GCB Kunstlexikon
FRAUENPORTRÄTS
KUNSTWERKE FRAUENPORTRÄTS

Stefan Schiek, o.T. #2, 2024, Glanzlack auf Aluminium, 66 cm x 54 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Laura Eckert, NN44, 2023, Kirsche, Efeu, Pigment, Schellack, 42 cm x 25 cm x 26 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Stefan Schiek, o.T. #5, 2025, Glanzlack auf Aluminium, 60 cm x 49 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Stefanie Ehrenfried, Die Starke, 2014 – 2015, Schafwolle, nagelgefilzt, 104 cm x 91 cm x 76 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Stefan Schiek, o.T. #4, 2025, Glanzlack auf Aluminium, 66 cm x 54 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Stefan Schiek, o.T. #1, 2024, Glanzlack auf Aluminium, 66 cm x 54 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
VIDEOS FRAUENPORTRÄTS
DEFINITION FRAUENPORTRÄTS
Frauenporträts werden in der Kunst und Fotografie genutzt, um Identität, Emotionen und gesellschaftliche Rollen darzustellen. Die Bandbreite reicht von historischen Werken bis hin zu modernen fotografischen Inszenierungen. Die Porträtmalerei diente historisch oft der Erinnerung oder der Statusrepräsentation. B
CHRONOLOGIE FRAUENPORTRÄTS
Die Darstellung von Frauen in der Kunst hat sich über Jahrtausende von symbolischen Fruchtbarkeitsidolen hin zu komplexen psychologischen Porträts entwickelt. Hier ist eine chronologische Übersicht:
Prähistorie bis Antike
Steinzeit (ca. 25.000 v. Chr.): Früheste Darstellungen wie die Venus von Willendorf zeigen keine Individuen, sondern übersteigerte weibliche Merkmale als Symbole für Fruchtbarkeit.
Antike (Ägypten, Griechenland, Rom): Porträts dienten religiösen oder herrschaftlichen Zwecken. Während die Fayum-Mumienporträts (1.–3. Jh. n. Chr.) erste individuelle Züge zeigten, wurden Frauen in der römischen Bildhauerei oft idealisiert in ihrer Blütezeit dargestellt.
Renaissance und Barock (15.–17. Jahrhundert)
15. Jahrhundert (Quattrocento): In Italien wurden Frauen oft im Profil dargestellt, um Bescheidenheit auszudrücken und den Blickkontakt mit dem (männlichen) Betrachter zu vermeiden.
16. Jahrhundert: Leonardo da Vinci brach mit der Mona Lisa (1503–1506) Konventionen durch den direkten Blick und das psychologische Lächeln.
17. Jahrhundert (Barock): Künstlerinnen wie Artemisia Gentileschi begannen, sich selbst und biblische Frauenfiguren mit ungewöhnlicher Stärke und Emotionalität darzustellen.
Aufklärung bis Realismus (18.–19. Jahrhundert)
18. Jahrhundert: Professionelle Porträtmalerinnen wie Élisabeth Vigée-Lebrun erlangten Ruhm am französischen Hof. Sie verbanden Eleganz mit einer neuen, selbstbewussten Darstellung der Frau als Künstlerin.
19. Jahrhundert: Die Erfindung der Fotografie revolutionierte das Genre. Julia Margaret Cameron nutzte das neue Medium für künstlerisch-evokative Frauenporträts. In der Malerei schockierte Edouard Manets Olympia (1863) durch den direkten, herausfordernden Blick einer Prostituierten.
Moderne und Gegenwart (20. Jahrhundert bis heute)
Frühes 20. Jahrhundert: Der Jugendstil (Klimt) idealisierte Frauen in ornamentaler Pracht. Die 1920er Jahre brachten das Bild der emanzipierten Frau mit Bubikopf und selbstsicherer Pose hervor.
Mitte bis Ende 20. Jahrhundert: Frida Kahlo nutzte das Selbstporträt zur radikalen Darstellung von Schmerz und Identität. In der Fotografie rückten Künstler wie Richard Avedon die ungeschönte psychologische Wahrheit in den Fokus.
21. Jahrhundert (Gegenwart): Das Porträt dient heute verstärkt der Dekonstruktion von Genderrollen und der Erforschung diverser Identitäten.
WEGBEREITER FRAUENPORTRÄTS
Wegbereiter für Frauenporträts waren Künstler und Fotografen, die gesellschaftliche Konventionen durchbrachen, um Frauen jenseits rein dekorativer Rollen darzustellen. Besonders bedeutsam waren dabei Künstlerinnen, die den männlichen Blick (male gaze) durch eine eigene Perspektive ersetzten.
Leonardo da Vinci (1452–1625): Sein Porträt der Mona Lisa etablierte das psychologische Porträt durch den Fokus auf das rätselhafte Wesen der Dargestellten.
Sofonisba Anguissola (1532–1625): Als eine der ersten international erfolgreichen Malerinnen der Renaissance schuf sie informelle, lebendige Porträts, die den Charakter und nicht nur den Status betonten.
Artemisia Gentileschi (1593–1653): Sie gilt als Wegbereiterin für die Darstellung starker, oft leidender oder triumphierender Frauen mit dramatischer emotionaler Tiefe.
Élisabeth Vigée-Lebrun (1755–1842): Als Hofmalerin von Marie-Antoinette prägte sie ein neues Bild der Natürlichkeit und der mütterlichen Zuneigung in der aristokratischen Porträtkunst.
Édouard Manet (1832–1883): Mit Werken wie Olympia provozierte er einen Bruch mit der idealisierten Darstellung und zeigte Frauen als Akteurinnen mit eigenem, oft konfrontierendem Blick.
Mary Cassatt (1844–1926): Die Impressionistin fokussierte sich auf das private, intime Leben von Frauen und Kindern und stellte traditionelle Weiblichkeitsideale durch ehrliche Darstellungen infrage.
Frida Kahlo (1907–1954): Mit ihren radikalen Selbstporträts brach sie Tabus und thematisierte weibliche Schmerzen, Identität und Körperlichkeit auf eine bis dahin unbekannte Weise.
Pioniere der Fotografie
Julia Margaret Cameron (1815–1879): Sie gilt als Pionierin der künstlerischen Porträtfotografie, die durch bewusste Unschärfe die spirituelle und emotionale Tiefe ihrer (oft weiblichen) Modelle einfing.
Dorothea Lange (1895–1965): Mit Werken wie Migrant Mother schuf sie ikonische Dokumentarporträts, die die soziale Realität und Resilienz von Frauen während der Weltwirtschaftskrise zeigen.
Gisèle Freund (1908–2000): Als Wegbereiterin des Fotojournalismus porträtierte sie intellektuelle Frauen ihrer Zeit und hielt deren Persönlichkeit in authentischen Arbeitsumgebungen fest.
Annie Leibovitz (1949): Sie modernisierte das Frauenporträt durch aufwendige Inszenierungen in der Popkultur und Mode, die Stärke und Individualität betonen.
ZEITGENÖSSISCHE KÜNSTERINNEN UND KÜNSTLER FRAUENPORTRÄTS
In der zeitgenössischen Kunst des Jahres 2026 wird das Frauenporträt genutzt, um komplexe Themen wie Identität, Diversität, den Einfluss digitaler Medien und soziale Gerechtigkeit zu untersuchen.
Hier sind einige der einflussreichsten Künstlerinnen und Künstler, die das Genre aktuell prägen:
Marlene Dumas (Malerei) gilt als eine der bedeutendsten Malerinnen der Gegenwart. Ihre Porträts wirken oft geisterhaft oder entstellt; sie thematisiert damit das Verhältnis von Körperlichkeit, Erotik und Tod sowie die psychologischen Abgründe hinter der Oberfläche.
Laura Eckert (* 1983): In den Frauenporträts der Leipziger Bildhauerin verschmelzen handwerkliche Rohheit und psychologische Tiefe zu einer zeitgenössischen Form der anthropologischen Studie.
Simone Haack (* 1978) ist eine zeitgenössische Berliner Malerin, die als zentrale Vertreterin eines „Neuen Magischen Realismus“ gilt. Ihre Frauenporträts und Figurenbilder zeichnen sich durch eine psychologisch dichte, oft melancholische oder unheimliche Atmosphäre aus.
Alex Katz (*1927): Der US-amerikanische Maler ist weltberühmt für seine großformatigen, hochstilisierten Frauenporträts, die eine Brücke zwischen dem Realismus und der Pop-Art schlagen.
Peter Köinig (*1953 in Nürnberg): Die Frauenbildnisse von Peter König zeichnen sich durch eine technische Meisterschaft in der Zeichnung und eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz aus. Sie fungieren als Resonanzräume für innere Zustände und die conditio humana.
Zanele Muholi (Fotografie) bezeichnet sich selbst als „visuelle Aktivistin“. Ihre eindringlichen Schwarz-Weiß-Selbstporträts und Porträts der LGBTQ+-Community in Südafrika setzen ein starkes Zeichen gegen Diskriminierung und für die Sichtbarkeit schwarzer queerer Identitäten.
Shirin Neshat (Fotografie & Film): Die iranische Künstlerin beschäftigt sich in ihren Porträts intensiv mit der Rolle der Frau im Islam und dem Kontrast zwischen westlicher und östlicher Kultur. Ihre Werke, oft kombiniert mit kalligrafischen Texten auf der Haut der Fotografierten, sind hochpolitisch und emotional aufgeladen.
Gerhard Richter (* 1932) gilt als einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart. Seine Frauenporträts sind weltberühmt für ihre technische Perfektion und die charakteristische Unschärfe, die eine Distanz zwischen Betrachter und Motiv schafft.
Jenny Saville (Malerei) ist bekannt für ihre großformatigen, fleischlichen Darstellungen des weiblichen Körpers. Sie bricht radikal mit klassischen Schönheitsidealen und zeigt Haut, Fett und Körperstrukturen in einer fast skulpturalen Weise, die die physische Präsenz der Frau betont.
Amy Sherald (Malerei)wurde bekannt durch ihr Porträt von Michelle Obama. Sie stellt Afroamerikanerinnen in alltäglichen, aber monumentalen Posen dar. Ihr charakteristischer Einsatz von Grisaille (Grautönen) für die Hautfarben lenkt den Fokus auf die Individualität und die innere Welt der Porträtierten.
Cindy Sherman (Fotografie) bleibt eine Schlüsselfigur der Porträtfotografie. In ihren neuesten Arbeiten nutzt sie oft extreme digitale Bearbeitung und Social-Media-Filter, um die Künstlichkeit moderner weiblicher Identitätskonstruktionen zu demaskieren. Sie ist gleichzeitig Modell, Stylistin und Fotografin ihrer Porträts.
Miriam Vlaming (* 1971): Die Berliner Malerin Miriam ist die bedeutendste Vertreterin der Neuen Leipziger Schule und bekannt für ihre großformatigen, atmosphärisch dichten Frauenporträts, die komplexe Untersuchungen über die Symbiose von Mensch, Natur und Mythos beinhalten.
Kehinde Wiley (Malerei): Obwohl Wiley für Porträts schwarzer Männer berühmt wurde, umfasst sein Werk 2026 auch bedeutende Frauenporträts. Er stellt zeitgenössische Frauen in heroischen Posen der klassischen europäischen Kunstgeschichte dar, oft vor üppigen, floralen Hintergründen, um Machtverhältnisse in der Kunst zu hinterfragen.
HAUPTWERKE FRAUENPORTRÄTS
In der Kunstgeschichte gibt es Schlüsselwerke, die das Frauenporträt revolutioniert haben.
Klassische Ikonen (Meilensteine)
Leonardo da Vinci: Mona Lisa (1503–1506): Das wohl berühmteste Frauenporträt der Welt. Es etablierte den psychologischen Fokus und die Technik des Sfumato (weiche Übergänge). Zu sehen im Louvre, Paris.
Johannes Vermeer: Das Mädchen mit dem Perlenohrring (um 1665): Ein „Tronie“, das weniger ein Individuum als vielmehr einen idealisierten Ausdruck und den meisterhaften Umgang mit Licht zeigt. Beheimatet im Mauritshuis, Den Haag.
Gustav Klimt: Adele Bloch-Bauer I (1907): Auch als „Goldene Adele“ bekannt. Ein Hauptwerk des Jugendstils, das die Porträtierte in ein Meer aus Ornamenten und Gold einbettet. Zu sehen in der Neue Galerie, New York.
