GCB Kunstlexikon
SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
KUNSTWERKE SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Wilhelm Loth, Neue Figuration, Torso aus konvexen Formen, 1984, Bronze, 50 cm x 82 cm x 15,5 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Wilhelm Loth, Neue Figuration, Torso, 1950, Bronze, 62 cm x 31 cm x 22 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Emil Cimiotti, ohne Titel, 2014, Bronze gussrau, 49 cm x 83 cm x 27 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Emil Cimiotti, Knieende, 1983, Bronze gussrau auf Stahl, teilweise bemalt, 191 cm x 44 cm x 67 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Emil Cimiotti, Pineta III, Bronze gussrau, 58 cm x 24 cm x 23 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Otto Herbert Hajek, P 138, 60 3, 1960, Bronze, 27 cm x 25 cm x 11 cm – Höhe ohne Sockel, Unikat, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Erich Hauser, 5-89, Edelstahl, poliert, Unikat signiert, 137 cm x 86 cm x 16 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Jürgen Brodwolf, Ikarus II, 1997, Fundstück, verhüllte Tubenfigur, 1974, 45 cm x 51 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Jürgen Brodwolf, Figurentypologie 2008, umhüllte Tubenfigur um 1980, 40 cm x 30 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Franz Bernhard, Kreuzform, 1994, Eisen, Gips, Höhe 167 cm, Breite 99 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Herbert Mehler, Asperago, 2013, 240 cm x 58 cm, Corten Stahl, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Rudolf Kurz, Torso, 1993, 65 cm x 50 cm x 14 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Robert Schad, FILIMU, 2014, Vierkantstahl massiv; 45 mm, 260 cm x 130 cm x 100 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Armin Göhringer, o.T. (24), 2013, Holz geschwärzt, 87 x 120 cm x 28 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Dietrich Klinge, Torso, Daphne, Bronze, Höhe 251 cm, Auflage 6 Exemplare, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Andrea Zaumseil, Ohne Titel, 1998, Stahl, 3 Teile, Höhe ca. 278 cm, 295 cm, 265 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Sonja Edle von Hoeßle, Endlosschleife 6XV, 2017, Cortenstahl, 248 cm x 248 cm x 315 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Stefanie Ehrenfried, Große Beere, 2012-2017, Schafwolle nadelgefilzt, 55 cm x 75 cm x 115 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Stephan Hasslinger, Paisly, Keramik und Glasuren, 2017, 112 cm x 66 cm x 65 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Silvia Siemes, Große Sitzende, 2019, Terrakotta gebrannt, Höhe 87 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Daniel Wagenblast, Weltenfahrer 40, 2021, Bronze grün patiniert, 40 cm x 20 cm x 20 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Christoph Traub, Haut 1, 2014, Jura, Stahl, 95 cm x 15 cm x 30 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Andreas Welzenbach, Selbstmordattentäter, 2007, Holz, farbig gefasst, 110 x 80 x 72 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Klaus Hack, Tänzerin, 2023, 2024, Pappel, weiss gefasst, 74,5 cm x 32 x 31,5 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Klaus Hack, Jeanne d’Arc, 2022, 2023, Pappel, Eiche, Buche weiß gefasst, 141 cm x 112 cm x 40 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Jan Thomas, K.K., 2012/13, Pappelholz, Palette, Höhe: 210 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Miriam Lenk, Oktopussy, 2013, Keramik, 40 cm x 40 cm x 38cm, 3/3, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
VIDEOS SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
Ausstellungsfilm. VON MISCHWESEN. SKULPTUR IN DER MODERNE | Hamburger Kunsthalle | Ein Film der Hamburger Kunsthalle anstelle einer Ausstellungseröffnung VON MISCHWESEN. Skulptur in der Moderne. | YouTube
Negativer Raum | Skulptur und Installation im 20./21. Jahrhundert | ZKM Karlsruhe | Die Ausstellung »Negativer Raum« möchte den Blick auf die moderne und zeitgenössische Skulptur ändern und eine andere Geschichte der Skulptur erzählen. Ziel der Ausstellung ist es, die Beziehungen von Skulptur und Raum dezidiert vom Raum aus zu denken. Alle Exponate thematisieren das skulpturale Phänomen in Relation zu vielfältigen Raumvorstellungen: Freiräume, Um-, Hohl- und Zwischenräume, Spiegel-, Licht- und Schattenräume, virtuelle Datenräume etc. Die Ausstellung bietet einen umfassenden Überblick zur Kunst der Skulptur, die entgegen der traditionellen Definition der Kontur, Leere und Levitation verpflichtet ist: leicht statt schwer, nicht voll doch leer, geöffnet statt geschlossen, diaphan statt dicht, luftig und licht. Videodokumentation: ZKM | Videostudio Kamera: Xenia Leidig, Tim Wenz, Christina Zartmann Schnitt: Christina Zartmann Sprecher: Andy Koch Tonaufnahme: Anton Kossjanenko Musik: Space, Awesomebrother; Infinity, Noah Gouber Sound | YouTube
Director’s Choice. Ein Rundgang durch die Skulpturensammlung | Staatliche Kunstsammlungen Dresden | Spaziert mit dem ehemaligen Direktor der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Dr. Moritz Woelk durch das Museum und seht erstaunliche und mitreißende Skulpturen von der Antike bis zur unmittelbaren Gegenwart. Begegnet Arbeiten von u.a. Auguste Rodin, Wilhelm Lehmbruck, Hermann Glöckner, Emil Cimiotti, Tony Cragg und Birgit Dieker. | YouTube
DEFINITION SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
Die Skulptur des 20. Jahrhunderts zeichnet sich durch eine radikale Erweiterung des Skulpturbegriffs aus, weg von der traditionellen Nachahmung der Realität hin zu Abstraktion, Experimenten mit neuen Materialien und der Einbeziehung des Raums. Künstler suchten nach neuen Wegen, um Neugier zu wecken, Wahrnehmungen zu hinterfragen und zur Interaktion einzuladen.
MERKMALE UND ENTWICKLUNGEN DER SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
Abstraktion: Die Abkehr von der gegenständlichen Darstellung war ein zentraler Trend. Abstrakte Skulpturen konzentrierten sich auf Form, Linie und Volumen.
Materialvielfalt: Bildhauer experimentierten mit einer breiten Palette von Materialien, darunter Bronze, Holz, Stein, aber auch neue Materialien wie Stahl, Glas, Kunststoffe und Fundstücke (Ready-mades).
Einbeziehung des Raumes: Skulpturen wurden zunehmend als raumgreifende Objekte oder Installationen konzipiert, die den umgebenden Raum aktiv einbeziehen oder verändern, anstatt nur auf einem Sockel zu stehen.
Stilistische Vielfalt: Das Jahrhundert war geprägt von einer schnellen Abfolge verschiedener Kunstrichtungen, darunter Kubismus, Expressionismus, Konstruktivismus, Dadaismus, Surrealismus, Minimalismus, Pop Art und Land Art.
PRÄGENDE BILDHAUER UND DEREN HAUPTWERKE IM 20. JAHRHUNDERT
Auguste Rodin (1840–1917): Obwohl seine Arbeit im 19. Jahrhundert begann, beeinflusste sein expressiver Stil mit Werken wie „Der Denker“ die Moderne im 20. Jahrhundert nachhaltig.
Ernst Barlach (1870–1938): Ein visionärer Bildhauer des Expressionismus, dessen Werke oft menschliches Leid und Spiritualität thematisierten.
Constantin Brâncuși (1876–1957): Ein Pionier der Abstraktion, bekannt für seine hochgradig vereinfachten, eleganten Formen wie „Der Kuss“ oder „Vogel im Raum“.
Pablo Picasso (1881–1973): Seine kubistischen Experimente, wie „Das Absinthglas“, erweiterten den Skulpturbegriff durch die Verwendung von Assemblage und Collage.
Henry Moore (1898–1986): Bedeutender britischer Bildhauer, bekannt für seine großen, oft durchbrochenen Bronze- und Steinfiguren, die abstrakte Formen mit der menschlichen Gestalt verbinden.
Louise Nevelson (1899–1988): Eine Schlüsselfigur in der amerikanischen Skulptur, die große, monochrome Wandassemblagen aus weggeworfenen Holzstücken schuf.
Alberto Giacometti (1901–1966): Berühmt für seine stark ausgemergelten, langen Figuren, die die existenzielle Einsamkeit des modernen Menschen darstellen, wie „Der gehende Mann“.
Barbara Hepworth (1903–1975): Eine weitere prominente britische Bildhauerin, die für ihre geschwungenen, taktilen und rätselhaften abstrakten Formen bekannt war.
Louise Bourgeois (1911–2010): Bekannt für ihre oft furchterregenden, persönlichen Werke, insbesondere ihre monumentalen Spinnen-Skulpturen (Maman), die sich mit Themen wie Mutterschaft und Trauma auseinandersetzen.
Wilhelm Loth (1920–1993) Seine sinnlich anmutenden, figurativen Skulpturen zeichnen sich durch geschlossene, glatte Oberflächen und eine blockhafte Massivität aus. Er reduzierte die anatomischen Details zugunsten der klaren, plastischen Form. Oftmals wurden Arme, Beine oder der Kopf weggelassen, um die Konzentration auf den weiblichen Torso als zentrales menschliches Motiv zu lenken.
Emil Cimiotti (1927–2019) war ein Pionier der abstrakten Kunst der Nachkriegszeit, speziell des deutschen Informel. Sein Werk zeichnet sich durch eine Abkehr von traditionellen, geschlossenen Formen aus und ist bekannt für seine dynamischen, strukturierten Bronzeplastiken, die oft organische Anmutungen zeigen.
Otto Herbert Hajek (1927–2005) In den 1950er Jahren wurde er mit seinen abstrakt-informellen Werkgruppe der „Raumknoten“ und „Raumschichtungen“, die sich durch stark zerklüftete, reliefartige Oberflächen auszeichneten, bekannt. Ab den 1960er Jahren entwickelte er „Farbwege“ als begehbare Installationen im öffentlichen Raum und lud dadurch die Besucher zur Interaktion mit den Skulpturen ein.
Erich Hauser (1930–2004) Mit seinen oft monumentalen, abstrakten Stahlskulpturen thematisiert Hauser den Raum nicht nur als Umgebung der Skulptur, sondern als integralen Bestandteil des Werks. Seine raumgreifenden Raumplastiken bestehen aus in sich verschränkten oder aufgefächerten Flächen, die den umgebenden Raum durchdringen und das Licht auf komplexe Weise reflektieren.
Jürgen Brodwolf (*1932 in Dübendorf, Schweiz) Im Zentrum von Brodwolfs Kunst steht die existenzielle Befindlichkeit des Menschen, oft dargestellt durch stark abstrahierte, reduzierte ikonische Tubenfiguren.
Ausgedrückte Farbtuben dienten ihm als Ausgangspunkt für kleine, an Mumiengestalten erinnernde menschliche Silhouetten, die er als Metaphern für das schutzbedürftige, zerbrechliche menschliche Dasein begreift.
Franz Bernhard (1934–2013) Seine Skulpturen sind stark abstrahierte, „anthropomorphe Zeichen“ für den Menschen, keine naturgetreuen Abbilder. Er macht mit seinen oft monumentalen Skulpturen das Wesen des Menschen durch Form, Proportion und Rhythmus erfahrbar.
Herbert Mehler (*1949) Die archetypisch anmutenden Urformen von monumentalen, amorphen Cortenstahl-Skulpturen zeichnen sich durch die Verbindung von organischen Urformen der Natur mit geometrischen und tektonischen Elementen aus.
Willi Siber (*1949) Seine Werke zeichnen sich durch intensive Farben, hochglänzende Oberflächen und dynamische Formen aus, die barocke Einflüsse aus seiner oberschwäbischen Heimat mit einer zeitgenössischen, abstrakten Formensprache verbinden. Diese Skulpturen, oft als „Farb-Raum-Körper“ beschrieben, wirken trotz der Schwere des Materials aufgrund des glänzenden Chromlacks oft leicht und dynamisch, fast wie mühelos gebogene Strohhalme.
Rudolf Kurz (*1952) Seine figurativen Steinskulpturen, oft Torsi oder Figurenfragmente, setzen sich konsequent und intensiv mit der menschlichen Existenz auseinander. Der Torso dient dabei als Mittel zur Reduktion der menschlichen Figur auf ihre Essenz. Indem er Gliedmaßen oder den Kopf weglässt, konzentriert er die Aufmerksamkeit des Betrachters auf den Körperkern, die Haltung und die innere Spannung der Figur.
Robert Schad (*1953) Die oft als Raumzeichnungen beschriebenen dynamischen und raumgreifenden Stahlskulpturen wirken trotz ihres Gewichts oft tänzerisch leicht und dynamisch, als wären sie in einer Bewegung eingefroren. Die Formen sind abstrakt, aber oft vom menschlichen Körper oder Bewegungsabläufen inspiriert, wodurch sie eine „choreographische Anmutung“ erhalten.
Armin Göhringer (*1954) In seinen eindrucksvollen, abstrakten Holzskulpturen thematisiert Göhringer die Polarität des Lebens, das Wechselspiel von Tragen und Lasten, Ruhe und Bewegung. Die durch Schnitte geschaffenen Hohlräume oder „Lichtlöcher“ sind dabei ebenso wichtig wie die feste Masse und symbolisieren Freiräume oder „Fenster der Erinnerung“.
Dietrich Klinge (*1954) Die raumpräsenten, expressiv-figurativen Skulpturen wirken oft blockhaft reduziert und erinnern an Werke archaischer Kulturen, die innere Kräfte thematisieren. Die Figuren sind Deutungsangebote, die existenzielle Themen wie Isolation, Freiheit und menschliche Befindlichkeit ansprechen, ohne biblische Kontexte aufzwingen zu wollen.
Stephan Balkenhol (*1957) Die Figuren wirken oft rätselhaft und distanziert, mit einem leeren Blick, der viel Raum für eigene Interpretationen lässt. Sie sind keine Helden oder Idole, sondern gewöhnliche, anonyme Durchschnittstypen ohne Emotionen oder spezifische gesellschaftliche Bezüge. Balkenhols Kunst ist eine Reaktion auf die Tradition der Skulptur und das Pathos von Denkmälern.
Andrea Zaumseil (*1957) Ihre monumentale, unverwechselbare abstrakte Stahlplastiken im öffentlichen Raum thematisieren oft, in der Auseinandersetzung mit den Polaritäten von Massivität und Leichtigkeit, Fiktion und Realität sowie Innen- und Außenraum, Organisches, Naturphänomene oder Gefäße und besitzen eine unverwechselbare, surreal anmutende Formensprache. Das bekannteste Werk von Andrea Zaumseil ist das Denkmal „Die zerrissene Perlenkette“ von 2004 in Erinnerung an das Flugzeugunglück vom 1. Juli 2002 bei Überlingen.
Die neunteilige Plastik besteht aus Edelstahl-Kugeln und einem gerissenen Stahlseil. Sie befindet sich an genau den Stellen, an denen viele der größeren und kleineren Trümmer, der in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 2002 zusammengestoßenen Flugzeuge auf dem Boden auftrafen.
Sonja Edle von Hoeßle (*1960) Ihre abstrakten Stahlskulpturen verbleiben in einer in sich geschlossenen Form, wirken aber aufgrund ihrer filigranen, „tanzenden“ Linienführung dynamisch und fließend. Die häufig wiederkehrenden eleganten „Schleifen“ oder „Endlosschleifen“, suggerieren unendliche Bewegung und formale Vollkommenheit.
Stefanie Ehrenfried (*1960) Ihre intensiv lebendigen Skulpturen, die sie aus dem einzigartigen Medium Schafwolle mittels Nadeln zu dichten figürlichen Plastiken filzt, wirken oft archaisch oder und sind in ihrer wesenhaften Ausstrahlung entrückt. Sie sind kraftvolle, souveräne Wesen, die seelische Bewegungen sichtbar machen. Die Figuren wirken oft, als befänden sie sich in einer inneren Einkehr oder im „entgrenzten“ Zustand.
Stephan Hasslinger (*1960) In seinen faszinierenden, ornamentalen Keramikskulpturen, die an Strick- oder Häkelmuster erinnern, lotet er die Balance zwischen innerer Stabilität und Fragilität, architektonischer Form und bewegtem Ornament, Körper und Raum aus.
Silvia Siemes (*1960) visualisiert die Vielfalt des weiblichen Körpers und thematisiert Alltäglichkeit, Intimität und die grundlegenden Fragen des menschlichen Lebens. Sie ist bekannt für ihre zarten, naturalistischen Terrakottaskulpturen, die eine tiefe, in sich gekehrte Präsenz ausstrahlen.
Daniel Wagenblast (*1963) erzählt mit seinen farbig gefassten Holz- und Aluminium-Skulpturen humorvolle Kurzgeschichten“ des menschlichen Daseins. In einer reduzierten Formensprache porträtiert er Menschen in ihrer Beziehung zur Welt, wobei er Mobilität, Alltag und menschliche Eigenheiten thematisiert.
Christoph Traub (*1964 in Stuttgart) Sein Werk zeichnet sich durch die Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur als Fragment und die Darstellung von Bewegung und innerer Spannung aus. Die reduzierten, abstrahierten menschlichen Torsi aus Stein und Bronze sind dabei kein Zeichen von Zerstörung, sondern eine bewusste ästhetische Konzentration auf das Wesentliche. Das Unvollständige wird als vollständige Form wahrgenommen die der Rezipient in Gedanken ergänzen muss, wodurch er aktiv in den künstlerischen Prozess eingebunden wird.
Andreas Welzenbach (*1965) Seine figurativen, oft ironischen und überzeichneten Holzskulpturen stellen absurd-alltäglichen Situationen in einem ungewöhnlichen Kontext dar und hinterfragen dabei humorvoll aus dem Leben gegriffene gesellschaftliche Konventionen. Er spielt mit etablierten Kunstvorstellungen und hinterfragt die Konventionen einer bürgerlichen Ästhetik.
Klaus Hack (*1966) Seine archaisch anmutenden, figürlichen, weiß gefassten Holzskulpturen thematisieren grundlegende menschliche Zustände und Strukturen, wie Schutzbedürftigkeit, Isolation, aber auch Gemeinschaft und die Beziehung von Figur und Raum.
Thomas Röthel (*1969) Die abstrakten Stahlskulpturen, oft in der Werkgruppe „Drehung“ oder „Dynamik“ benannt, wirken trotz ihrer Tonnenschwere leicht und schwerelos. Sie zeichnen sich durch die Transformation des schweren, widerstandsfähigen Materials in scheinbar leichte, dynamische und filigrane Formen aus.
Jan Thomas (*1970) Seine figürlichen Holz- und Keramik-Skulpturen
stellen chimärenhafte Wesen oder „Trophäen“ dar, die an mittelalterliche Grotesken oder Totems erinnern. Dabei sind sie hybride Formen aus Mensch, Tier und Fabelwesen, die aus archaischen und postmodernen Elementen entstehen und existenzielle Themen behandeln.
Miriam Lenk (*1975 in Konstanz) ist eine zeitgenössische deutsche Bildhauerin, die vor allem durch ihre provokanten und lebensbejahenden Skulpturen des weiblichen Körpers bekannt ist. Ihre Werke hinterfragen traditionelle Schönheitsideale und stellen ein „Antiideal humanistischer Bürgerlichkeit“ dar.
CHRONOLOGIE SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
Expressionismus (ca. 1905–1920er): Fokus auf subjektive emotionale Erfahrung und verzerrte Formen. Künstler wie Ernst Barlach schufen Werke von großer Intensität.
Kubismus (ca. 1907–1914): Pablo Picasso und andere zerlegten Objekte in geometrische Formen und präsentierten sie aus mehreren Perspektiven gleichzeitig.
Futurismus (ca. 1909–1916): Verherrlichte Dynamik, Geschwindigkeit und die Industrialisierung. Umberto Boccioni war ein Hauptvertreter mit Werken wie „Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum“.
Dadaismus (ca. 1916–1920er): Eine Anti-Kunst-Bewegung als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg, die traditionelle Kunstbegriffe infrage stellte (Marcel Duchamps Readymades).
Konstruktivismus (ab ca. 1920er): Entstand in Russland, nutzte industrielle Materialien und geometrische Abstraktion, um Nützlichkeit und das Maschinenzeitalter zu feiern.
Surrealismus (ca. 1920er–1950er): Erkundete das Unterbewusstsein und Traumwelten; Künstler wie Alberto Giacometti schufen traumähnliche, bizarre Skulpturen.
Bauhaus (1919–1933): Ziel war die Verbindung von Kunst, Handwerk und Technologie, was zu funktionalen und minimalistischen Designs in verschiedenen Bereichen führte.
Abstrakter Expressionismus (ca. 1940er–1950er): Betonte spontane, emotionale Ausdrucksformen, die oft abstrakt waren.
Pop Art (ca. 1950er–1970er): Eine Reaktion auf den Abstrakten Expressionismus, die sich von der Massenkultur und Konsumwelt inspirieren ließ (z.B. Andy Warhol, Claes Oldenburg).
Minimalismus (ca. 1960er–1970er): Fokussierte auf extreme Vereinfachung, Reduktion auf essentielle Formen und industrielle Materialien.
Kinetische Kunst (ab ca. 1950er/60er): Skulpturen, die sich bewegen, oft durch Wind, Motoren oder den Betrachter selbst.
Land Art/Earthworks (ab ca. 1970er): Künstler schufen großformatige Werke direkt in der natürlichen Landschaft, oft unter Verwendung natürlicher Materialien (Robert Smithson).
Konzeptkunst (ab ca. 1960er): Die zugrunde liegende Idee oder das Konzept des Werkes war wichtiger als das fertige physische Objekt.
Performance- und Installationskunst (ab ca. 1960er): Skulptur erweiterte sich in den Bereich der Performance und raumgreifender Installationen, die den Betrachter aktiv einbezogen.
WEGBEREITER SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
Auguste Rodin (1840–1917)
Rodin gilt als die Brücke zwischen traditioneller, akademischer Bildhauerei und der Moderne. Er brach mit der idealisierten Darstellung und führte eine neue Subjektivität und Expressivität ein.
Bedeutung: Rodins Fähigkeit, intensive Emotionen durch fragmentierte oder unvollendete Oberflächen (Non-finito) auszudrücken, ebnete den Weg für den Expressionismus und die Abkehr vom reinen Abbild der Realität.
Constantin Brâncuși (1876–1957)
Brâncuși ist eine Schlüsselfigur in der Entwicklung der abstrakten Skulptur. Er strebte nach dem Wesen der Form und reduzierte seine Objekte auf archetypische, glatte und hoch stilisierte Formen.
Bedeutung: Brâncuși betrachtete den Skulpturensockel als integralen Bestandteil des Kunstwerks und etablierte die Skulptur als eigenständiges, abstraktes Objekt im Raum (z.B. „Vogel im Raum“).
Pablo Picasso (1881–1973)
Picasso übertrug die Prinzipien des Kubismus von der Malerei auf die Skulptur und führte die Technik der Assemblage (Montage) ein.
Bedeutung: Seine Verwendung von Alltagsgegenständen und Fundstücken in Werken wie „Die Ziege“ oder „Das Absinthglas“ stellte die traditionelle Definition von Skulptur infrage und beeinflusste Dadaismus und Pop Art maßgeblich.
Marcel Duchamp (1887–1968)
Duchamp gilt als der ultimative Vorreiter der Konzeptkunst. Mit seinen „Readymades“ – Alltagsgegenständen, die er zu Kunst erklärte – verlagerte er den Fokus von der Handwerkskunst auf die Idee.
Bedeutung: Werke wie „Fountain“ (ein signiertes Urinal) veränderten die Kunstwelt für immer. Sie legten den Grundstein für die Annahme, dass Kunst in erster Linie eine intellektuelle Auseinandersetzung ist und nicht zwangsläufig ein handgefertigtes, ästhetisches Objekt sein muss.
Umberto Boccioni (1882–1916)
Als führende Persönlichkeit des Futurismus revolutionierte Boccioni die Darstellung von Bewegung und Raum in der Skulptur.
Bedeutung: Sein Werk „Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum“ zeigt nicht den statischen Körper, sondern die dynamische Energie der Fortbewegung selbst. Er forderte die Abschaffung traditioneller Materialien zugunsten moderner Werkstoffe.
ZITATE SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
„Ich erfinde nichts, ich entdecke; die Kunst ist schon immer da gewesen, es gilt nur, sie zu finden.“ | Auguste Rodin
„Die Hauptsache ist, gerührt zu sein, zu lieben, zu hoffen, zu zittern, zu leben. Bildhauer sein heißt, das Drama der Welt in Ton zu formen.“ | Auguste Rodin
„Schaffen Sie wie ein Gott, befehlen Sie wie ein König, arbeiten Sie wie ein Sklave.“ | Constantin Brâncuși
„Einfachheit ist keine Zielgerade in der Kunst, sondern man gelangt zur Einfachheit, ohne es zu wissen, wenn man sich den wahren Sinn der Dinge nähert.“ | Constantin Brâncuși
„Was real ist, ist nicht die äußere Form, sondern die Idee, das Wesen der Dinge.“ | Constantin Brâncuși
„Ich bin daran interessiert, Ideen in der Kunst zu haben, nicht nur visuelle Produkte.“ | Marcel Duchamp
„Kunst ist eine Gewohnheit. Die Kunstwelt ist eine Scheinwelt.“ | Marcel Duchamp
„Der Betrachter macht das Bild.“ | Marcel Duchamp
„Eine Skulptur sollte Leben haben. Das Leben in einer Skulptur ist das, was ich Volumen nenne.“ | Henry Moore
„Man muss die Form finden, die Bewegung und Leben hat, unabhängig davon, ob sie eine Figur darstellt oder nicht.“ | Henry Moore
„Ich arbeite, um ein wenig Realität festzuhalten, was ich sehe, oder besser gesagt, was ich in meinen Augen wahrnehme.“ | Alberto Giacometti
„Je mehr ich arbeite, desto mehr entdecke ich, dass man nichts weiß.“ | Alberto Giacometti
„Die Kunst ist eine Garantie für geistige Gesundheit.“ | Louise Bourgeois
„Ich habe keine Angst vor der Einsamkeit. Ich fürchte die Abhängigkeit.“ | Louise Bourgeois
SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
KUNSTWERKE SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Wilhelm Loth, Neue Figuration, Torso aus konvexen Formen, 1984, Bronze, 50 cm x 82 cm x 15,5 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Wilhelm Loth, Neue Figuration, Torso, 1950, Bronze, 62 cm x 31 cm x 22 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Emil Cimiotti, ohne Titel, 2014, Bronze gussrau, 49 cm x 83 cm x 27 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Emil Cimiotti, Knieende, 1983, Bronze gussrau auf Stahl, teilweise bemalt, 191 cm x 44 cm x 67 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Emil Cimiotti, Pineta III, Bronze gussrau, 58 cm x 24 cm x 23 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Otto Herbert Hajek, P 138, 60 3, 1960, Bronze, 27 cm x 25 cm x 11 cm – Höhe ohne Sockel, Unikat, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Erich Hauser, 5-89, Edelstahl, poliert, Unikat signiert, 137 cm x 86 cm x 16 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Jürgen Brodwolf, Ikarus II, 1997, Fundstück, verhüllte Tubenfigur, 1974, 45 cm x 51 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Jürgen Brodwolf, Figurentypologie 2008, umhüllte Tubenfigur um 1980, 40 cm x 30 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Franz Bernhard, Kreuzform, 1994, Eisen, Gips, Höhe 167 cm, Breite 99 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Herbert Mehler, Asperago, 2013, 240 cm x 58 cm, Corten Stahl, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Rudolf Kurz, Torso, 1993, 65 cm x 50 cm x 14 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Robert Schad, FILIMU, 2014, Vierkantstahl massiv; 45 mm, 260 cm x 130 cm x 100 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Armin Göhringer, o.T. (24), 2013, Holz geschwärzt, 87 x 120 cm x 28 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Dietrich Klinge, Torso, Daphne, Bronze, Höhe 251 cm, Auflage 6 Exemplare, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Andrea Zaumseil, Ohne Titel, 1998, Stahl, 3 Teile, Höhe ca. 278 cm, 295 cm, 265 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Sonja Edle von Hoeßle, Endlosschleife 6XV, 2017, Cortenstahl, 248 cm x 248 cm x 315 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Stefanie Ehrenfried, Große Beere, 2012-2017, Schafwolle nadelgefilzt, 55 cm x 75 cm x 115 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Stephan Hasslinger, Paisly, Keramik und Glasuren, 2017, 112 cm x 66 cm x 65 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Silvia Siemes, Große Sitzende, 2019, Terrakotta gebrannt, Höhe 87 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Daniel Wagenblast, Weltenfahrer 40, 2021, Bronze grün patiniert, 40 cm x 20 cm x 20 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Christoph Traub, Haut 1, 2014, Jura, Stahl, 95 cm x 15 cm x 30 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Andreas Welzenbach, Selbstmordattentäter, 2007, Holz, farbig gefasst, 110 x 80 x 72 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Klaus Hack, Tänzerin, 2023, 2024, Pappel, weiss gefasst, 74,5 cm x 32 x 31,5 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Klaus Hack, Jeanne d’Arc, 2022, 2023, Pappel, Eiche, Buche weiß gefasst, 141 cm x 112 cm x 40 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Jan Thomas, K.K., 2012/13, Pappelholz, Palette, Höhe: 210 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Miriam Lenk, Oktopussy, 2013, Keramik, 40 cm x 40 cm x 38cm, 3/3, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
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Ausstellungsfilm. VON MISCHWESEN. SKULPTUR IN DER MODERNE | Hamburger Kunsthalle | Ein Film der Hamburger Kunsthalle anstelle einer Ausstellungseröffnung VON MISCHWESEN. Skulptur in der Moderne. | YouTube
Negativer Raum | Skulptur und Installation im 20./21. Jahrhundert | ZKM Karlsruhe | Die Ausstellung »Negativer Raum« möchte den Blick auf die moderne und zeitgenössische Skulptur ändern und eine andere Geschichte der Skulptur erzählen. Ziel der Ausstellung ist es, die Beziehungen von Skulptur und Raum dezidiert vom Raum aus zu denken. Alle Exponate thematisieren das skulpturale Phänomen in Relation zu vielfältigen Raumvorstellungen: Freiräume, Um-, Hohl- und Zwischenräume, Spiegel-, Licht- und Schattenräume, virtuelle Datenräume etc. Die Ausstellung bietet einen umfassenden Überblick zur Kunst der Skulptur, die entgegen der traditionellen Definition der Kontur, Leere und Levitation verpflichtet ist: leicht statt schwer, nicht voll doch leer, geöffnet statt geschlossen, diaphan statt dicht, luftig und licht. Videodokumentation: ZKM | Videostudio Kamera: Xenia Leidig, Tim Wenz, Christina Zartmann Schnitt: Christina Zartmann Sprecher: Andy Koch Tonaufnahme: Anton Kossjanenko Musik: Space, Awesomebrother; Infinity, Noah Gouber Sound | YouTube
Director’s Choice. Ein Rundgang durch die Skulpturensammlung | Staatliche Kunstsammlungen Dresden | Spaziert mit dem ehemaligen Direktor der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Dr. Moritz Woelk durch das Museum und seht erstaunliche und mitreißende Skulpturen von der Antike bis zur unmittelbaren Gegenwart. Begegnet Arbeiten von u.a. Auguste Rodin, Wilhelm Lehmbruck, Hermann Glöckner, Emil Cimiotti, Tony Cragg und Birgit Dieker. | YouTube
DEFINITION SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
Die Skulptur des 20. Jahrhunderts zeichnet sich durch eine radikale Erweiterung des Skulpturbegriffs aus, weg von der traditionellen Nachahmung der Realität hin zu Abstraktion, Experimenten mit neuen Materialien und der Einbeziehung des Raums. Künstler suchten nach neuen Wegen, um Neugier zu wecken, Wahrnehmungen zu hinterfragen und zur Interaktion einzuladen.
MERKMALE UND ENTWICKLUNGEN DER SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
Abstraktion: Die Abkehr von der gegenständlichen Darstellung war ein zentraler Trend. Abstrakte Skulpturen konzentrierten sich auf Form, Linie und Volumen.
Materialvielfalt: Bildhauer experimentierten mit einer breiten Palette von Materialien, darunter Bronze, Holz, Stein, aber auch neue Materialien wie Stahl, Glas, Kunststoffe und Fundstücke (Ready-mades).
Einbeziehung des Raumes: Skulpturen wurden zunehmend als raumgreifende Objekte oder Installationen konzipiert, die den umgebenden Raum aktiv einbeziehen oder verändern, anstatt nur auf einem Sockel zu stehen.
Stilistische Vielfalt: Das Jahrhundert war geprägt von einer schnellen Abfolge verschiedener Kunstrichtungen, darunter Kubismus, Expressionismus, Konstruktivismus, Dadaismus, Surrealismus, Minimalismus, Pop Art und Land Art.
PRÄGENDE BILDHAUER UND DEREN HAUPTWERKE IM 20. JAHRHUNDERT
Auguste Rodin (1840–1917): Obwohl seine Arbeit im 19. Jahrhundert begann, beeinflusste sein expressiver Stil mit Werken wie „Der Denker“ die Moderne im 20. Jahrhundert nachhaltig.
Ernst Barlach (1870–1938): Ein visionärer Bildhauer des Expressionismus, dessen Werke oft menschliches Leid und Spiritualität thematisierten.
Constantin Brâncuși (1876–1957): Ein Pionier der Abstraktion, bekannt für seine hochgradig vereinfachten, eleganten Formen wie „Der Kuss“ oder „Vogel im Raum“.
Pablo Picasso (1881–1973): Seine kubistischen Experimente, wie „Das Absinthglas“, erweiterten den Skulpturbegriff durch die Verwendung von Assemblage und Collage.
Henry Moore (1898–1986): Bedeutender britischer Bildhauer, bekannt für seine großen, oft durchbrochenen Bronze- und Steinfiguren, die abstrakte Formen mit der menschlichen Gestalt verbinden.
Louise Nevelson (1899–1988): Eine Schlüsselfigur in der amerikanischen Skulptur, die große, monochrome Wandassemblagen aus weggeworfenen Holzstücken schuf.
Alberto Giacometti (1901–1966): Berühmt für seine stark ausgemergelten, langen Figuren, die die existenzielle Einsamkeit des modernen Menschen darstellen, wie „Der gehende Mann“.
Barbara Hepworth (1903–1975): Eine weitere prominente britische Bildhauerin, die für ihre geschwungenen, taktilen und rätselhaften abstrakten Formen bekannt war.
Louise Bourgeois (1911–2010): Bekannt für ihre oft furchterregenden, persönlichen Werke, insbesondere ihre monumentalen Spinnen-Skulpturen (Maman), die sich mit Themen wie Mutterschaft und Trauma auseinandersetzen.
Wilhelm Loth (1920–1993) Seine sinnlich anmutenden, figurativen Skulpturen zeichnen sich durch geschlossene, glatte Oberflächen und eine blockhafte Massivität aus. Er reduzierte die anatomischen Details zugunsten der klaren, plastischen Form. Oftmals wurden Arme, Beine oder der Kopf weggelassen, um die Konzentration auf den weiblichen Torso als zentrales menschliches Motiv zu lenken.
Emil Cimiotti (1927–2019) war ein Pionier der abstrakten Kunst der Nachkriegszeit, speziell des deutschen Informel. Sein Werk zeichnet sich durch eine Abkehr von traditionellen, geschlossenen Formen aus und ist bekannt für seine dynamischen, strukturierten Bronzeplastiken, die oft organische Anmutungen zeigen.
Otto Herbert Hajek (1927–2005) In den 1950er Jahren wurde er mit seinen abstrakt-informellen Werkgruppe der „Raumknoten“ und „Raumschichtungen“, die sich durch stark zerklüftete, reliefartige Oberflächen auszeichneten, bekannt. Ab den 1960er Jahren entwickelte er „Farbwege“ als begehbare Installationen im öffentlichen Raum und lud dadurch die Besucher zur Interaktion mit den Skulpturen ein.
Erich Hauser (1930–2004) Mit seinen oft monumentalen, abstrakten Stahlskulpturen thematisiert Hauser den Raum nicht nur als Umgebung der Skulptur, sondern als integralen Bestandteil des Werks. Seine raumgreifenden Raumplastiken bestehen aus in sich verschränkten oder aufgefächerten Flächen, die den umgebenden Raum durchdringen und das Licht auf komplexe Weise reflektieren.
Jürgen Brodwolf (*1932 in Dübendorf, Schweiz) Im Zentrum von Brodwolfs Kunst steht die existenzielle Befindlichkeit des Menschen, oft dargestellt durch stark abstrahierte, reduzierte ikonische Tubenfiguren.
Ausgedrückte Farbtuben dienten ihm als Ausgangspunkt für kleine, an Mumiengestalten erinnernde menschliche Silhouetten, die er als Metaphern für das schutzbedürftige, zerbrechliche menschliche Dasein begreift.
Franz Bernhard (1934–2013) Seine Skulpturen sind stark abstrahierte, „anthropomorphe Zeichen“ für den Menschen, keine naturgetreuen Abbilder. Er macht mit seinen oft monumentalen Skulpturen das Wesen des Menschen durch Form, Proportion und Rhythmus erfahrbar.
Herbert Mehler (*1949) Die archetypisch anmutenden Urformen von monumentalen, amorphen Cortenstahl-Skulpturen zeichnen sich durch die Verbindung von organischen Urformen der Natur mit geometrischen und tektonischen Elementen aus.
Willi Siber (*1949) Seine Werke zeichnen sich durch intensive Farben, hochglänzende Oberflächen und dynamische Formen aus, die barocke Einflüsse aus seiner oberschwäbischen Heimat mit einer zeitgenössischen, abstrakten Formensprache verbinden. Diese Skulpturen, oft als „Farb-Raum-Körper“ beschrieben, wirken trotz der Schwere des Materials aufgrund des glänzenden Chromlacks oft leicht und dynamisch, fast wie mühelos gebogene Strohhalme.
Rudolf Kurz (*1952) Seine figurativen Steinskulpturen, oft Torsi oder Figurenfragmente, setzen sich konsequent und intensiv mit der menschlichen Existenz auseinander. Der Torso dient dabei als Mittel zur Reduktion der menschlichen Figur auf ihre Essenz. Indem er Gliedmaßen oder den Kopf weglässt, konzentriert er die Aufmerksamkeit des Betrachters auf den Körperkern, die Haltung und die innere Spannung der Figur.
Robert Schad (*1953) Die oft als Raumzeichnungen beschriebenen dynamischen und raumgreifenden Stahlskulpturen wirken trotz ihres Gewichts oft tänzerisch leicht und dynamisch, als wären sie in einer Bewegung eingefroren. Die Formen sind abstrakt, aber oft vom menschlichen Körper oder Bewegungsabläufen inspiriert, wodurch sie eine „choreographische Anmutung“ erhalten.
Armin Göhringer (*1954) In seinen eindrucksvollen, abstrakten Holzskulpturen thematisiert Göhringer die Polarität des Lebens, das Wechselspiel von Tragen und Lasten, Ruhe und Bewegung. Die durch Schnitte geschaffenen Hohlräume oder „Lichtlöcher“ sind dabei ebenso wichtig wie die feste Masse und symbolisieren Freiräume oder „Fenster der Erinnerung“.
Dietrich Klinge (*1954) Die raumpräsenten, expressiv-figurativen Skulpturen wirken oft blockhaft reduziert und erinnern an Werke archaischer Kulturen, die innere Kräfte thematisieren. Die Figuren sind Deutungsangebote, die existenzielle Themen wie Isolation, Freiheit und menschliche Befindlichkeit ansprechen, ohne biblische Kontexte aufzwingen zu wollen.
Stephan Balkenhol (*1957) Die Figuren wirken oft rätselhaft und distanziert, mit einem leeren Blick, der viel Raum für eigene Interpretationen lässt. Sie sind keine Helden oder Idole, sondern gewöhnliche, anonyme Durchschnittstypen ohne Emotionen oder spezifische gesellschaftliche Bezüge. Balkenhols Kunst ist eine Reaktion auf die Tradition der Skulptur und das Pathos von Denkmälern.
Andrea Zaumseil (*1957) Ihre monumentale, unverwechselbare abstrakte Stahlplastiken im öffentlichen Raum thematisieren oft, in der Auseinandersetzung mit den Polaritäten von Massivität und Leichtigkeit, Fiktion und Realität sowie Innen- und Außenraum, Organisches, Naturphänomene oder Gefäße und besitzen eine unverwechselbare, surreal anmutende Formensprache. Das bekannteste Werk von Andrea Zaumseil ist das Denkmal „Die zerrissene Perlenkette“ von 2004 in Erinnerung an das Flugzeugunglück vom 1. Juli 2002 bei Überlingen.
Die neunteilige Plastik besteht aus Edelstahl-Kugeln und einem gerissenen Stahlseil. Sie befindet sich an genau den Stellen, an denen viele der größeren und kleineren Trümmer, der in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 2002 zusammengestoßenen Flugzeuge auf dem Boden auftrafen.
Sonja Edle von Hoeßle (*1960) Ihre abstrakten Stahlskulpturen verbleiben in einer in sich geschlossenen Form, wirken aber aufgrund ihrer filigranen, „tanzenden“ Linienführung dynamisch und fließend. Die häufig wiederkehrenden eleganten „Schleifen“ oder „Endlosschleifen“, suggerieren unendliche Bewegung und formale Vollkommenheit.
Stefanie Ehrenfried (*1960) Ihre intensiv lebendigen Skulpturen, die sie aus dem einzigartigen Medium Schafwolle mittels Nadeln zu dichten figürlichen Plastiken filzt, wirken oft archaisch oder und sind in ihrer wesenhaften Ausstrahlung entrückt. Sie sind kraftvolle, souveräne Wesen, die seelische Bewegungen sichtbar machen. Die Figuren wirken oft, als befänden sie sich in einer inneren Einkehr oder im „entgrenzten“ Zustand.
Stephan Hasslinger (*1960) In seinen faszinierenden, ornamentalen Keramikskulpturen, die an Strick- oder Häkelmuster erinnern, lotet er die Balance zwischen innerer Stabilität und Fragilität, architektonischer Form und bewegtem Ornament, Körper und Raum aus.
Silvia Siemes (*1960) visualisiert die Vielfalt des weiblichen Körpers und thematisiert Alltäglichkeit, Intimität und die grundlegenden Fragen des menschlichen Lebens. Sie ist bekannt für ihre zarten, naturalistischen Terrakottaskulpturen, die eine tiefe, in sich gekehrte Präsenz ausstrahlen.
Daniel Wagenblast (*1963) erzählt mit seinen farbig gefassten Holz- und Aluminium-Skulpturen humorvolle Kurzgeschichten“ des menschlichen Daseins. In einer reduzierten Formensprache porträtiert er Menschen in ihrer Beziehung zur Welt, wobei er Mobilität, Alltag und menschliche Eigenheiten thematisiert.
Christoph Traub (*1964 in Stuttgart) Sein Werk zeichnet sich durch die Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur als Fragment und die Darstellung von Bewegung und innerer Spannung aus. Die reduzierten, abstrahierten menschlichen Torsi aus Stein und Bronze sind dabei kein Zeichen von Zerstörung, sondern eine bewusste ästhetische Konzentration auf das Wesentliche. Das Unvollständige wird als vollständige Form wahrgenommen die der Rezipient in Gedanken ergänzen muss, wodurch er aktiv in den künstlerischen Prozess eingebunden wird.
Andreas Welzenbach (*1965) Seine figurativen, oft ironischen und überzeichneten Holzskulpturen stellen absurd-alltäglichen Situationen in einem ungewöhnlichen Kontext dar und hinterfragen dabei humorvoll aus dem Leben gegriffene gesellschaftliche Konventionen. Er spielt mit etablierten Kunstvorstellungen und hinterfragt die Konventionen einer bürgerlichen Ästhetik.
Klaus Hack (*1966) Seine archaisch anmutenden, figürlichen, weiß gefassten Holzskulpturen thematisieren grundlegende menschliche Zustände und Strukturen, wie Schutzbedürftigkeit, Isolation, aber auch Gemeinschaft und die Beziehung von Figur und Raum.
Thomas Röthel (*1969) Die abstrakten Stahlskulpturen, oft in der Werkgruppe „Drehung“ oder „Dynamik“ benannt, wirken trotz ihrer Tonnenschwere leicht und schwerelos. Sie zeichnen sich durch die Transformation des schweren, widerstandsfähigen Materials in scheinbar leichte, dynamische und filigrane Formen aus.
Jan Thomas (*1970) Seine figürlichen Holz- und Keramik-Skulpturen
stellen chimärenhafte Wesen oder „Trophäen“ dar, die an mittelalterliche Grotesken oder Totems erinnern. Dabei sind sie hybride Formen aus Mensch, Tier und Fabelwesen, die aus archaischen und postmodernen Elementen entstehen und existenzielle Themen behandeln.
Miriam Lenk (*1975 in Konstanz) ist eine zeitgenössische deutsche Bildhauerin, die vor allem durch ihre provokanten und lebensbejahenden Skulpturen des weiblichen Körpers bekannt ist. Ihre Werke hinterfragen traditionelle Schönheitsideale und stellen ein „Antiideal humanistischer Bürgerlichkeit“ dar.
CHRONOLOGIE SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
Expressionismus (ca. 1905–1920er): Fokus auf subjektive emotionale Erfahrung und verzerrte Formen. Künstler wie Ernst Barlach schufen Werke von großer Intensität.
Kubismus (ca. 1907–1914): Pablo Picasso und andere zerlegten Objekte in geometrische Formen und präsentierten sie aus mehreren Perspektiven gleichzeitig.
Futurismus (ca. 1909–1916): Verherrlichte Dynamik, Geschwindigkeit und die Industrialisierung. Umberto Boccioni war ein Hauptvertreter mit Werken wie „Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum“.
Dadaismus (ca. 1916–1920er): Eine Anti-Kunst-Bewegung als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg, die traditionelle Kunstbegriffe infrage stellte (Marcel Duchamps Readymades).
Konstruktivismus (ab ca. 1920er): Entstand in Russland, nutzte industrielle Materialien und geometrische Abstraktion, um Nützlichkeit und das Maschinenzeitalter zu feiern.
Surrealismus (ca. 1920er–1950er): Erkundete das Unterbewusstsein und Traumwelten; Künstler wie Alberto Giacometti schufen traumähnliche, bizarre Skulpturen.
Bauhaus (1919–1933): Ziel war die Verbindung von Kunst, Handwerk und Technologie, was zu funktionalen und minimalistischen Designs in verschiedenen Bereichen führte.
Abstrakter Expressionismus (ca. 1940er–1950er): Betonte spontane, emotionale Ausdrucksformen, die oft abstrakt waren.
Pop Art (ca. 1950er–1970er): Eine Reaktion auf den Abstrakten Expressionismus, die sich von der Massenkultur und Konsumwelt inspirieren ließ (z.B. Andy Warhol, Claes Oldenburg).
Minimalismus (ca. 1960er–1970er): Fokussierte auf extreme Vereinfachung, Reduktion auf essentielle Formen und industrielle Materialien.
Kinetische Kunst (ab ca. 1950er/60er): Skulpturen, die sich bewegen, oft durch Wind, Motoren oder den Betrachter selbst.
Land Art/Earthworks (ab ca. 1970er): Künstler schufen großformatige Werke direkt in der natürlichen Landschaft, oft unter Verwendung natürlicher Materialien (Robert Smithson).
Konzeptkunst (ab ca. 1960er): Die zugrunde liegende Idee oder das Konzept des Werkes war wichtiger als das fertige physische Objekt.
Performance- und Installationskunst (ab ca. 1960er): Skulptur erweiterte sich in den Bereich der Performance und raumgreifender Installationen, die den Betrachter aktiv einbezogen.
WEGBEREITER SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
Auguste Rodin (1840–1917)
Rodin gilt als die Brücke zwischen traditioneller, akademischer Bildhauerei und der Moderne. Er brach mit der idealisierten Darstellung und führte eine neue Subjektivität und Expressivität ein.
Bedeutung: Rodins Fähigkeit, intensive Emotionen durch fragmentierte oder unvollendete Oberflächen (Non-finito) auszudrücken, ebnete den Weg für den Expressionismus und die Abkehr vom reinen Abbild der Realität.
Constantin Brâncuși (1876–1957)
Brâncuși ist eine Schlüsselfigur in der Entwicklung der abstrakten Skulptur. Er strebte nach dem Wesen der Form und reduzierte seine Objekte auf archetypische, glatte und hoch stilisierte Formen.
Bedeutung: Brâncuși betrachtete den Skulpturensockel als integralen Bestandteil des Kunstwerks und etablierte die Skulptur als eigenständiges, abstraktes Objekt im Raum (z.B. „Vogel im Raum“).
Pablo Picasso (1881–1973)
Picasso übertrug die Prinzipien des Kubismus von der Malerei auf die Skulptur und führte die Technik der Assemblage (Montage) ein.
Bedeutung: Seine Verwendung von Alltagsgegenständen und Fundstücken in Werken wie „Die Ziege“ oder „Das Absinthglas“ stellte die traditionelle Definition von Skulptur infrage und beeinflusste Dadaismus und Pop Art maßgeblich.
Marcel Duchamp (1887–1968)
Duchamp gilt als der ultimative Vorreiter der Konzeptkunst. Mit seinen „Readymades“ – Alltagsgegenständen, die er zu Kunst erklärte – verlagerte er den Fokus von der Handwerkskunst auf die Idee.
Bedeutung: Werke wie „Fountain“ (ein signiertes Urinal) veränderten die Kunstwelt für immer. Sie legten den Grundstein für die Annahme, dass Kunst in erster Linie eine intellektuelle Auseinandersetzung ist und nicht zwangsläufig ein handgefertigtes, ästhetisches Objekt sein muss.
Umberto Boccioni (1882–1916)
Als führende Persönlichkeit des Futurismus revolutionierte Boccioni die Darstellung von Bewegung und Raum in der Skulptur.
Bedeutung: Sein Werk „Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum“ zeigt nicht den statischen Körper, sondern die dynamische Energie der Fortbewegung selbst. Er forderte die Abschaffung traditioneller Materialien zugunsten moderner Werkstoffe.
ZITATE SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
„Ich erfinde nichts, ich entdecke; die Kunst ist schon immer da gewesen, es gilt nur, sie zu finden.“ | Auguste Rodin
„Die Hauptsache ist, gerührt zu sein, zu lieben, zu hoffen, zu zittern, zu leben. Bildhauer sein heißt, das Drama der Welt in Ton zu formen.“ | Auguste Rodin
„Schaffen Sie wie ein Gott, befehlen Sie wie ein König, arbeiten Sie wie ein Sklave.“ | Constantin Brâncuși
„Einfachheit ist keine Zielgerade in der Kunst, sondern man gelangt zur Einfachheit, ohne es zu wissen, wenn man sich den wahren Sinn der Dinge nähert.“ | Constantin Brâncuși
„Was real ist, ist nicht die äußere Form, sondern die Idee, das Wesen der Dinge.“ | Constantin Brâncuși
„Ich bin daran interessiert, Ideen in der Kunst zu haben, nicht nur visuelle Produkte.“ | Marcel Duchamp
„Kunst ist eine Gewohnheit. Die Kunstwelt ist eine Scheinwelt.“ | Marcel Duchamp
„Der Betrachter macht das Bild.“ | Marcel Duchamp
„Eine Skulptur sollte Leben haben. Das Leben in einer Skulptur ist das, was ich Volumen nenne.“ | Henry Moore
„Man muss die Form finden, die Bewegung und Leben hat, unabhängig davon, ob sie eine Figur darstellt oder nicht.“ | Henry Moore
„Ich arbeite, um ein wenig Realität festzuhalten, was ich sehe, oder besser gesagt, was ich in meinen Augen wahrnehme.“ | Alberto Giacometti
„Je mehr ich arbeite, desto mehr entdecke ich, dass man nichts weiß.“ | Alberto Giacometti
„Die Kunst ist eine Garantie für geistige Gesundheit.“ | Louise Bourgeois
„Ich habe keine Angst vor der Einsamkeit. Ich fürchte die Abhängigkeit.“ | Louise Bourgeois
SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
KUNSTWERKE SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Wilhelm Loth, Neue Figuration, Torso aus konvexen Formen, 1984, Bronze, 50 cm x 82 cm x 15,5 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Wilhelm Loth, Neue Figuration, Torso, 1950, Bronze, 62 cm x 31 cm x 22 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Emil Cimiotti, ohne Titel, 2014, Bronze gussrau, 49 cm x 83 cm x 27 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Emil Cimiotti, Knieende, 1983, Bronze gussrau auf Stahl, teilweise bemalt, 191 cm x 44 cm x 67 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Emil Cimiotti, Pineta III, Bronze gussrau, 58 cm x 24 cm x 23 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Otto Herbert Hajek, P 138, 60 3, 1960, Bronze, 27 cm x 25 cm x 11 cm – Höhe ohne Sockel, Unikat, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Erich Hauser, 5-89, Edelstahl, poliert, Unikat signiert, 137 cm x 86 cm x 16 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Jürgen Brodwolf, Ikarus II, 1997, Fundstück, verhüllte Tubenfigur, 1974, 45 cm x 51 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Jürgen Brodwolf, Figurentypologie 2008, umhüllte Tubenfigur um 1980, 40 cm x 30 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Franz Bernhard, Kreuzform, 1994, Eisen, Gips, Höhe 167 cm, Breite 99 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Herbert Mehler, Asperago, 2013, 240 cm x 58 cm, Corten Stahl, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Rudolf Kurz, Torso, 1993, 65 cm x 50 cm x 14 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Robert Schad, FILIMU, 2014, Vierkantstahl massiv; 45 mm, 260 cm x 130 cm x 100 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Armin Göhringer, o.T. (24), 2013, Holz geschwärzt, 87 x 120 cm x 28 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Dietrich Klinge, Torso, Daphne, Bronze, Höhe 251 cm, Auflage 6 Exemplare, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Andrea Zaumseil, Ohne Titel, 1998, Stahl, 3 Teile, Höhe ca. 278 cm, 295 cm, 265 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Sonja Edle von Hoeßle, Endlosschleife 6XV, 2017, Cortenstahl, 248 cm x 248 cm x 315 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Stefanie Ehrenfried, Große Beere, 2012-2017, Schafwolle nadelgefilzt, 55 cm x 75 cm x 115 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Stephan Hasslinger, Paisly, Keramik und Glasuren, 2017, 112 cm x 66 cm x 65 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Silvia Siemes, Große Sitzende, 2019, Terrakotta gebrannt, Höhe 87 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Daniel Wagenblast, Weltenfahrer 40, 2021, Bronze grün patiniert, 40 cm x 20 cm x 20 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Christoph Traub, Haut 1, 2014, Jura, Stahl, 95 cm x 15 cm x 30 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Andreas Welzenbach, Selbstmordattentäter, 2007, Holz, farbig gefasst, 110 x 80 x 72 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Klaus Hack, Tänzerin, 2023, 2024, Pappel, weiss gefasst, 74,5 cm x 32 x 31,5 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Klaus Hack, Jeanne d’Arc, 2022, 2023, Pappel, Eiche, Buche weiß gefasst, 141 cm x 112 cm x 40 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Jan Thomas, K.K., 2012/13, Pappelholz, Palette, Höhe: 210 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Skulpturen des 20. Jahrhunderts, Miriam Lenk, Oktopussy, 2013, Keramik, 40 cm x 40 cm x 38cm, 3/3, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
VIDEOS SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
Ausstellungsfilm. VON MISCHWESEN. SKULPTUR IN DER MODERNE | Hamburger Kunsthalle | Ein Film der Hamburger Kunsthalle anstelle einer Ausstellungseröffnung VON MISCHWESEN. Skulptur in der Moderne. | YouTube
Negativer Raum | Skulptur und Installation im 20./21. Jahrhundert | ZKM Karlsruhe | Die Ausstellung »Negativer Raum« möchte den Blick auf die moderne und zeitgenössische Skulptur ändern und eine andere Geschichte der Skulptur erzählen. Ziel der Ausstellung ist es, die Beziehungen von Skulptur und Raum dezidiert vom Raum aus zu denken. Alle Exponate thematisieren das skulpturale Phänomen in Relation zu vielfältigen Raumvorstellungen: Freiräume, Um-, Hohl- und Zwischenräume, Spiegel-, Licht- und Schattenräume, virtuelle Datenräume etc. Die Ausstellung bietet einen umfassenden Überblick zur Kunst der Skulptur, die entgegen der traditionellen Definition der Kontur, Leere und Levitation verpflichtet ist: leicht statt schwer, nicht voll doch leer, geöffnet statt geschlossen, diaphan statt dicht, luftig und licht. Videodokumentation: ZKM | Videostudio Kamera: Xenia Leidig, Tim Wenz, Christina Zartmann Schnitt: Christina Zartmann Sprecher: Andy Koch Tonaufnahme: Anton Kossjanenko Musik: Space, Awesomebrother; Infinity, Noah Gouber Sound | YouTube
Director’s Choice. Ein Rundgang durch die Skulpturensammlung | Staatliche Kunstsammlungen Dresden | Spaziert mit dem ehemaligen Direktor der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Dr. Moritz Woelk durch das Museum und seht erstaunliche und mitreißende Skulpturen von der Antike bis zur unmittelbaren Gegenwart. Begegnet Arbeiten von u.a. Auguste Rodin, Wilhelm Lehmbruck, Hermann Glöckner, Emil Cimiotti, Tony Cragg und Birgit Dieker. | YouTube
DEFINITION SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
Die Skulptur des 20. Jahrhunderts zeichnet sich durch eine radikale Erweiterung des Skulpturbegriffs aus, weg von der traditionellen Nachahmung der Realität hin zu Abstraktion, Experimenten mit neuen Materialien und der Einbeziehung des Raums. Künstler suchten nach neuen Wegen, um Neugier zu wecken, Wahrnehmungen zu hinterfragen und zur Interaktion einzuladen.
MERKMALE UND ENTWICKLUNGEN DER SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
Abstraktion: Die Abkehr von der gegenständlichen Darstellung war ein zentraler Trend. Abstrakte Skulpturen konzentrierten sich auf Form, Linie und Volumen.
Materialvielfalt: Bildhauer experimentierten mit einer breiten Palette von Materialien, darunter Bronze, Holz, Stein, aber auch neue Materialien wie Stahl, Glas, Kunststoffe und Fundstücke (Ready-mades).
Einbeziehung des Raumes: Skulpturen wurden zunehmend als raumgreifende Objekte oder Installationen konzipiert, die den umgebenden Raum aktiv einbeziehen oder verändern, anstatt nur auf einem Sockel zu stehen.
Stilistische Vielfalt: Das Jahrhundert war geprägt von einer schnellen Abfolge verschiedener Kunstrichtungen, darunter Kubismus, Expressionismus, Konstruktivismus, Dadaismus, Surrealismus, Minimalismus, Pop Art und Land Art.
PRÄGENDE BILDHAUER UND DEREN HAUPTWERKE IM 20. JAHRHUNDERT
Auguste Rodin (1840–1917): Obwohl seine Arbeit im 19. Jahrhundert begann, beeinflusste sein expressiver Stil mit Werken wie „Der Denker“ die Moderne im 20. Jahrhundert nachhaltig.
Ernst Barlach (1870–1938): Ein visionärer Bildhauer des Expressionismus, dessen Werke oft menschliches Leid und Spiritualität thematisierten.
Constantin Brâncuși (1876–1957): Ein Pionier der Abstraktion, bekannt für seine hochgradig vereinfachten, eleganten Formen wie „Der Kuss“ oder „Vogel im Raum“.
Pablo Picasso (1881–1973): Seine kubistischen Experimente, wie „Das Absinthglas“, erweiterten den Skulpturbegriff durch die Verwendung von Assemblage und Collage.
Henry Moore (1898–1986): Bedeutender britischer Bildhauer, bekannt für seine großen, oft durchbrochenen Bronze- und Steinfiguren, die abstrakte Formen mit der menschlichen Gestalt verbinden.
Louise Nevelson (1899–1988): Eine Schlüsselfigur in der amerikanischen Skulptur, die große, monochrome Wandassemblagen aus weggeworfenen Holzstücken schuf.
Alberto Giacometti (1901–1966): Berühmt für seine stark ausgemergelten, langen Figuren, die die existenzielle Einsamkeit des modernen Menschen darstellen, wie „Der gehende Mann“.
Barbara Hepworth (1903–1975): Eine weitere prominente britische Bildhauerin, die für ihre geschwungenen, taktilen und rätselhaften abstrakten Formen bekannt war.
Louise Bourgeois (1911–2010): Bekannt für ihre oft furchterregenden, persönlichen Werke, insbesondere ihre monumentalen Spinnen-Skulpturen (Maman), die sich mit Themen wie Mutterschaft und Trauma auseinandersetzen.
Wilhelm Loth (1920–1993) Seine sinnlich anmutenden, figurativen Skulpturen zeichnen sich durch geschlossene, glatte Oberflächen und eine blockhafte Massivität aus. Er reduzierte die anatomischen Details zugunsten der klaren, plastischen Form. Oftmals wurden Arme, Beine oder der Kopf weggelassen, um die Konzentration auf den weiblichen Torso als zentrales menschliches Motiv zu lenken.
Emil Cimiotti (1927–2019) war ein Pionier der abstrakten Kunst der Nachkriegszeit, speziell des deutschen Informel. Sein Werk zeichnet sich durch eine Abkehr von traditionellen, geschlossenen Formen aus und ist bekannt für seine dynamischen, strukturierten Bronzeplastiken, die oft organische Anmutungen zeigen.
Otto Herbert Hajek (1927–2005) In den 1950er Jahren wurde er mit seinen abstrakt-informellen Werkgruppe der „Raumknoten“ und „Raumschichtungen“, die sich durch stark zerklüftete, reliefartige Oberflächen auszeichneten, bekannt. Ab den 1960er Jahren entwickelte er „Farbwege“ als begehbare Installationen im öffentlichen Raum und lud dadurch die Besucher zur Interaktion mit den Skulpturen ein.
Erich Hauser (1930–2004) Mit seinen oft monumentalen, abstrakten Stahlskulpturen thematisiert Hauser den Raum nicht nur als Umgebung der Skulptur, sondern als integralen Bestandteil des Werks. Seine raumgreifenden Raumplastiken bestehen aus in sich verschränkten oder aufgefächerten Flächen, die den umgebenden Raum durchdringen und das Licht auf komplexe Weise reflektieren.
Jürgen Brodwolf (*1932 in Dübendorf, Schweiz) Im Zentrum von Brodwolfs Kunst steht die existenzielle Befindlichkeit des Menschen, oft dargestellt durch stark abstrahierte, reduzierte ikonische Tubenfiguren.
Ausgedrückte Farbtuben dienten ihm als Ausgangspunkt für kleine, an Mumiengestalten erinnernde menschliche Silhouetten, die er als Metaphern für das schutzbedürftige, zerbrechliche menschliche Dasein begreift.
Franz Bernhard (1934–2013) Seine Skulpturen sind stark abstrahierte, „anthropomorphe Zeichen“ für den Menschen, keine naturgetreuen Abbilder. Er macht mit seinen oft monumentalen Skulpturen das Wesen des Menschen durch Form, Proportion und Rhythmus erfahrbar.
Herbert Mehler (*1949) Die archetypisch anmutenden Urformen von monumentalen, amorphen Cortenstahl-Skulpturen zeichnen sich durch die Verbindung von organischen Urformen der Natur mit geometrischen und tektonischen Elementen aus.
Willi Siber (*1949) Seine Werke zeichnen sich durch intensive Farben, hochglänzende Oberflächen und dynamische Formen aus, die barocke Einflüsse aus seiner oberschwäbischen Heimat mit einer zeitgenössischen, abstrakten Formensprache verbinden. Diese Skulpturen, oft als „Farb-Raum-Körper“ beschrieben, wirken trotz der Schwere des Materials aufgrund des glänzenden Chromlacks oft leicht und dynamisch, fast wie mühelos gebogene Strohhalme.
Rudolf Kurz (*1952) Seine figurativen Steinskulpturen, oft Torsi oder Figurenfragmente, setzen sich konsequent und intensiv mit der menschlichen Existenz auseinander. Der Torso dient dabei als Mittel zur Reduktion der menschlichen Figur auf ihre Essenz. Indem er Gliedmaßen oder den Kopf weglässt, konzentriert er die Aufmerksamkeit des Betrachters auf den Körperkern, die Haltung und die innere Spannung der Figur.
Robert Schad (*1953) Die oft als Raumzeichnungen beschriebenen dynamischen und raumgreifenden Stahlskulpturen wirken trotz ihres Gewichts oft tänzerisch leicht und dynamisch, als wären sie in einer Bewegung eingefroren. Die Formen sind abstrakt, aber oft vom menschlichen Körper oder Bewegungsabläufen inspiriert, wodurch sie eine „choreographische Anmutung“ erhalten.
Armin Göhringer (*1954) In seinen eindrucksvollen, abstrakten Holzskulpturen thematisiert Göhringer die Polarität des Lebens, das Wechselspiel von Tragen und Lasten, Ruhe und Bewegung. Die durch Schnitte geschaffenen Hohlräume oder „Lichtlöcher“ sind dabei ebenso wichtig wie die feste Masse und symbolisieren Freiräume oder „Fenster der Erinnerung“.
Dietrich Klinge (*1954) Die raumpräsenten, expressiv-figurativen Skulpturen wirken oft blockhaft reduziert und erinnern an Werke archaischer Kulturen, die innere Kräfte thematisieren. Die Figuren sind Deutungsangebote, die existenzielle Themen wie Isolation, Freiheit und menschliche Befindlichkeit ansprechen, ohne biblische Kontexte aufzwingen zu wollen.
Stephan Balkenhol (*1957) Die Figuren wirken oft rätselhaft und distanziert, mit einem leeren Blick, der viel Raum für eigene Interpretationen lässt. Sie sind keine Helden oder Idole, sondern gewöhnliche, anonyme Durchschnittstypen ohne Emotionen oder spezifische gesellschaftliche Bezüge. Balkenhols Kunst ist eine Reaktion auf die Tradition der Skulptur und das Pathos von Denkmälern.
Andrea Zaumseil (*1957) Ihre monumentale, unverwechselbare abstrakte Stahlplastiken im öffentlichen Raum thematisieren oft, in der Auseinandersetzung mit den Polaritäten von Massivität und Leichtigkeit, Fiktion und Realität sowie Innen- und Außenraum, Organisches, Naturphänomene oder Gefäße und besitzen eine unverwechselbare, surreal anmutende Formensprache. Das bekannteste Werk von Andrea Zaumseil ist das Denkmal „Die zerrissene Perlenkette“ von 2004 in Erinnerung an das Flugzeugunglück vom 1. Juli 2002 bei Überlingen.
Die neunteilige Plastik besteht aus Edelstahl-Kugeln und einem gerissenen Stahlseil. Sie befindet sich an genau den Stellen, an denen viele der größeren und kleineren Trümmer, der in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 2002 zusammengestoßenen Flugzeuge auf dem Boden auftrafen.
Sonja Edle von Hoeßle (*1960) Ihre abstrakten Stahlskulpturen verbleiben in einer in sich geschlossenen Form, wirken aber aufgrund ihrer filigranen, „tanzenden“ Linienführung dynamisch und fließend. Die häufig wiederkehrenden eleganten „Schleifen“ oder „Endlosschleifen“, suggerieren unendliche Bewegung und formale Vollkommenheit.
Stefanie Ehrenfried (*1960) Ihre intensiv lebendigen Skulpturen, die sie aus dem einzigartigen Medium Schafwolle mittels Nadeln zu dichten figürlichen Plastiken filzt, wirken oft archaisch oder und sind in ihrer wesenhaften Ausstrahlung entrückt. Sie sind kraftvolle, souveräne Wesen, die seelische Bewegungen sichtbar machen. Die Figuren wirken oft, als befänden sie sich in einer inneren Einkehr oder im „entgrenzten“ Zustand.
Stephan Hasslinger (*1960) In seinen faszinierenden, ornamentalen Keramikskulpturen, die an Strick- oder Häkelmuster erinnern, lotet er die Balance zwischen innerer Stabilität und Fragilität, architektonischer Form und bewegtem Ornament, Körper und Raum aus.
Silvia Siemes (*1960) visualisiert die Vielfalt des weiblichen Körpers und thematisiert Alltäglichkeit, Intimität und die grundlegenden Fragen des menschlichen Lebens. Sie ist bekannt für ihre zarten, naturalistischen Terrakottaskulpturen, die eine tiefe, in sich gekehrte Präsenz ausstrahlen.
Daniel Wagenblast (*1963) erzählt mit seinen farbig gefassten Holz- und Aluminium-Skulpturen humorvolle Kurzgeschichten“ des menschlichen Daseins. In einer reduzierten Formensprache porträtiert er Menschen in ihrer Beziehung zur Welt, wobei er Mobilität, Alltag und menschliche Eigenheiten thematisiert.
Christoph Traub (*1964 in Stuttgart) Sein Werk zeichnet sich durch die Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur als Fragment und die Darstellung von Bewegung und innerer Spannung aus. Die reduzierten, abstrahierten menschlichen Torsi aus Stein und Bronze sind dabei kein Zeichen von Zerstörung, sondern eine bewusste ästhetische Konzentration auf das Wesentliche. Das Unvollständige wird als vollständige Form wahrgenommen die der Rezipient in Gedanken ergänzen muss, wodurch er aktiv in den künstlerischen Prozess eingebunden wird.
Andreas Welzenbach (*1965) Seine figurativen, oft ironischen und überzeichneten Holzskulpturen stellen absurd-alltäglichen Situationen in einem ungewöhnlichen Kontext dar und hinterfragen dabei humorvoll aus dem Leben gegriffene gesellschaftliche Konventionen. Er spielt mit etablierten Kunstvorstellungen und hinterfragt die Konventionen einer bürgerlichen Ästhetik.
Klaus Hack (*1966) Seine archaisch anmutenden, figürlichen, weiß gefassten Holzskulpturen thematisieren grundlegende menschliche Zustände und Strukturen, wie Schutzbedürftigkeit, Isolation, aber auch Gemeinschaft und die Beziehung von Figur und Raum.
Thomas Röthel (*1969) Die abstrakten Stahlskulpturen, oft in der Werkgruppe „Drehung“ oder „Dynamik“ benannt, wirken trotz ihrer Tonnenschwere leicht und schwerelos. Sie zeichnen sich durch die Transformation des schweren, widerstandsfähigen Materials in scheinbar leichte, dynamische und filigrane Formen aus.
Jan Thomas (*1970) Seine figürlichen Holz- und Keramik-Skulpturen
stellen chimärenhafte Wesen oder „Trophäen“ dar, die an mittelalterliche Grotesken oder Totems erinnern. Dabei sind sie hybride Formen aus Mensch, Tier und Fabelwesen, die aus archaischen und postmodernen Elementen entstehen und existenzielle Themen behandeln.
Miriam Lenk (*1975 in Konstanz) ist eine zeitgenössische deutsche Bildhauerin, die vor allem durch ihre provokanten und lebensbejahenden Skulpturen des weiblichen Körpers bekannt ist. Ihre Werke hinterfragen traditionelle Schönheitsideale und stellen ein „Antiideal humanistischer Bürgerlichkeit“ dar.
CHRONOLOGIE SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
Expressionismus (ca. 1905–1920er): Fokus auf subjektive emotionale Erfahrung und verzerrte Formen. Künstler wie Ernst Barlach schufen Werke von großer Intensität.
Kubismus (ca. 1907–1914): Pablo Picasso und andere zerlegten Objekte in geometrische Formen und präsentierten sie aus mehreren Perspektiven gleichzeitig.
Futurismus (ca. 1909–1916): Verherrlichte Dynamik, Geschwindigkeit und die Industrialisierung. Umberto Boccioni war ein Hauptvertreter mit Werken wie „Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum“.
Dadaismus (ca. 1916–1920er): Eine Anti-Kunst-Bewegung als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg, die traditionelle Kunstbegriffe infrage stellte (Marcel Duchamps Readymades).
Konstruktivismus (ab ca. 1920er): Entstand in Russland, nutzte industrielle Materialien und geometrische Abstraktion, um Nützlichkeit und das Maschinenzeitalter zu feiern.
Surrealismus (ca. 1920er–1950er): Erkundete das Unterbewusstsein und Traumwelten; Künstler wie Alberto Giacometti schufen traumähnliche, bizarre Skulpturen.
Bauhaus (1919–1933): Ziel war die Verbindung von Kunst, Handwerk und Technologie, was zu funktionalen und minimalistischen Designs in verschiedenen Bereichen führte.
Abstrakter Expressionismus (ca. 1940er–1950er): Betonte spontane, emotionale Ausdrucksformen, die oft abstrakt waren.
Pop Art (ca. 1950er–1970er): Eine Reaktion auf den Abstrakten Expressionismus, die sich von der Massenkultur und Konsumwelt inspirieren ließ (z.B. Andy Warhol, Claes Oldenburg).
Minimalismus (ca. 1960er–1970er): Fokussierte auf extreme Vereinfachung, Reduktion auf essentielle Formen und industrielle Materialien.
Kinetische Kunst (ab ca. 1950er/60er): Skulpturen, die sich bewegen, oft durch Wind, Motoren oder den Betrachter selbst.
Land Art/Earthworks (ab ca. 1970er): Künstler schufen großformatige Werke direkt in der natürlichen Landschaft, oft unter Verwendung natürlicher Materialien (Robert Smithson).
Konzeptkunst (ab ca. 1960er): Die zugrunde liegende Idee oder das Konzept des Werkes war wichtiger als das fertige physische Objekt.
Performance- und Installationskunst (ab ca. 1960er): Skulptur erweiterte sich in den Bereich der Performance und raumgreifender Installationen, die den Betrachter aktiv einbezogen.
WEGBEREITER SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
Auguste Rodin (1840–1917)
Rodin gilt als die Brücke zwischen traditioneller, akademischer Bildhauerei und der Moderne. Er brach mit der idealisierten Darstellung und führte eine neue Subjektivität und Expressivität ein.
Bedeutung: Rodins Fähigkeit, intensive Emotionen durch fragmentierte oder unvollendete Oberflächen (Non-finito) auszudrücken, ebnete den Weg für den Expressionismus und die Abkehr vom reinen Abbild der Realität.
Constantin Brâncuși (1876–1957)
Brâncuși ist eine Schlüsselfigur in der Entwicklung der abstrakten Skulptur. Er strebte nach dem Wesen der Form und reduzierte seine Objekte auf archetypische, glatte und hoch stilisierte Formen.
Bedeutung: Brâncuși betrachtete den Skulpturensockel als integralen Bestandteil des Kunstwerks und etablierte die Skulptur als eigenständiges, abstraktes Objekt im Raum (z.B. „Vogel im Raum“).
Pablo Picasso (1881–1973)
Picasso übertrug die Prinzipien des Kubismus von der Malerei auf die Skulptur und führte die Technik der Assemblage (Montage) ein.
Bedeutung: Seine Verwendung von Alltagsgegenständen und Fundstücken in Werken wie „Die Ziege“ oder „Das Absinthglas“ stellte die traditionelle Definition von Skulptur infrage und beeinflusste Dadaismus und Pop Art maßgeblich.
Marcel Duchamp (1887–1968)
Duchamp gilt als der ultimative Vorreiter der Konzeptkunst. Mit seinen „Readymades“ – Alltagsgegenständen, die er zu Kunst erklärte – verlagerte er den Fokus von der Handwerkskunst auf die Idee.
Bedeutung: Werke wie „Fountain“ (ein signiertes Urinal) veränderten die Kunstwelt für immer. Sie legten den Grundstein für die Annahme, dass Kunst in erster Linie eine intellektuelle Auseinandersetzung ist und nicht zwangsläufig ein handgefertigtes, ästhetisches Objekt sein muss.
Umberto Boccioni (1882–1916)
Als führende Persönlichkeit des Futurismus revolutionierte Boccioni die Darstellung von Bewegung und Raum in der Skulptur.
Bedeutung: Sein Werk „Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum“ zeigt nicht den statischen Körper, sondern die dynamische Energie der Fortbewegung selbst. Er forderte die Abschaffung traditioneller Materialien zugunsten moderner Werkstoffe.
ZITATE SKULPTUREN DES 20. JHARHUNDERTS
„Ich erfinde nichts, ich entdecke; die Kunst ist schon immer da gewesen, es gilt nur, sie zu finden.“ | Auguste Rodin
„Die Hauptsache ist, gerührt zu sein, zu lieben, zu hoffen, zu zittern, zu leben. Bildhauer sein heißt, das Drama der Welt in Ton zu formen.“ | Auguste Rodin
„Schaffen Sie wie ein Gott, befehlen Sie wie ein König, arbeiten Sie wie ein Sklave.“ | Constantin Brâncuși
„Einfachheit ist keine Zielgerade in der Kunst, sondern man gelangt zur Einfachheit, ohne es zu wissen, wenn man sich den wahren Sinn der Dinge nähert.“ | Constantin Brâncuși
„Was real ist, ist nicht die äußere Form, sondern die Idee, das Wesen der Dinge.“ | Constantin Brâncuși
„Ich bin daran interessiert, Ideen in der Kunst zu haben, nicht nur visuelle Produkte.“ | Marcel Duchamp
„Kunst ist eine Gewohnheit. Die Kunstwelt ist eine Scheinwelt.“ | Marcel Duchamp
„Der Betrachter macht das Bild.“ | Marcel Duchamp
„Eine Skulptur sollte Leben haben. Das Leben in einer Skulptur ist das, was ich Volumen nenne.“ | Henry Moore
„Man muss die Form finden, die Bewegung und Leben hat, unabhängig davon, ob sie eine Figur darstellt oder nicht.“ | Henry Moore
„Ich arbeite, um ein wenig Realität festzuhalten, was ich sehe, oder besser gesagt, was ich in meinen Augen wahrnehme.“ | Alberto Giacometti
„Je mehr ich arbeite, desto mehr entdecke ich, dass man nichts weiß.“ | Alberto Giacometti
„Die Kunst ist eine Garantie für geistige Gesundheit.“ | Louise Bourgeois
„Ich habe keine Angst vor der Einsamkeit. Ich fürchte die Abhängigkeit.“ | Louise Bourgeois