm x 15,3 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Fritz Nuss, Stehende II, 1948, Bronze, 181,5 cm x 54 cm x 55 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Fritz Nuss, Wasserschöpferinnen, 1979, Bronze, 42,5 cm x 47 cm x 34 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Fritz Nuss, Stehende I, 1970, Bronze, 100,5 cm x 30 cm x 28 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Fritz Nuss, Stehende, 1986 1987, Bronze, 212 cm x 74 cm x 45 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
KONSOLIDIERUNG DER ABSTRAKTION, FARBFELDMALEREI, SKRIPTUALER EXPRESSIONISMUS, INFORMEL & EXISTENTIELLE FIGURATION
1960er Jahre
In den 1960er Jahren festigte sich der Ruf Stuttgarts als Zentrum der ungegenständlichen Kunst. Die Auseinandersetzung mit der reinen Fläche, der harten geometrischen Kante (Hard Edge) und der informellen Plastik dominierte.
STILE & STRÖMUNGEN
Informel
Farbfeldmalerei
Konkrete Kunst
Konstruktivismus
Minimal Art
ungegenständliche Plastik
informeller Bronzeguss.
WEGWEISENDE KÜNSTLERINNEN & KÜNSTLER
Emil Schumacher (1912–1999): In Hagen geborener Maler, Grafiker und weltweit gefeierter Hauptakteur des deutschen Informel sowie des abstrakten Expressionismus. Nach seinem Grafikdesignstudium in Dortmund und auferlegter Arbeit als technischer Zeichner während des Zweiten Weltkriegs vollzog er Anfang der 1950er-Jahre – inspiriert durch eine Begegnung mit dem Maler Wols in Paris – eine radikale Abkehr von jeglicher Figuration. Um die Malerei aus der reinen Fläche in die Dreidimensionalität zu führen, entwickelte er eine eruptive, physisch fassbare Bildsprache: Seine Leinwände und Holzträger behandelte er nicht als Kompositionsflächen, sondern als Aktionsräume, die er mitunter brachial mit Werkzeugen zerfurchte oder mit dem Hammer zertrümmerte. Als langjähriger Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe (1966–1977) prägte er über Jahrzehnte auch die Kunstlandschaft des deutschen Südwestens nachhaltig. Schumachers Werk zeichnet sich durch eine singuläre, archaische Materialästhetik aus: Sowohl in seinen monumentalen Farblandschaften als auch in seinen taktilen Objekten mischte er Sand, Asche, Sisal oder Draht direkt in die Farbmaterie, wodurch reliefartige Oberflächen von vulkanischer Urgewalt entstanden. Als dreifacher documenta-Teilnehmer (1959, 1964, 1977), Gewinner des renommierten Guggenheim Awards (1958) und Schöpfer eines monumentalen Wandbildes im Berliner Reichstagsgebäude sicherte er der gestischen Materialabstraktion einen unumstößlichen, international vernetzten Spitzenplatz in der europäischen Nachkriegsavantgarde.
Klaus Jürgen-Fischer (1930–2017): In Krefeld geborener Maler, Grafiker und bedeutender Kunsttheoretiker, der nach Studien in Düsseldorf und Stuttgart (unter anderem bei Willi Baumeister) jahrzehntelang im Südwesten wirkte. Jürgen-Fischer erlangte monumentale Bedeutung als Herausgeber der führenden Kunstzeitschrift das kunstwerk in Baden-Baden (1962–1974), durch die er die internationale und regionale Abstraktion theoretisch untermauerte. Als Maler gründete er 1960 die avantgardistische Gruppe „SYN“ und wandte sich gegen das regellose Informel. Sein eigenes Werk suchte eine Synthese aus freier Geste und geometrischer Ordnung. Seine subtilen, oft monochromen „synchromen“ Gemälde untersuchten die Rhythmik von feinen Linienrastern und Farbschichtungen im Licht, wodurch er eine der wichtigsten intellektuellen und meditativen Positionen des Südwestens begründete.
Bert Jäger (1919–1998): In Karlsruhe geborener Maler, Grafiker und Essayist, der nach Kriegsdienst und Gefangenschaft ab 1948 in Freiburg im Breisgau lebte und arbeitete. Jäger gilt als der kompromissloseste Pionier der abstrakten Malerei und des Informel in Südbaden. Weitgehend als Autodidakt gestartet, löste er sich radikal von der landschaftlichen Tradition der Region und entwickelte eine hochdynamische, gestische Bildsprache. Seine wuchtigen, prozesshaften Material- und Strukturbilder leben von der Schichtung, Verletzung und eruptiven Überlagerung reiner Farbmaterie. Als Mitbegründer der avantgardistischen „Breisgauer Sezession“ (1954) und enger Freund von Intellektuellen und Künstlern der Nachkriegszeit war er der entscheidende intellektuelle Motor, der die ungegenständliche Moderne im Südwesten jenseits der Stuttgarter und Karlsruher Zentren verankerte.
Hans-Martin Erhardt (1935–2015): In Emmendingen geborener Maler und Grafiker. Er studierte ab 1956 an der Karlsruher Kunstakademie unter anderem bei HAP Grieshaber und Albert Gehmar. Erhardt entwickelte ein unverwechselbares Werk, das sich im Spannungsfeld zwischen expressiver Geste und geometrischer Disziplin bewegt. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine präzise, oft serielle Erforschung von Formen und Chiffren aus, in denen Landschafts-, Architektur- und Körperfragmente zu dichten, rhythmischen Farb-Raum-Gefügen abstrahiert werden. Erhardt leistete damit einen wesentlichen, eigenständigen Beitrag zur Modernisierung der Grafik und Malerei der Karlsruher Schule ab den 1960er Jahren.
Herbert Kitzel (1928–1978): In Halle an der Saale geborener Maler und Grafiker, der nach seinem Studium an der dortigen Kunstschule Burg Giebichenstein 1957 in den Westen floh und bereits 1958 als Professor an die Karlsruher Kunstakademie berufen wurde. Kitzel gilt als einer der wichtigsten und zugleich melancholischsten Grenzgänger zwischen Figuration und informeller Abstraktion. Seine Bildwelten sind von einer tiefen existenziellen Einsamkeit geprägt; obsessiv thematisierte er maskierte Gestalten, Gaukler, Clowns und fragile Torsi, die sich oft wie geisterhafte Schemen hinter Schleiern aus gedämpften, erdigen Farbschichten hervorheben. Als Lehrer übte er einen fundamentalen, prägenden Einfluss auf Künstler wie Hans Baschang aus und stabilisierte das figurative Erbe im Südwesten gegen den reinen Zeitgeist der Gegenstandslosigkeit.
Georg Karl Pfahler (1926–2002): In Emetzheim geborener Maler, Grafiker und Objektdesigner. Er studierte von 1948 bis 1954 an der Stuttgarter Kunstakademie unter anderem bei Willi Baumeister und prägte den Südwesten über Jahrzehnte hinweg. Pfahler gilt als der international herausragendste Pionier der Hard-Edge-Malerei und des Color-Field-Painting in Deutschland. Nachdem er sich Ende der 1950er Jahre vom Informel gelöst hatte, erforschte er in seinen monumentalen Werken die reine, scharf abgegrenzte Farbwirkung als eigenständigen Raumkörper. Seine Blockformationen und architektonischen Farbkonzepte brachen radikal mit jeglicher Bildillusion. Als deutscher Vertreter auf der Biennale von Venedig (1970), Teilnehmer der documenta 4 (1968) und Träger des Hans-Molfenter-Preises der Stadt Stuttgart (1984) hob er die ungegenständliche Kunst der Region auf internationales Spitzenniveau.

