GCB Kunstlexikon
EXPRESSIVE FIGURATION
KUNSTWERKE EXPRESSIVE FIGURATION

Expressive Figuration, Max Kaminski, Notre Dame (Marseille), 2003, Öl auf Leinwand, 190 cm x 190 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Klaus Hack, Tänzerin, 2023, 2024, Pappel, weiss gefasst, 74,5 cm x 32 x 31,5 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Roland Dörfler, Eingeschlossen, 1986, Mischtechnik, 147 cm x 126 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Emil Cimiotti, Knieende, 1983, Bronze gussrau auf Stahl, teilweise bemalt, 191 cm x 44 cm x 67 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Jürgen Brodwolf, Ikarus II, 1997, Fundstück, verhüllte Tubenfigur, 1974, 45 cm x 51 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Max Kaminski, Brautwerbung, 1999, Öl auf Leinwand, 160 cm x 160 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Werner Liebmann, Es war eine Mutter, 2023, Öl auf Leinwand, 120 cm x 90 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Klaus Hack, Jeanne d’Arc, 2022, 2023, Pappel, Eiche, Buche weiß gefasst, 141 cm x 112 cm x 40 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Rudolf Haegele, Dreiteiliges Bild Rivoli, 1974 1975, Mischtechnik auf Platte, 60 cm x 131 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Roland Dörfler, Ausflug, 1997, Öl auf Nessel, 170 cm x 150 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Rudolf Haegele, Mänaden, 1977, Mischtechnik auf Leinwand, 165 cm x 180 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Max Kaminski, Empedokles (Marseille), 2001, Öl auf Leinwand, 190 cm x 140 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Emil Cimiotti, Mein Bruder – späte Fassung, 2002, Bronze, gussrau, Höhe 70 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Roland Dörfler, Figuren im Blau, 2002, Öl auf Nessel, 170 cm x 150 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Rudolf Haegele, „Torso“, 1964, Mischtechnik, 120 cm x 80 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Max Kaminski, Ubu Roi als Magier, 1990, Öl auf Leinwand, 160 cm x 195 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Roland Dörfler, Verhülltes Paar, 1995, Öl auf Leinwand, 170 cm x 150 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Klaus Hack, Paar, 1990 – 2008, Pappel, schwarz und weiß gefasst, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Werner Liebmann, Apfelbaum, 2023, Öl auf Leinwand, 197 cm x 142 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Rudolf Haegele, Zeugenberg, 1992, Mischtechnik, 131 cm x 97 cm , Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Jürgen Brodwolf, Figurentypologie 2008, umhüllte Tubenfigur um 1980, 40 cm x 30 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Emil Cimiotti, Boris, 1991, Bronze, gussrau, teilweise bemalt, 47 cm x 99 cm x 32 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
DEFINITION EXPRESSIVE FIGURATION
Expressive Figuration (oder expressiver Figurativismus) ist ein Stil der bildenden Kunst, der zwar erkennbare Formen – primär die menschliche Gestalt – darstellt, dabei aber die emotionale und psychologische Ausdruckskraft über die realistische Genauigkeit stellt.
HAUPTMERKMALE
Subjektivität: Das Ziel ist nicht das Abbilden der äußeren Realität, sondern der „inneren Vision“ und des emotionalen Erlebens des Künstlers.
Gestischer Farbauftrag: Charakteristisch sind kräftige, energische Pinselstriche, dicke Farbschichten (Impasto) und sichtbare Spuren des Arbeitsprozesses.
Verzerrung: Um Gefühle wie Angst, Isolation, Ekstase oder Verletzlichkeit zu verdeutlichen, werden Körperproportionen oft deformiert, gedehnt oder farblich verfremdet.
Materialität: Viele Künstler arbeiten mit Schichtungen, Kratztechniken oder unkonventionellen Materialien, um dem Werk eine physische Tiefe und Geschichte zu verleihen.
Wichtige Künstler und Strömungen
CHRONOLOGIE EXPRESSIVE FIGURATION
In der aktuellen Kunstwelt des Jahres 2025 bleibt die expressive Figuration ein zentrales Mittel, um komplexe Themen wie Identität, körperliche Autonomie und die menschliche Psyche in einer zunehmend digitalen Welt zu untersuchen. Sie bildet oft das Bindeglied zwischen klassischer Malerei und abstrakter Kunst.
WEGBEREITER EXPRESSIVE FIGURATION
Die expressive Figuration hat ihre Wurzeln in den bahnbrechenden Entwicklungen der Moderne am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese Künstler lösten sich von der rein realistischen Abbildung und nutzten die menschliche Gestalt als Medium für tiefere emotionale und psychologische Wahrheiten.
Zentrale Wegbereiter der Moderne
Vincent van Gogh (* 30. März 1853 in Groot-Zundert; † 29. Juli 1890 in Auvers-sur-Oise): Er gilt als einer der wichtigsten Vorläufer. Sein pastoser Farbauftrag und der symbolische Einsatz von Farben dienten nicht der Realität, sondern dem Ausdruck von Stimmungen und Gefühlen.
Edvard Munch (* 12. Dezember 1863 in Løten, Hedmark, Norwegen; † 23. Januar 1944 auf Ekely in Oslo): Der norwegische Maler gilt als direkter Vorläufer des Expressionismus. Seine Werke (z. B. Der Schrei) nutzten extreme Verzerrungen der Figur, um existenzielle Ängste und Einsamkeit darzustellen.
James Ensor (* 13. April 1860 in Ostende; † 19. November 1949 ebenda November 1949): Der Belgier beeinflusste die Bewegung durch seine grotesken Masken- und Skelettdarstellungen, mit denen er die Scheinheiligkeit der Gesellschaft entlarvte.
Egon Leo Adolf Ludwig Schiele (* 12. Juni 1890 in Tulln an der Donau, Österreich-Ungarn; † 31. Oktober 1918 in Wien): ist einer der radikalsten Wegbereiter der expressiven Figuration. Seine Bedeutung liegt in der kompromisslosen psychologischen Entblößung des Menschen, die er durch eine völlig neue Formensprache erreichte.
Die klassischen Expressionisten (ca. 1905–1925)
In Deutschland formten zwei Hauptgruppen die expressive Figuration entscheidend:
Die Brücke (Dresden/Berlin): Künstler wie Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff entwickelten einen harten, kantigen Stil mit unnatürlichen Farben und deformierten Akten, um die Entfremdung in der modernen Stadt zu zeigen.
