GCB Kunstlexikon
LINOLSCHNITT
KUNSTWERKE LINOLSCHNITTE

Linolschnitt, Georg Heller, und wenn sie nicht gestorben sind, 1992, 200 cm x 280 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, Gepäckträger, 2006, 140 cm x 140 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, Taucher, 1992, 228 cm x 328 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, Der Sammler, 1992, 275 cm x 210 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, noli me tangere, 2000, 347 cm x 243 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, aufgepasst angepasst, 1997, 237 cm x 276 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, ein Platz an der Sonne, 2003-2004, 314 cm x 340 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, Die Alten kriechen, 2003-2004, 300 cm x 518 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, frei für alle, 1995, 246 cm x 403 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, Blindgänger, 1994, 260 cm x 400 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
VIDEOS LINOLSCHNITT
Künstlerische Drucktechniken: Linolschnitt | Museum für Druckkunst Leipzig | Julienne Jattiot zeigt den Linolschnitt als künstlerische Drucktechnik. Ein Film von Matthias Toying im Auftrag des Museums für Druckkunst Leipzig, gefördert durch die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden — Sächsische Landesstelle für Museumswesen. | YouTube
DEFINITION LINOLSCHNITT
Der Linolschnitt ist ein grafisches Hochdruckverfahren, bei dem ein Motiv in eine Linoleumplatte geschnitzt, mit Farbe eingewalzt und anschließend auf Papier gedruckt wird. Da alle weggeschnittenen Bereiche beim Druck weiß bleiben, entsteht ein charakteristisches, oft kontrastreiches Bild mit klaren Linien und Formen.
BENÖTIGTES WERKZEUG UND MATERIAL
Für den Einstieg in die Drucktechnik wird eine überschaubare Grundausstattung benötigt:
Linoleumplatte: Eine weiche, leicht zu bearbeitende Trägerplatte.
Linolmesser: Ein Griff mit verschiedenen, austauschbaren Klingen (V-Form, U-Form) für feine Linien oder grobe Flächen.
Linoldruckfarbe: Spezielle, meist wasserbasierte Farbe mit hoher Deckkraft.
Farbwalze: Zum gleichmäßigen Verteilen der Farbe auf der Platte.
Papier: Saugfähiges, nicht zu strukturiertes Papier für saubere Abdrücke.
DER PROZESS IN 4 SCHRITTEN
Motiv übertragen: Zeichnen Sie den Entwurf direkt auf die Platte. Wichtig: Das Motiv muss spiegelverkehrt aufgetragen werden, da der Druck das Bild umdreht.
Schnitzen: Schneiden Sie mit den Linolmessern alle Bereiche weg, die später nicht gedruckt werden sollen. Die stehenbleibenden Stege bilden das Motiv.
Einfärben: Rollen Sie die Druckfarbe mit der Walze dünn und gleichmäßig auf einer glatten Fläche aus und walzen Sie danach die Linoleumplatte damit ein.
Drucken: Legen Sie das Papier auf die eingefärbte Platte. Reiben Sie mit einer sauberen Walze, einem Falzbein oder der Hand fest über das Papier, um die Farbe zu übertragen.
CHRONOLOGIE LINOLSCHNITT
1860 – Die Erfindung des Materials: Der Engländer Frederick Walton patentiert Linoleum eigentlich als robusten Bodenbelag aus Leinöl, Korkmehl und Jute.
Spätes 19. Jahrhundert – Erste Nutzung im Unterricht: Pädagogen entdecken die weichen Platten für den Kunstunterricht. Jugendliche können das Material leichter und sicherer schneiden als hartes Holz.
1903 – Der erste künstlerische Linolschnitt: Der deutsche Expressionist Erich Heckel fertigt das weltweit erste nachgewiesene Kunstwerk in dieser Technik an.
1905 – Der Expressionismus bricht das Eis: Die Künstlergruppe „Die Brücke“ (u. a. Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff) nutzt den Linolschnitt intensiv. Sie schätzen die rohen, emotionalen und flächigen Kontraste. Parallel experimentiert Wassily Kandinsky mit der Technik.