Kunst im deutschen Südwesten, Georg Karl Pfahler, Struk Nr.15 C, 1958, 100 cm x 125 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Georg Karl Pfahler, Formativ Nr. 3/II, 1959-1960, 145 cm x 84 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Georg Karl Pfahler, Warschau Zyklus 1A(9), 1964-1971, 200 cm x 200 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Thomas Lenk (1933–2014): In Berlin geborener Bildhauer, Grafiker und herausragender Pionier der abstrakten Objektkunst des 20. Jahrhunderts. Nach der Übersiedlung nach Württemberg im Jahr 1945 studierte er kurzzeitig an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und absolvierte anschließend eine handwerkliche Steinmetzlehre. Um die herkömmliche, geschlossene Masse der traditionellen Bildhauerei aufzubrechen, entwickelte er ab 1964 seine weltberühmten „Schichtplastiken“: Hierbei stapelte und verschob er identische, flache Quadrate mit charakteristisch abgerundeten Ecken. Durch diese mathematisch-serielle Methode erzeugte er eine faszinierende optische Raumtiefe und Scheinbewegung. Als enger Weggefährte von Künstlern wie Georg Karl Pfahler und Heinz Mack setzte er gezielt leuchtende Signalfarben ein, um die plastischen Körper visuell zu dynamisieren. Lenks Werk zeichnet sich durch eine singuläre Synthese aus Minimal Art und Op-Art aus: Er überführte mit seinen monumentalen Stahlschnitt-Skulpturen im öffentlichen Raum als auch in seinen geometrischen Siebdrucken die Werke in raumgreifende, architekturbezogene Raumkonstruktionen. Als Teilnehmer der documenta 4 (1968) und des legendären Deutschen Pavillons der Venedig-Biennale (1970) sicherte er der konstruktiven, raumgreifenden Abstraktion des Südwestens einen prägenden Platz in der internationalen Avantgarde.
Anton Stankowski (1906–1998): In Gelsenkirchen geborener Grafiker, Fotograf, Maler und herausragender Medientheoretiker. Nach prägenden Wanderjahren in Essen und Zürich, wo er wesentliche Impulse der Schweizer Konkreten erhielt, ließ er sich 1951 endgültig in Stuttgart nieder. Stankowski gilt als das international genialste Genie an der Schnittstelle von Konkreter Kunst und richtungsweisendem Kommunikationsdesign. Er hob die Trennung zwischen freier Bildkunst und funktionaler Grafik radikal auf: Seine theoretisch untermauerten „Angewandten Stile“ übersetzten komplexe physikalische, technische oder wirtschaftliche Prozesse in minimalistische, geometrische Linienstrukturen und Farbchiffren von absoluter Identitätskraft. Weltberühmt wurde er durch Corporate-Design-Meilensteine wie das schräge Quadrat-Logo der Deutschen Bank. Als langjähriger Vorsitzender des Beirats der legendären Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm, Gewinner des Kulturpreises der Stadt Stuttgart (1991) und Gründer der Stankowski-Stiftung prägte sein rationales, visuelles Erbe die Bildsprache des deutschen Südwestens nachhaltig auf weltweitem Spitzenniveau.

Kunst im deutschen Südwesten, Anton Stankowski, 4 Quadratprozessionen, 1990, Acryl auf Leinwand, 89,5 cm x 89,5 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Günter Neusel (1930–2020): In Kassel geborener Bildhauer, Maler und herausragender Vertreter der konstruktiven und Konkreten Kunst. Nach seinem Kunststudium in Düsseldorf, Berlin und Kassel kam er 1958 als freischaffender Künstler nach Stuttgart, wo er sich schnell dem avantgardistischen Kreis um den Philosophen Max Bense anschloss. Um seine streng rationale, geometrische Formensprache weiterzuentwickeln, verbrachte er prägende Jahre im Südwesten und lehrte schließlich ab 1974 als einflussreicher Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Neusels Werk zeichnet sich durch eine singuläre mathematisch-räumliche Präzision aus: Sowohl in seinen dreidimensionalen Skulpturen als auch in seinen seriellen Siebdrucken (wie den „Verdeckten Fachwerken“) befreite er die geometrische Form von jeglicher abbildenden oder emotionalen Funktion und steigerte sie zu autonomen, rational austarierten Strukturen aus Linien, Quadraten und Primärfarben. Als früher Preisträger des renommierten Kulturkreises der deutschen Wirtschaft (ars viva, 1956) und langjähriges Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg sicherte er der rationalen, konstruktiven Abstraktion einen absolut prägenden, international vernetzten Platz in der Nachkriegsmoderne des deutschen Südwestens.
Felix Schlenker (1920–2010): In Schwenningen am Neckar geborener Maler, Grafiker, Objektkünstler und herausragender Wegbereiter der Konkreten Kunst und konstruktiven Abstraktion im deutschen Südwesten. Nach autodidaktischen Studien nach 1945 und frühen künstlerischen Bezügen zu Paul Klee entwickelte er ab den späten 1950er Jahren eine völlig eigenständige Formensprache. Zunächst sammelte er im kriegszerstörten Umfeld Relikte und Schutt, um daraus in der postdadaistischen Tradition von Kurt Schwitters erste, dem Informel verpflichtete Materialbilder und Assemblagen zu formen. Ab 1964 radikalisierte er sein Schaffen hin zu asketischer Strenge: Er beschränkte sich fast ausschließlich auf das quadratische Format und reduzierte seine Arbeiten auf monochrome Bildobjekte, serielle Lackbilder oder rhythmisch angeordnete Hufeisennägel auf Holzplatten. Schlenkers Werk zeichnet sich durch eine singuläre Synthese aus konstruktiver Ordnung und meditativer Materialästhetik aus: Sowohl in seinen strukturierten Reliefs als auch in seinen feinen Aquarellen befreite er die geometrische Struktur von emotionalem Pathos und steigerte das Wechselspiel aus Raum, Licht und feinen Schattenwirkungen zu visuellen Ruhepolen von Zen-buddhistischer Qualität. Als Mitbegründer des einflussreichen „Forum Kunst Rottweil“ prägte er die Kulturregion nachhaltig und sicherte der reduzierten Objektkunst des Südwestens als Träger des Professorentitels ehrenhalber des Landes Baden-Württemberg einen absolut gleichrangigen, international vernetzten Platz in der Nachkriegsavantgarde.
Bernd Berner (1930–2002): In Hamburg geborener Maler, Grafiker und bedeutender Kunstpädagoge, der nach Studien in Hamburg, Paris und Stuttgart (u. a. bei Willi Baumeister) ab 1952 fest in Stuttgart lebte und von 1971 bis 1994 als Professor an der Hochschule in Pforzheim lehrte. Berner gilt kunsthistorisch als einer der profiliertesten Pioniere des Post-Informel und des autonomen Farbraums in Deutschland. Ab Mitte der 1960er Jahre fokussierte er sein gesamtes Schaffen auf das sogenannte „Flächenbild“. Dabei löste er die informelle Geste in dichte, strukturierte Geflechte aus zahllosen, gitterartigen Pinselstrichen und übereinandergelegten Farblasuren auf. Berners Gemälde besitzen keine Gegenständlichkeit oder geometrische Begrenzung; sie leben ausschließlich von der inneren Vibration, der Dichte und der atmosphärischen Tiefenwirkung pulsierender Farbschichten. Als langjähriges Vorstandsmitglied des Deutschen Künstlerbundes hinterließ er eine der stringentesten und meditativsten Positionen der ungegenständlichen südwestdeutschen Kunstgeschichte.