Der Blaue Reiter (München): Während diese Gruppe (z. B. Wassily Kandinsky) stärker zur Abstraktion neigte, hielten Künstler wie Franz Marc an figurativen Elementen (oft Tieren) fest, um eine spirituelle Ebene auszudrücken.
Wiener Moderne: Egon Schiele und Oskar Kokoschka radikalisierten die Figuration durch hager, fast schmerzhaft verzerrte Körperdarstellungen, die das Unbewusste und die Sexualität thematisierten.
Die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
Kunst nach 1945: Die Figuration wurde als Gegenpol zur dominierenden abstrakten Kunst neu definiert
Alberto Giacometti (* 10. Oktober 1901 in Borgonovo, Gemeinde Stampa; † 11. Januar 1966 in Chur: Seine extrem dünnen, in die Länge gezogenen Bronzefiguren symbolisieren die Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz.
Francis Bacon(* 28. Oktober 1909 in Dublin; † 28. April 1992 in Madrid): Er ist die Schlüsselfigur der Nachkriegszeit. Seine isolierten, schreienden und körperlich deformierten Figuren sind der Inbegriff der „Expressiven Figuration“.
Lucian Freud(* 8. Dezember 1922 in Berlin; † 20. Juli 2011 in London): Bekannt für seine ungeschönten, psychologisch dichten Porträts, die die physische Präsenz und Verletzlichkeit des Fleisches betonen.
KÜNSTLER DER ZEITGENÖSSISCHEN EXPRESSIVEN FIGURATION
Roland Dörfler (* 14. Februar 1926 in Silberbach, Tschechoslowakei; † 17. März 2010 in Braunschweig): gilt als einer der bedeutendsten Zeichner und Maler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland, der die expressive Figuration durch eine tiefgehende psychologische und existenzielle Dimension bereicherte.
Rudolf Walter Haegele (* 21. April 1926 in Schömberg bei Rottweil; † 27. Juni 1998 in Remseck): nimmt in der Kunst nach 1945 eine bedeutende Brückenfunktion zwischen der Abstraktion und einer neuen Form der expressiven Figuration ein. Rudolf Haegele gilt als wichtiger Vertreter der sogenannten „Neuen Figuration“. Während viele seiner Zeitgenossen eine strikte Trennung zwischen gegenständlicher und abstrakter Kunst pflegten, integrierte er menschliche Umrisse oder Chiffren in ein Geflecht aus abstrakten Farbschichten. Die Figur wird bei ihm nicht naturalistisch abgebildet, sondern dient als Medium für emotionale und existenzielle Aussagen.
Emil Cimiotti (* 19. August 1927 in Göttingen; † 13. Oktober 2019 in Wolfenbüttel) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer der Nachkriegszeit. Seine Bedeutung für die expressive Figuration liegt vor allem in seinem Beitrag zur „Neuen Figuration“ und der Verbindung von Abstraktion und organischen Formen.
Jürgen Brodwolf (* 1932 in Dübendorf, Schweiz): Nimmt eine Sonderstellung ein, da er die menschliche Gestalt nicht durch klassische Malerei, sondern durch die Entdeckung und Weiterentwicklung eines völlig neuen plastischen Archetyps radikalisierte: der Tubenfigur.
Georg Baselitz (* 23. Januar 1938 in Deutschbaselitz, Sachsen; eigentlicher Name Hans-Georg Kern): Er ist bekannt für seine auf dem Kopf stehenden Figuren
Max Gerd Kaminski (* 9. Mai 1938 in Königsberg, Ostpreußen; † 20. Januar 2019 in Augsburg): ist einer der Wegbereiter und prägenden Köpfe des Neoexpressionismus (auch „Heftige Malerei“ oder „Neue Wilde“).
Werner Liebmann (* 15. März 1951 in Königsthal, Thüringen)
Werner Liebmann (*1951): verknüpft die klassische figürliche Malerei mit einer fast surrealen, oft hintergründig ironischen Erzählweise. Er hat die traditionell in der Kunst erwartete „Erhabenheit“ bewusst durch eine von ihm so genannte „Schrulligkeit“ ersetzt. Dies ermöglicht es ihm, tiefgreifende philosophische Themen mit einem naiven Staunen und aberwitzigen Elementen zu verbinden.
Rüdiger Giebler (* 2. Januar 1958 in Halle (Saale): Dessen Werke sind eine spielerische, ironische, surreale, oft erzählerische Variante der expressiven Figuration mit postmodernen Elementen.
Klaus Hack (* 1966 in Bayreuth): Der Holzbildhauer überführt seine archaische Formensprache in eine monumentale, fast mythologische Dimension. Klaus Hack nimmt in der zeitgenössischen expressiven Figuration eine Ausnahmestellung ein, da er die menschliche Gestalt durch eine archaische, rohe Bearbeitung von Holz in eine monumentale und fast sakrale Dimension überführt. Klaus Hacks Skulpturen wirken damit wie zeitlose Idole oder Wächter. Er nutzt die menschliche Figur um existentielle Urzustände darzustellen. Die Figuren sind keine Abbilder individueller Personen, sondern anthropomorphe Symbole für das Menschsein an sich.
Cecily Brown (*1969 in London, Großbritannien): Ihre Figuren scheinen sich oft in einem Wirbel aus abstrakten, gestischen Pinselstrichen aufzulösen.
Jenny Savillee (* 7. Mai 1970 in Cambridge, England): Berühmt für monumentale Gemälde, die die Fleischlichkeit und Masse des menschlichen Körpers betonen.
Adrian Ghenie (*1977 in Baia Mare, Rumänien): Nutzt Texturen und Verzerrungen, um historische Themen und persönliche Erinnerungen zu verschmelzen.
HAUPTWERKE EXPRESSIVE FIGURATION
Hauptwerke der expressiven Figuration zeichnen sich dadurch aus, dass sie die menschliche Gestalt deformieren, farblich verfremden oder gestisch aufladen, um existenzielle und psychologische Zustände sichtbar zu machen.
Frühe Meilensteine (Vorläufer & Klassischer Expressionismus)
Vincent van Gogh: Selbstbildnis – Psychologischer Ausdruck durch Farbe
Edvard Munch: Der Schrei (1893) – Das ikonischste Beispiel für die Nutzung der menschlichen Figur zur Darstellung von Angst und innerem Aufruhr.
Pablo Picasso: Les Demoiselles d’Avignon (1907) – Bruch mit der klassischen Proportion
Ernst Ludwig Kirchner: Selbstbildnis als Soldat (1915) – Ein Hauptwerk der Gruppe Die Brücke, das durch scharfe Linien und verzerrte Proportionen die psychische Versehrtheit des Künstlers thematisiert.