1920 er Jahre – Die Grosvenor School: In London revolutioniert Claude Flight die Technik. Er unterrichtet den mehrfarbigen Linolschnitt und prägt damit den dynamischen Stil des Art Déco.
1930 er bis 1940 er Jahre – Der „Dornröschenschlaf“: Der Linolschnitt verliert temporär an Ansehen. Er wird in der Kunstwelt oft als billiger „Holzschnitt-Ersatz“ oder reines Bastelmedium abgetan.
1954 bis 1960 er Jahre – Die Picasso-Revolution: Pablo Picasso verhilft der Technik zu spätem Weltruhm. Zusammen mit dem Drucker Hidalgo Arnéra entwickelt er 1959 den Reduktionsschnitt (die „verlorene Platte“), bei dem ein Mehrfarbendruck aus nur einer einzigen, schrittweise weiter weggeschnittenen Platte entsteht.
1980 er Jahre bis Heute – Die zeitgenössische Kunst: Berühmte deutsche Maler wie Georg Baselitz oder Markus Lüpertz entdecken die Technik für großformatige, expressive Werke wieder.
1990 er Jahre – Georg Hellers Bedeutung für den zeitgenössischen Linolschnitt liegt vor allem in seiner technischen und monumentalen Emanzipation des Mediums. Er befreit den Linoldruck aus seiner traditionellen Nische und etabliert ihn als eigenständige, großformatige Ausdrucksform.
WEGBEREITER LINOLSCHNITT
Erich Heckel
Ernst Ludwig Kirchner
Karl Schmidt-Rottluff
Wassily Kandinsky
Claude Flight
Pablo Picasso
Georg Baselitz
Markus Lüpertz
Sabine Ostermann
Julienne Jattiot
HAUPTWERKE LINOLSCHNITT
Pablo Picasso gilt als der unangefochtene König des Linolschnitts. Er trieb die Technik mit seinen komplexen Mehrfarbendrucken auf die Spitze:
„Portrait de jeune fille, d’après Cranach le Jeune“ (1958): Dieses Porträt nach Lucas Cranach d. J. gilt als der wertvollste und begehrteste Linolschnitt der Kunstgeschichte. Picasso nutzte hierfür noch das klassische Verfahren mit fünf verschiedenen, präzise übereinander gedruckten Platten.
„Nature morte au verre sous la lampe“ (1962): Ein absolutes Hauptwerk der Moderne. An diesem Stillleben perfektionierte er den Reduktionsschnitt (die „verlorene Platte“). Es zeigt eine meisterhafte Schichtung von leuchtenden Farben und Kontrasten, gedruckt von nur einem einzigen Druckstock.
Erich Heckel – „Die Froschkönigin“ (1905): Eines der frühesten, historisch wichtigsten Werke. Es zeigt exemplarisch, wie die Expressionisten die weiche Beschaffenheit des Linoleums für radikale, kantige Formen nutzten.
Wassily Kandinsky – „Mondnacht“ (1907): Ein sehr frühes, poetisches Werk Kandinskys. Hier zeigt sich der Übergang des Künstlers vom ornamentalen Jugendstil hin zu den flächigen Formen, die später in die Abstraktion führten.
Ernst Ludwig Kirchner – „Im Gasthaus“ (1904/05): Ein extrem seltener und wegweisender Druck, der Kirchners typisch nervösen, expressiven Schnitzstil im neuen Medium etablierte.
ZITATE LINOLSCHNITT
„Es gibt den Maler, der aus der Sonne einen gelben Fleck macht, aber es gibt auch den, der mit Überlegung und Handwerk aus dem gelben Fleck eine Sonne macht.“ | Pablo Picasso – Ein Zitat, das perfekt auf sein technisches Genie beim Reduktionslinolschnitt zutrifft.
„Alles Weggeschnittene ist unwiderruflich verloren. Das zwingt dazu, um die Ecke zu denken und jeden Schritt im Voraus zu komponieren.“ | Sabine Ostermann, zeitgenössische Linolschnitt-Künstlerin über die irreversible Natur des Hochdrucks.