Kunst im deutschen Südwesten, Bernd Berner, Flächenraum, 1963-1964, 130,5 cm x 110,5 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Rolf-Gunter Dienst (1942–2016): In Kiel geborener Maler, Grafiker, einflussreicher Kunstkritiker und herausragender Protagonist der deutschen Nachkriegsabstraktion. Er kam Mitte der 1960er-Jahre nach Stuttgart, wo er mit der Gründung der Künstlergruppe SYN (1965) die Abkehr vom rein emotionalen Informel einleitete, und lehrte später als langjähriger Professor an der Kunstakademie Nürnberg. Um seine künstlerische Sprache international zu schärfen, verbrachte er in den späten 1960er- und 1970er-Jahren prägende Arbeitsaufenthalte in New York, wo er sich intensiv mit dem amerikanischen Color Field Painting und dem Minimalismus auseinandersetzte. Als langjähriger Redakteur der renommierten Zeitschrift Das Kunstwerk prägte er über Jahrzehnte den kunstkritischen Diskurs der Bundesrepublik. Diensts Werk zeichnet sich durch eine singuläre, skripturale Rhythmik aus: Sowohl in seinen großformatigen Ölbildern als auch in seinen nuancierten Zeichnungen befreite er die Linie von jeglicher abbildenden Funktion und steigerte sie zu autonomen, tief poetischen Rastern aus winzigen, asemantischen Chiffren. Als zweifacher Villa-Massimo-Stipendiat, Träger des Bundesverdienstkreuzes und prägende Figur im Grenzbereich von Visueller Poesie und Malerei sicherte er der systematischen, aber zutiefst lyrischen Abstraktion einen absolut singulären, international vernetzten Platz in der deutschen Kunstgeschichte.
Markus Prachensky (1932–2011): In Innsbruck geborener Maler, Grafiker und prägender Pionier des europäischen Informel. Nach seinem Studium der Architektur und Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien gründete er 1956 gemeinsam mit Hollegha, Mikl und Rainer die avantgardistische Gruppe um die Galerie nächst St. Stephan. Ab Ende der 1950er-Jahre trat Prachensky in intensiven, befruchtenden Austausch mit der südwestdeutschen Kunstszene, flankiert durch wegweisende Galeriepräsentationen und Museumsbegegnungen im Stuttgarter und Karlsruher Raum. Prachenskys Œuvre ist ein radikales Monument der reinen, ungebändigten Geste: Seine weltberühmten, hochexpressiven Zyklen (wie Rot auf Weiß, St. Stephan oder seine späteren italienischen Reisebilder) bannen eruptive, gewaltige Farbschwünge – dominiert von einem eigens gemischten, unverkennbaren Prachensky-Rot – auf die Leinwand. Als internationaler Fixstern der Aktions- und Informelmalerei brachte er eine ungestüme, architektonisch-rhythmische Wucht in den abstrakten Diskurs des Südwestens ein und etablierte die physische Präsenz der Farbe als reines Energieereignis.
Lothar Quinte (1923–2000): In Insterburg geborener Maler, Grafiker und bedeutender Wegbereiter der Farbfeld- und Lichtkunst. Nach seinem Studium an der Kunstschule Bernstein (Bernsteinschule) bei HAP Grieshaber und Hans Paul Schmohl wirkte er jahrzehntelang im Südwesten (u. a. in Wettelbrunn). Quinte gilt kunsthistorisch als eine der profiliertesten Galionsfiguren der deutschen Op-Art und meditativen Lichtfeldmalerei. Seine frühen Arbeiten waren noch vom Informel geprägt, doch ab den frühen 1960er Jahren reduzierte er seine Bildsprache radikal auf die Erforschung von geometrischen Systemen, Fächerbündelungen, strahlenden Farbgrenzen und den berühmten Schlitzbildern, bei denen feine, vertikale Lichtspalten die Monochromie der Leinwand spannungsvoll durchbrechen. Neben seinen Gemälden schuf er ein international wegweisendes Œuvre an architekturbezogener Kunst, darunter die monumentalen Fensterzyklen für den Dom zu Speyer oder die Kirche St. Andreas in Karlsruhe. Als Teilnehmer der documenta 4 (1968) und Gastdozent an der Stuttgarter Akademie (1959/1960) hob er das Wechselspiel von Farbe, Raum und optischer Vibration auf internationales Spitzenniveau.
K.R.H. Sonderborg (1919–2000): Eigentlich Karl Robert Harvey Sonderborg, in Sønderborg (Dänemark) geborener Maler und Grafiker. Nach Studien in Hamburg und Paris (Atelier Hayter) wurde er 1965 als Professor an die Stuttgarter Kunstakademie berufen, wo er bis 1985 eine der einflussreichsten Klassen leitete. Sonderborg gilt als einer der international radikalsten Hauptvertreter des deutschen Informel und der Aktionsmalerei. Seine Werke – fast ausschließlich auf kontrastreiches Schwarz-Weiß-Rot reduziert – entstanden oft in eruptiven, rasanten Malsitzungen unter dem Einfluss von Jazzmusik. Unter Einsatz von unkonventionellen Werkzeugen wie Spachteln, Kratzern, Rasierklingen oder Autowischern riss, schleuderte und strukturierte er die Farbe auf den Untergrund. Diese Bilder fangen die nackte Dynamik von Zeit, Rhythmus und Bewegung ein und verweisen metaphorisch auf urbane Architekturen und technische Landschaften. Als dreifacher documenta-Teilnehmer (1959, 1964, 1977), Vertreter Deutschlands auf der Biennale von Venedig (1958) und Gewinner des Hans-Molfenter-Preises der Stadt Stuttgart (1987) verankerte er die internationale Aktionsavantgarde unwiderruflich im Südwesten.
Rudolf Haegele (1926–1998): In Schömberg bei Rottweil geborener Maler, Glasgestalter und einflussreicher Hochschullehrer der baden-württembergischen Nachkriegsmoderne. Schockiert von den traumatischen Erlebnissen im Kriegsdienst bei der Kriegsmarine, verwarf er seinen ursprünglichen Wunsch, Ingenieur zu werden, und wählte die Malerei als Instrument des existenziellen Protests und gesellschaftlichen Wandels. Nach seinem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Fritz Steisslinger und Hermann Sohn (1946–1948) sowie einem prägenden Pariser Stipendiaten-Aufenthalt stieg er zu einer zentralen Leitfigur der regionalen Kunstszene auf. Er amtierte ab 1968 als Vorsitzender der Stuttgarter Sezession und leitete von 1965 bis 1992 als angesehener Professor fast drei Jahrzehnte lang eine eigene Malklasse an der Stuttgarter Kunstakademie. Haegeles Werk zeichnet sich durch eine singuläre existentielle Materialtiefe aus: Sowohl in seinen vielschichtigen Leinwandgemälden als auch in seinen monumentalen Glasfenstern für kommunale und sakrale Räume befreite er das Bild von glatten Oberflächen. Tief beeinflusst von der Philosophie Albert Camus’ und dem französischen Existenzialismus, mischte er Sand und andere Werkstoffe in die Farbmaterie, um durch Schichtung und anschließendes brachiales Auskratzen raue, verletzte Fels- und Mauerstrukturen sowie kryptische Schriftzeichen freizulegen. Als engagierter Pädagoge und unermüdlicher Sucher nach der Conditio humana sicherte er der materialbetonten, philosophisch aufgeladenen Abstraktion einen absolut zentralen, unverwechselbaren Platz im kulturellen Erbe des deutschen Südwestens.

Kunst im deutschen Südwesten, Rudolf Haegele, Palimpsest VOLTERRA, 1981, 195 cm x 163 cm, Mischtechnik auf Leinwand, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Kunst im deutschen Südwesten, Rudolf Haegele, Dreiteiliges Bild Rivoli, 1974 1975, Mischtechnik auf Platte, 60 cm x 131 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Emil Cimiotti (1927–2019): In Göttingen geborener Bildhauer und langjähriger Professor, der von 1951 bis 1954 an der Stuttgarter Akademie bei Willi Baumeister und Otto Baum studierte. Cimiotti gilt als der international bedeutendste Pionier der informellen Bildhauerei in Deutschland. Seine biomorphen, hochfiligranen und raumoffenen Bronzegüsse im Wachsausschmelzverfahren brachen radikal mit dem klassischen Dogma des geschlossenen, geometrischen Volumens. Seine plastischen Strukturen erinnern an zerklüftete Landschaften, wucherndes vegetabiles Geäst oder geologische Formationen, in denen Innen- und Außenraum organisch miteinander verschmelzen. Als zweifacher Teilnehmer der Biennale von Venedig (1958, 1960) sowie der documenta in Kassel (1959, 1964) und Gewinner des Kunstpreises der Stadt Stuttgart (1957) prägte er die dreidimensionale Nachkriegskunst im Südwesten fundamental.