Wegweisende Werke der Moderne
Frida Kahlo: Die zwei Fridas (1939): Ein Doppel-Selbstbildnis, das ihre Zerrissenheit zwischen europäischer und mexikanischer Identität sowie ihren körperlichen Schmerz radikal thematisiert.
Cindy Sherman: Untitled Film Stills (1977–1980): Eine Fotoserie, in der die Künstlerin selbst in verschiedene weibliche Klischeerollen schlüpft. Dieses Werk dekonstruiert den „männlichen Blick“ und die Konstruktion von Identität.
Gerhard Richter: Betty (1988): Das Porträt seiner Tochter, die sich vom Betrachter abwendet. Es gilt als eines der wichtigsten Werke der zeitgenössischen Malerei und thematisiert die Grenzen der Abbildbarkeit. Zu sehen im Saint Louis Art Museum.
Zeitgenössische Hauptwerke
Amy Sherald: First Lady Michelle Obama (2018): Ein monumentales Werk, das durch seinen Fokus auf Individualität statt auf Machtsymbole die moderne Porträtkunst prägt. Original in der National Portrait Gallery, Washington D.C.
Alex Katz: Ada (Serien seit 1957): Die über 250 Porträts seiner Frau Ada gelten als ein zusammenhängendes Hauptwerk der Pop-Art-Ästhetik. Im Jahr 2026 steht sein Spätwerk besonders im Fokus der Kunsthalle Tübingen.
Miriam Vlaming: All Woman in One: Ein Schlüsselwerk ihrer Eitempera-Malerei, das die universelle weibliche Identität durch Schichtung und Mythos erforscht.
Stefanie Ehrenfried: Starke: Ihre großformatige Filz-Plastik gilt als eines ihrer Hauptwerke, da sie die physische Präsenz und psychologische Kraft der Frau in einem ungewöhnlichen Material materialisiert.
ZITATE FRAUENPORTRÄTS
„Ich male keine Frauen; ich male Bilder.“ | Willem de Kooning (Betont die Abstraktion und die Loslösung von der rein dekorativen Darstellung).
„Ein Porträt ist nicht die Ähnlichkeit. In dem Moment, in dem eine Emotion oder eine Tatsache in ein Foto übertragen wird, ist es kein Fakt mehr, sondern eine Meinung.“ | Richard Avedon (Über die psychologische Interpretation in der Porträtfotografie).
„Ich bin mein eigenes Modell. Ich bin das Motiv, das ich am besten kenne und das ich verbessern möchte.“ | Frida Kahlo (Über die emanzipatorische Kraft des Selbstporträts).
„Die Geschichte der Frau in der Kunst ist meist die Geschichte des Objekts des männlichen Blicks. Das Porträt der Zukunft muss das Subjekt ihrer eigenen Erzählung sein.“ | Sinngemäß nach Laura Mulvey (Theoretikerin des „Male Gaze“).
„Frauen werden angeschaut. Männer handeln.“ | John Berger (Aus seinem Standardwerk Sehen, über die traditionelle Passivität von Frauen in klassischen Porträts).
„Ich wollte die ‚Coolness‘ der Modefotografie in die Malerei übertragen, um eine Distanz zu schaffen, die den Betrachter erst recht anzieht.“ | Alex Katz
„Haare sind wie eine Antenne, sie verbinden das Innere mit der Außenwelt. In meinen Porträts sind sie oft das eigentliche Gesicht.“ | Simone Haack (Über die psychologische Symbolik in ihren Werken).
„Meine Bilder sind wie Häute. Man muss sie abtragen, um zum Kern des Wesens vorzudringen.“ | Miriam Vlaming (Über die Schichtung in ihren Eitempera-Porträts).
„Ich werde nicht ruhen, bis ich ein Bild gemalt habe, das so wahr ist wie die Natur selbst, aber so tief wie eine Seele.“ | Elisabeth Vigée-Lebrun (Pionierin des Frauenporträts im 18. Jahrhundert).
BIBLIOGRAPHIE FRAUENPORTRÄTS
Frau im Bild – Inszenierte Weiblichkeit in der Sammlung Würth
Herausgeberin: C. Sylvia Weber
Verlag: Swiridoff Verlag, Künzelsau
Erscheinungsjahr: 2002
ISBN: 978-3934350687
FRAUENPORTRÄTS
KUNSTWERKE FRAUENPORTRÄTS

Stefan Schiek, o.T. #2, 2024, Glanzlack auf Aluminium, 66 cm x 54 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Laura Eckert, NN44, 2023, Kirsche, Efeu, Pigment, Schellack, 42 cm x 25 cm x 26 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Stefan Schiek, o.T. #5, 2025, Glanzlack auf Aluminium, 60 cm x 49 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Stefanie Ehrenfried, Die Starke, 2014 – 2015, Schafwolle, nagelgefilzt, 104 cm x 91 cm x 76 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Stefan Schiek, o.T. #4, 2025, Glanzlack auf Aluminium, 66 cm x 54 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Stefan Schiek, o.T. #1, 2024, Glanzlack auf Aluminium, 66 cm x 54 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
VIDEOS FRAUENPORTRÄTS
DEFINITION FRAUENPORTRÄTS
Frauenporträts werden in der Kunst und Fotografie genutzt, um Identität, Emotionen und gesellschaftliche Rollen darzustellen. Die Bandbreite reicht von historischen Werken bis hin zu modernen fotografischen Inszenierungen. Die Porträtmalerei diente historisch oft der Erinnerung oder der Statusrepräsentation. B
CHRONOLOGIE FRAUENPORTRÄTS
Die Darstellung von Frauen in der Kunst hat sich über Jahrtausende von symbolischen Fruchtbarkeitsidolen hin zu komplexen psychologischen Porträts entwickelt. Hier ist eine chronologische Übersicht:
Prähistorie bis Antike
Steinzeit (ca. 25.000 v. Chr.): Früheste Darstellungen wie die Venus von Willendorf zeigen keine Individuen, sondern übersteigerte weibliche Merkmale als Symbole für Fruchtbarkeit.
Antike (Ägypten, Griechenland, Rom): Porträts dienten religiösen oder herrschaftlichen Zwecken. Während die Fayum-Mumienporträts (1.–3. Jh. n. Chr.) erste individuelle Züge zeigten, wurden Frauen in der römischen Bildhauerei oft idealisiert in ihrer Blütezeit dargestellt.
Renaissance und Barock (15.–17. Jahrhundert)
15. Jahrhundert (Quattrocento): In Italien wurden Frauen oft im Profil dargestellt, um Bescheidenheit auszudrücken und den Blickkontakt mit dem (männlichen) Betrachter zu vermeiden.
16. Jahrhundert: Leonardo da Vinci brach mit der Mona Lisa (1503–1506) Konventionen durch den direkten Blick und das psychologische Lächeln.
17. Jahrhundert (Barock): Künstlerinnen wie Artemisia Gentileschi begannen, sich selbst und biblische Frauenfiguren mit ungewöhnlicher Stärke und Emotionalität darzustellen.
Aufklärung bis Realismus (18.–19. Jahrhundert)
18. Jahrhundert: Professionelle Porträtmalerinnen wie Élisabeth Vigée-Lebrun erlangten Ruhm am französischen Hof. Sie verbanden Eleganz mit einer neuen, selbstbewussten Darstellung der Frau als Künstlerin.
19. Jahrhundert: Die Erfindung der Fotografie revolutionierte das Genre. Julia Margaret Cameron nutzte das neue Medium für künstlerisch-evokative Frauenporträts. In der Malerei schockierte Edouard Manets Olympia (1863) durch den direkten, herausfordernden Blick einer Prostituierten.
Moderne und Gegenwart (20. Jahrhundert bis heute)
Frühes 20. Jahrhundert: Der Jugendstil (Klimt) idealisierte Frauen in ornamentaler Pracht. Die 1920er Jahre brachten das Bild der emanzipierten Frau mit Bubikopf und selbstsicherer Pose hervor.
Mitte bis Ende 20. Jahrhundert: Frida Kahlo nutzte das Selbstporträt zur radikalen Darstellung von Schmerz und Identität. In der Fotografie rückten Künstler wie Richard Avedon die ungeschönte psychologische Wahrheit in den Fokus.
21. Jahrhundert (Gegenwart): Das Porträt dient heute verstärkt der Dekonstruktion von Genderrollen und der Erforschung diverser Identitäten.
WEGBEREITER FRAUENPORTRÄTS
Wegbereiter für Frauenporträts waren Künstler und Fotografen, die gesellschaftliche Konventionen durchbrachen, um Frauen jenseits rein dekorativer Rollen darzustellen. Besonders bedeutsam waren dabei Künstlerinnen, die den männlichen Blick (male gaze) durch eine eigene Perspektive ersetzten.
Leonardo da Vinci (1452–1625): Sein Porträt der Mona Lisa etablierte das psychologische Porträt durch den Fokus auf das rätselhafte Wesen der Dargestellten.
Sofonisba Anguissola (1532–1625): Als eine der ersten international erfolgreichen Malerinnen der Renaissance schuf sie informelle, lebendige Porträts, die den Charakter und nicht nur den Status betonten.
Artemisia Gentileschi (1593–1653): Sie gilt als Wegbereiterin für die Darstellung starker, oft leidender oder triumphierender Frauen mit dramatischer emotionaler Tiefe.
Élisabeth Vigée-Lebrun (1755–1842): Als Hofmalerin von Marie-Antoinette prägte sie ein neues Bild der Natürlichkeit und der mütterlichen Zuneigung in der aristokratischen Porträtkunst.
Édouard Manet (1832–1883): Mit Werken wie Olympia provozierte er einen Bruch mit der idealisierten Darstellung und zeigte Frauen als Akteurinnen mit eigenem, oft konfrontierendem Blick.
Mary Cassatt (1844–1926): Die Impressionistin fokussierte sich auf das private, intime Leben von Frauen und Kindern und stellte traditionelle Weiblichkeitsideale durch ehrliche Darstellungen infrage.
Frida Kahlo (1907–1954): Mit ihren radikalen Selbstporträts brach sie Tabus und thematisierte weibliche Schmerzen, Identität und Körperlichkeit auf eine bis dahin unbekannte Weise.
Pioniere der Fotografie
Julia Margaret Cameron (1815–1879): Sie gilt als Pionierin der künstlerischen Porträtfotografie, die durch bewusste Unschärfe die spirituelle und emotionale Tiefe ihrer (oft weiblichen) Modelle einfing.
Dorothea Lange (1895–1965): Mit Werken wie Migrant Mother schuf sie ikonische Dokumentarporträts, die die soziale Realität und Resilienz von Frauen während der Weltwirtschaftskrise zeigen.
Gisèle Freund (1908–2000): Als Wegbereiterin des Fotojournalismus porträtierte sie intellektuelle Frauen ihrer Zeit und hielt deren Persönlichkeit in authentischen Arbeitsumgebungen fest.
Annie Leibovitz (1949): Sie modernisierte das Frauenporträt durch aufwendige Inszenierungen in der Popkultur und Mode, die Stärke und Individualität betonen.
ZEITGENÖSSISCHE KÜNSTERINNEN UND KÜNSTLER FRAUENPORTRÄTS
In der zeitgenössischen Kunst des Jahres 2026 wird das Frauenporträt genutzt, um komplexe Themen wie Identität, Diversität, den Einfluss digitaler Medien und soziale Gerechtigkeit zu untersuchen.
Hier sind einige der einflussreichsten Künstlerinnen und Künstler, die das Genre aktuell prägen:
Marlene Dumas (Malerei) gilt als eine der bedeutendsten Malerinnen der Gegenwart. Ihre Porträts wirken oft geisterhaft oder entstellt; sie thematisiert damit das Verhältnis von Körperlichkeit, Erotik und Tod sowie die psychologischen Abgründe hinter der Oberfläche.
Laura Eckert (* 1983): In den Frauenporträts der Leipziger Bildhauerin verschmelzen handwerkliche Rohheit und psychologische Tiefe zu einer zeitgenössischen Form der anthropologischen Studie.
Simone Haack (* 1978) ist eine zeitgenössische Berliner Malerin, die als zentrale Vertreterin eines „Neuen Magischen Realismus“ gilt. Ihre Frauenporträts und Figurenbilder zeichnen sich durch eine psychologisch dichte, oft melancholische oder unheimliche Atmosphäre aus.
Alex Katz (*1927): Der US-amerikanische Maler ist weltberühmt für seine großformatigen, hochstilisierten Frauenporträts, die eine Brücke zwischen dem Realismus und der Pop-Art schlagen.
Peter Köinig (*1953 in Nürnberg): Die Frauenbildnisse von Peter König zeichnen sich durch eine technische Meisterschaft in der Zeichnung und eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz aus. Sie fungieren als Resonanzräume für innere Zustände und die conditio humana.
Zanele Muholi (Fotografie) bezeichnet sich selbst als „visuelle Aktivistin“. Ihre eindringlichen Schwarz-Weiß-Selbstporträts und Porträts der LGBTQ+-Community in Südafrika setzen ein starkes Zeichen gegen Diskriminierung und für die Sichtbarkeit schwarzer queerer Identitäten.
Shirin Neshat (Fotografie & Film): Die iranische Künstlerin beschäftigt sich in ihren Porträts intensiv mit der Rolle der Frau im Islam und dem Kontrast zwischen westlicher und östlicher Kultur. Ihre Werke, oft kombiniert mit kalligrafischen Texten auf der Haut der Fotografierten, sind hochpolitisch und emotional aufgeladen.
Gerhard Richter (* 1932) gilt als einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart. Seine Frauenporträts sind weltberühmt für ihre technische Perfektion und die charakteristische Unschärfe, die eine Distanz zwischen Betrachter und Motiv schafft.
Jenny Saville (Malerei) ist bekannt für ihre großformatigen, fleischlichen Darstellungen des weiblichen Körpers. Sie bricht radikal mit klassischen Schönheitsidealen und zeigt Haut, Fett und Körperstrukturen in einer fast skulpturalen Weise, die die physische Präsenz der Frau betont.
Amy Sherald (Malerei)wurde bekannt durch ihr Porträt von Michelle Obama. Sie stellt Afroamerikanerinnen in alltäglichen, aber monumentalen Posen dar. Ihr charakteristischer Einsatz von Grisaille (Grautönen) für die Hautfarben lenkt den Fokus auf die Individualität und die innere Welt der Porträtierten.
Cindy Sherman (Fotografie) bleibt eine Schlüsselfigur der Porträtfotografie. In ihren neuesten Arbeiten nutzt sie oft extreme digitale Bearbeitung und Social-Media-Filter, um die Künstlichkeit moderner weiblicher Identitätskonstruktionen zu demaskieren. Sie ist gleichzeitig Modell, Stylistin und Fotografin ihrer Porträts.
Miriam Vlaming (* 1971): Die Berliner Malerin Miriam ist die bedeutendste Vertreterin der Neuen Leipziger Schule und bekannt für ihre großformatigen, atmosphärisch dichten Frauenporträts, die komplexe Untersuchungen über die Symbiose von Mensch, Natur und Mythos beinhalten.
Kehinde Wiley (Malerei): Obwohl Wiley für Porträts schwarzer Männer berühmt wurde, umfasst sein Werk 2026 auch bedeutende Frauenporträts. Er stellt zeitgenössische Frauen in heroischen Posen der klassischen europäischen Kunstgeschichte dar, oft vor üppigen, floralen Hintergründen, um Machtverhältnisse in der Kunst zu hinterfragen.
HAUPTWERKE FRAUENPORTRÄTS
In der Kunstgeschichte gibt es Schlüsselwerke, die das Frauenporträt revolutioniert haben.
Klassische Ikonen (Meilensteine)
Leonardo da Vinci: Mona Lisa (1503–1506): Das wohl berühmteste Frauenporträt der Welt. Es etablierte den psychologischen Fokus und die Technik des Sfumato (weiche Übergänge). Zu sehen im Louvre, Paris.
Johannes Vermeer: Das Mädchen mit dem Perlenohrring (um 1665): Ein „Tronie“, das weniger ein Individuum als vielmehr einen idealisierten Ausdruck und den meisterhaften Umgang mit Licht zeigt. Beheimatet im Mauritshuis, Den Haag.
Gustav Klimt: Adele Bloch-Bauer I (1907): Auch als „Goldene Adele“ bekannt. Ein Hauptwerk des Jugendstils, das die Porträtierte in ein Meer aus Ornamenten und Gold einbettet. Zu sehen in der Neue Galerie, New York.
Wegweisende Werke der Moderne
Frida Kahlo: Die zwei Fridas (1939): Ein Doppel-Selbstbildnis, das ihre Zerrissenheit zwischen europäischer und mexikanischer Identität sowie ihren körperlichen Schmerz radikal thematisiert.
Cindy Sherman: Untitled Film Stills (1977–1980): Eine Fotoserie, in der die Künstlerin selbst in verschiedene weibliche Klischeerollen schlüpft. Dieses Werk dekonstruiert den „männlichen Blick“ und die Konstruktion von Identität.
Gerhard Richter: Betty (1988): Das Porträt seiner Tochter, die sich vom Betrachter abwendet. Es gilt als eines der wichtigsten Werke der zeitgenössischen Malerei und thematisiert die Grenzen der Abbildbarkeit. Zu sehen im Saint Louis Art Museum.
Zeitgenössische Hauptwerke
Amy Sherald: First Lady Michelle Obama (2018): Ein monumentales Werk, das durch seinen Fokus auf Individualität statt auf Machtsymbole die moderne Porträtkunst prägt. Original in der National Portrait Gallery, Washington D.C.
Alex Katz: Ada (Serien seit 1957): Die über 250 Porträts seiner Frau Ada gelten als ein zusammenhängendes Hauptwerk der Pop-Art-Ästhetik. Im Jahr 2026 steht sein Spätwerk besonders im Fokus der Kunsthalle Tübingen.
Miriam Vlaming: All Woman in One: Ein Schlüsselwerk ihrer Eitempera-Malerei, das die universelle weibliche Identität durch Schichtung und Mythos erforscht.
Stefanie Ehrenfried: Starke: Ihre großformatige Filz-Plastik gilt als eines ihrer Hauptwerke, da sie die physische Präsenz und psychologische Kraft der Frau in einem ungewöhnlichen Material materialisiert.
ZITATE FRAUENPORTRÄTS
„Ich male keine Frauen; ich male Bilder.“ | Willem de Kooning (Betont die Abstraktion und die Loslösung von der rein dekorativen Darstellung).
„Ein Porträt ist nicht die Ähnlichkeit. In dem Moment, in dem eine Emotion oder eine Tatsache in ein Foto übertragen wird, ist es kein Fakt mehr, sondern eine Meinung.“ | Richard Avedon (Über die psychologische Interpretation in der Porträtfotografie).
„Ich bin mein eigenes Modell. Ich bin das Motiv, das ich am besten kenne und das ich verbessern möchte.“ | Frida Kahlo (Über die emanzipatorische Kraft des Selbstporträts).
„Die Geschichte der Frau in der Kunst ist meist die Geschichte des Objekts des männlichen Blicks. Das Porträt der Zukunft muss das Subjekt ihrer eigenen Erzählung sein.“ | Sinngemäß nach Laura Mulvey (Theoretikerin des „Male Gaze“).
„Frauen werden angeschaut. Männer handeln.“ | John Berger (Aus seinem Standardwerk Sehen, über die traditionelle Passivität von Frauen in klassischen Porträts).
„Ich wollte die ‚Coolness‘ der Modefotografie in die Malerei übertragen, um eine Distanz zu schaffen, die den Betrachter erst recht anzieht.“ | Alex Katz
„Haare sind wie eine Antenne, sie verbinden das Innere mit der Außenwelt. In meinen Porträts sind sie oft das eigentliche Gesicht.“ | Simone Haack (Über die psychologische Symbolik in ihren Werken).
„Meine Bilder sind wie Häute. Man muss sie abtragen, um zum Kern des Wesens vorzudringen.“ | Miriam Vlaming (Über die Schichtung in ihren Eitempera-Porträts).
„Ich werde nicht ruhen, bis ich ein Bild gemalt habe, das so wahr ist wie die Natur selbst, aber so tief wie eine Seele.“ | Elisabeth Vigée-Lebrun (Pionierin des Frauenporträts im 18. Jahrhundert).
BIBLIOGRAPHIE FRAUENPORTRÄTS
Frau im Bild – Inszenierte Weiblichkeit in der Sammlung Würth
Herausgeberin: C. Sylvia Weber
Verlag: Swiridoff Verlag, Künzelsau
Erscheinungsjahr: 2002
ISBN: 978-3934350687
FRAUENPORTRÄTS
KUNSTWERKE FRAUENPORTRÄTS

Stefan Schiek, o.T. #2, 2024, Glanzlack auf Aluminium, 66 cm x 54 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Laura Eckert, NN44, 2023, Kirsche, Efeu, Pigment, Schellack, 42 cm x 25 cm x 26 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Stefan Schiek, o.T. #5, 2025, Glanzlack auf Aluminium, 60 cm x 49 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Stefanie Ehrenfried, Die Starke, 2014 – 2015, Schafwolle, nagelgefilzt, 104 cm x 91 cm x 76 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Stefan Schiek, o.T. #4, 2025, Glanzlack auf Aluminium, 66 cm x 54 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Stefan Schiek, o.T. #1, 2024, Glanzlack auf Aluminium, 66 cm x 54 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner
VIDEOS FRAUENPORTRÄTS
DEFINITION FRAUENPORTRÄTS
Frauenporträts werden in der Kunst und Fotografie genutzt, um Identität, Emotionen und gesellschaftliche Rollen darzustellen. Die Bandbreite reicht von historischen Werken bis hin zu modernen fotografischen Inszenierungen. Die Porträtmalerei diente historisch oft der Erinnerung oder der Statusrepräsentation. B
CHRONOLOGIE FRAUENPORTRÄTS
Die Darstellung von Frauen in der Kunst hat sich über Jahrtausende von symbolischen Fruchtbarkeitsidolen hin zu komplexen psychologischen Porträts entwickelt. Hier ist eine chronologische Übersicht:
Prähistorie bis Antike
Steinzeit (ca. 25.000 v. Chr.): Früheste Darstellungen wie die Venus von Willendorf zeigen keine Individuen, sondern übersteigerte weibliche Merkmale als Symbole für Fruchtbarkeit.
Antike (Ägypten, Griechenland, Rom): Porträts dienten religiösen oder herrschaftlichen Zwecken. Während die Fayum-Mumienporträts (1.–3. Jh. n. Chr.) erste individuelle Züge zeigten, wurden Frauen in der römischen Bildhauerei oft idealisiert in ihrer Blütezeit dargestellt.
Renaissance und Barock (15.–17. Jahrhundert)
15. Jahrhundert (Quattrocento): In Italien wurden Frauen oft im Profil dargestellt, um Bescheidenheit auszudrücken und den Blickkontakt mit dem (männlichen) Betrachter zu vermeiden.
16. Jahrhundert: Leonardo da Vinci brach mit der Mona Lisa (1503–1506) Konventionen durch den direkten Blick und das psychologische Lächeln.
17. Jahrhundert (Barock): Künstlerinnen wie Artemisia Gentileschi begannen, sich selbst und biblische Frauenfiguren mit ungewöhnlicher Stärke und Emotionalität darzustellen.
Aufklärung bis Realismus (18.–19. Jahrhundert)
18. Jahrhundert: Professionelle Porträtmalerinnen wie Élisabeth Vigée-Lebrun erlangten Ruhm am französischen Hof. Sie verbanden Eleganz mit einer neuen, selbstbewussten Darstellung der Frau als Künstlerin.
19. Jahrhundert: Die Erfindung der Fotografie revolutionierte das Genre. Julia Margaret Cameron nutzte das neue Medium für künstlerisch-evokative Frauenporträts. In der Malerei schockierte Edouard Manets Olympia (1863) durch den direkten, herausfordernden Blick einer Prostituierten.
Moderne und Gegenwart (20. Jahrhundert bis heute)
Frühes 20. Jahrhundert: Der Jugendstil (Klimt) idealisierte Frauen in ornamentaler Pracht. Die 1920er Jahre brachten das Bild der emanzipierten Frau mit Bubikopf und selbstsicherer Pose hervor.
Mitte bis Ende 20. Jahrhundert: Frida Kahlo nutzte das Selbstporträt zur radikalen Darstellung von Schmerz und Identität. In der Fotografie rückten Künstler wie Richard Avedon die ungeschönte psychologische Wahrheit in den Fokus.
21. Jahrhundert (Gegenwart): Das Porträt dient heute verstärkt der Dekonstruktion von Genderrollen und der Erforschung diverser Identitäten.
WEGBEREITER FRAUENPORTRÄTS
Wegbereiter für Frauenporträts waren Künstler und Fotografen, die gesellschaftliche Konventionen durchbrachen, um Frauen jenseits rein dekorativer Rollen darzustellen. Besonders bedeutsam waren dabei Künstlerinnen, die den männlichen Blick (male gaze) durch eine eigene Perspektive ersetzten.
Leonardo da Vinci (1452–1625): Sein Porträt der Mona Lisa etablierte das psychologische Porträt durch den Fokus auf das rätselhafte Wesen der Dargestellten.
Sofonisba Anguissola (1532–1625): Als eine der ersten international erfolgreichen Malerinnen der Renaissance schuf sie informelle, lebendige Porträts, die den Charakter und nicht nur den Status betonten.
Artemisia Gentileschi (1593–1653): Sie gilt als Wegbereiterin für die Darstellung starker, oft leidender oder triumphierender Frauen mit dramatischer emotionaler Tiefe.
Élisabeth Vigée-Lebrun (1755–1842): Als Hofmalerin von Marie-Antoinette prägte sie ein neues Bild der Natürlichkeit und der mütterlichen Zuneigung in der aristokratischen Porträtkunst.
Édouard Manet (1832–1883): Mit Werken wie Olympia provozierte er einen Bruch mit der idealisierten Darstellung und zeigte Frauen als Akteurinnen mit eigenem, oft konfrontierendem Blick.
Mary Cassatt (1844–1926): Die Impressionistin fokussierte sich auf das private, intime Leben von Frauen und Kindern und stellte traditionelle Weiblichkeitsideale durch ehrliche Darstellungen infrage.
Frida Kahlo (1907–1954): Mit ihren radikalen Selbstporträts brach sie Tabus und thematisierte weibliche Schmerzen, Identität und Körperlichkeit auf eine bis dahin unbekannte Weise.
Pioniere der Fotografie
Julia Margaret Cameron (1815–1879): Sie gilt als Pionierin der künstlerischen Porträtfotografie, die durch bewusste Unschärfe die spirituelle und emotionale Tiefe ihrer (oft weiblichen) Modelle einfing.
Dorothea Lange (1895–1965): Mit Werken wie Migrant Mother schuf sie ikonische Dokumentarporträts, die die soziale Realität und Resilienz von Frauen während der Weltwirtschaftskrise zeigen.
Gisèle Freund (1908–2000): Als Wegbereiterin des Fotojournalismus porträtierte sie intellektuelle Frauen ihrer Zeit und hielt deren Persönlichkeit in authentischen Arbeitsumgebungen fest.
Annie Leibovitz (1949): Sie modernisierte das Frauenporträt durch aufwendige Inszenierungen in der Popkultur und Mode, die Stärke und Individualität betonen.
ZEITGENÖSSISCHE KÜNSTERINNEN UND KÜNSTLER FRAUENPORTRÄTS
In der zeitgenössischen Kunst des Jahres 2026 wird das Frauenporträt genutzt, um komplexe Themen wie Identität, Diversität, den Einfluss digitaler Medien und soziale Gerechtigkeit zu untersuchen.
Hier sind einige der einflussreichsten Künstlerinnen und Künstler, die das Genre aktuell prägen:
Marlene Dumas (Malerei) gilt als eine der bedeutendsten Malerinnen der Gegenwart. Ihre Porträts wirken oft geisterhaft oder entstellt; sie thematisiert damit das Verhältnis von Körperlichkeit, Erotik und Tod sowie die psychologischen Abgründe hinter der Oberfläche.
Laura Eckert (* 1983): In den Frauenporträts der Leipziger Bildhauerin verschmelzen handwerkliche Rohheit und psychologische Tiefe zu einer zeitgenössischen Form der anthropologischen Studie.
Simone Haack (* 1978) ist eine zeitgenössische Berliner Malerin, die als zentrale Vertreterin eines „Neuen Magischen Realismus“ gilt. Ihre Frauenporträts und Figurenbilder zeichnen sich durch eine psychologisch dichte, oft melancholische oder unheimliche Atmosphäre aus.
Alex Katz (*1927): Der US-amerikanische Maler ist weltberühmt für seine großformatigen, hochstilisierten Frauenporträts, die eine Brücke zwischen dem Realismus und der Pop-Art schlagen.
Peter Köinig (*1953 in Nürnberg): Die Frauenbildnisse von Peter König zeichnen sich durch eine technische Meisterschaft in der Zeichnung und eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz aus. Sie fungieren als Resonanzräume für innere Zustände und die conditio humana.
Zanele Muholi (Fotografie) bezeichnet sich selbst als „visuelle Aktivistin“. Ihre eindringlichen Schwarz-Weiß-Selbstporträts und Porträts der LGBTQ+-Community in Südafrika setzen ein starkes Zeichen gegen Diskriminierung und für die Sichtbarkeit schwarzer queerer Identitäten.
Shirin Neshat (Fotografie & Film): Die iranische Künstlerin beschäftigt sich in ihren Porträts intensiv mit der Rolle der Frau im Islam und dem Kontrast zwischen westlicher und östlicher Kultur. Ihre Werke, oft kombiniert mit kalligrafischen Texten auf der Haut der Fotografierten, sind hochpolitisch und emotional aufgeladen.
Gerhard Richter (* 1932) gilt als einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart. Seine Frauenporträts sind weltberühmt für ihre technische Perfektion und die charakteristische Unschärfe, die eine Distanz zwischen Betrachter und Motiv schafft.
Jenny Saville (Malerei) ist bekannt für ihre großformatigen, fleischlichen Darstellungen des weiblichen Körpers. Sie bricht radikal mit klassischen Schönheitsidealen und zeigt Haut, Fett und Körperstrukturen in einer fast skulpturalen Weise, die die physische Präsenz der Frau betont.
Amy Sherald (Malerei)wurde bekannt durch ihr Porträt von Michelle Obama. Sie stellt Afroamerikanerinnen in alltäglichen, aber monumentalen Posen dar. Ihr charakteristischer Einsatz von Grisaille (Grautönen) für die Hautfarben lenkt den Fokus auf die Individualität und die innere Welt der Porträtierten.
Cindy Sherman (Fotografie) bleibt eine Schlüsselfigur der Porträtfotografie. In ihren neuesten Arbeiten nutzt sie oft extreme digitale Bearbeitung und Social-Media-Filter, um die Künstlichkeit moderner weiblicher Identitätskonstruktionen zu demaskieren. Sie ist gleichzeitig Modell, Stylistin und Fotografin ihrer Porträts.
Miriam Vlaming (* 1971): Die Berliner Malerin Miriam ist die bedeutendste Vertreterin der Neuen Leipziger Schule und bekannt für ihre großformatigen, atmosphärisch dichten Frauenporträts, die komplexe Untersuchungen über die Symbiose von Mensch, Natur und Mythos beinhalten.
Kehinde Wiley (Malerei): Obwohl Wiley für Porträts schwarzer Männer berühmt wurde, umfasst sein Werk 2026 auch bedeutende Frauenporträts. Er stellt zeitgenössische Frauen in heroischen Posen der klassischen europäischen Kunstgeschichte dar, oft vor üppigen, floralen Hintergründen, um Machtverhältnisse in der Kunst zu hinterfragen.
HAUPTWERKE FRAUENPORTRÄTS
In der Kunstgeschichte gibt es Schlüsselwerke, die das Frauenporträt revolutioniert haben.
Klassische Ikonen (Meilensteine)
Leonardo da Vinci: Mona Lisa (1503–1506): Das wohl berühmteste Frauenporträt der Welt. Es etablierte den psychologischen Fokus und die Technik des Sfumato (weiche Übergänge). Zu sehen im Louvre, Paris.
Johannes Vermeer: Das Mädchen mit dem Perlenohrring (um 1665): Ein „Tronie“, das weniger ein Individuum als vielmehr einen idealisierten Ausdruck und den meisterhaften Umgang mit Licht zeigt. Beheimatet im Mauritshuis, Den Haag.
Gustav Klimt: Adele Bloch-Bauer I (1907): Auch als „Goldene Adele“ bekannt. Ein Hauptwerk des Jugendstils, das die Porträtierte in ein Meer aus Ornamenten und Gold einbettet. Zu sehen in der Neue Galerie, New York.
Wegweisende Werke der Moderne
Frida Kahlo: Die zwei Fridas (1939): Ein Doppel-Selbstbildnis, das ihre Zerrissenheit zwischen europäischer und mexikanischer Identität sowie ihren körperlichen Schmerz radikal thematisiert.
Cindy Sherman: Untitled Film Stills (1977–1980): Eine Fotoserie, in der die Künstlerin selbst in verschiedene weibliche Klischeerollen schlüpft. Dieses Werk dekonstruiert den „männlichen Blick“ und die Konstruktion von Identität.
Gerhard Richter: Betty (1988): Das Porträt seiner Tochter, die sich vom Betrachter abwendet. Es gilt als eines der wichtigsten Werke der zeitgenössischen Malerei und thematisiert die Grenzen der Abbildbarkeit. Zu sehen im Saint Louis Art Museum.
Zeitgenössische Hauptwerke
Amy Sherald: First Lady Michelle Obama (2018): Ein monumentales Werk, das durch seinen Fokus auf Individualität statt auf Machtsymbole die moderne Porträtkunst prägt. Original in der National Portrait Gallery, Washington D.C.
Alex Katz: Ada (Serien seit 1957): Die über 250 Porträts seiner Frau Ada gelten als ein zusammenhängendes Hauptwerk der Pop-Art-Ästhetik. Im Jahr 2026 steht sein Spätwerk besonders im Fokus der Kunsthalle Tübingen.
Miriam Vlaming: All Woman in One: Ein Schlüsselwerk ihrer Eitempera-Malerei, das die universelle weibliche Identität durch Schichtung und Mythos erforscht.
Stefanie Ehrenfried: Starke: Ihre großformatige Filz-Plastik gilt als eines ihrer Hauptwerke, da sie die physische Präsenz und psychologische Kraft der Frau in einem ungewöhnlichen Material materialisiert.
ZITATE FRAUENPORTRÄTS
„Ich male keine Frauen; ich male Bilder.“ | Willem de Kooning (Betont die Abstraktion und die Loslösung von der rein dekorativen Darstellung).
„Ein Porträt ist nicht die Ähnlichkeit. In dem Moment, in dem eine Emotion oder eine Tatsache in ein Foto übertragen wird, ist es kein Fakt mehr, sondern eine Meinung.“ | Richard Avedon (Über die psychologische Interpretation in der Porträtfotografie).
„Ich bin mein eigenes Modell. Ich bin das Motiv, das ich am besten kenne und das ich verbessern möchte.“ | Frida Kahlo (Über die emanzipatorische Kraft des Selbstporträts).
„Die Geschichte der Frau in der Kunst ist meist die Geschichte des Objekts des männlichen Blicks. Das Porträt der Zukunft muss das Subjekt ihrer eigenen Erzählung sein.“ | Sinngemäß nach Laura Mulvey (Theoretikerin des „Male Gaze“).
„Frauen werden angeschaut. Männer handeln.“ | John Berger (Aus seinem Standardwerk Sehen, über die traditionelle Passivität von Frauen in klassischen Porträts).
„Ich wollte die ‚Coolness‘ der Modefotografie in die Malerei übertragen, um eine Distanz zu schaffen, die den Betrachter erst recht anzieht.“ | Alex Katz
„Haare sind wie eine Antenne, sie verbinden das Innere mit der Außenwelt. In meinen Porträts sind sie oft das eigentliche Gesicht.“ | Simone Haack (Über die psychologische Symbolik in ihren Werken).
„Meine Bilder sind wie Häute. Man muss sie abtragen, um zum Kern des Wesens vorzudringen.“ | Miriam Vlaming (Über die Schichtung in ihren Eitempera-Porträts).
„Ich werde nicht ruhen, bis ich ein Bild gemalt habe, das so wahr ist wie die Natur selbst, aber so tief wie eine Seele.“ | Elisabeth Vigée-Lebrun (Pionierin des Frauenporträts im 18. Jahrhundert).
BIBLIOGRAPHIE FRAUENPORTRÄTS
Frau im Bild – Inszenierte Weiblichkeit in der Sammlung Würth
Herausgeberin: C. Sylvia Weber
Verlag: Swiridoff Verlag, Künzelsau
Erscheinungsjahr: 2002
ISBN: 978-3934350687