LINOLSCHNITT
KUNSTWERKE LINOLSCHNITTE

Linolschnitt, Georg Heller, und wenn sie nicht gestorben sind, 1992, 200 cm x 280 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, Gepäckträger, 2006, 140 cm x 140 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, Taucher, 1992, 228 cm x 328 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, Der Sammler, 1992, 275 cm x 210 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, noli me tangere, 2000, 347 cm x 243 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, aufgepasst angepasst, 1997, 237 cm x 276 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, ein Platz an der Sonne, 2003-2004, 314 cm x 340 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, Die Alten kriechen, 2003-2004, 300 cm x 518 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, frei für alle, 1995, 246 cm x 403 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, Blindgänger, 1994, 260 cm x 400 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
VIDEOS LINOLSCHNITT
Künstlerische Drucktechniken: Linolschnitt | Museum für Druckkunst Leipzig | Julienne Jattiot zeigt den Linolschnitt als künstlerische Drucktechnik. Ein Film von Matthias Toying im Auftrag des Museums für Druckkunst Leipzig, gefördert durch die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden — Sächsische Landesstelle für Museumswesen. | YouTube
DEFINITION LINOLSCHNITT
Der Linolschnitt ist ein grafisches Hochdruckverfahren, bei dem ein Motiv in eine Linoleumplatte geschnitzt, mit Farbe eingewalzt und anschließend auf Papier gedruckt wird. Da alle weggeschnittenen Bereiche beim Druck weiß bleiben, entsteht ein charakteristisches, oft kontrastreiches Bild mit klaren Linien und Formen.
BENÖTIGTES WERKZEUG UND MATERIAL
Für den Einstieg in die Drucktechnik wird eine überschaubare Grundausstattung benötigt:
Linoleumplatte: Eine weiche, leicht zu bearbeitende Trägerplatte.
Linolmesser: Ein Griff mit verschiedenen, austauschbaren Klingen (V-Form, U-Form) für feine Linien oder grobe Flächen.
Linoldruckfarbe: Spezielle, meist wasserbasierte Farbe mit hoher Deckkraft.
Farbwalze: Zum gleichmäßigen Verteilen der Farbe auf der Platte.
Papier: Saugfähiges, nicht zu strukturiertes Papier für saubere Abdrücke.
DER PROZESS IN 4 SCHRITTEN
Motiv übertragen: Zeichnen Sie den Entwurf direkt auf die Platte. Wichtig: Das Motiv muss spiegelverkehrt aufgetragen werden, da der Druck das Bild umdreht.
Schnitzen: Schneiden Sie mit den Linolmessern alle Bereiche weg, die später nicht gedruckt werden sollen. Die stehenbleibenden Stege bilden das Motiv.
Einfärben: Rollen Sie die Druckfarbe mit der Walze dünn und gleichmäßig auf einer glatten Fläche aus und walzen Sie danach die Linoleumplatte damit ein.
Drucken: Legen Sie das Papier auf die eingefärbte Platte. Reiben Sie mit einer sauberen Walze, einem Falzbein oder der Hand fest über das Papier, um die Farbe zu übertragen.
CHRONOLOGIE LINOLSCHNITT
1860 – Die Erfindung des Materials: Der Engländer Frederick Walton patentiert Linoleum eigentlich als robusten Bodenbelag aus Leinöl, Korkmehl und Jute.
Spätes 19. Jahrhundert – Erste Nutzung im Unterricht: Pädagogen entdecken die weichen Platten für den Kunstunterricht. Jugendliche können das Material leichter und sicherer schneiden als hartes Holz.
1903 – Der erste künstlerische Linolschnitt: Der deutsche Expressionist Erich Heckel fertigt das weltweit erste nachgewiesene Kunstwerk in dieser Technik an.
1905 – Der Expressionismus bricht das Eis: Die Künstlergruppe „Die Brücke“ (u. a. Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff) nutzt den Linolschnitt intensiv. Sie schätzen die rohen, emotionalen und flächigen Kontraste. Parallel experimentiert Wassily Kandinsky mit der Technik.
1920 er Jahre – Die Grosvenor School: In London revolutioniert Claude Flight die Technik. Er unterrichtet den mehrfarbigen Linolschnitt und prägt damit den dynamischen Stil des Art Déco.
1930 er bis 1940 er Jahre – Der „Dornröschenschlaf“: Der Linolschnitt verliert temporär an Ansehen. Er wird in der Kunstwelt oft als billiger „Holzschnitt-Ersatz“ oder reines Bastelmedium abgetan.
1954 bis 1960 er Jahre – Die Picasso-Revolution: Pablo Picasso verhilft der Technik zu spätem Weltruhm. Zusammen mit dem Drucker Hidalgo Arnéra entwickelt er 1959 den Reduktionsschnitt (die „verlorene Platte“), bei dem ein Mehrfarbendruck aus nur einer einzigen, schrittweise weiter weggeschnittenen Platte entsteht.
1980 er Jahre bis Heute – Die zeitgenössische Kunst: Berühmte deutsche Maler wie Georg Baselitz oder Markus Lüpertz entdecken die Technik für großformatige, expressive Werke wieder.
1990 er Jahre – Georg Hellers Bedeutung für den zeitgenössischen Linolschnitt liegt vor allem in seiner technischen und monumentalen Emanzipation des Mediums. Er befreit den Linoldruck aus seiner traditionellen Nische und etabliert ihn als eigenständige, großformatige Ausdrucksform.
WEGBEREITER LINOLSCHNITT
Erich Heckel
Ernst Ludwig Kirchner
Karl Schmidt-Rottluff
Wassily Kandinsky
Claude Flight
Pablo Picasso
Georg Baselitz
Markus Lüpertz
Sabine Ostermann
Julienne Jattiot
HAUPTWERKE LINOLSCHNITT
Pablo Picasso gilt als der unangefochtene König des Linolschnitts. Er trieb die Technik mit seinen komplexen Mehrfarbendrucken auf die Spitze:
„Portrait de jeune fille, d’après Cranach le Jeune“ (1958): Dieses Porträt nach Lucas Cranach d. J. gilt als der wertvollste und begehrteste Linolschnitt der Kunstgeschichte. Picasso nutzte hierfür noch das klassische Verfahren mit fünf verschiedenen, präzise übereinander gedruckten Platten.
„Nature morte au verre sous la lampe“ (1962): Ein absolutes Hauptwerk der Moderne. An diesem Stillleben perfektionierte er den Reduktionsschnitt (die „verlorene Platte“). Es zeigt eine meisterhafte Schichtung von leuchtenden Farben und Kontrasten, gedruckt von nur einem einzigen Druckstock.
Erich Heckel – „Die Froschkönigin“ (1905): Eines der frühesten, historisch wichtigsten Werke. Es zeigt exemplarisch, wie die Expressionisten die weiche Beschaffenheit des Linoleums für radikale, kantige Formen nutzten.
Wassily Kandinsky – „Mondnacht“ (1907): Ein sehr frühes, poetisches Werk Kandinskys. Hier zeigt sich der Übergang des Künstlers vom ornamentalen Jugendstil hin zu den flächigen Formen, die später in die Abstraktion führten.
Ernst Ludwig Kirchner – „Im Gasthaus“ (1904/05): Ein extrem seltener und wegweisender Druck, der Kirchners typisch nervösen, expressiven Schnitzstil im neuen Medium etablierte.
ZITATE LINOLSCHNITT
„Es gibt den Maler, der aus der Sonne einen gelben Fleck macht, aber es gibt auch den, der mit Überlegung und Handwerk aus dem gelben Fleck eine Sonne macht.“ | Pablo Picasso – Ein Zitat, das perfekt auf sein technisches Genie beim Reduktionslinolschnitt zutrifft.
„Alles Weggeschnittene ist unwiderruflich verloren. Das zwingt dazu, um die Ecke zu denken und jeden Schritt im Voraus zu komponieren.“ | Sabine Ostermann, zeitgenössische Linolschnitt-Künstlerin über die irreversible Natur des Hochdrucks.
LINOLSCHNITT
KUNSTWERKE LINOLSCHNITTE

Linolschnitt, Georg Heller, und wenn sie nicht gestorben sind, 1992, 200 cm x 280 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, Gepäckträger, 2006, 140 cm x 140 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, Taucher, 1992, 228 cm x 328 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, Der Sammler, 1992, 275 cm x 210 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, noli me tangere, 2000, 347 cm x 243 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, aufgepasst angepasst, 1997, 237 cm x 276 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, ein Platz an der Sonne, 2003-2004, 314 cm x 340 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, Die Alten kriechen, 2003-2004, 300 cm x 518 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, frei für alle, 1995, 246 cm x 403 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Linolschnitt, Georg Heller, Blindgänger, 1994, 260 cm x 400 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
VIDEOS LINOLSCHNITT
Künstlerische Drucktechniken: Linolschnitt | Museum für Druckkunst Leipzig | Julienne Jattiot zeigt den Linolschnitt als künstlerische Drucktechnik. Ein Film von Matthias Toying im Auftrag des Museums für Druckkunst Leipzig, gefördert durch die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden — Sächsische Landesstelle für Museumswesen. | YouTube
DEFINITION LINOLSCHNITT
Der Linolschnitt ist ein grafisches Hochdruckverfahren, bei dem ein Motiv in eine Linoleumplatte geschnitzt, mit Farbe eingewalzt und anschließend auf Papier gedruckt wird. Da alle weggeschnittenen Bereiche beim Druck weiß bleiben, entsteht ein charakteristisches, oft kontrastreiches Bild mit klaren Linien und Formen.
BENÖTIGTES WERKZEUG UND MATERIAL
Für den Einstieg in die Drucktechnik wird eine überschaubare Grundausstattung benötigt:
Linoleumplatte: Eine weiche, leicht zu bearbeitende Trägerplatte.
Linolmesser: Ein Griff mit verschiedenen, austauschbaren Klingen (V-Form, U-Form) für feine Linien oder grobe Flächen.
Linoldruckfarbe: Spezielle, meist wasserbasierte Farbe mit hoher Deckkraft.
Farbwalze: Zum gleichmäßigen Verteilen der Farbe auf der Platte.
Papier: Saugfähiges, nicht zu strukturiertes Papier für saubere Abdrücke.
DER PROZESS IN 4 SCHRITTEN
Motiv übertragen: Zeichnen Sie den Entwurf direkt auf die Platte. Wichtig: Das Motiv muss spiegelverkehrt aufgetragen werden, da der Druck das Bild umdreht.
Schnitzen: Schneiden Sie mit den Linolmessern alle Bereiche weg, die später nicht gedruckt werden sollen. Die stehenbleibenden Stege bilden das Motiv.
Einfärben: Rollen Sie die Druckfarbe mit der Walze dünn und gleichmäßig auf einer glatten Fläche aus und walzen Sie danach die Linoleumplatte damit ein.
Drucken: Legen Sie das Papier auf die eingefärbte Platte. Reiben Sie mit einer sauberen Walze, einem Falzbein oder der Hand fest über das Papier, um die Farbe zu übertragen.
CHRONOLOGIE LINOLSCHNITT
1860 – Die Erfindung des Materials: Der Engländer Frederick Walton patentiert Linoleum eigentlich als robusten Bodenbelag aus Leinöl, Korkmehl und Jute.
Spätes 19. Jahrhundert – Erste Nutzung im Unterricht: Pädagogen entdecken die weichen Platten für den Kunstunterricht. Jugendliche können das Material leichter und sicherer schneiden als hartes Holz.
1903 – Der erste künstlerische Linolschnitt: Der deutsche Expressionist Erich Heckel fertigt das weltweit erste nachgewiesene Kunstwerk in dieser Technik an.
1905 – Der Expressionismus bricht das Eis: Die Künstlergruppe „Die Brücke“ (u. a. Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff) nutzt den Linolschnitt intensiv. Sie schätzen die rohen, emotionalen und flächigen Kontraste. Parallel experimentiert Wassily Kandinsky mit der Technik.
1920 er Jahre – Die Grosvenor School: In London revolutioniert Claude Flight die Technik. Er unterrichtet den mehrfarbigen Linolschnitt und prägt damit den dynamischen Stil des Art Déco.
1930 er bis 1940 er Jahre – Der „Dornröschenschlaf“: Der Linolschnitt verliert temporär an Ansehen. Er wird in der Kunstwelt oft als billiger „Holzschnitt-Ersatz“ oder reines Bastelmedium abgetan.
1954 bis 1960 er Jahre – Die Picasso-Revolution: Pablo Picasso verhilft der Technik zu spätem Weltruhm. Zusammen mit dem Drucker Hidalgo Arnéra entwickelt er 1959 den Reduktionsschnitt (die „verlorene Platte“), bei dem ein Mehrfarbendruck aus nur einer einzigen, schrittweise weiter weggeschnittenen Platte entsteht.
1980 er Jahre bis Heute – Die zeitgenössische Kunst: Berühmte deutsche Maler wie Georg Baselitz oder Markus Lüpertz entdecken die Technik für großformatige, expressive Werke wieder.
1990 er Jahre – Georg Hellers Bedeutung für den zeitgenössischen Linolschnitt liegt vor allem in seiner technischen und monumentalen Emanzipation des Mediums. Er befreit den Linoldruck aus seiner traditionellen Nische und etabliert ihn als eigenständige, großformatige Ausdrucksform.
WEGBEREITER LINOLSCHNITT
Erich Heckel
Ernst Ludwig Kirchner
Karl Schmidt-Rottluff
Wassily Kandinsky
Claude Flight
Pablo Picasso
Georg Baselitz
Markus Lüpertz
Sabine Ostermann
Julienne Jattiot
HAUPTWERKE LINOLSCHNITT
Pablo Picasso gilt als der unangefochtene König des Linolschnitts. Er trieb die Technik mit seinen komplexen Mehrfarbendrucken auf die Spitze:
„Portrait de jeune fille, d’après Cranach le Jeune“ (1958): Dieses Porträt nach Lucas Cranach d. J. gilt als der wertvollste und begehrteste Linolschnitt der Kunstgeschichte. Picasso nutzte hierfür noch das klassische Verfahren mit fünf verschiedenen, präzise übereinander gedruckten Platten.
„Nature morte au verre sous la lampe“ (1962): Ein absolutes Hauptwerk der Moderne. An diesem Stillleben perfektionierte er den Reduktionsschnitt (die „verlorene Platte“). Es zeigt eine meisterhafte Schichtung von leuchtenden Farben und Kontrasten, gedruckt von nur einem einzigen Druckstock.
Erich Heckel – „Die Froschkönigin“ (1905): Eines der frühesten, historisch wichtigsten Werke. Es zeigt exemplarisch, wie die Expressionisten die weiche Beschaffenheit des Linoleums für radikale, kantige Formen nutzten.
Wassily Kandinsky – „Mondnacht“ (1907): Ein sehr frühes, poetisches Werk Kandinskys. Hier zeigt sich der Übergang des Künstlers vom ornamentalen Jugendstil hin zu den flächigen Formen, die später in die Abstraktion führten.
Ernst Ludwig Kirchner – „Im Gasthaus“ (1904/05): Ein extrem seltener und wegweisender Druck, der Kirchners typisch nervösen, expressiven Schnitzstil im neuen Medium etablierte.
ZITATE LINOLSCHNITT
„Es gibt den Maler, der aus der Sonne einen gelben Fleck macht, aber es gibt auch den, der mit Überlegung und Handwerk aus dem gelben Fleck eine Sonne macht.“ | Pablo Picasso – Ein Zitat, das perfekt auf sein technisches Genie beim Reduktionslinolschnitt zutrifft.
„Alles Weggeschnittene ist unwiderruflich verloren. Das zwingt dazu, um die Ecke zu denken und jeden Schritt im Voraus zu komponieren.“ | Sabine Ostermann, zeitgenössische Linolschnitt-Künstlerin über die irreversible Natur des Hochdrucks.