Kunst im deutschen Südwesten, Emil Cimiotti, Pineta III, Bronze gussrau, 58 cm x 24 cm x 23 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Kunst im deutschen Südwesten, Emil Cimiotti, Baum – Strukturen, 2014, Bronze gussrau, 49 cm x 83 cm x 27 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Kunst im deutschen Südwesten, Emil Cimiotti, Knieende, 1983, Bronze gussrau auf Stahl, teilweise bemalt, 191 cm x 44 cm x 67 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Erich Hauser (1930–2004): Schuf monumentale Skulpturen aus Edelstahl; seine glänzenden, kantigen Konstrukte prägen bis heute viele Plätze im Südwesten.

Kunst im deutschen Südwesten, Erich Hauser, 5-89, Edelstahl, poliert, Unikat signiert, 137 cm x 86 cm x 16 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Wilhelm Loth (1920–1993): In Darmstadt geborener Bildhauer, der nach prägenden Lehrjahren bei Toni Stadler und Fritz Schwarzbeck ab 1958 als Professor für Bildhauerei an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe berufen wurde (wo er bis 1986 lehrte). Loth gilt als einer der radikalsten Erneuerer der gegenständlichen Plastik im Deutschland der Nachkriegszeit. Berühmt wurde er für seine obsessive, lebenslange Auseinandersetzung mit dem weiblichen Torso und Körperfragmenten. Seine Skulpturen aus Bronze, Aluminium und später eingefärbten Kunststoffen brachen radikal mit dem klassischen, akademischen Schönheitsideal: Er zeigte den Körper ungeschönt, asymmetrisch, von inneren Kräften deformiert oder wie tektonisch geschichtet. Als documenta-Teilnehmer (1964), Gewinner des Jerg-Ratgeb-Preises (1979) und Mitglied der Darmstädter Sezession prägte er das bildhauerische Klima im Südwesten über Jahrzehnte und schuf ein starkes Gegengewicht zur reinen Abstraktion.

Kunst im deutschen Südwesten, Wilhelm Loth, Neue Figuration, Torso aus konvexen Formen, 1984, Bronze, 50 cm x 82 cm x 15,5 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Gerlinde Beck (1930–2006): Bildhauerin, die das Prinzip der Abstraktion in den Raum übertrug; bekannt für choreografierte Stahlskulpturen.
REDUKTIVER MATERIAL-REALISMUS, EXISTENTIELLE MATERIALABSTRAKTION & POETISCHER MINIMALISMUS
1968 – 1990
Fritz Klemm hat als „Grenzgänger der Kunst“ eine Werkgruppe, die sich als reduktiver Material-Realismus oder poetischer Minimalismus charakterisieren lässt, im Zeitraum von Ende der 1960er-Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1990 entwickelt und geschaffen.
Fritz Klemm (1902–1990): In Mannheim geborener Maler, Zeichner und einflussreicher Wegbereiter einer radikal reduzierten, materialbetonten Stillleben- und Raumkunst. Nach seinem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe kehrte er nach dem Zweiten Weltkrieg dorthin zurück und prägte die Institution von 1953 bis 1970 als legendärer Professor für Kunsterziehung, wodurch er Generationen bedeutender Künstler des Südwestens (darunter Franz Bernhard und Walter Stöhrer) formte. Um die traditionelle Malerei von akademischen Zwängen zu befreien, konzentrierte er sich in seinem reifen Werk auf scheinbar banale Gegenstände seines unmittelbaren Alltags: Atelierwände, karge Tische, Fensterrahmen oder einfache Holzbretter. Ausgehend von diesen Motiven entwickelte er ab den 1960er-Jahren seine charakteristischen Mischtechniken und Materialcollagen, bei denen er grobe Packpapiere, Wellpappe, Karton und dünne Lasuren so übereinanderlegte und bearbeitete, dass die raue Textur des Bildträgers selbst zum eigentlichen Bildinhalt wurde. Klemms Werk zeichnet sich durch eine singuläre Sensibilität für das Unscheinbare und eine meisterhafte Beherrschung von Nuancen aus: Sowohl in seinen fast monochromen, weiß-grauen Ölbildern als auch in seinen fragilen Zeichnungen steigerte er die Struktur des Materials zu autonomen, zutiefst meditativen und melancholischen Bildräumen. Als früher Villa-Romana-Preisträger (1938), Träger des Hans-Thoma-Preises des Landes Baden-Württemberg (1971) und Ehrenmitglied der Karlsruher Kunstakademie (1983) sicherte er der minimalistischen, existentiellen Materialabstraktion einen absolut prägenden, zeitlosen Platz im künstlerischen Gefüge der Nachkriegszeit.
MONUMENTALE BILDHAUEREI, NEUE FIGURATION & KRITISCHER REALISMUS
1970er & 1980er Jahre
Als Reaktion auf das Dogma der Abstraktion bildete sich an der Karlsruher Akademie eine weltberühmte figurative Schule. Parallel dazu erlebte der Südwesten eine Blütezeit der monumentalen Architektur-Plastik und des kritischen Realismus.
STILE & STRÖMUNGEN
Neue Figuration
Kritischer Realismus
Neo-Expressivismus
Konzeptuelle Figuration
monumentale, architektonische Bildhauerei
Kunst im öffentlichen Raum.
WEGWEISENDE KÜNSTLERINNEN & KÜNSTLER
Hans Baschang (1937–2017): In Karlsruhe geborener Maler, Zeichner und Bildhauer, der an der Karlsruher Akademie bei HAP Grieshaber, Herbert Kitzel und Fritz Klemm studierte. Baschang gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter und theoretischen Köpfe der Karlsruher „Neuen Figuration“. Sein Werk zeichnet sich durch eine radikale Erforschung des menschlichen Körpers mittels der autonomen Linie aus: Als virtuoser „Magier der Linie“ reduzierte er die menschliche Gestalt auf hochsensible Chiffren, fragile Strichlagen und skulpturale Zeichenkonstrukte, die im Spannungsfeld von Abstraktion und Figuration eine enorme existenzielle Wucht entfalten. Er prägte die Nachkriegskunst im Südwesten nachhaltig und wirkte als langjähriger, einflussreicher Professor an der Münchner Kunstakademie, wo er nachfolgende Generationen prägte.
Walter Stöhrer (1937–2000): In Stuttgart geborener Maler und Grafiker, der von 1956 bis 1959 an der Karlsruher Akademie gemeinsam mit Horst Antes und Heinz Schanz in der Klasse von HAP Grieshaber studierte. Stöhrer zählt zu den einflussreichsten Protagonisten der deutschen Nachkriegskunst. Seine fundamentale Bildsprache – von ihm selbst als „intrapsychisch realistisch“ definiert – bricht radikal das Diktat der reinen Abstraktion auf: Stöhrer ging von Schriftzeichen, Gedichtfragmenten (u. a. André Breton) und feinen kalligrafischen Kürzeln aus, die er impulsiv mit ungezähmten, hochexpressiven Farbbahnen verstrich, verwischte und übermalte. Seine großformatigen, wuchtigen Werke erinnern an das surrealistische Prinzip der Écriture automatique und bündeln ein enormes energetisches Kraftfeld. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Kunstpreis der Jugend (1962) und dem Hans-Molfenter-Preis (1995), hinterließ er als langjähriger Berliner Akademieprofessor ein wegweisendes grafisches und malerisches Erbe.
Heinz Schanz (1927–2003): In Genkingen geborener Maler und Zeichner. Er war Schüler von HAP Grieshaber an der Bernsteinschule und folgte ihm 1956 an die Karlsruher Akademie. Schanz gilt neben Horst Antes und Walter Stöhrer als Mitbegründer der Karlsruher „Neuen Figuration“. Seine Werke zeichnen sich durch ein radikales Pendeln zwischen ungegenständlicher Geste und figurativer Rückkehr aus: Schanz schleuderte und goss Temperafarbe kraftvoll auf den Bildträger und unterwarf seine Kompositionen einem obsessiven Prozess der Schichten-Übermalung. Dadurch steigerte er eine leuchtende, zutiefst charakteristische Tiefenräumlichkeit. Als Träger des Villa-Romana-Preises (1977) und des Kunstpreises der Stadt Stuttgart (1990) prägte er die südwestdeutsche Nachkriegsmalerei maßgeblich.
Horst Antes (*1936): In Heppenheim geborener Maler, Grafiker und Bildhauer, der von 1957 bis 1959 an der Karlsruher Akademie bei HAP Grieshaber studierte und dort später selbst jahrzehntelang als einflussreicher Professor lehrte. Antes gilt als eine der wegweisendsten Galionsfiguren der deutschen Nachkriegskunst und als Mitbegründer der Karlsruher „Neuen Figuration“. Zu Beginn der 1960er Jahre erfand er sein ikonisches Kunstsymbol: den „Kopffüßler“, eine archaische, auf Kopf und Füße reduzierte Kunstfigur, die er in zahllosen malerischen, grafischen und bildhauerischen Variationen (u. a. monumentale Eisen- und Cortenstahlskulpturen im öffentlichen Raum) untersuchte. Seine Bildwelten verknüpfen Einflüsse der klassischen Moderne, indigene Kunstformen (Hopis) und existentielle Fragen zu Chiffren von zeitloser Symbolkraft. Als dreifacher documenta-Teilnehmer (1964, 1968, 1977), Träger des Großen Preises der Biennale von São Paulo (1991) und des Hans-Molfenter-Preises der Stadt Stuttgart (1989) prägte er die visuelle Identität des deutschen Südwestens auf internationalem Spitzenniveau.
Markus Lüpertz (*1941): International gefeierter Maler, Grafiker und Bildhauer; wirkte von 1974 bis 1986 als prägender Professor für Malerei an der Karlsruher Akademie und brach mit seiner „Dithyrambischen Malerei“ sowie seinen monumentalen, suggestiven Bildchiffren und Skulpturen radikal die Vorherrschaft der reinen Abstraktion im Nachkriegsdeutschland.
Georg Baselitz (*1938): Lehrte ab 1977 in Karlsruhe; erlangte Weltruhm durch das Umkehren seiner Bildmotive auf den Kopf.
Max Kaminski (1938–2019): Bedeutender documenta-Teilnehmer und langjähriger Professor an der Karlsruher Kunstakademie (ab 1981); erlangte große Relevanz durch seine hochexpressiven, farbgewaltigen Figurenbilder und raumgreifenden Zyklen, die existenzielle Themen wie Mythologie, Tragik und Tod formal konsequent gegen den Trend des reinen Informel behaupteten.