Egon Schiele: Sitzender Mann am Rücken gesehen (1910) – Schieles hagerer, nervöser Strich radikalisierte die Darstellung von Körperlichkeit und Identität.
Klassiker der Nachkriegszeit (London School & Existenzialismus)
Francis Bacon: Three Studies for Figures at the Base of a Crucifixion (1944) – Ein Schlüsselwerk, das die menschliche Form in hybride, schreiende Kreaturen auflöst.
Lucian Freud: Benefits Supervisor Sleeping (1995) – Bekannt für die schonungslose, „fleischliche“ Darstellung des Körpers, die über puren Realismus hinausgeht.
Alberto Giacometti: L’Homme qui marche I (1960) – Diese extrem dünnen Bronzeskulpturen gelten als Sinnbild für die Einsamkeit und Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz.
Zeitgenössische Hauptwerke (ab ca. 1990)
Jean-Michel Basquiat: Dusthead (1982) Neo-Expressionismus und rohe Energie
Jenny Saville: Strategy (South Face/Front Face/North Face) (1994) – Monumentale Darstellungen von Fleisch und Körpermasse, die die Tradition der Figuration mit moderner Wucht neu beleben.
Georg Baselitz: Der Paukenschläger (1988) – Durch die Umkehrung der Motive (auf dem Kopf stehend) betont Baselitz die malerische Geste gegenüber dem dargestellten Inhalt.
Adrian Ghenie: The Pie Fight Interior (2012) – Ghenie nutzt verschmierte, teils zerstörte Gesichter, um historische Traumata expressiv zu verarbeiten.
Dana Schutz: Speech (2017) – Ein Beispiel für die lebendige, oft groteske zeitgenössische Fortführung der expressiven Figuration.
ZITATE EXPRESSIVE FIGURATION
„Ich möchte die Realität nicht reproduzieren; ich möchte eine Realität schaffen, die eine Verzerrung der Realität ist, um sie in der Aufzeichnung wieder näher an die Realität heranzuführen.“ | Francis Bacon (Der Meister der Deformation)
„Wenn man die Deformation der Form betrachtet, so geschieht dies, um die Form direkter auf das Nervensystem zu übertragen.“ | Francis Bacon
„Ich versuche nicht, einen Menschen zu machen, sondern einen Schatten davon.“ | Alberto Giacometti (Existenzialismus in der Form)
„Die Figur wird nur dann lebendig, wenn man aufhört, sie als ein Objekt der Natur zu betrachten und beginnt, sie als ein Objekt der Empfindung zu sehen.“ | Alberto Giacometti
„Das Kunstwerk ist ein Gegenstand, kein Abbild. Die Figur ist nur eine Ausrede für die Malerei.“ | Georg Baselitz (Über die Befreiung der Figur)
„Alles ist lebend tot.“ (Über die Intensität seiner hageren, nervösen Linienführung, die das Innere nach außen kehrte). | Egon Schiele (Psychologie des Körpers)
„Ich male Körper, nicht weil sie schön sind, sondern weil sie so viel Geschichte in sich tragen. Das Fleisch ist die visuelle Aufzeichnung unseres Lebens.“ | Jenny Saville (Über die Materialität des Körpers)
„Ich suche aus der gegebenen Gegenwart die Brücke zum Unsichtbaren.“ | Max Beckmann (Deutscher Expressionismus)
STICHWORTE EXPRESSIVE FIGURATION
Grenzen zwischen Körperlichkeit und abstrakter Geste werden verwischt, Spannungsfeld zwischen menschlicher Form und emotionalem Ausdruck, es geht nicht um das Hübsche oder Korrekte, sondern darum, durch Verzerrung eine tiefere, oft schmerzhafte Wahrheit über die menschliche Existenz zu transportieren, Deformation, Distorsion: Gezielte Verzerrung der Anatomie zur Steigerung des Ausdrucks, Gestischer Farbauftrag, Sichtbare, energische Pinselstriche oder Spachtelspuren, Impasto: Dicker, reliefartiger Farbauftrag, der die Körperlichkeit betont, Nicht-naturalistische Farbe: Einsatz von Farben nach emotionalem Wert statt realistischem Abbild, Fragmentierung: Auflösung des Körpers in Flächen oder Linien, Materialität: Fokus auf die Beschaffenheit von Farbe und Leinwand, das „Fleisch“ der Malerei
EXPRESSIVE FIGURATION
KUNSTWERKE EXPRESSIVE FIGURATION

Expressive Figuration, Max Kaminski, Notre Dame (Marseille), 2003, Öl auf Leinwand, 190 cm x 190 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Klaus Hack, Tänzerin, 2023, 2024, Pappel, weiss gefasst, 74,5 cm x 32 x 31,5 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Roland Dörfler, Eingeschlossen, 1986, Mischtechnik, 147 cm x 126 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Emil Cimiotti, Knieende, 1983, Bronze gussrau auf Stahl, teilweise bemalt, 191 cm x 44 cm x 67 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Jürgen Brodwolf, Ikarus II, 1997, Fundstück, verhüllte Tubenfigur, 1974, 45 cm x 51 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Max Kaminski, Brautwerbung, 1999, Öl auf Leinwand, 160 cm x 160 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Werner Liebmann, Es war eine Mutter, 2023, Öl auf Leinwand, 120 cm x 90 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Klaus Hack, Jeanne d’Arc, 2022, 2023, Pappel, Eiche, Buche weiß gefasst, 141 cm x 112 cm x 40 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Rudolf Haegele, Dreiteiliges Bild Rivoli, 1974 1975, Mischtechnik auf Platte, 60 cm x 131 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Roland Dörfler, Ausflug, 1997, Öl auf Nessel, 170 cm x 150 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Rudolf Haegele, Mänaden, 1977, Mischtechnik auf Leinwand, 165 cm x 180 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Max Kaminski, Empedokles (Marseille), 2001, Öl auf Leinwand, 190 cm x 140 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Emil Cimiotti, Mein Bruder – späte Fassung, 2002, Bronze, gussrau, Höhe 70 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Roland Dörfler, Figuren im Blau, 2002, Öl auf Nessel, 170 cm x 150 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Rudolf Haegele, „Torso“, 1964, Mischtechnik, 120 cm x 80 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Max Kaminski, Ubu Roi als Magier, 1990, Öl auf Leinwand, 160 cm x 195 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Roland Dörfler, Verhülltes Paar, 1995, Öl auf Leinwand, 170 cm x 150 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Klaus Hack, Paar, 1990 – 2008, Pappel, schwarz und weiß gefasst, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Werner Liebmann, Apfelbaum, 2023, Öl auf Leinwand, 197 cm x 142 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Rudolf Haegele, Zeugenberg, 1992, Mischtechnik, 131 cm x 97 cm , Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Jürgen Brodwolf, Figurentypologie 2008, umhüllte Tubenfigur um 1980, 40 cm x 30 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Emil Cimiotti, Boris, 1991, Bronze, gussrau, teilweise bemalt, 47 cm x 99 cm x 32 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
DEFINITION EXPRESSIVE FIGURATION
Expressive Figuration (oder expressiver Figurativismus) ist ein Stil der bildenden Kunst, der zwar erkennbare Formen – primär die menschliche Gestalt – darstellt, dabei aber die emotionale und psychologische Ausdruckskraft über die realistische Genauigkeit stellt.
HAUPTMERKMALE
Subjektivität: Das Ziel ist nicht das Abbilden der äußeren Realität, sondern der „inneren Vision“ und des emotionalen Erlebens des Künstlers.
Gestischer Farbauftrag: Charakteristisch sind kräftige, energische Pinselstriche, dicke Farbschichten (Impasto) und sichtbare Spuren des Arbeitsprozesses.
Verzerrung: Um Gefühle wie Angst, Isolation, Ekstase oder Verletzlichkeit zu verdeutlichen, werden Körperproportionen oft deformiert, gedehnt oder farblich verfremdet.
Materialität: Viele Künstler arbeiten mit Schichtungen, Kratztechniken oder unkonventionellen Materialien, um dem Werk eine physische Tiefe und Geschichte zu verleihen.
Wichtige Künstler und Strömungen
CHRONOLOGIE EXPRESSIVE FIGURATION
In der aktuellen Kunstwelt des Jahres 2025 bleibt die expressive Figuration ein zentrales Mittel, um komplexe Themen wie Identität, körperliche Autonomie und die menschliche Psyche in einer zunehmend digitalen Welt zu untersuchen. Sie bildet oft das Bindeglied zwischen klassischer Malerei und abstrakter Kunst.
WEGBEREITER EXPRESSIVE FIGURATION
Die expressive Figuration hat ihre Wurzeln in den bahnbrechenden Entwicklungen der Moderne am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese Künstler lösten sich von der rein realistischen Abbildung und nutzten die menschliche Gestalt als Medium für tiefere emotionale und psychologische Wahrheiten.
Zentrale Wegbereiter der Moderne
Vincent van Gogh (* 30. März 1853 in Groot-Zundert; † 29. Juli 1890 in Auvers-sur-Oise): Er gilt als einer der wichtigsten Vorläufer. Sein pastoser Farbauftrag und der symbolische Einsatz von Farben dienten nicht der Realität, sondern dem Ausdruck von Stimmungen und Gefühlen.
Edvard Munch (* 12. Dezember 1863 in Løten, Hedmark, Norwegen; † 23. Januar 1944 auf Ekely in Oslo): Der norwegische Maler gilt als direkter Vorläufer des Expressionismus. Seine Werke (z. B. Der Schrei) nutzten extreme Verzerrungen der Figur, um existenzielle Ängste und Einsamkeit darzustellen.
James Ensor (* 13. April 1860 in Ostende; † 19. November 1949 ebenda November 1949): Der Belgier beeinflusste die Bewegung durch seine grotesken Masken- und Skelettdarstellungen, mit denen er die Scheinheiligkeit der Gesellschaft entlarvte.
Egon Leo Adolf Ludwig Schiele (* 12. Juni 1890 in Tulln an der Donau, Österreich-Ungarn; † 31. Oktober 1918 in Wien): ist einer der radikalsten Wegbereiter der expressiven Figuration. Seine Bedeutung liegt in der kompromisslosen psychologischen Entblößung des Menschen, die er durch eine völlig neue Formensprache erreichte.
Die klassischen Expressionisten (ca. 1905–1925)
In Deutschland formten zwei Hauptgruppen die expressive Figuration entscheidend:
Die Brücke (Dresden/Berlin): Künstler wie Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff entwickelten einen harten, kantigen Stil mit unnatürlichen Farben und deformierten Akten, um die Entfremdung in der modernen Stadt zu zeigen.
Der Blaue Reiter (München): Während diese Gruppe (z. B. Wassily Kandinsky) stärker zur Abstraktion neigte, hielten Künstler wie Franz Marc an figurativen Elementen (oft Tieren) fest, um eine spirituelle Ebene auszudrücken.
Wiener Moderne: Egon Schiele und Oskar Kokoschka radikalisierten die Figuration durch hager, fast schmerzhaft verzerrte Körperdarstellungen, die das Unbewusste und die Sexualität thematisierten.
Die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
Kunst nach 1945: Die Figuration wurde als Gegenpol zur dominierenden abstrakten Kunst neu definiert
Alberto Giacometti (* 10. Oktober 1901 in Borgonovo, Gemeinde Stampa; † 11. Januar 1966 in Chur: Seine extrem dünnen, in die Länge gezogenen Bronzefiguren symbolisieren die Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz.
Francis Bacon(* 28. Oktober 1909 in Dublin; † 28. April 1992 in Madrid): Er ist die Schlüsselfigur der Nachkriegszeit. Seine isolierten, schreienden und körperlich deformierten Figuren sind der Inbegriff der „Expressiven Figuration“.
Lucian Freud(* 8. Dezember 1922 in Berlin; † 20. Juli 2011 in London): Bekannt für seine ungeschönten, psychologisch dichten Porträts, die die physische Präsenz und Verletzlichkeit des Fleisches betonen.
KÜNSTLER DER ZEITGENÖSSISCHEN EXPRESSIVEN FIGURATION
Roland Dörfler (* 14. Februar 1926 in Silberbach, Tschechoslowakei; † 17. März 2010 in Braunschweig): gilt als einer der bedeutendsten Zeichner und Maler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland, der die expressive Figuration durch eine tiefgehende psychologische und existenzielle Dimension bereicherte.
Rudolf Walter Haegele (* 21. April 1926 in Schömberg bei Rottweil; † 27. Juni 1998 in Remseck): nimmt in der Kunst nach 1945 eine bedeutende Brückenfunktion zwischen der Abstraktion und einer neuen Form der expressiven Figuration ein. Rudolf Haegele gilt als wichtiger Vertreter der sogenannten „Neuen Figuration“. Während viele seiner Zeitgenossen eine strikte Trennung zwischen gegenständlicher und abstrakter Kunst pflegten, integrierte er menschliche Umrisse oder Chiffren in ein Geflecht aus abstrakten Farbschichten. Die Figur wird bei ihm nicht naturalistisch abgebildet, sondern dient als Medium für emotionale und existenzielle Aussagen.
Emil Cimiotti (* 19. August 1927 in Göttingen; † 13. Oktober 2019 in Wolfenbüttel) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer der Nachkriegszeit. Seine Bedeutung für die expressive Figuration liegt vor allem in seinem Beitrag zur „Neuen Figuration“ und der Verbindung von Abstraktion und organischen Formen.
Jürgen Brodwolf (* 1932 in Dübendorf, Schweiz): Nimmt eine Sonderstellung ein, da er die menschliche Gestalt nicht durch klassische Malerei, sondern durch die Entdeckung und Weiterentwicklung eines völlig neuen plastischen Archetyps radikalisierte: der Tubenfigur.
Georg Baselitz (* 23. Januar 1938 in Deutschbaselitz, Sachsen; eigentlicher Name Hans-Georg Kern): Er ist bekannt für seine auf dem Kopf stehenden Figuren
Max Gerd Kaminski (* 9. Mai 1938 in Königsberg, Ostpreußen; † 20. Januar 2019 in Augsburg): ist einer der Wegbereiter und prägenden Köpfe des Neoexpressionismus (auch „Heftige Malerei“ oder „Neue Wilde“).
Werner Liebmann (* 15. März 1951 in Königsthal, Thüringen)
Werner Liebmann (*1951): verknüpft die klassische figürliche Malerei mit einer fast surrealen, oft hintergründig ironischen Erzählweise. Er hat die traditionell in der Kunst erwartete „Erhabenheit“ bewusst durch eine von ihm so genannte „Schrulligkeit“ ersetzt. Dies ermöglicht es ihm, tiefgreifende philosophische Themen mit einem naiven Staunen und aberwitzigen Elementen zu verbinden.
Rüdiger Giebler (* 2. Januar 1958 in Halle (Saale): Dessen Werke sind eine spielerische, ironische, surreale, oft erzählerische Variante der expressiven Figuration mit postmodernen Elementen.
Klaus Hack (* 1966 in Bayreuth): Der Holzbildhauer überführt seine archaische Formensprache in eine monumentale, fast mythologische Dimension. Klaus Hack nimmt in der zeitgenössischen expressiven Figuration eine Ausnahmestellung ein, da er die menschliche Gestalt durch eine archaische, rohe Bearbeitung von Holz in eine monumentale und fast sakrale Dimension überführt. Klaus Hacks Skulpturen wirken damit wie zeitlose Idole oder Wächter. Er nutzt die menschliche Figur um existentielle Urzustände darzustellen. Die Figuren sind keine Abbilder individueller Personen, sondern anthropomorphe Symbole für das Menschsein an sich.
Cecily Brown (*1969 in London, Großbritannien): Ihre Figuren scheinen sich oft in einem Wirbel aus abstrakten, gestischen Pinselstrichen aufzulösen.
Jenny Savillee (* 7. Mai 1970 in Cambridge, England): Berühmt für monumentale Gemälde, die die Fleischlichkeit und Masse des menschlichen Körpers betonen.
Adrian Ghenie (*1977 in Baia Mare, Rumänien): Nutzt Texturen und Verzerrungen, um historische Themen und persönliche Erinnerungen zu verschmelzen.
HAUPTWERKE EXPRESSIVE FIGURATION
Hauptwerke der expressiven Figuration zeichnen sich dadurch aus, dass sie die menschliche Gestalt deformieren, farblich verfremden oder gestisch aufladen, um existenzielle und psychologische Zustände sichtbar zu machen.
Frühe Meilensteine (Vorläufer & Klassischer Expressionismus)
Vincent van Gogh: Selbstbildnis – Psychologischer Ausdruck durch Farbe
Edvard Munch: Der Schrei (1893) – Das ikonischste Beispiel für die Nutzung der menschlichen Figur zur Darstellung von Angst und innerem Aufruhr.
Pablo Picasso: Les Demoiselles d’Avignon (1907) – Bruch mit der klassischen Proportion
Ernst Ludwig Kirchner: Selbstbildnis als Soldat (1915) – Ein Hauptwerk der Gruppe Die Brücke, das durch scharfe Linien und verzerrte Proportionen die psychische Versehrtheit des Künstlers thematisiert.
Egon Schiele: Sitzender Mann am Rücken gesehen (1910) – Schieles hagerer, nervöser Strich radikalisierte die Darstellung von Körperlichkeit und Identität.
Klassiker der Nachkriegszeit (London School & Existenzialismus)
Francis Bacon: Three Studies for Figures at the Base of a Crucifixion (1944) – Ein Schlüsselwerk, das die menschliche Form in hybride, schreiende Kreaturen auflöst.
Lucian Freud: Benefits Supervisor Sleeping (1995) – Bekannt für die schonungslose, „fleischliche“ Darstellung des Körpers, die über puren Realismus hinausgeht.
Alberto Giacometti: L’Homme qui marche I (1960) – Diese extrem dünnen Bronzeskulpturen gelten als Sinnbild für die Einsamkeit und Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz.
Zeitgenössische Hauptwerke (ab ca. 1990)
Jean-Michel Basquiat: Dusthead (1982) Neo-Expressionismus und rohe Energie
Jenny Saville: Strategy (South Face/Front Face/North Face) (1994) – Monumentale Darstellungen von Fleisch und Körpermasse, die die Tradition der Figuration mit moderner Wucht neu beleben.
Georg Baselitz: Der Paukenschläger (1988) – Durch die Umkehrung der Motive (auf dem Kopf stehend) betont Baselitz die malerische Geste gegenüber dem dargestellten Inhalt.
Adrian Ghenie: The Pie Fight Interior (2012) – Ghenie nutzt verschmierte, teils zerstörte Gesichter, um historische Traumata expressiv zu verarbeiten.
Dana Schutz: Speech (2017) – Ein Beispiel für die lebendige, oft groteske zeitgenössische Fortführung der expressiven Figuration.
ZITATE EXPRESSIVE FIGURATION
„Ich möchte die Realität nicht reproduzieren; ich möchte eine Realität schaffen, die eine Verzerrung der Realität ist, um sie in der Aufzeichnung wieder näher an die Realität heranzuführen.“ | Francis Bacon (Der Meister der Deformation)
„Wenn man die Deformation der Form betrachtet, so geschieht dies, um die Form direkter auf das Nervensystem zu übertragen.“ | Francis Bacon
„Ich versuche nicht, einen Menschen zu machen, sondern einen Schatten davon.“ | Alberto Giacometti (Existenzialismus in der Form)
„Die Figur wird nur dann lebendig, wenn man aufhört, sie als ein Objekt der Natur zu betrachten und beginnt, sie als ein Objekt der Empfindung zu sehen.“ | Alberto Giacometti
„Das Kunstwerk ist ein Gegenstand, kein Abbild. Die Figur ist nur eine Ausrede für die Malerei.“ | Georg Baselitz (Über die Befreiung der Figur)
„Alles ist lebend tot.“ (Über die Intensität seiner hageren, nervösen Linienführung, die das Innere nach außen kehrte). | Egon Schiele (Psychologie des Körpers)
„Ich male Körper, nicht weil sie schön sind, sondern weil sie so viel Geschichte in sich tragen. Das Fleisch ist die visuelle Aufzeichnung unseres Lebens.“ | Jenny Saville (Über die Materialität des Körpers)
„Ich suche aus der gegebenen Gegenwart die Brücke zum Unsichtbaren.“ | Max Beckmann (Deutscher Expressionismus)
STICHWORTE EXPRESSIVE FIGURATION
Grenzen zwischen Körperlichkeit und abstrakter Geste werden verwischt, Spannungsfeld zwischen menschlicher Form und emotionalem Ausdruck, es geht nicht um das Hübsche oder Korrekte, sondern darum, durch Verzerrung eine tiefere, oft schmerzhafte Wahrheit über die menschliche Existenz zu transportieren, Deformation, Distorsion: Gezielte Verzerrung der Anatomie zur Steigerung des Ausdrucks, Gestischer Farbauftrag, Sichtbare, energische Pinselstriche oder Spachtelspuren, Impasto: Dicker, reliefartiger Farbauftrag, der die Körperlichkeit betont, Nicht-naturalistische Farbe: Einsatz von Farben nach emotionalem Wert statt realistischem Abbild, Fragmentierung: Auflösung des Körpers in Flächen oder Linien, Materialität: Fokus auf die Beschaffenheit von Farbe und Leinwand, das „Fleisch“ der Malerei
EXPRESSIVE FIGURATION
KUNSTWERKE EXPRESSIVE FIGURATION

Expressive Figuration, Max Kaminski, Notre Dame (Marseille), 2003, Öl auf Leinwand, 190 cm x 190 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Klaus Hack, Tänzerin, 2023, 2024, Pappel, weiss gefasst, 74,5 cm x 32 x 31,5 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Roland Dörfler, Eingeschlossen, 1986, Mischtechnik, 147 cm x 126 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Emil Cimiotti, Knieende, 1983, Bronze gussrau auf Stahl, teilweise bemalt, 191 cm x 44 cm x 67 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Jürgen Brodwolf, Ikarus II, 1997, Fundstück, verhüllte Tubenfigur, 1974, 45 cm x 51 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Max Kaminski, Brautwerbung, 1999, Öl auf Leinwand, 160 cm x 160 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Werner Liebmann, Es war eine Mutter, 2023, Öl auf Leinwand, 120 cm x 90 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Klaus Hack, Jeanne d’Arc, 2022, 2023, Pappel, Eiche, Buche weiß gefasst, 141 cm x 112 cm x 40 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Rudolf Haegele, Dreiteiliges Bild Rivoli, 1974 1975, Mischtechnik auf Platte, 60 cm x 131 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Roland Dörfler, Ausflug, 1997, Öl auf Nessel, 170 cm x 150 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Rudolf Haegele, Mänaden, 1977, Mischtechnik auf Leinwand, 165 cm x 180 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Max Kaminski, Empedokles (Marseille), 2001, Öl auf Leinwand, 190 cm x 140 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Emil Cimiotti, Mein Bruder – späte Fassung, 2002, Bronze, gussrau, Höhe 70 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Roland Dörfler, Figuren im Blau, 2002, Öl auf Nessel, 170 cm x 150 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Rudolf Haegele, „Torso“, 1964, Mischtechnik, 120 cm x 80 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Max Kaminski, Ubu Roi als Magier, 1990, Öl auf Leinwand, 160 cm x 195 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Roland Dörfler, Verhülltes Paar, 1995, Öl auf Leinwand, 170 cm x 150 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Klaus Hack, Paar, 1990 – 2008, Pappel, schwarz und weiß gefasst, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Werner Liebmann, Apfelbaum, 2023, Öl auf Leinwand, 197 cm x 142 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Rudolf Haegele, Zeugenberg, 1992, Mischtechnik, 131 cm x 97 cm , Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Expressive Figuration, Jürgen Brodwolf, Figurentypologie 2008, umhüllte Tubenfigur um 1980, 40 cm x 30 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Expressive Figuration, Emil Cimiotti, Boris, 1991, Bronze, gussrau, teilweise bemalt, 47 cm x 99 cm x 32 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
DEFINITION EXPRESSIVE FIGURATION
Expressive Figuration (oder expressiver Figurativismus) ist ein Stil der bildenden Kunst, der zwar erkennbare Formen – primär die menschliche Gestalt – darstellt, dabei aber die emotionale und psychologische Ausdruckskraft über die realistische Genauigkeit stellt.
HAUPTMERKMALE
Subjektivität: Das Ziel ist nicht das Abbilden der äußeren Realität, sondern der „inneren Vision“ und des emotionalen Erlebens des Künstlers.
Gestischer Farbauftrag: Charakteristisch sind kräftige, energische Pinselstriche, dicke Farbschichten (Impasto) und sichtbare Spuren des Arbeitsprozesses.
Verzerrung: Um Gefühle wie Angst, Isolation, Ekstase oder Verletzlichkeit zu verdeutlichen, werden Körperproportionen oft deformiert, gedehnt oder farblich verfremdet.
Materialität: Viele Künstler arbeiten mit Schichtungen, Kratztechniken oder unkonventionellen Materialien, um dem Werk eine physische Tiefe und Geschichte zu verleihen.
Wichtige Künstler und Strömungen
CHRONOLOGIE EXPRESSIVE FIGURATION
In der aktuellen Kunstwelt des Jahres 2025 bleibt die expressive Figuration ein zentrales Mittel, um komplexe Themen wie Identität, körperliche Autonomie und die menschliche Psyche in einer zunehmend digitalen Welt zu untersuchen. Sie bildet oft das Bindeglied zwischen klassischer Malerei und abstrakter Kunst.
WEGBEREITER EXPRESSIVE FIGURATION
Die expressive Figuration hat ihre Wurzeln in den bahnbrechenden Entwicklungen der Moderne am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese Künstler lösten sich von der rein realistischen Abbildung und nutzten die menschliche Gestalt als Medium für tiefere emotionale und psychologische Wahrheiten.
Zentrale Wegbereiter der Moderne
Vincent van Gogh (* 30. März 1853 in Groot-Zundert; † 29. Juli 1890 in Auvers-sur-Oise): Er gilt als einer der wichtigsten Vorläufer. Sein pastoser Farbauftrag und der symbolische Einsatz von Farben dienten nicht der Realität, sondern dem Ausdruck von Stimmungen und Gefühlen.
Edvard Munch (* 12. Dezember 1863 in Løten, Hedmark, Norwegen; † 23. Januar 1944 auf Ekely in Oslo): Der norwegische Maler gilt als direkter Vorläufer des Expressionismus. Seine Werke (z. B. Der Schrei) nutzten extreme Verzerrungen der Figur, um existenzielle Ängste und Einsamkeit darzustellen.
James Ensor (* 13. April 1860 in Ostende; † 19. November 1949 ebenda November 1949): Der Belgier beeinflusste die Bewegung durch seine grotesken Masken- und Skelettdarstellungen, mit denen er die Scheinheiligkeit der Gesellschaft entlarvte.
Egon Leo Adolf Ludwig Schiele (* 12. Juni 1890 in Tulln an der Donau, Österreich-Ungarn; † 31. Oktober 1918 in Wien): ist einer der radikalsten Wegbereiter der expressiven Figuration. Seine Bedeutung liegt in der kompromisslosen psychologischen Entblößung des Menschen, die er durch eine völlig neue Formensprache erreichte.
Die klassischen Expressionisten (ca. 1905–1925)
In Deutschland formten zwei Hauptgruppen die expressive Figuration entscheidend:
Die Brücke (Dresden/Berlin): Künstler wie Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff entwickelten einen harten, kantigen Stil mit unnatürlichen Farben und deformierten Akten, um die Entfremdung in der modernen Stadt zu zeigen.
Der Blaue Reiter (München): Während diese Gruppe (z. B. Wassily Kandinsky) stärker zur Abstraktion neigte, hielten Künstler wie Franz Marc an figurativen Elementen (oft Tieren) fest, um eine spirituelle Ebene auszudrücken.
Wiener Moderne: Egon Schiele und Oskar Kokoschka radikalisierten die Figuration durch hager, fast schmerzhaft verzerrte Körperdarstellungen, die das Unbewusste und die Sexualität thematisierten.
Die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
Kunst nach 1945: Die Figuration wurde als Gegenpol zur dominierenden abstrakten Kunst neu definiert
Alberto Giacometti (* 10. Oktober 1901 in Borgonovo, Gemeinde Stampa; † 11. Januar 1966 in Chur: Seine extrem dünnen, in die Länge gezogenen Bronzefiguren symbolisieren die Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz.
Francis Bacon(* 28. Oktober 1909 in Dublin; † 28. April 1992 in Madrid): Er ist die Schlüsselfigur der Nachkriegszeit. Seine isolierten, schreienden und körperlich deformierten Figuren sind der Inbegriff der „Expressiven Figuration“.
Lucian Freud(* 8. Dezember 1922 in Berlin; † 20. Juli 2011 in London): Bekannt für seine ungeschönten, psychologisch dichten Porträts, die die physische Präsenz und Verletzlichkeit des Fleisches betonen.
KÜNSTLER DER ZEITGENÖSSISCHEN EXPRESSIVEN FIGURATION
Roland Dörfler (* 14. Februar 1926 in Silberbach, Tschechoslowakei; † 17. März 2010 in Braunschweig): gilt als einer der bedeutendsten Zeichner und Maler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland, der die expressive Figuration durch eine tiefgehende psychologische und existenzielle Dimension bereicherte.
Rudolf Walter Haegele (* 21. April 1926 in Schömberg bei Rottweil; † 27. Juni 1998 in Remseck): nimmt in der Kunst nach 1945 eine bedeutende Brückenfunktion zwischen der Abstraktion und einer neuen Form der expressiven Figuration ein. Rudolf Haegele gilt als wichtiger Vertreter der sogenannten „Neuen Figuration“. Während viele seiner Zeitgenossen eine strikte Trennung zwischen gegenständlicher und abstrakter Kunst pflegten, integrierte er menschliche Umrisse oder Chiffren in ein Geflecht aus abstrakten Farbschichten. Die Figur wird bei ihm nicht naturalistisch abgebildet, sondern dient als Medium für emotionale und existenzielle Aussagen.
Emil Cimiotti (* 19. August 1927 in Göttingen; † 13. Oktober 2019 in Wolfenbüttel) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer der Nachkriegszeit. Seine Bedeutung für die expressive Figuration liegt vor allem in seinem Beitrag zur „Neuen Figuration“ und der Verbindung von Abstraktion und organischen Formen.
Jürgen Brodwolf (* 1932 in Dübendorf, Schweiz): Nimmt eine Sonderstellung ein, da er die menschliche Gestalt nicht durch klassische Malerei, sondern durch die Entdeckung und Weiterentwicklung eines völlig neuen plastischen Archetyps radikalisierte: der Tubenfigur.
Georg Baselitz (* 23. Januar 1938 in Deutschbaselitz, Sachsen; eigentlicher Name Hans-Georg Kern): Er ist bekannt für seine auf dem Kopf stehenden Figuren
Max Gerd Kaminski (* 9. Mai 1938 in Königsberg, Ostpreußen; † 20. Januar 2019 in Augsburg): ist einer der Wegbereiter und prägenden Köpfe des Neoexpressionismus (auch „Heftige Malerei“ oder „Neue Wilde“).
Werner Liebmann (* 15. März 1951 in Königsthal, Thüringen)
Werner Liebmann (*1951): verknüpft die klassische figürliche Malerei mit einer fast surrealen, oft hintergründig ironischen Erzählweise. Er hat die traditionell in der Kunst erwartete „Erhabenheit“ bewusst durch eine von ihm so genannte „Schrulligkeit“ ersetzt. Dies ermöglicht es ihm, tiefgreifende philosophische Themen mit einem naiven Staunen und aberwitzigen Elementen zu verbinden.
Rüdiger Giebler (* 2. Januar 1958 in Halle (Saale): Dessen Werke sind eine spielerische, ironische, surreale, oft erzählerische Variante der expressiven Figuration mit postmodernen Elementen.
Klaus Hack (* 1966 in Bayreuth): Der Holzbildhauer überführt seine archaische Formensprache in eine monumentale, fast mythologische Dimension. Klaus Hack nimmt in der zeitgenössischen expressiven Figuration eine Ausnahmestellung ein, da er die menschliche Gestalt durch eine archaische, rohe Bearbeitung von Holz in eine monumentale und fast sakrale Dimension überführt. Klaus Hacks Skulpturen wirken damit wie zeitlose Idole oder Wächter. Er nutzt die menschliche Figur um existentielle Urzustände darzustellen. Die Figuren sind keine Abbilder individueller Personen, sondern anthropomorphe Symbole für das Menschsein an sich.
Cecily Brown (*1969 in London, Großbritannien): Ihre Figuren scheinen sich oft in einem Wirbel aus abstrakten, gestischen Pinselstrichen aufzulösen.
Jenny Savillee (* 7. Mai 1970 in Cambridge, England): Berühmt für monumentale Gemälde, die die Fleischlichkeit und Masse des menschlichen Körpers betonen.
Adrian Ghenie (*1977 in Baia Mare, Rumänien): Nutzt Texturen und Verzerrungen, um historische Themen und persönliche Erinnerungen zu verschmelzen.
HAUPTWERKE EXPRESSIVE FIGURATION
Hauptwerke der expressiven Figuration zeichnen sich dadurch aus, dass sie die menschliche Gestalt deformieren, farblich verfremden oder gestisch aufladen, um existenzielle und psychologische Zustände sichtbar zu machen.
Frühe Meilensteine (Vorläufer & Klassischer Expressionismus)
Vincent van Gogh: Selbstbildnis – Psychologischer Ausdruck durch Farbe
Edvard Munch: Der Schrei (1893) – Das ikonischste Beispiel für die Nutzung der menschlichen Figur zur Darstellung von Angst und innerem Aufruhr.
Pablo Picasso: Les Demoiselles d’Avignon (1907) – Bruch mit der klassischen Proportion
Ernst Ludwig Kirchner: Selbstbildnis als Soldat (1915) – Ein Hauptwerk der Gruppe Die Brücke, das durch scharfe Linien und verzerrte Proportionen die psychische Versehrtheit des Künstlers thematisiert.
Egon Schiele: Sitzender Mann am Rücken gesehen (1910) – Schieles hagerer, nervöser Strich radikalisierte die Darstellung von Körperlichkeit und Identität.
Klassiker der Nachkriegszeit (London School & Existenzialismus)
Francis Bacon: Three Studies for Figures at the Base of a Crucifixion (1944) – Ein Schlüsselwerk, das die menschliche Form in hybride, schreiende Kreaturen auflöst.
Lucian Freud: Benefits Supervisor Sleeping (1995) – Bekannt für die schonungslose, „fleischliche“ Darstellung des Körpers, die über puren Realismus hinausgeht.
Alberto Giacometti: L’Homme qui marche I (1960) – Diese extrem dünnen Bronzeskulpturen gelten als Sinnbild für die Einsamkeit und Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz.
Zeitgenössische Hauptwerke (ab ca. 1990)
Jean-Michel Basquiat: Dusthead (1982) Neo-Expressionismus und rohe Energie
Jenny Saville: Strategy (South Face/Front Face/North Face) (1994) – Monumentale Darstellungen von Fleisch und Körpermasse, die die Tradition der Figuration mit moderner Wucht neu beleben.
Georg Baselitz: Der Paukenschläger (1988) – Durch die Umkehrung der Motive (auf dem Kopf stehend) betont Baselitz die malerische Geste gegenüber dem dargestellten Inhalt.
Adrian Ghenie: The Pie Fight Interior (2012) – Ghenie nutzt verschmierte, teils zerstörte Gesichter, um historische Traumata expressiv zu verarbeiten.
Dana Schutz: Speech (2017) – Ein Beispiel für die lebendige, oft groteske zeitgenössische Fortführung der expressiven Figuration.
ZITATE EXPRESSIVE FIGURATION
„Ich möchte die Realität nicht reproduzieren; ich möchte eine Realität schaffen, die eine Verzerrung der Realität ist, um sie in der Aufzeichnung wieder näher an die Realität heranzuführen.“ | Francis Bacon (Der Meister der Deformation)
„Wenn man die Deformation der Form betrachtet, so geschieht dies, um die Form direkter auf das Nervensystem zu übertragen.“ | Francis Bacon
„Ich versuche nicht, einen Menschen zu machen, sondern einen Schatten davon.“ | Alberto Giacometti (Existenzialismus in der Form)
„Die Figur wird nur dann lebendig, wenn man aufhört, sie als ein Objekt der Natur zu betrachten und beginnt, sie als ein Objekt der Empfindung zu sehen.“ | Alberto Giacometti
„Das Kunstwerk ist ein Gegenstand, kein Abbild. Die Figur ist nur eine Ausrede für die Malerei.“ | Georg Baselitz (Über die Befreiung der Figur)
„Alles ist lebend tot.“ (Über die Intensität seiner hageren, nervösen Linienführung, die das Innere nach außen kehrte). | Egon Schiele (Psychologie des Körpers)
„Ich male Körper, nicht weil sie schön sind, sondern weil sie so viel Geschichte in sich tragen. Das Fleisch ist die visuelle Aufzeichnung unseres Lebens.“ | Jenny Saville (Über die Materialität des Körpers)
„Ich suche aus der gegebenen Gegenwart die Brücke zum Unsichtbaren.“ | Max Beckmann (Deutscher Expressionismus)
STICHWORTE EXPRESSIVE FIGURATION
Grenzen zwischen Körperlichkeit und abstrakter Geste werden verwischt, Spannungsfeld zwischen menschlicher Form und emotionalem Ausdruck, es geht nicht um das Hübsche oder Korrekte, sondern darum, durch Verzerrung eine tiefere, oft schmerzhafte Wahrheit über die menschliche Existenz zu transportieren, Deformation, Distorsion: Gezielte Verzerrung der Anatomie zur Steigerung des Ausdrucks, Gestischer Farbauftrag, Sichtbare, energische Pinselstriche oder Spachtelspuren, Impasto: Dicker, reliefartiger Farbauftrag, der die Körperlichkeit betont, Nicht-naturalistische Farbe: Einsatz von Farben nach emotionalem Wert statt realistischem Abbild, Fragmentierung: Auflösung des Körpers in Flächen oder Linien, Materialität: Fokus auf die Beschaffenheit von Farbe und Leinwand, das „Fleisch“ der Malerei