Kunst im deutschen Südwesten, Max Kaminski, Notre Dame (Marseille), 2003, Öl auf Leinwand, 190 cm x 190 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Peter Dreher (1932–2020): In Mannheim geborener Maler, Grafiker und weltweit gefeierter Pionier des konzeptuellen Realismus. Er studierte an der Karlsruher Kunstakademie bei Karl Hubbuch und Wilhelm Schnarrenberger und leitete von 1968 bis 1997 als Professor die Freiburger Außenstelle der Akademie, an der er Generationen von Schülern (darunter Anselm Kiefer) grundlegend prägte. Drehers Schaffen bildet ein monumentales Monument der zeitgenössischen Malereigeschichte: Im Zentrum steht sein 1974 begonnenes und über 45 Jahre fortgeführtes Serien-Hauptwerk „Tag um Tag guter Tag“. Darin porträtierte er ein einfaches leeres Wasserglas unter sich ständig ändernden Lichtverhältnissen weit über 5.000 Mal in absolut realistischer Präzision auf identischen 25 × 20 cm großen Bildträgern. Abseits dieser Jahrhundertserie schuf er komplexe Interieurs, dichte Stillleben und großformatige Landschaften (wie die Schwarzwald-Bilder). Als Träger des Hans-Thoma-Preises (1979) und des Reinhold-Schneider-Preises (2000) bewies er meisterhaft, dass die gegenständliche Malerei durch radikale konzeptuelle Serialität die Grenzen zwischen Realismus, Meditation und zeitgenössischer Konzeptkunst vollkommen aufhebt.
Dieter Krieg (1937–2005): In Lindau geborener Maler, Zeichner und langjähriger Professor, der von 1958 bis 1962 an der Karlsruher Akademie bei HAP Grieshaber und Herbert Kitzel studierte. Krieg gilt als einer der radikalsten Grenzgänger der deutschen Nachkriegskunst. Mit einer geradezu eruptiven, zentimeterdicken Pastosität schleuderte und strich er reine Farbmaterie auf gigantische Leinwände und Packpapierbögen. Seine Bildmotive sind von einer monumentalen und zugleich existentiellen Profanität: Er malte banale Alltagsgegenstände wie Fritten, Fleischbrocken, Betten, Badewannen, Kreuze, Salatköpfe oder Eimer, die in ihrer schieren materiellen Wucht den Raum physisch attackieren und sich zwischen vollkommener Abstraktion und schonungslosem Ding-Realismus bewegen. Als Vertreter Deutschlands auf der Biennale von Venedig (1978) sowie als Empfänger des Hans-Molfenter-Preises der Stadt Stuttgart (1993) prägte sein kompromissloses Werk das kunsthistorische Klima im Südwesten tiefgreifend.
Ben Willikens (*1939): Weltbekannt für seine monumental-metaphorischen „Grauen Räume“, Anstalt-Interieurs und die Neugestaltung des Stuttgarter Landtags.

Kunst im deutschen Südwesten, Ben Willikens, Boxer – Spind, Olympia 1972 München 1971, Gemälde Acryl auf Leinwand, 78 cm x 54 cm, 81,5 cm x 57 cm mit Rahmen, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Helmut Goettl (1934–2011): Wichtiger Vertreter des sozialkritischen Realismus im Raum Karlsruhe; dokumentierte den Alltag mit ironisch-analytischem Blick.

Kunst im deutschen Südwesten, Helmut Goettl, Gartenfest, 1992, Zeichnung, 102 cm x 73 cm, goh010re, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Romane Holderried Kaesdorf (1922–2007): Schuf ein unverwechselbares zeichnerisches Werk, das menschliche (oft männliche) Verhaltensmuster skurril-ironisch zerlegte.

Kunst im deutschen Südwesten, Romane Holderried-Kaesdorf, die Spielerinnen, 1994, Öl und Bleistift auf Sperrholz, 77 cm x 80 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Julius Kaesdorf (1914–1993): Als Autodidakt schuf er minimalistische, zeichenhafte und humorvolle Werke von hoher Prägnanz.

Kunst im deutschen Südwesten, Julius Kaesdorf, Kleine Figur im Sessel, 1957-67 2, Werkverzeichnis I995, Öl auf Leinwand auf Platte, 18,2 cm x 14 cm, mit Rahmen 33 cm x 30 cm, Sammlung Fritz Genkinger, SüdWestGalerie
Günter Schöllkopf (1935–1979): Grafiker und Zeichner; bekannt für seine literarischen Illustrationen und surreal-grotesken Radierungen.

Kunst im deutschen Südwesten, Günter Schöllkopf, Another Sherlock Holmes, 1979, Radierung, 44 cm x 33 cm, scg001re, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Artur Stoll (1947–2003): Schüler von Grieshaber; schuf hochexpressive, reliefartige Gemälde von urwüchsiger, physischer Präsenz.

Artur Stoll, Das Tier und die Wahrheit, 1988, Öl auf Leinwand, 133 cm x 143 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Artur Stoll, Blumen für die Welt, je t’aime Liebe, 2000, Öl auf Leinwand, 120 cm x 160 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Jürgen Brodwolf (geb. 1932): In Dübendorf (Schweiz) geborener Bildhauer, Objektkünstler, Maler und international gefeierter Schöpfer der weltberühmten „Tubenfigur“. Nach einer Ausbildung zum Entwurfszeichner in einer Zürcher Lithografieanstalt und ausgedehnten Studienreisen nach Paris und Florenz kam er Mitte der 1950er-Jahre in den deutschen Südwesten, wo er zunächst als freischaffender Restaurator in Vogelbach (Südbaden) wirkte. Im Jahr 1959 vollzog er seine kunsthistorische Jahrhundertentdeckung: Er fand eine ausgedrückte, deformierte Bleitube, deren plastische Form ihn an den menschlichen Körper erinnerte, und erhob dieses weggeworfene Alltagsobjekt zu seiner lebenslangen, archetypischen Urfigur. Um diese faszinierende Schnittstelle zwischen banalem Konsumgut und verletzlicher menschlicher Existenz tiefer zu erforschen, entwickelte er über Jahrzehnte hinweg ein singuläres, unerschöpfliches Werk aus Skulpturen, Reliquiaren und raumgreifenden Installationen. Als langjähriger Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (1976–1982) prägte er die Region nachhaltig. Brodwolfs Werk zeichnet sich durch eine zutiefst berührende, existenzielle Materialästhetik aus: Sowohl in seinen mit Mullbändern, Asche und Kreide umwickelten Tuben-Menschlein als auch in seinen monumentalen Figurengruppen aus Blei, Holz oder Papier befreite er die Figur von heroischen Posen und steigerte sie zu Chiffren von Vergänglichkeit, Isolation und Schutzbedürftigkeit. Als Teilnehmer der documenta 6 (1977), Träger des Hans-Thoma-Preises des Landes Baden-Württemberg (1981) und Begründer der geschichtsträchtigen Brodwolf-Stiftung im Kulturzentrum Kandern sicherte er der anthropomorphen Objektkunst einen absolut unverwechselbaren, zeitlosen Spitzenplatz in der europäischen Nachkriegsavantgarde.

Kunst im deutschen Südwesten, Jürgen Brodwolf, Ikarus II , 1997, Fundstück, verhüllte Tubenfigur, 1974, 45 cm x 51 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Jürgen Brodwolf, Figurentypologie 2008, umhüllte Tubenfigur um 1980, 40 cm x 30 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Otto Herbert Hajek (1927–2005): In Kaltenbach geborener Bildhauer, Maler und herausragender Pionier der ungegenständlichen Plastik im öffentlichen Raum. Er kam 1947 nach Stuttgart, absolvierte dort sein Bildhauerstudium an der Kunstakademie und machte die Landeshauptstadt zum Zentrum seines weltweiten Schaffens. Nach prägenden Anfängen im Informel erlangte er ab den 1950er-Jahren erste internationale Anerkennung durch sein bahnbrechendes Frühwerk: In seinen plastisch dichten „Raumknoten“ und vielschichtigen „Raumschichtungen“ durchbrach er die geschlossene Form der klassischen Skulptur und webte filigrane Netze aus Linien, Graten und Durchbrüchen in den Raum, die das Licht in plastische Energie verwandelten. Ab den 1960er-Jahren übertrug er diese plastischen Raumuntersuchungen radikal in den urbanen Bereich und begründete seine weltbekannte „Stadtikonographie“ – monumentale, geometrische und begehbare Beton- und Stahlsuklpturen, die mit signalhaften Farbwegen die graue Nachkriegsarchitektur humanisieren und damit einen positiven gesellschaftspolitischen Beitrag leisten sollten. Er gestaltete Plätze sowie Universitäten weltweit und prägte als langjähriger Vorsitzender des Deutschen Künstlerbundes die Kulturpolitik der Bundesrepublik entscheidend mit. Als zweifacher documenta-Teilnehmer (1959, 1964) und Professor in Karlsruhe sicherte er der abstrakten Plastik des Südwestens einen absolut prägenden, international vernetzten Platz in der Moderne.

Kunst im deutschen Südwesten, Otto Herbert Hajek, P 138, 60 3, 1960, Bronze, 27 cm x 25 cm x 11 cm – Höhe ohne Sockel, Unikat, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Otto Herbert Hajek, Raumknoten, 1958, Tusche laviert auf Papier, 44 cm x 62 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Ulrich Nuss (*1943): Setzte die Familientradition (Sohn von Fritz Nuss) fort; schuf ausdrucksstarke, oft narrative Bronzefiguren im öffentlichen Raum.
Franz Bernhard (1934–2013): In Neuhäuser (Böhmerwald) geborener Bildhauer, Zeichner und herausragender Erneuerer der ungegenständlichen, anthropomorphen Plastik der Nachkriegszeit. Nach Flucht und Vertreibung kam er 1946 in den Landkreis Heilbronn, absolvierte eine Schreinerlehre und studierte anschließend von 1959 bis 1966 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Wilhelm Loth und Fritz Klemm. Um den menschlichen Körper ohne jede anatomische Detailtreue neu zu begreifen, entwickelte er ab den Spätsechzigern monumentale, sockellose Außenskulpturen, die er vorzugsweise aus der archaischen, rauen Materialkombination von massivem Holz und rostendem CorTen-Stahl zusammensetzte. Trotz der harten, industriellen Werkstoffe transportieren seine Arbeiten stets eine vitale, existenzielle Körperlichkeit, die Haltung, Gestik und Aufrichtung versinnbildlicht. Als langjähriger Erster Vorsitzender des Künstlerbundes Baden-Württemberg (1994–2001) und Träger des Bundesverdienstkreuzes prägte er die Kulturlandschaft im deutschen Südwesten tiefgreifend. Bernhards Werk zeichnet sich durch eine singuläre Synthese aus minimalisierter Tektonik und anthropomorpher Präsenz aus: Sowohl in seinen tonnenschweren Stadtikonen wie der „Großen Mannheimerin“ als auch in seinen kraftvollen, zeichenhaften Großzeichnungen befreite er das Menschenbild von abbildenden Konventionen. Als Teilnehmer der documenta 6 (1977), Villa-Romana-Preisträger und Träger einer Ehrenprofessur des Landes Baden-Württemberg sicherte er der zeichenhaften, materialbetonten Abstraktion einen absolut singulären, zeitlosen Platz in der europäischen Plastik.

Kunst im deutschen Südwesten, Franz Bernhard, Kreuzform, 1994, Eisen, Gips, Höhe 167 cm, Breite 99 cm,, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Hans Schreiner (1930–2023): Übersetzte Landschaften und Naturerlebnisse in großformatige, lyrisch-abstrakte Farbräume.

Kunst im deutschen Südwesten, Hans Schreiner, ohne Titel, 1960, Öl auf Leinwand, 61 cm x 81 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Hans Schreiner, ohne Titel, 1960, Öl auf Leinwand, 61 cm x 81 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
PLURALISMUS, GRAFIK-INNOVATIONEN & MATERIALEXPERIMENTE
1990er Jahre bis ca. 2010
Mit der Gründung des ZKM in Karlsruhe öffnete sich die Kunstregion der Digitalisierung. Gleichzeitig etablierte sich eine Generation, die das Erbe der klassischen Abstraktion, der Bildhauerei und insbesondere der manuellen Druckgrafik durch unkonventionelle Werkstoffe und serielle Konzepte radikalisierte.
STILE & STRÖMUNGEN
Neokonstruktivismus
Radikale Druckgrafik
experimenteller Holzschnitt
Farbfeld-Radierung
architektonische Holzbildhauerei
Konzeptkunst
WEGWEISENDE KÜNSTLERINNEN & KÜNSTLER
GRAFISCHE & MALERISCHE POSITIONEN
Rudolf Schoofs (1932–2009): Herausragender Maler und Zeichner des deutschen Informel; erlangte als Professor für Freie Grafik an der Stuttgarter Akademie (1976–1997) fundamentalen Einfluss im Südwesten. Seine international beachteten, in sensiblen Strichlagen geschichteten Dickichte, kosmischen Vegetationen und Stadtlandschaften bildeten das pädagogische und ästhetische Fundament für eine ganze Generation moderner Zeichner der Region.

Kunst im deutschen Südwesten, Rudolf Schoofs, Stadtlandschaft, 1983, Öl auf Leinwand, 155 cm x 220 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Peter Guth (1957–2006): In Mengen geborener Zeichner und Holzschneider erlangte Bedeutung durch seine kraftvollen, dichten Zeichnungen sowie experimentelle, raumgreifende Holzschnitte und serielle Buchobjekte, die auf archaischen Werkstoffen basierten.
Werner Zaiß (*1943): In Stuttgart geborener und an der Höheren Grafischen Fachschule ausgebildeter Künstler; wirkte über Jahrzehnte als freier Grafiker und prägte als langjähriger Leiter der Radierwerkstätten am Studium Generale der Universität Stuttgart nachfolgende Generationen durch seine meisterhaften Farbradierungen und prägnanten Farblinolschnitte.

Kunst im deutschen Südwesten, Peter Guth, Treppensockel, Tanzboden, Holzschnitt Unikat, 1995, 169 cm x 123 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Georg Heller (*1954): In Eichstätt geborener, an der Stuttgarter Akademie ausgebildeter Grafiker und Kunsterzieher; bekannt für großformatige, konzeptionell streng durchdachte Linoldrucke mit Offsetfarbe auf Köper sowie experimentelle PC-Grafiken.

Kunst im deutschen Südwesten, Georg Heller, und wenn sie nicht gestorben sind, Linolschnitt, 1992, 200 cm x 280 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Isa Dahl (*1965): Bekannt für dynamische, rhythmische Schlingen- und Pinselstrukturen, die tiefe visuelle Farbräume erzeugen.
Hanspeter Münch (*1951): Meister der lyrischen Abstraktion; schafft lichtdurchflutete, vielschichtige Farb- und Lasurgemälde.

Kunst im deutschen Südwesten, Isa Dahl, nur so, 2011, Öl auf Leinwand, 210 cm x 240 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Bruno Kurz (*1957): Nutzt Metallgaze und transluzide Untergründe, um in seinen abstrakten Landschaften Lichtphänomene einzufangen.

Kunst im deutschen Südwesten, Bruno Kurz, Korona, 2018, Acryl und Öl auf Leinwand, 180 cm x 180 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Oliver Christmann (*1960): Untersucht in seiner Malerei das
Zusammenspiel von reduzierter Form, Farbkörper und raumgreifender Farbwirkung.
Sabine Christmann (*1961): Virtuose des zeitgenössischen Stilllebens; erhebt profane Alltagsgegenstände (Plastiktüten, Verpackungen) zu fotorealistischen Studien.

Kunst im deutschen Südwesten, Sabine Christmann, Rot macht high, 2020, Öl auf Leinwand, 70 cm x 120 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Sabine Christmann, Trügerische Ruhe 2, Acryl auf Papier, 70 cm x 100 cm, 2021, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Thomas Kitzinger (*1955): Vertreter eines radikalen, analytischen Realismus; seziert Objekte und Porträts mit extrem präziser Maltechnik.
Andreas Lau (*1964): Arbeitet mit systematischen Rasterungen und Verfremdungen; bewegt sich im Grenzbereich von Erkennbarkeit und Abstraktion.
Werner Fohrer (*1947): Verknüpft in seinen Werken fotorealistische Fragmente mit gesellschaftspolitischen und zeitgeschichtlichen Themen.

Kunst im deutschen Südwesten, Werner Fohrer, Artificial Life II, 2018, Öl auf Leinwand, 150 cm x 200 cm , Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Uwe Ernst (*1947): Schafft hochkomplexe, oft düstere, figurativ-surreale Bildwelten voller mythologischer und zeitkritischer Chiffren.

Kunst im deutschen Südwesten, Uwe Ernst, Die Stiefelwichser, 1993, Schwarze Kreide auf Papier, 81 cm x 104 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Joachim Kupke (*1947): Konzeptkünstler und Maler; hinterfragt in altmeisterlicher Perfektion die Mechanismen der Kunstgeschichte und Zitatkultur.

Kunst im deutschen Südwesten, Joachim Kupke, Farewell, 1972, 42 cm x 52,5 cm, Bleistift Tempera Buntstift auf Papier, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Hannes Münz (1940–2014): Autonomer Einzelgänger; schuf ein radikal reduziertes, expressives Werk zwischen Figuration und Chiffre.

Kunst im deutschen Südwesten, Hannes Münz, Ausblick, 1988, Kassein auf Papier, 50 cm x 70 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Hannes Münz, Dynamische Landschaft, 1991, 38 cm x 25 cm, Rahmengröße: 63,cm x 53 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Elke Wree (*1940): Übersetzt vegetative Strukturen und Landschaften in lichte, freie Farbkompositionen.

Kunst im deutschen Südwesten, Elke Wree, Yamara, 2016, Tusche auf Papier, 57 cm x 77 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
BILDHAUERISCHE POSITIONEN
Robert Schad (*1953): Zeichnet mit massivem, vierkantigem Erzeugnisstahl filigrane, tanzende Linien in den Raum und die Landschaft.

Kunst im deutschen Südwesten, Robert Schad, FILIMU, 2014, Vierkantstahl massiv; 45 mm, 260 cm x 130 cm x 100 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Werner Pokorny (1949–2022): Arbeitete in Holz und Cortenstahl; variierte obsessiv das Ur-Motiv des „Hauses“ als Chiffre für Verortung und Existenz.

Kunst im deutschen Südwesten, Werner Pokorny, Gefäß und Haus XV, 2004, 213 cm x 68 cm x 30 cm, WVZ 616, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Armin Göhringer (*1959): Schneidet mit der Kettensäge fragile, gitterartige Strukturen aus massiven Holzblöcken; visualisiert Schwere und Halt.

Kunst im deutschen Südwesten, Armin Göhringer, ohne Titel, 2001, Holz geschwärzt, 199 cm x 70 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalrie

Kunst im deutschen Südwesten, Armin Göhringer, o.T. (24), 2013, Holz geschwärzt, 87 cm x 120 cm x 28 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Andrea Zaumseil (*1956): Schafft monumentale, raumgreifende Skulpturen aus tiefdunklem Eisenblech sowie melancholische Riesenpastelle.

Kunst im deutschen Südwesten, Andrea Zaumseil, Ohne Titel, 1998, Stahl, 3 Teile, Höhe ca. 278 cm, 295 cm, 265 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Andrea Zaumseil, o.T., 1998, Stahl, 90 cm x 100 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Rudolf Kurz (*1952): Schafft reduzierte Steinskulpturen und sakrale Räume, die durch präzise Schnitte die innere Kraft des Materials freilegen.

Kunst im deutschen Südwesten, Rudolf Kurz, Torso, 1993, 65 cm x 50 cm x 14 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Christoph Traub (*1964): Steinkünstler, der die harte Materie in organisch fließende, anthropomorphe Torsi und Wachstumsformen verwandelt.

Kunst im deutschen Südwesten, Christoph Traub, Haut 1, 2014, Jura, Stahl, 95 cm x 15 cm x 30 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
ZEITGENÖSSISCHE TENDENZEN & GEGENWART
Ab 2010
Die aktuelle Kunstszene zeichnet sich durch einen global vernetzten Pluralismus aus. Im Südwesten fällt eine starke Dichte an Positionen auf, die traditionelle Handwerke (Guss, Keramik, Schnitzerei) konzeptuell brechen oder sich mit Ökologie und postdigitaler Identität befassen.
STILE & STRÖMUNGEN
Postdigitale Kunst
Expressive Materialmalerei
Bio-Art
Dekonstruktive Bildhauerei
Rauminstallation
Konzeptuelle Keramik
WEGWEISENDE KÜNSTLERINNEN & KÜNSTLER
MALERISCHE & KONZEPTUELLE POSITIONEN
Max Peter Haering (*1948): Maler und Zeichner der Fantastischen Kunst. Er befasst sich in seinen altmeisterlich dichten, suggestiven Tuschfeder- und Graphitzeichnungen intensiv mit literarischen Vorlagen. Seine Werke eröffnen durch komplexe Meta-Erzählungen aus Linien und Punkten tiefgründige Doppelbedeutungen. International erlangte sein zeichnerisches Schaffen herausragende Anerkennung durch den renommierten Gold Award des asiatischen JIA Illustration Awards.

Kunst im deutschen Südwesten, Max Peter Haering, Küste der Blinden, 1987, Tuschzeichnung, 26 cm x 33 cm, ham010, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Dietmar Brixy (*1961): Der Mannheimer Künstler ist bekannt für hochexpressive, reliefartige und farbgewaltige Materialbilder, die Naturprozesse reflektieren.
Alfred Bast (*1948): Begreift Kunst als Bewusstseinsprozess; dokumentiert in feinsinnigen Bildern, Zeichnungen und Naturstudien („Krieger des Friedens“) existentielle Zusammenhänge.

Kunst im deutschen Südwesten, Alfred Bast, Kosmische Verwandlung, 1978, 119 cm x 89 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Kunst im deutschen Südwesten, Alfred Bast, Ver-Bindungen, 1985, Farbstift auf Malgrund, 200 cm x 155 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Ulrich Brauchle (*1971): Maler und exzellenter Radierer; fängt Landschaften in dynamischen Strichen und sensiblen Farbräumen ein.

Kunst im deutschen Südwesten, Ulrich Brauchle, Malerei, 2020, Öl auf Leinwand, 175 cm x 185 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Elly Weiblen (*1950): Schichtet transparente Farben und Pigmente auf; beschäftigt sich mit Erinnerungstopografien, Natur und Zeit.
Gerlinde Zantis (*1962): Bildet in fein nuancierten Kreide- und Pigmentzeichnungen Landschaften und dichte Waldstrukturen von fast fotorealistischer, meditativer Tiefe ab.

Kunst im deutschen Südwesten, Gerlinde Zantis, Dépt 07/Ruisseau de la Fontinelle VI, 2018, Pastell, 120 cm x 160 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Thomas Rissler (*1962): Schafft farbgewaltige, expressive Gemälde sowie monumentale, zeitgenössische Holzschnitte.

Kunst im deutschen Südwesten, Thomas Rissler, ohne Titel, 2022, Acryl, Öl und Sprühfarbe auf Leinwand, 130 cm x 120 cm, Preis auf Anfrage, rit013kü, SüdWestGalerie
Paul Groll (*1962): Seine farbenfroh-heiteren und vor Lebensfreude sprühenden, vom Zeichnerischen getragenen Werke wirken im ersten Augenblick durch ihre verspielten Farbkompositionen und eine barock-opulente Farbenpracht in einem lebhaften Durcheinander chaotisch. Dieser Eindruck löst sich jedoch auf, sobald sich die Linien und amorphen Fleckenformen zu schemenhaften Gebilden und feinsinnig austarierten, asymmetrischen Ordnungen zusammenziehen.

Kunst im deutschen Südwesten, Paul Groll, Sitzende, 1994, Mischtechnik, 34 x 24 cm, grp003re, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
BILDHAUERISCHE POSITIONEN
Jeanette Zippel (*1963): Grenzgängerin zwischen Bildhauerei, Landschaftsgestaltung und Ökologie. Sie gilt im Südwesten als Pionierin einer skulpturalen Land Art. Berühmt ist sie für ihre architektonisch-landschaftlichen Bienengärten (u. a. für die IGA 1993 in Stuttgart), deren Wegenetze der Choreografie des Bienentanzes folgen. Im Zentrum dieser Areale stehen ihre monumentalen, aus Naturmaterialien (Eichenholz, Lehm, Weidengeflecht) errichteten, figurativen Figurenstöcke. Diese anthropomorphen, an die antike Bienen-Göttin Artemis angelehnten Skulpturen sind konzeptionell so konstruiert, dass sie von Honig- und Wildbienen real besiedelt und durch deren Naturwabenbau im Inneren zu „belebten Plastiken“ werden.

Kunst im deutschen Südwesten, Jeanette Zippel, Wabenbau, Soziales Prinzip 3, 2005, Bienenwachs auf Kartonträger, 70 cm x 100 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Daniel Wagenblast (*1963): Seine aus Holz geschlagenen, farbig gefassten Männerfiguren (oft mit Auto oder Weltenkugel) sind humorvolle, weltberühmte Ikonen des „Jedermann“.

Kunst im deutschen Südwesten, Daniel Wagenblast, Schoko Frau, 2014, Holz bemalt, 25 cm x 27 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Andreas Welzenbach (*1965): Bildhauer des zeitgenössischen Holzbildwerks; bricht die Tradition der Schnitzkunst durch ironische, erzählerische und popkulturelle Motive.

Kunst im deutschen Südwesten, Andreas Welzenbach, Selbstmordattentäter, 2007, Holz, farbig gefasst, 110 x 80 x 72 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Miriam Lenk (*1975): Schafft opulente, barock-üppige Skulpturen aus Ton und Epoxidharz, die patriarchale Schönheitsideale lustvoll untergraben.

Kunst im deutschen Südwesten, Miriam Lenk, Oktopussy, 2013, Keramik, 40 cm x 40 cm x 38cm 33, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Silvia Siemes (*1960): Bildhauerin der leisen Töne; schafft melancholische Figuren aus Terrakotta, deren matte Bemalung ihnen eine zeitlose Aura verleiht.

Kunst im deutschen Südwesten, Silvia Siemes, Große Sitzende, 2020, Terrakotta, gebrannt, Höhe 73cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
Stephan Hasslinger (*1960): Transformiert das klassische Medium Keramik in glänzende, geschwungene und oft textile Assoziationen weckende Skulpturen von hoher Sinnlichkeit.

Kunst im deutschen Südwesten, Stephan Hasslinger, Paisly, Keramik und Glasuren, 2017, 112 cm x 66 cm x 65 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Gerda Bier (*1943): Kombiniert verwittertes Altholz, Fundstücke und Blei zu sakral wirkenden Objekten, die von Vergänglichkeit und Würde erzählen.
Stefanie Ehrenfried (*1964): Erzeugt durch ihre bahnbrechenden, teils lebensgroßen Filz-Plastiken ein tiefes Spannungsfeld aus unmittelbarer Irritation und archaischer Präsenz. In einem jahrelangen, hochintensiven Arbeitsprozess verdichtet sie naturbelassene Schafwolle mittels zehntausender Einstiche der Filznadel zu erstaunlich stabilen, autonomen Körpern.

Kunst im deutschen Südwesten, Stefanie Ehrenfried, Große Beere, 2012-2017, Schafwolle nadelgefilzt, 55 cm x 75 cm x 115 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
Martin Bruno Schmid (*1970): Konzeptueller Bildhauer; bohrt, spaltet oder verletzt bestehende Architekturen und Materialien (z. B. Säulen oder Leinwände), um deren inneres Wesen sichtbar zu machen.
Susanne Rudolph (*1943): In monumentalen Skulpturen, wie der „Fischgöttin“, gegossen in massivem, mineralischem Steinguss/Beton) verdichtet Susanne Rudolph ihr zentrales Thema – das menschliche Abbild und dessen inhärente Widersprüche – zu einer archetypischen, fast mythologischen Chiffre.

Kunst im deutschen Südwesten, Susanne Rudolph, Fischgöttin, 2017, Steinguss, Höhe: 130 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie