GCB Kunstlexikon
KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
KUNSTWERKE KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Andrea Zaumseil, Ohne Titel, 1998, Stahl, 3 Teile, Höhe ca. 278 cm, 295 cm, 265 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Vera Leutloff, Circular Oszillation: Fjord, 2020, Öl auf Leinwand, 60 cm x 60 cm, Preis auf Anfrage, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Isa Dahl, nur so, 2011, Öl auf Leinwand, 210 cm x 240 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Stefanie Ehrenfried, Große Beere, 2012-2017, Schafwolle nadelgefilzt, 55 cm x 75 cm x 115 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Miriam Vlaming, Der Feuerbringer, 2018, Eitempera auf Leinwand, 170 cm x 200 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Miriam Lenk, Oktopussy, 2013, Keramik, 40 cm x 40 cm x 38cm 33, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Judith Grassl, Gifts (rest in trees), 2020, Acryl auf Leinwand, 170 cm x 150 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Simone Haack, Coco in Curacao, 2022, Öl auf Baumwolle, 160 cm x 155 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Silvia Siemes, Große Sitzende, 2019, Terrakotta gebrannt, Höhe 87 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
VIDEOS KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Wo sind die Malerinnen der Renaissance? | Kultur erklärt – Flick Flack | ARTE | Irgendwas mit ARTE und Kultur | Sie können Leonardo da Vinci, Tizian oder Botticelli problemlos das Wasser reichen – doch ihre Werke verstauben seit 500 Jahren auf den Dachböden von Kirchen und Museen in Florenz. Linda Falcone, Leiterin der Stiftung Advancing Women Artists, setzt sich für die Restaurierung von 2000 in Vergessenheit geratenen Renaissance-Werken ein und möchte so die Lücken in der Kunstgeschichte schließen. | YouTube
Radikal! Künstlerinnen* und Moderne 1910–1950 | Abstraktion
Belvedere Museum | Über 60 Künstlerinnen* aus 20 Ländern treffen in der Ausstellung Radikal! Künstlerinnen* und Moderne 1910–1950 im Belvedere Wien aufeinander. Vielstimmig, international, überraschend. Malerei begegnet Textildesign, Skulptur trifft Druckgrafik, Zeichnung verschränkt sich mit Fotografie und Film. Unabhängig von ihrer Herkunft und Bildsprache verbindet die Künstlerinnen* die Suche nach neuen Ausdrucks- und Repräsentationsformen sowie der Wille, die Grenzen von Kunst und Gesellschaft zu verschieben. Kuratiert von Stephanie Auer, mit Assistenz von Miroslav Haľák und Katarina Lozo. | YouTube
DEFINITION KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Unter dem Begriff „Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart“ versteht die Kunstwissenschaft weibliche Kulturschaffende, die trotz historischer, rechtlicher und institutioneller Barrieren wesentliche Beiträge zur Entwicklung der globalen Kunstgeschichte geleistet haben. Über Jahrhunderte hinweg wurden Frauen systematisch vom akademischen Kunstbetrieb, von Zunftrechten und vom offiziellen Kanon ausgeschlossen. Die moderne feministische Kunstwissenschaft (seit den 1970er Jahren) rekonstruiert diese „unsichtbare“ Geschichte. Sie definiert „bedeutende Künstlerinnen“ nicht nur über überragende handwerkliche Qualität, sondern auch über deren Rolle als Pionierinnen, die neue Bildsprachen entwickelten, gesellschaftliche Rollenbilder aufbrachen und nachfolgenden Generationen den Weg ebneten.
HISTORIE + CHRONOLOGIE KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Antike (ca. 800 v. Chr. – 500 n. Chr.): Frauen arbeiten primär im Kunsthandwerk (Weberei, Töpferei). Einzelne Malerinnen erlangen in Rom und Griechenland durch Porträtkunst hohe gesellschaftliche Anerkennung.
Mittelalter (ca. 500 – 1500): Klöster bieten Frauen einen geschützten Raum für Bildung und Kunst. Es entsteht eine Hochphase der weiblich geprägten Buchmalerei (Illumination) und Textilkunst (Teppich von Bayeux).
Renaissance & Barock (ca. 1400 – 1750): Erste Öffnung des Marktes. Töchter berühmter Maler erhalten Ausbildung im väterlichen Atelier. Es entstehen erste eigenständige Werkstätten von Frauen und Hofmalerinnen-Karrieren. Die Genremalerei und das Stillleben werden von Frauen stark geprägt, da ihnen das Studium des männlichen Aktes verboten bleibt.
Klassizismus, Romantik & Realismus (ca. 1750 – 1880): Frauen erringen Zugang zu Kunstakademien (oft über teure Privatklassen). Erste offizielle Mitgliedschaften in königlichen Akademien werden vergeben. Frauen etablieren sich in der Porträt- und Tiermalerei.
Moderne & Avantgarde (ca. 1880 – 1945): Radikaler Umbruch. Künstlerinnen sind maßgeblich an der Entstehung von Impressionismus, Expressionismus, Dadaismus und Surrealismus beteiligt. Sie erobern die abstrakte Kunst.
Gegenwart (ab 1945): Vollständige institutionelle Gleichberechtigung im globalen Kunstmarkt (documenta, Biennalen). Künstlerinnen dominieren neue Medien wie Performance, Installationskunst, Konzeptkunst und digitale Medien.
WEGBEREITER KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Das väterliche Atelier (16.–18. Jh.): Väter, die das Talent ihrer Töchter erkannten und sie trotz des Gilde-Verbots als Gehilfinnen ausbildeten (z.B. Orazio Gentileschi für Artemisia).
Frauenakademien und Privatateliers (19. Jh.): Institutionen wie die Académie Julian in Paris, die Frauen den Zugang zu professionellen Modellen und Maltechniken ermöglichten, als staatliche Akademien noch blockierten.
Die Suffragetten- und Frauenrechtsbewegung (spätes 19. – frühes 20. Jh.): Sie erkämpfte den rechtlichen Status, eigenständig Verträge zu unterschreiben und Kunstakademien regulär zu besuchen.
Feministische Kunstwissenschaft (ab 1971): Angestoßen durch Linda Nochlins Essay „Why Have There Been No Great Women Artists?“. Sie deckte die patriarchalen Strukturen des Kunstbetriebs auf und startete die Wiederentdeckung vergessener Meisterinnen.
Die „Guerrilla Girls“ (Ab 1985): Ein anonymes Künstlerinnenkollektiv, das mit Plakataktionen Sexismus und Rassismus im Kunstbetrieb (z.B. im MoMA) bis heute radikal anprangert.
BEDEUTENDE VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Iaia von Kyzikos (1. Jh. v. Chr.) – Antike Porträtmalerin
Ende (10. Jh.) – Erste namentlich signierende Buchmalerin des Mittelalters
Sofonisba Anguissola (1532–1625) – Renaissance-Hofmalerin
Artemisia Gentileschi (1593–1653) – Barocke Meisterin des Chiaroscuro
Élisabeth Vigée-Lebrun (1755–1842) – Klassizistische Hofmalerin Marie-Antoinettes
Marie Ellenrieder (1791–1863): Geboren in Konstanz, war sie die erste Frau, die an der Kunstakademie München studieren durfte. Sie stieg zur badischen Hofmalerin auf und gilt als eine der bedeutendsten deutschen Malerinnen des 19. Jahrhunderts (Nazarener-Stil). [1, 2, 3, 4, 5]
Rosa Bonheur (1822–1899) – Realistische Tiermalerin und Gender-Pionierin
Berthe Morisot (1841–1895) – Mitbegründerin des französischen Impressionismus
Hilma af Klint (1862–1944) – Erste abstrakte Malerin der westlichen Kunstgeschichte
Käthe Kollwitz (1867–1945) – Bedeutendste deutsche Grafikerin und Bildhauerin des sozialen Elends
Paula Modersohn-Becker (1876–1907): Eine Pionierin des Expressionismus. Sie gilt als die erste Malerin überhaupt, die ein nacktes Selbstbildnis von sich schuf.
Gabriele Münter (1877–1962): Kernmitglied der berühmten expressionistischen Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“. Sie prägte die Klassische Moderne mit ihren farbstarken Landschaften und Porträts entscheidend mit.
Ida Kerkovius (1879–1970): Sie zog nach Stuttgart, um bei Adolf Hölzel an der dortigen Kunstakademie zu studieren. Später wirkte sie als einflussreiche Malerin des Expressionismus und der Abstraktion und prägte die Stuttgarter Kunstszene jahrzehntelang.
Hannah Höch (1889–1978): Die einzige bedeutende Frau im Kreis der Berliner Dadaisten. Sie gilt als Miterfinderin der Fotomontage und nutzte diese als scharfes Medium für Gesellschafts- und Geschlechterkritik.
Frida Kahlo (1907–1954) – Mexikanische Ikone der biografischen und surrealen Malerei
Louise Bourgeois (1911–2010) – Pionierin der modernen Skulptur und Installationskunst
Yayoi Kusama (*1929) – Pop-Art- und Konzeptpionierin
Judy Chicago (*1939): Schöpferin von The Dinner Party (1974–1979), dem ultimativen Monument der feministischen Kunst. Die monumentale, dreieckige Festtafel ehrt 39 historische und mythologische Frauen mit individuell gestalteten, vulvaförmigen Porzellantellern.
Valie Export (*1940): Radikale österreichische Performance-Künstlerin. Mit Aktionen wie dem Tapp- und Tastkino (1968), bei dem Passanten ihre Brüste in einem Karton anfassen durften, dekonstruierte sie den voyeuristischen männlichen Blick (Male Gaze).
Rebecca Horn (1944–2024): Berühmt für ihre kinetischen Skulpturen, raumgreifenden Installationen und Körper-Erweiterungen (wie die legendären „Handschuhfinger“ oder den „Pfauenmaschine“-Fächer).
Isa Genzken (*1948): Radikale Bildhauerin und Installationskünstlerin. Ihre Arbeiten reichen von hyper-präzisen Holzskulpturen bis hin zu komplexen, bunten Assemblagen aus Alltagsgegenständen und architektonischen Elementen.
Marina Abramović (*1946) – „Grandmother of Performance Art“ -Nutzte ihren Körper als Medium und Testfeld für gesellschaftliche Grenzen. In Rhythm 0 (1974) durfte das Publikum 6 Stunden lang mit 72 Objekten (darunter Rosen, Federn, aber auch ein geladener Revolver) passiv oder gewaltsam an ihrem Körper agieren.
Elvira Bach (*1951): Als nahezu einzige Frau im Kreis der „Jungen Wilden“ erlangte sie in den 1980er-Jahren weltweiten Ruhm. Im Zentrum ihres Schaffens steht das Frauenbildnis als ein ungeschöntes, kraftvolles Selbstporträt des Seins.
Rosemarie Trockel (*1952): Eine der international renommiertesten deutschen Gegenwartskünstlerinnen. Bekannt wurde sie in den 1980er-Jahrten durch ihre großformatigen „Strickbilder“, mit denen sie ironisch traditionelle Rollenbilder und den (männlich dominierten) Kunstmarkt hinterfragte.
Cornelia Schleime (*1953): Eine der zentralen Figuren der alternativen Dresdner Kunstszene. Nachdem sie Ausstellungsverbot erhielt und von der Stasi überwacht wurde, inszenierte sie radikale Körper-Performances (Körper-Einbandagierungen) und reiste 1984 nach West-Berlin aus.
Cindy Sherman (*1954) – Wegweisende Konzeptfotografin der Postmoderne – Entlarvt in ihren berühmten Untitled Film Stills (1977–1980) weibliche Stereotype und Rollenbilder der Popkultur und des Kinos, indem sie sich in inszenierten Selbstporträts chamäleonartig selbst fotografiert.
Kiki Smith (*1954): Setzt sich intensiv mit der Physis, den inneren Organen und Körperflüssigkeiten der Frau auseinander. Ihre Skulpturen brechen mit klassischen Schönheitsidealen und thematisieren die Verwundbarkeit, aber auch die tabuisierte Biologie des weiblichen Körpers.
Angela Hampel (*1956): Bekannte Dresdner Malerin und Grafikerin. In ihren neoexpressionistischen, kraftvollen Bildern griff sie oft auf mythologische Frauenfiguren (wie Medea oder Penthesilea) zurück, um Widerstand und weibliche Selbstbehauptung zu thematisieren.
Shirin Neshat (*1957): Untersucht in ihren weltbekannten Fotoserien (Women of Allah) und Videoinstallationen die komplexen Dynamiken von Weiblichkeit, Islam, Macht und Unterdrückung im Iran. [1, 2]
Andrea Zaumseil (*1957): Bedeutende deutsche Bildhauerin und Pastellzeichnerin; bekannt für raumgreifende, archaisch-wuchtige Eisenskulpturen und melancholische Naturmetaphern.
Silvia Siemes (*1960): Renommierte deutsche Bildhauerin, deren zentraler Schwerpunkt auf hochindividuellen, naturalistischen Menschenbilder aus Terrakotta liegt. Ihre feinsinnigen Figuren, koloriert in zarter Engobe-Technik, strahlen eine tiefe, kontemplative Melancholie und existentielle Zeitlosigkeit aus.
Katharina Grosse ( 1961):* Bekannt für ihre monumentalen, farbgewaltigen Malereien. Sie sprüht leuchtende Acrylfarben direkt auf Wände, Gebäude, Objekte und ganze Landschaften, wodurch sie die Grenzen des klassischen Bildes sprengt.
Vera Leutloff (*1962): Meisterin der ungegenständlichen Farbfeld- und Streifenmalerei, deren dynamisch-oszillierende Farbstrukturen optische Farbräume und Bewegungsflüsse erzeugen.
Isa Dahl (*1965): Malerin der lyrisch-dynamischen Abstraktion; charakteristisch sind ihre vielschichtigen Lasurmalereien und wirbelnden, raumgreifenden Pinselgesten voller Tiefenwirkung.
Stefanie Ehrenfried (*1967): Figurative Bildhauerin, die das traditionelle, weiche Medium Schafwolle mittels Filznadelwerkzeugen zu monumentalen, archaisch-surrealen Plastiken verdichtet.
Miriam Vlaming (*1971): Wichtigste weibliche Protagonistin der Neuen Leipziger Schule. Miriam Vlaming überführt die figurative Tradition in eine unverwechselbare, neoromantisch-metaphysische Bildsprache. In ihrer charakteristischen Eitempera-Technik verwebt sie menschliche Figuren und kulturgeschichtliche Mythen virtuos an der feinen Demarkationslinie zur Abstraktion.
Miriam Lenk (*1975): Expressive Bildhauerin, die mit üppigen, raumgreifenden weiblichen Archetypen tradierte, patriarchale Schönheitsideale provoziert und dekonstruiert.
Simone Haack (*1978): Berliner Künstlerin, deren figurative Malerei dem Neuen Magischen Realismus zugeordnet wird; sie inszeniert psychologisch dichte, unheimlich-ambivalente Porträts und Körperwelten.
Anne Imhof (*1978): Eine der weltweit gefragtesten Performance-Künstlerinnen der Gegenwart. Für ihren radikalen, düsteren und körperlich intensiven deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig wurde sie 2017 mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.
Judith Grassl (*1985): Herausragende Münchner Malerin zeitgenössischer Hyperspaces und Bildarchitekturen. In ihren hochkomplexen, kollageartigen Acryl- und Ölgemälden schichtet und überlagert sie kunsthistorische Referenzen, Perspektiven sowie reale und virtuelle Räume. Ihre Arbeiten erzeugen eine visuelle Rhetorik der Verführung, die die herkömmliche Ordnung von Figuration, Raum und Zeit radikal unterwandert.
KUNSTWERKE KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
HERAUSRAGENDE MEILENSTEINE WEIBLICHEN KUNSTSCHAFFENS
Der Gerona-Beatus aus dem Jahr 975 ist ein Meisterwerk der mozarabischen Buchmalerei. Er wurde im Skriptorium des Klosters San Salvador de Tábara geschaffen. Berühmt ist er auch, weil mit Ende (einer Malerin oder Nonne) erstmals eine weibliche Buchmalerin im Frühmittelalter namentlich im Kolophon dokumentiert wurde.
Selbstbildnis am Spinet (1555): Gemälde von Sofonisba Anguissola. Begründete das intime, psychologische Selbstporträt.
Judith enthauptet Holofernes (ca. 1612–1620): Gemälde von Artemisia Gentileschi. Radikale visuelle Verarbeitung von Gewalt und weiblicher Ermächtigung.
Der Pferdemarkt (1852–1855): Monumentalgemälde von Rosa Bonheur. Durchbrach die Konvention, dass Frauen keine monumentalen Großformate beherrschen.
Die großen Ur-Bilder (1907): Werkzyklus von Hilma af Klint. Erste rein abstrakte, spirituelle Großformate der Moderne.
Die zwei Fridas (1939): Doppel-Selbstbildnis von Frida Kahlo. Meisterwerk zur Spaltung von Identität, Herkunft und posttraumatischem Schmerz.
Maman (1999): Monumentale, 9 Meter hohe Spinnenskulptur aus Bronze von Louise Bourgeois. Hommage an die Mutter und Symbol für Schutz und Bedrohung.
The Dinner Party (1974–1979) von Judy Chicago: Eine monumentale, raumfüllende Installation (ein dreieckiger Tisch mit 39 Gedecken für historische Frauen), die als das ultimative Hauptwerk der feministischen Kunst gilt.
The Artist Is Present (2010) von Marina Abramović: Eine 3-monatige Performance im MoMA New York, die bewies, dass die bloße, lautlose Präsenz einer Künstlerin Millionen Menschen bewegen und Museen füllen kann.
Die unbenannten Filmstills (Untitled Film Stills, 1977–1980) von Cindy Sherman: Fotoserie, die Kinoklischees der 1950er Jahre dekonstruiert und die Fotografie als Konzeptkunst etablierte.
Die zerrissene Perlenkette (2004) von Andrea Zaumseil: Ein herausragendes Hauptwerk der zeitgenössischen skulpturalen Mahnmal- und Erinnerungskultur im öffentlichen Raum. Die neunteilige, installative Plastik aus monumentalen Edelstahlkugeln und einem gerissenen Stahlseil erinnert in Überlingen am Bodensee an das dortige Flugzeugunglück von 2002. Das Werk gilt als meisterhafte, abstrakte Metapher für das plötzliche, gewaltsame Zerreißen menschlicher Lebenslinien und familiärer Verbindungen.
Die unendlichen Farbräume von Vera Leutloff: Ihre großformatigen Gemäldesysteme, die durch den Rhythmus breiter Pinselzüge und optische Farbmischung die statische Leinwand in einen kinetischen, flimmernden Bildraum verwandeln.
„nur so“ (2011) von Isa Dahl: Das Gemälde verkörpert meisterhaft das Prinzip des All-over-Painting: In unzähligen, transluzenten Lasurschichten winden sich wirbelnde, schlaufenförmige Pinselbahnen scheinbar endlos über die Bildgrenzen hinaus. Trotz des rein ungegenständlichen, dynamischen Farbauftrags evozieren die rhythmischen Überlagerungen dreidimensionale Bildräume und organisch-florale Strukturen. Der bewusst lakonische, sprachlich reduzierte Titel kontrastiert die visuelle Opulenz und fordert den Betrachter auf, das Zusammenspiel von kinetischer Energie, Tiefenlicht und reiner Farbgeste völlig frei zu kontemplieren.
„Große Beere“ (2012–2017) von Stefanie Ehrenfried: Ein programmatisches Hauptwerk der zeitgenössischen Filz-Plastik, gefertigt aus nadelgefilzter Schafwolle im monumentalen Objektformat (55 x 75 x 115 cm). Die Arbeit bricht radikal mit traditionellen Bildhauermaterialien wie Stein oder Bronze: Eine skulpturale Akkumulation sanfter, wesenhafter Gesichter formiert sich traubenartig zu einer organischen Beerenstruktur und vermittelt eine faszinierende Leichtigkeit. Trotz der minimalen Auflagefläche hält die dichte Wolle perfekt die Balance. Ehrenfried inszeniert hier eine kraftvolle, zellteilungsartige Metamorphose, die das vermeintlich weiche Textilmedium in monumentale Körperlichkeit überführt und existenzielle Fragen von kollektiver Identität, Wachstum und wesenhafter Präsenz im Raum aufwirft.
Der Feuerbringer“ (2018) von Miriam Vlaming: Ein mythologisch-figurative Spätwerk der Neuen Leipziger Schule, das die für die Leipziger Schule typische, erzählerisch-figurative Strenge durch lasierende Schichtungen auflöst und das Verschwimmen von kollektiver Erinnerung, Mensch und unberührter Natur thematisiert.
„Octopussy“ (ab 2009) von Miriam Lenk: Ein visionäres Schlüsselwerk der zeitgenössischen feministischen Bildhauerei. Das Werk dekonstruiert radikal patriarchale Tabus rund um die weibliche Sexualität und Anatomie. Formale Pläne sehen eine Skalierung zu einem fünf Meter hohen, begehbaren Pavillon aus Epoxidharz vor. Beim Betreten wird das weibliche Geschlecht als raumgreifendes Firmament über den Rezipienten inszeniert. Je nach Perspektive wirkt diese monumentale Feier der Weiblichkeit sakral-himmlisch oder bedrohlich. Lenk schafft damit ein provokantes, emanzipatorisches Denkmal, das die Dämonisierung des weiblichen Körpers in der Kunstgeschichte wirksam aufbricht.
„Gifts (rest in trees)“ (2020) von Judith Grassl: Ein programmatisches Hauptwerk der zeitgenössischen Bild- und Raumschichtung, ausgeführt als Acrylgemälde auf Leinwand im Großformat (170 x 150 cm). Durch das Aufeinandertreffen gebrochener Perspektiven changiert das Gemälde virtuos zwischen digital anmutendem Hyperraum und physischer Präsenz. Indem Grassl Bildbereiche bewusst fragmentarisch offenlässt, reflektiert sie meisterhaft über das Überdauern visueller Erinnerungen in der Gegenwart.
„Coco in Curacao“ (2022) von Simone Haack: Ein programmatisches Hauptwerk des Neuen Magischen Realismus, ausgeführt in Öl auf Baumwolle im quadratischen Großformat (160 cm x 155 cm). Das Gemälde fesselt durch die psychologisch dichte und tiefgründige Inszenierung figurativer Körperwelten. Die Künstlerin bricht die vermeintliche Exotik und Leichtigkeit des geografischen Verweises durch eine unheimliche, ambivalente Atmosphäre voller unterschwelliger Spannung. Durch die meisterhafte, altmeisterlich anmutende Lasurtechnik und eine subtile Lichtführung verschwimmen die Grenzen zwischen realer Präsenz, Traumebene und innerer Isolation. Das Werk gilt als virtuoses Schaustück moderner Entfremdung und der Suche nach Identität in einer globalisierten Welt.
„Grosse Sitzende“ (2019) von Silvia Siemes: Das Werk fängt eine lebensgroße Frauenfigur in einem Moment absoluter Intimität, Stille und Selbstvergessenheit ein. Siemes verzichtet auf dramatisches Pathos und balanciert meisterhaft zwischen anziehender, psychologischer Tiefe und unnahbarer Distanz. Das Werk gilt als virtuoses Beispiel zeitgenössischer Anthropologie, das Fragen nach Einsamkeit und menschlicher Existenz im Raum zeitlos verdichtet.
ZITATE KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
„Mein illustrer Name soll Ihnen zeigen, was eine Frau tun kann.“ | Artemisia Gentileschi (in einem Brief an einen Auftraggeber, 1649)
„Ich male mich selbst, weil ich so oft alleine bin und weil ich das Motiv bin, das ich am besten kenne.“ | Frida Kahlo
„Die Spinne ist eine Ode an meine Mutter. Sie war meine beste Freundin. Wie eine Spinne war meine Mutter eine Weberin.“ | Louise Bourgeois
„Müssen Frauen nackt sein, um in das Met-Museum zu kommen? Weniger als 5% der Künstler in den Abteilungen für Moderne Kunst sind Frauen, aber 85% der Aktmodelle sind weiblich.“ | Guerrilla Girls (Plakattext, 1989)
STICHWORTE KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Feministische Kunstgeschichte, Kunstkanon, Väterliches Atelier, Genremalerei, Akademieverbot, Binnenkorrektur, Muse, Gaze (Männlicher Blick), Frauenemanzipation, Guerrilla Girls, Textilkunst, Buchmalerei, Performance Art, Gynozentrische Ikonografie, Gender Bias im Kunstmarkt, Wiederentdeckung, Institutionalisierter Sexismus
KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
KUNSTWERKE KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Andrea Zaumseil, Ohne Titel, 1998, Stahl, 3 Teile, Höhe ca. 278 cm, 295 cm, 265 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Vera Leutloff, Circular Oszillation: Fjord, 2020, Öl auf Leinwand, 60 cm x 60 cm, Preis auf Anfrage, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Isa Dahl, nur so, 2011, Öl auf Leinwand, 210 cm x 240 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Stefanie Ehrenfried, Große Beere, 2012-2017, Schafwolle nadelgefilzt, 55 cm x 75 cm x 115 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Miriam Vlaming, Der Feuerbringer, 2018, Eitempera auf Leinwand, 170 cm x 200 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Miriam Lenk, Oktopussy, 2013, Keramik, 40 cm x 40 cm x 38cm 33, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Judith Grassl, Gifts (rest in trees), 2020, Acryl auf Leinwand, 170 cm x 150 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Simone Haack, Coco in Curacao, 2022, Öl auf Baumwolle, 160 cm x 155 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Silvia Siemes, Große Sitzende, 2019, Terrakotta gebrannt, Höhe 87 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
VIDEOS KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Wo sind die Malerinnen der Renaissance? | Kultur erklärt – Flick Flack | ARTE | Irgendwas mit ARTE und Kultur | Sie können Leonardo da Vinci, Tizian oder Botticelli problemlos das Wasser reichen – doch ihre Werke verstauben seit 500 Jahren auf den Dachböden von Kirchen und Museen in Florenz. Linda Falcone, Leiterin der Stiftung Advancing Women Artists, setzt sich für die Restaurierung von 2000 in Vergessenheit geratenen Renaissance-Werken ein und möchte so die Lücken in der Kunstgeschichte schließen. | YouTube
Radikal! Künstlerinnen* und Moderne 1910–1950 | Abstraktion
Belvedere Museum | Über 60 Künstlerinnen* aus 20 Ländern treffen in der Ausstellung Radikal! Künstlerinnen* und Moderne 1910–1950 im Belvedere Wien aufeinander. Vielstimmig, international, überraschend. Malerei begegnet Textildesign, Skulptur trifft Druckgrafik, Zeichnung verschränkt sich mit Fotografie und Film. Unabhängig von ihrer Herkunft und Bildsprache verbindet die Künstlerinnen* die Suche nach neuen Ausdrucks- und Repräsentationsformen sowie der Wille, die Grenzen von Kunst und Gesellschaft zu verschieben. Kuratiert von Stephanie Auer, mit Assistenz von Miroslav Haľák und Katarina Lozo. | YouTube
DEFINITION KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Unter dem Begriff „Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart“ versteht die Kunstwissenschaft weibliche Kulturschaffende, die trotz historischer, rechtlicher und institutioneller Barrieren wesentliche Beiträge zur Entwicklung der globalen Kunstgeschichte geleistet haben. Über Jahrhunderte hinweg wurden Frauen systematisch vom akademischen Kunstbetrieb, von Zunftrechten und vom offiziellen Kanon ausgeschlossen. Die moderne feministische Kunstwissenschaft (seit den 1970er Jahren) rekonstruiert diese „unsichtbare“ Geschichte. Sie definiert „bedeutende Künstlerinnen“ nicht nur über überragende handwerkliche Qualität, sondern auch über deren Rolle als Pionierinnen, die neue Bildsprachen entwickelten, gesellschaftliche Rollenbilder aufbrachen und nachfolgenden Generationen den Weg ebneten.
HISTORIE + CHRONOLOGIE KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Antike (ca. 800 v. Chr. – 500 n. Chr.): Frauen arbeiten primär im Kunsthandwerk (Weberei, Töpferei). Einzelne Malerinnen erlangen in Rom und Griechenland durch Porträtkunst hohe gesellschaftliche Anerkennung.
Mittelalter (ca. 500 – 1500): Klöster bieten Frauen einen geschützten Raum für Bildung und Kunst. Es entsteht eine Hochphase der weiblich geprägten Buchmalerei (Illumination) und Textilkunst (Teppich von Bayeux).
Renaissance & Barock (ca. 1400 – 1750): Erste Öffnung des Marktes. Töchter berühmter Maler erhalten Ausbildung im väterlichen Atelier. Es entstehen erste eigenständige Werkstätten von Frauen und Hofmalerinnen-Karrieren. Die Genremalerei und das Stillleben werden von Frauen stark geprägt, da ihnen das Studium des männlichen Aktes verboten bleibt.
Klassizismus, Romantik & Realismus (ca. 1750 – 1880): Frauen erringen Zugang zu Kunstakademien (oft über teure Privatklassen). Erste offizielle Mitgliedschaften in königlichen Akademien werden vergeben. Frauen etablieren sich in der Porträt- und Tiermalerei.
Moderne & Avantgarde (ca. 1880 – 1945): Radikaler Umbruch. Künstlerinnen sind maßgeblich an der Entstehung von Impressionismus, Expressionismus, Dadaismus und Surrealismus beteiligt. Sie erobern die abstrakte Kunst.
Gegenwart (ab 1945): Vollständige institutionelle Gleichberechtigung im globalen Kunstmarkt (documenta, Biennalen). Künstlerinnen dominieren neue Medien wie Performance, Installationskunst, Konzeptkunst und digitale Medien.
WEGBEREITER KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Das väterliche Atelier (16.–18. Jh.): Väter, die das Talent ihrer Töchter erkannten und sie trotz des Gilde-Verbots als Gehilfinnen ausbildeten (z.B. Orazio Gentileschi für Artemisia).
Frauenakademien und Privatateliers (19. Jh.): Institutionen wie die Académie Julian in Paris, die Frauen den Zugang zu professionellen Modellen und Maltechniken ermöglichten, als staatliche Akademien noch blockierten.
Die Suffragetten- und Frauenrechtsbewegung (spätes 19. – frühes 20. Jh.): Sie erkämpfte den rechtlichen Status, eigenständig Verträge zu unterschreiben und Kunstakademien regulär zu besuchen.
Feministische Kunstwissenschaft (ab 1971): Angestoßen durch Linda Nochlins Essay „Why Have There Been No Great Women Artists?“. Sie deckte die patriarchalen Strukturen des Kunstbetriebs auf und startete die Wiederentdeckung vergessener Meisterinnen.
Die „Guerrilla Girls“ (Ab 1985): Ein anonymes Künstlerinnenkollektiv, das mit Plakataktionen Sexismus und Rassismus im Kunstbetrieb (z.B. im MoMA) bis heute radikal anprangert.
BEDEUTENDE VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Iaia von Kyzikos (1. Jh. v. Chr.) – Antike Porträtmalerin
Ende (10. Jh.) – Erste namentlich signierende Buchmalerin des Mittelalters
Sofonisba Anguissola (1532–1625) – Renaissance-Hofmalerin
Artemisia Gentileschi (1593–1653) – Barocke Meisterin des Chiaroscuro
Élisabeth Vigée-Lebrun (1755–1842) – Klassizistische Hofmalerin Marie-Antoinettes
Marie Ellenrieder (1791–1863): Geboren in Konstanz, war sie die erste Frau, die an der Kunstakademie München studieren durfte. Sie stieg zur badischen Hofmalerin auf und gilt als eine der bedeutendsten deutschen Malerinnen des 19. Jahrhunderts (Nazarener-Stil). [1, 2, 3, 4, 5]
Rosa Bonheur (1822–1899) – Realistische Tiermalerin und Gender-Pionierin
Berthe Morisot (1841–1895) – Mitbegründerin des französischen Impressionismus
Hilma af Klint (1862–1944) – Erste abstrakte Malerin der westlichen Kunstgeschichte
Käthe Kollwitz (1867–1945) – Bedeutendste deutsche Grafikerin und Bildhauerin des sozialen Elends
Paula Modersohn-Becker (1876–1907): Eine Pionierin des Expressionismus. Sie gilt als die erste Malerin überhaupt, die ein nacktes Selbstbildnis von sich schuf.
Gabriele Münter (1877–1962): Kernmitglied der berühmten expressionistischen Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“. Sie prägte die Klassische Moderne mit ihren farbstarken Landschaften und Porträts entscheidend mit.
Ida Kerkovius (1879–1970): Sie zog nach Stuttgart, um bei Adolf Hölzel an der dortigen Kunstakademie zu studieren. Später wirkte sie als einflussreiche Malerin des Expressionismus und der Abstraktion und prägte die Stuttgarter Kunstszene jahrzehntelang.
Hannah Höch (1889–1978): Die einzige bedeutende Frau im Kreis der Berliner Dadaisten. Sie gilt als Miterfinderin der Fotomontage und nutzte diese als scharfes Medium für Gesellschafts- und Geschlechterkritik.
Frida Kahlo (1907–1954) – Mexikanische Ikone der biografischen und surrealen Malerei
Louise Bourgeois (1911–2010) – Pionierin der modernen Skulptur und Installationskunst
Yayoi Kusama (*1929) – Pop-Art- und Konzeptpionierin
Judy Chicago (*1939): Schöpferin von The Dinner Party (1974–1979), dem ultimativen Monument der feministischen Kunst. Die monumentale, dreieckige Festtafel ehrt 39 historische und mythologische Frauen mit individuell gestalteten, vulvaförmigen Porzellantellern.
Valie Export (*1940): Radikale österreichische Performance-Künstlerin. Mit Aktionen wie dem Tapp- und Tastkino (1968), bei dem Passanten ihre Brüste in einem Karton anfassen durften, dekonstruierte sie den voyeuristischen männlichen Blick (Male Gaze).
Rebecca Horn (1944–2024): Berühmt für ihre kinetischen Skulpturen, raumgreifenden Installationen und Körper-Erweiterungen (wie die legendären „Handschuhfinger“ oder den „Pfauenmaschine“-Fächer).
Isa Genzken (*1948): Radikale Bildhauerin und Installationskünstlerin. Ihre Arbeiten reichen von hyper-präzisen Holzskulpturen bis hin zu komplexen, bunten Assemblagen aus Alltagsgegenständen und architektonischen Elementen.
Marina Abramović (*1946) – „Grandmother of Performance Art“ -Nutzte ihren Körper als Medium und Testfeld für gesellschaftliche Grenzen. In Rhythm 0 (1974) durfte das Publikum 6 Stunden lang mit 72 Objekten (darunter Rosen, Federn, aber auch ein geladener Revolver) passiv oder gewaltsam an ihrem Körper agieren.
Elvira Bach (*1951): Als nahezu einzige Frau im Kreis der „Jungen Wilden“ erlangte sie in den 1980er-Jahren weltweiten Ruhm. Im Zentrum ihres Schaffens steht das Frauenbildnis als ein ungeschöntes, kraftvolles Selbstporträt des Seins.
Rosemarie Trockel (*1952): Eine der international renommiertesten deutschen Gegenwartskünstlerinnen. Bekannt wurde sie in den 1980er-Jahrten durch ihre großformatigen „Strickbilder“, mit denen sie ironisch traditionelle Rollenbilder und den (männlich dominierten) Kunstmarkt hinterfragte.
Cornelia Schleime (*1953): Eine der zentralen Figuren der alternativen Dresdner Kunstszene. Nachdem sie Ausstellungsverbot erhielt und von der Stasi überwacht wurde, inszenierte sie radikale Körper-Performances (Körper-Einbandagierungen) und reiste 1984 nach West-Berlin aus.
Cindy Sherman (*1954) – Wegweisende Konzeptfotografin der Postmoderne – Entlarvt in ihren berühmten Untitled Film Stills (1977–1980) weibliche Stereotype und Rollenbilder der Popkultur und des Kinos, indem sie sich in inszenierten Selbstporträts chamäleonartig selbst fotografiert.
Kiki Smith (*1954): Setzt sich intensiv mit der Physis, den inneren Organen und Körperflüssigkeiten der Frau auseinander. Ihre Skulpturen brechen mit klassischen Schönheitsidealen und thematisieren die Verwundbarkeit, aber auch die tabuisierte Biologie des weiblichen Körpers.
Angela Hampel (*1956): Bekannte Dresdner Malerin und Grafikerin. In ihren neoexpressionistischen, kraftvollen Bildern griff sie oft auf mythologische Frauenfiguren (wie Medea oder Penthesilea) zurück, um Widerstand und weibliche Selbstbehauptung zu thematisieren.
Shirin Neshat (*1957): Untersucht in ihren weltbekannten Fotoserien (Women of Allah) und Videoinstallationen die komplexen Dynamiken von Weiblichkeit, Islam, Macht und Unterdrückung im Iran. [1, 2]
Andrea Zaumseil (*1957): Bedeutende deutsche Bildhauerin und Pastellzeichnerin; bekannt für raumgreifende, archaisch-wuchtige Eisenskulpturen und melancholische Naturmetaphern.
Silvia Siemes (*1960): Renommierte deutsche Bildhauerin, deren zentraler Schwerpunkt auf hochindividuellen, naturalistischen Menschenbilder aus Terrakotta liegt. Ihre feinsinnigen Figuren, koloriert in zarter Engobe-Technik, strahlen eine tiefe, kontemplative Melancholie und existentielle Zeitlosigkeit aus.
Katharina Grosse ( 1961):* Bekannt für ihre monumentalen, farbgewaltigen Malereien. Sie sprüht leuchtende Acrylfarben direkt auf Wände, Gebäude, Objekte und ganze Landschaften, wodurch sie die Grenzen des klassischen Bildes sprengt.
Vera Leutloff (*1962): Meisterin der ungegenständlichen Farbfeld- und Streifenmalerei, deren dynamisch-oszillierende Farbstrukturen optische Farbräume und Bewegungsflüsse erzeugen.
Isa Dahl (*1965): Malerin der lyrisch-dynamischen Abstraktion; charakteristisch sind ihre vielschichtigen Lasurmalereien und wirbelnden, raumgreifenden Pinselgesten voller Tiefenwirkung.
Stefanie Ehrenfried (*1967): Figurative Bildhauerin, die das traditionelle, weiche Medium Schafwolle mittels Filznadelwerkzeugen zu monumentalen, archaisch-surrealen Plastiken verdichtet.
Miriam Vlaming (*1971): Wichtigste weibliche Protagonistin der Neuen Leipziger Schule. Miriam Vlaming überführt die figurative Tradition in eine unverwechselbare, neoromantisch-metaphysische Bildsprache. In ihrer charakteristischen Eitempera-Technik verwebt sie menschliche Figuren und kulturgeschichtliche Mythen virtuos an der feinen Demarkationslinie zur Abstraktion.
Miriam Lenk (*1975): Expressive Bildhauerin, die mit üppigen, raumgreifenden weiblichen Archetypen tradierte, patriarchale Schönheitsideale provoziert und dekonstruiert.
Simone Haack (*1978): Berliner Künstlerin, deren figurative Malerei dem Neuen Magischen Realismus zugeordnet wird; sie inszeniert psychologisch dichte, unheimlich-ambivalente Porträts und Körperwelten.
Anne Imhof (*1978): Eine der weltweit gefragtesten Performance-Künstlerinnen der Gegenwart. Für ihren radikalen, düsteren und körperlich intensiven deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig wurde sie 2017 mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.
Judith Grassl (*1985): Herausragende Münchner Malerin zeitgenössischer Hyperspaces und Bildarchitekturen. In ihren hochkomplexen, kollageartigen Acryl- und Ölgemälden schichtet und überlagert sie kunsthistorische Referenzen, Perspektiven sowie reale und virtuelle Räume. Ihre Arbeiten erzeugen eine visuelle Rhetorik der Verführung, die die herkömmliche Ordnung von Figuration, Raum und Zeit radikal unterwandert.
KUNSTWERKE KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
HERAUSRAGENDE MEILENSTEINE WEIBLICHEN KUNSTSCHAFFENS
Der Gerona-Beatus aus dem Jahr 975 ist ein Meisterwerk der mozarabischen Buchmalerei. Er wurde im Skriptorium des Klosters San Salvador de Tábara geschaffen. Berühmt ist er auch, weil mit Ende (einer Malerin oder Nonne) erstmals eine weibliche Buchmalerin im Frühmittelalter namentlich im Kolophon dokumentiert wurde.
Selbstbildnis am Spinet (1555): Gemälde von Sofonisba Anguissola. Begründete das intime, psychologische Selbstporträt.
Judith enthauptet Holofernes (ca. 1612–1620): Gemälde von Artemisia Gentileschi. Radikale visuelle Verarbeitung von Gewalt und weiblicher Ermächtigung.
Der Pferdemarkt (1852–1855): Monumentalgemälde von Rosa Bonheur. Durchbrach die Konvention, dass Frauen keine monumentalen Großformate beherrschen.
Die großen Ur-Bilder (1907): Werkzyklus von Hilma af Klint. Erste rein abstrakte, spirituelle Großformate der Moderne.
Die zwei Fridas (1939): Doppel-Selbstbildnis von Frida Kahlo. Meisterwerk zur Spaltung von Identität, Herkunft und posttraumatischem Schmerz.
Maman (1999): Monumentale, 9 Meter hohe Spinnenskulptur aus Bronze von Louise Bourgeois. Hommage an die Mutter und Symbol für Schutz und Bedrohung.
The Dinner Party (1974–1979) von Judy Chicago: Eine monumentale, raumfüllende Installation (ein dreieckiger Tisch mit 39 Gedecken für historische Frauen), die als das ultimative Hauptwerk der feministischen Kunst gilt.
The Artist Is Present (2010) von Marina Abramović: Eine 3-monatige Performance im MoMA New York, die bewies, dass die bloße, lautlose Präsenz einer Künstlerin Millionen Menschen bewegen und Museen füllen kann.
Die unbenannten Filmstills (Untitled Film Stills, 1977–1980) von Cindy Sherman: Fotoserie, die Kinoklischees der 1950er Jahre dekonstruiert und die Fotografie als Konzeptkunst etablierte.
Die zerrissene Perlenkette (2004) von Andrea Zaumseil: Ein herausragendes Hauptwerk der zeitgenössischen skulpturalen Mahnmal- und Erinnerungskultur im öffentlichen Raum. Die neunteilige, installative Plastik aus monumentalen Edelstahlkugeln und einem gerissenen Stahlseil erinnert in Überlingen am Bodensee an das dortige Flugzeugunglück von 2002. Das Werk gilt als meisterhafte, abstrakte Metapher für das plötzliche, gewaltsame Zerreißen menschlicher Lebenslinien und familiärer Verbindungen.
Die unendlichen Farbräume von Vera Leutloff: Ihre großformatigen Gemäldesysteme, die durch den Rhythmus breiter Pinselzüge und optische Farbmischung die statische Leinwand in einen kinetischen, flimmernden Bildraum verwandeln.
„nur so“ (2011) von Isa Dahl: Das Gemälde verkörpert meisterhaft das Prinzip des All-over-Painting: In unzähligen, transluzenten Lasurschichten winden sich wirbelnde, schlaufenförmige Pinselbahnen scheinbar endlos über die Bildgrenzen hinaus. Trotz des rein ungegenständlichen, dynamischen Farbauftrags evozieren die rhythmischen Überlagerungen dreidimensionale Bildräume und organisch-florale Strukturen. Der bewusst lakonische, sprachlich reduzierte Titel kontrastiert die visuelle Opulenz und fordert den Betrachter auf, das Zusammenspiel von kinetischer Energie, Tiefenlicht und reiner Farbgeste völlig frei zu kontemplieren.
„Große Beere“ (2012–2017) von Stefanie Ehrenfried: Ein programmatisches Hauptwerk der zeitgenössischen Filz-Plastik, gefertigt aus nadelgefilzter Schafwolle im monumentalen Objektformat (55 x 75 x 115 cm). Die Arbeit bricht radikal mit traditionellen Bildhauermaterialien wie Stein oder Bronze: Eine skulpturale Akkumulation sanfter, wesenhafter Gesichter formiert sich traubenartig zu einer organischen Beerenstruktur und vermittelt eine faszinierende Leichtigkeit. Trotz der minimalen Auflagefläche hält die dichte Wolle perfekt die Balance. Ehrenfried inszeniert hier eine kraftvolle, zellteilungsartige Metamorphose, die das vermeintlich weiche Textilmedium in monumentale Körperlichkeit überführt und existenzielle Fragen von kollektiver Identität, Wachstum und wesenhafter Präsenz im Raum aufwirft.
Der Feuerbringer“ (2018) von Miriam Vlaming: Ein mythologisch-figurative Spätwerk der Neuen Leipziger Schule, das die für die Leipziger Schule typische, erzählerisch-figurative Strenge durch lasierende Schichtungen auflöst und das Verschwimmen von kollektiver Erinnerung, Mensch und unberührter Natur thematisiert.
„Octopussy“ (ab 2009) von Miriam Lenk: Ein visionäres Schlüsselwerk der zeitgenössischen feministischen Bildhauerei. Das Werk dekonstruiert radikal patriarchale Tabus rund um die weibliche Sexualität und Anatomie. Formale Pläne sehen eine Skalierung zu einem fünf Meter hohen, begehbaren Pavillon aus Epoxidharz vor. Beim Betreten wird das weibliche Geschlecht als raumgreifendes Firmament über den Rezipienten inszeniert. Je nach Perspektive wirkt diese monumentale Feier der Weiblichkeit sakral-himmlisch oder bedrohlich. Lenk schafft damit ein provokantes, emanzipatorisches Denkmal, das die Dämonisierung des weiblichen Körpers in der Kunstgeschichte wirksam aufbricht.
„Gifts (rest in trees)“ (2020) von Judith Grassl: Ein programmatisches Hauptwerk der zeitgenössischen Bild- und Raumschichtung, ausgeführt als Acrylgemälde auf Leinwand im Großformat (170 x 150 cm). Durch das Aufeinandertreffen gebrochener Perspektiven changiert das Gemälde virtuos zwischen digital anmutendem Hyperraum und physischer Präsenz. Indem Grassl Bildbereiche bewusst fragmentarisch offenlässt, reflektiert sie meisterhaft über das Überdauern visueller Erinnerungen in der Gegenwart.
„Coco in Curacao“ (2022) von Simone Haack: Ein programmatisches Hauptwerk des Neuen Magischen Realismus, ausgeführt in Öl auf Baumwolle im quadratischen Großformat (160 cm x 155 cm). Das Gemälde fesselt durch die psychologisch dichte und tiefgründige Inszenierung figurativer Körperwelten. Die Künstlerin bricht die vermeintliche Exotik und Leichtigkeit des geografischen Verweises durch eine unheimliche, ambivalente Atmosphäre voller unterschwelliger Spannung. Durch die meisterhafte, altmeisterlich anmutende Lasurtechnik und eine subtile Lichtführung verschwimmen die Grenzen zwischen realer Präsenz, Traumebene und innerer Isolation. Das Werk gilt als virtuoses Schaustück moderner Entfremdung und der Suche nach Identität in einer globalisierten Welt.
„Grosse Sitzende“ (2019) von Silvia Siemes: Das Werk fängt eine lebensgroße Frauenfigur in einem Moment absoluter Intimität, Stille und Selbstvergessenheit ein. Siemes verzichtet auf dramatisches Pathos und balanciert meisterhaft zwischen anziehender, psychologischer Tiefe und unnahbarer Distanz. Das Werk gilt als virtuoses Beispiel zeitgenössischer Anthropologie, das Fragen nach Einsamkeit und menschlicher Existenz im Raum zeitlos verdichtet.
ZITATE KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
„Mein illustrer Name soll Ihnen zeigen, was eine Frau tun kann.“ | Artemisia Gentileschi (in einem Brief an einen Auftraggeber, 1649)
„Ich male mich selbst, weil ich so oft alleine bin und weil ich das Motiv bin, das ich am besten kenne.“ | Frida Kahlo
„Die Spinne ist eine Ode an meine Mutter. Sie war meine beste Freundin. Wie eine Spinne war meine Mutter eine Weberin.“ | Louise Bourgeois
„Müssen Frauen nackt sein, um in das Met-Museum zu kommen? Weniger als 5% der Künstler in den Abteilungen für Moderne Kunst sind Frauen, aber 85% der Aktmodelle sind weiblich.“ | Guerrilla Girls (Plakattext, 1989)
STICHWORTE KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Feministische Kunstgeschichte, Kunstkanon, Väterliches Atelier, Genremalerei, Akademieverbot, Binnenkorrektur, Muse, Gaze (Männlicher Blick), Frauenemanzipation, Guerrilla Girls, Textilkunst, Buchmalerei, Performance Art, Gynozentrische Ikonografie, Gender Bias im Kunstmarkt, Wiederentdeckung, Institutionalisierter Sexismus
KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
KUNSTWERKE KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Andrea Zaumseil, Ohne Titel, 1998, Stahl, 3 Teile, Höhe ca. 278 cm, 295 cm, 265 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Vera Leutloff, Circular Oszillation: Fjord, 2020, Öl auf Leinwand, 60 cm x 60 cm, Preis auf Anfrage, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Isa Dahl, nur so, 2011, Öl auf Leinwand, 210 cm x 240 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Stefanie Ehrenfried, Große Beere, 2012-2017, Schafwolle nadelgefilzt, 55 cm x 75 cm x 115 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Miriam Vlaming, Der Feuerbringer, 2018, Eitempera auf Leinwand, 170 cm x 200 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Miriam Lenk, Oktopussy, 2013, Keramik, 40 cm x 40 cm x 38cm 33, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Judith Grassl, Gifts (rest in trees), 2020, Acryl auf Leinwand, 170 cm x 150 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Simone Haack, Coco in Curacao, 2022, Öl auf Baumwolle, 160 cm x 155 cm, Preis auf Anfrage, Galerie Cyprian Brenner

Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart, Silvia Siemes, Große Sitzende, 2019, Terrakotta gebrannt, Höhe 87 cm, Preis auf Anfrage, SüdWestGalerie
VIDEOS KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Wo sind die Malerinnen der Renaissance? | Kultur erklärt – Flick Flack | ARTE | Irgendwas mit ARTE und Kultur | Sie können Leonardo da Vinci, Tizian oder Botticelli problemlos das Wasser reichen – doch ihre Werke verstauben seit 500 Jahren auf den Dachböden von Kirchen und Museen in Florenz. Linda Falcone, Leiterin der Stiftung Advancing Women Artists, setzt sich für die Restaurierung von 2000 in Vergessenheit geratenen Renaissance-Werken ein und möchte so die Lücken in der Kunstgeschichte schließen. | YouTube
Radikal! Künstlerinnen* und Moderne 1910–1950 | Abstraktion
Belvedere Museum | Über 60 Künstlerinnen* aus 20 Ländern treffen in der Ausstellung Radikal! Künstlerinnen* und Moderne 1910–1950 im Belvedere Wien aufeinander. Vielstimmig, international, überraschend. Malerei begegnet Textildesign, Skulptur trifft Druckgrafik, Zeichnung verschränkt sich mit Fotografie und Film. Unabhängig von ihrer Herkunft und Bildsprache verbindet die Künstlerinnen* die Suche nach neuen Ausdrucks- und Repräsentationsformen sowie der Wille, die Grenzen von Kunst und Gesellschaft zu verschieben. Kuratiert von Stephanie Auer, mit Assistenz von Miroslav Haľák und Katarina Lozo. | YouTube
DEFINITION KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Unter dem Begriff „Künstlerinnen von der Antike bis zur Gegenwart“ versteht die Kunstwissenschaft weibliche Kulturschaffende, die trotz historischer, rechtlicher und institutioneller Barrieren wesentliche Beiträge zur Entwicklung der globalen Kunstgeschichte geleistet haben. Über Jahrhunderte hinweg wurden Frauen systematisch vom akademischen Kunstbetrieb, von Zunftrechten und vom offiziellen Kanon ausgeschlossen. Die moderne feministische Kunstwissenschaft (seit den 1970er Jahren) rekonstruiert diese „unsichtbare“ Geschichte. Sie definiert „bedeutende Künstlerinnen“ nicht nur über überragende handwerkliche Qualität, sondern auch über deren Rolle als Pionierinnen, die neue Bildsprachen entwickelten, gesellschaftliche Rollenbilder aufbrachen und nachfolgenden Generationen den Weg ebneten.
HISTORIE + CHRONOLOGIE KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Antike (ca. 800 v. Chr. – 500 n. Chr.): Frauen arbeiten primär im Kunsthandwerk (Weberei, Töpferei). Einzelne Malerinnen erlangen in Rom und Griechenland durch Porträtkunst hohe gesellschaftliche Anerkennung.
Mittelalter (ca. 500 – 1500): Klöster bieten Frauen einen geschützten Raum für Bildung und Kunst. Es entsteht eine Hochphase der weiblich geprägten Buchmalerei (Illumination) und Textilkunst (Teppich von Bayeux).
Renaissance & Barock (ca. 1400 – 1750): Erste Öffnung des Marktes. Töchter berühmter Maler erhalten Ausbildung im väterlichen Atelier. Es entstehen erste eigenständige Werkstätten von Frauen und Hofmalerinnen-Karrieren. Die Genremalerei und das Stillleben werden von Frauen stark geprägt, da ihnen das Studium des männlichen Aktes verboten bleibt.
Klassizismus, Romantik & Realismus (ca. 1750 – 1880): Frauen erringen Zugang zu Kunstakademien (oft über teure Privatklassen). Erste offizielle Mitgliedschaften in königlichen Akademien werden vergeben. Frauen etablieren sich in der Porträt- und Tiermalerei.
Moderne & Avantgarde (ca. 1880 – 1945): Radikaler Umbruch. Künstlerinnen sind maßgeblich an der Entstehung von Impressionismus, Expressionismus, Dadaismus und Surrealismus beteiligt. Sie erobern die abstrakte Kunst.
Gegenwart (ab 1945): Vollständige institutionelle Gleichberechtigung im globalen Kunstmarkt (documenta, Biennalen). Künstlerinnen dominieren neue Medien wie Performance, Installationskunst, Konzeptkunst und digitale Medien.
WEGBEREITER KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Das väterliche Atelier (16.–18. Jh.): Väter, die das Talent ihrer Töchter erkannten und sie trotz des Gilde-Verbots als Gehilfinnen ausbildeten (z.B. Orazio Gentileschi für Artemisia).
Frauenakademien und Privatateliers (19. Jh.): Institutionen wie die Académie Julian in Paris, die Frauen den Zugang zu professionellen Modellen und Maltechniken ermöglichten, als staatliche Akademien noch blockierten.
Die Suffragetten- und Frauenrechtsbewegung (spätes 19. – frühes 20. Jh.): Sie erkämpfte den rechtlichen Status, eigenständig Verträge zu unterschreiben und Kunstakademien regulär zu besuchen.
Feministische Kunstwissenschaft (ab 1971): Angestoßen durch Linda Nochlins Essay „Why Have There Been No Great Women Artists?“. Sie deckte die patriarchalen Strukturen des Kunstbetriebs auf und startete die Wiederentdeckung vergessener Meisterinnen.
Die „Guerrilla Girls“ (Ab 1985): Ein anonymes Künstlerinnenkollektiv, das mit Plakataktionen Sexismus und Rassismus im Kunstbetrieb (z.B. im MoMA) bis heute radikal anprangert.
BEDEUTENDE VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Iaia von Kyzikos (1. Jh. v. Chr.) – Antike Porträtmalerin
Ende (10. Jh.) – Erste namentlich signierende Buchmalerin des Mittelalters
Sofonisba Anguissola (1532–1625) – Renaissance-Hofmalerin
Artemisia Gentileschi (1593–1653) – Barocke Meisterin des Chiaroscuro
Élisabeth Vigée-Lebrun (1755–1842) – Klassizistische Hofmalerin Marie-Antoinettes
Marie Ellenrieder (1791–1863): Geboren in Konstanz, war sie die erste Frau, die an der Kunstakademie München studieren durfte. Sie stieg zur badischen Hofmalerin auf und gilt als eine der bedeutendsten deutschen Malerinnen des 19. Jahrhunderts (Nazarener-Stil). [1, 2, 3, 4, 5]
Rosa Bonheur (1822–1899) – Realistische Tiermalerin und Gender-Pionierin
Berthe Morisot (1841–1895) – Mitbegründerin des französischen Impressionismus
Hilma af Klint (1862–1944) – Erste abstrakte Malerin der westlichen Kunstgeschichte
Käthe Kollwitz (1867–1945) – Bedeutendste deutsche Grafikerin und Bildhauerin des sozialen Elends
Paula Modersohn-Becker (1876–1907): Eine Pionierin des Expressionismus. Sie gilt als die erste Malerin überhaupt, die ein nacktes Selbstbildnis von sich schuf.
Gabriele Münter (1877–1962): Kernmitglied der berühmten expressionistischen Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“. Sie prägte die Klassische Moderne mit ihren farbstarken Landschaften und Porträts entscheidend mit.
Ida Kerkovius (1879–1970): Sie zog nach Stuttgart, um bei Adolf Hölzel an der dortigen Kunstakademie zu studieren. Später wirkte sie als einflussreiche Malerin des Expressionismus und der Abstraktion und prägte die Stuttgarter Kunstszene jahrzehntelang.
Hannah Höch (1889–1978): Die einzige bedeutende Frau im Kreis der Berliner Dadaisten. Sie gilt als Miterfinderin der Fotomontage und nutzte diese als scharfes Medium für Gesellschafts- und Geschlechterkritik.
Frida Kahlo (1907–1954) – Mexikanische Ikone der biografischen und surrealen Malerei
Louise Bourgeois (1911–2010) – Pionierin der modernen Skulptur und Installationskunst
Yayoi Kusama (*1929) – Pop-Art- und Konzeptpionierin
Judy Chicago (*1939): Schöpferin von The Dinner Party (1974–1979), dem ultimativen Monument der feministischen Kunst. Die monumentale, dreieckige Festtafel ehrt 39 historische und mythologische Frauen mit individuell gestalteten, vulvaförmigen Porzellantellern.
Valie Export (*1940): Radikale österreichische Performance-Künstlerin. Mit Aktionen wie dem Tapp- und Tastkino (1968), bei dem Passanten ihre Brüste in einem Karton anfassen durften, dekonstruierte sie den voyeuristischen männlichen Blick (Male Gaze).
Rebecca Horn (1944–2024): Berühmt für ihre kinetischen Skulpturen, raumgreifenden Installationen und Körper-Erweiterungen (wie die legendären „Handschuhfinger“ oder den „Pfauenmaschine“-Fächer).
Isa Genzken (*1948): Radikale Bildhauerin und Installationskünstlerin. Ihre Arbeiten reichen von hyper-präzisen Holzskulpturen bis hin zu komplexen, bunten Assemblagen aus Alltagsgegenständen und architektonischen Elementen.
Marina Abramović (*1946) – „Grandmother of Performance Art“ -Nutzte ihren Körper als Medium und Testfeld für gesellschaftliche Grenzen. In Rhythm 0 (1974) durfte das Publikum 6 Stunden lang mit 72 Objekten (darunter Rosen, Federn, aber auch ein geladener Revolver) passiv oder gewaltsam an ihrem Körper agieren.
Elvira Bach (*1951): Als nahezu einzige Frau im Kreis der „Jungen Wilden“ erlangte sie in den 1980er-Jahren weltweiten Ruhm. Im Zentrum ihres Schaffens steht das Frauenbildnis als ein ungeschöntes, kraftvolles Selbstporträt des Seins.
Rosemarie Trockel (*1952): Eine der international renommiertesten deutschen Gegenwartskünstlerinnen. Bekannt wurde sie in den 1980er-Jahrten durch ihre großformatigen „Strickbilder“, mit denen sie ironisch traditionelle Rollenbilder und den (männlich dominierten) Kunstmarkt hinterfragte.
Cornelia Schleime (*1953): Eine der zentralen Figuren der alternativen Dresdner Kunstszene. Nachdem sie Ausstellungsverbot erhielt und von der Stasi überwacht wurde, inszenierte sie radikale Körper-Performances (Körper-Einbandagierungen) und reiste 1984 nach West-Berlin aus.
Cindy Sherman (*1954) – Wegweisende Konzeptfotografin der Postmoderne – Entlarvt in ihren berühmten Untitled Film Stills (1977–1980) weibliche Stereotype und Rollenbilder der Popkultur und des Kinos, indem sie sich in inszenierten Selbstporträts chamäleonartig selbst fotografiert.
Kiki Smith (*1954): Setzt sich intensiv mit der Physis, den inneren Organen und Körperflüssigkeiten der Frau auseinander. Ihre Skulpturen brechen mit klassischen Schönheitsidealen und thematisieren die Verwundbarkeit, aber auch die tabuisierte Biologie des weiblichen Körpers.
Angela Hampel (*1956): Bekannte Dresdner Malerin und Grafikerin. In ihren neoexpressionistischen, kraftvollen Bildern griff sie oft auf mythologische Frauenfiguren (wie Medea oder Penthesilea) zurück, um Widerstand und weibliche Selbstbehauptung zu thematisieren.
Shirin Neshat (*1957): Untersucht in ihren weltbekannten Fotoserien (Women of Allah) und Videoinstallationen die komplexen Dynamiken von Weiblichkeit, Islam, Macht und Unterdrückung im Iran. [1, 2]
Andrea Zaumseil (*1957): Bedeutende deutsche Bildhauerin und Pastellzeichnerin; bekannt für raumgreifende, archaisch-wuchtige Eisenskulpturen und melancholische Naturmetaphern.
Silvia Siemes (*1960): Renommierte deutsche Bildhauerin, deren zentraler Schwerpunkt auf hochindividuellen, naturalistischen Menschenbilder aus Terrakotta liegt. Ihre feinsinnigen Figuren, koloriert in zarter Engobe-Technik, strahlen eine tiefe, kontemplative Melancholie und existentielle Zeitlosigkeit aus.
Katharina Grosse ( 1961):* Bekannt für ihre monumentalen, farbgewaltigen Malereien. Sie sprüht leuchtende Acrylfarben direkt auf Wände, Gebäude, Objekte und ganze Landschaften, wodurch sie die Grenzen des klassischen Bildes sprengt.
Vera Leutloff (*1962): Meisterin der ungegenständlichen Farbfeld- und Streifenmalerei, deren dynamisch-oszillierende Farbstrukturen optische Farbräume und Bewegungsflüsse erzeugen.
Isa Dahl (*1965): Malerin der lyrisch-dynamischen Abstraktion; charakteristisch sind ihre vielschichtigen Lasurmalereien und wirbelnden, raumgreifenden Pinselgesten voller Tiefenwirkung.
Stefanie Ehrenfried (*1967): Figurative Bildhauerin, die das traditionelle, weiche Medium Schafwolle mittels Filznadelwerkzeugen zu monumentalen, archaisch-surrealen Plastiken verdichtet.
Miriam Vlaming (*1971): Wichtigste weibliche Protagonistin der Neuen Leipziger Schule. Miriam Vlaming überführt die figurative Tradition in eine unverwechselbare, neoromantisch-metaphysische Bildsprache. In ihrer charakteristischen Eitempera-Technik verwebt sie menschliche Figuren und kulturgeschichtliche Mythen virtuos an der feinen Demarkationslinie zur Abstraktion.
Miriam Lenk (*1975): Expressive Bildhauerin, die mit üppigen, raumgreifenden weiblichen Archetypen tradierte, patriarchale Schönheitsideale provoziert und dekonstruiert.
Simone Haack (*1978): Berliner Künstlerin, deren figurative Malerei dem Neuen Magischen Realismus zugeordnet wird; sie inszeniert psychologisch dichte, unheimlich-ambivalente Porträts und Körperwelten.
Anne Imhof (*1978): Eine der weltweit gefragtesten Performance-Künstlerinnen der Gegenwart. Für ihren radikalen, düsteren und körperlich intensiven deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig wurde sie 2017 mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.
Judith Grassl (*1985): Herausragende Münchner Malerin zeitgenössischer Hyperspaces und Bildarchitekturen. In ihren hochkomplexen, kollageartigen Acryl- und Ölgemälden schichtet und überlagert sie kunsthistorische Referenzen, Perspektiven sowie reale und virtuelle Räume. Ihre Arbeiten erzeugen eine visuelle Rhetorik der Verführung, die die herkömmliche Ordnung von Figuration, Raum und Zeit radikal unterwandert.
KUNSTWERKE KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
HERAUSRAGENDE MEILENSTEINE WEIBLICHEN KUNSTSCHAFFENS
Der Gerona-Beatus aus dem Jahr 975 ist ein Meisterwerk der mozarabischen Buchmalerei. Er wurde im Skriptorium des Klosters San Salvador de Tábara geschaffen. Berühmt ist er auch, weil mit Ende (einer Malerin oder Nonne) erstmals eine weibliche Buchmalerin im Frühmittelalter namentlich im Kolophon dokumentiert wurde.
Selbstbildnis am Spinet (1555): Gemälde von Sofonisba Anguissola. Begründete das intime, psychologische Selbstporträt.
Judith enthauptet Holofernes (ca. 1612–1620): Gemälde von Artemisia Gentileschi. Radikale visuelle Verarbeitung von Gewalt und weiblicher Ermächtigung.
Der Pferdemarkt (1852–1855): Monumentalgemälde von Rosa Bonheur. Durchbrach die Konvention, dass Frauen keine monumentalen Großformate beherrschen.
Die großen Ur-Bilder (1907): Werkzyklus von Hilma af Klint. Erste rein abstrakte, spirituelle Großformate der Moderne.
Die zwei Fridas (1939): Doppel-Selbstbildnis von Frida Kahlo. Meisterwerk zur Spaltung von Identität, Herkunft und posttraumatischem Schmerz.
Maman (1999): Monumentale, 9 Meter hohe Spinnenskulptur aus Bronze von Louise Bourgeois. Hommage an die Mutter und Symbol für Schutz und Bedrohung.
The Dinner Party (1974–1979) von Judy Chicago: Eine monumentale, raumfüllende Installation (ein dreieckiger Tisch mit 39 Gedecken für historische Frauen), die als das ultimative Hauptwerk der feministischen Kunst gilt.
The Artist Is Present (2010) von Marina Abramović: Eine 3-monatige Performance im MoMA New York, die bewies, dass die bloße, lautlose Präsenz einer Künstlerin Millionen Menschen bewegen und Museen füllen kann.
Die unbenannten Filmstills (Untitled Film Stills, 1977–1980) von Cindy Sherman: Fotoserie, die Kinoklischees der 1950er Jahre dekonstruiert und die Fotografie als Konzeptkunst etablierte.
Die zerrissene Perlenkette (2004) von Andrea Zaumseil: Ein herausragendes Hauptwerk der zeitgenössischen skulpturalen Mahnmal- und Erinnerungskultur im öffentlichen Raum. Die neunteilige, installative Plastik aus monumentalen Edelstahlkugeln und einem gerissenen Stahlseil erinnert in Überlingen am Bodensee an das dortige Flugzeugunglück von 2002. Das Werk gilt als meisterhafte, abstrakte Metapher für das plötzliche, gewaltsame Zerreißen menschlicher Lebenslinien und familiärer Verbindungen.
Die unendlichen Farbräume von Vera Leutloff: Ihre großformatigen Gemäldesysteme, die durch den Rhythmus breiter Pinselzüge und optische Farbmischung die statische Leinwand in einen kinetischen, flimmernden Bildraum verwandeln.
„nur so“ (2011) von Isa Dahl: Das Gemälde verkörpert meisterhaft das Prinzip des All-over-Painting: In unzähligen, transluzenten Lasurschichten winden sich wirbelnde, schlaufenförmige Pinselbahnen scheinbar endlos über die Bildgrenzen hinaus. Trotz des rein ungegenständlichen, dynamischen Farbauftrags evozieren die rhythmischen Überlagerungen dreidimensionale Bildräume und organisch-florale Strukturen. Der bewusst lakonische, sprachlich reduzierte Titel kontrastiert die visuelle Opulenz und fordert den Betrachter auf, das Zusammenspiel von kinetischer Energie, Tiefenlicht und reiner Farbgeste völlig frei zu kontemplieren.
„Große Beere“ (2012–2017) von Stefanie Ehrenfried: Ein programmatisches Hauptwerk der zeitgenössischen Filz-Plastik, gefertigt aus nadelgefilzter Schafwolle im monumentalen Objektformat (55 x 75 x 115 cm). Die Arbeit bricht radikal mit traditionellen Bildhauermaterialien wie Stein oder Bronze: Eine skulpturale Akkumulation sanfter, wesenhafter Gesichter formiert sich traubenartig zu einer organischen Beerenstruktur und vermittelt eine faszinierende Leichtigkeit. Trotz der minimalen Auflagefläche hält die dichte Wolle perfekt die Balance. Ehrenfried inszeniert hier eine kraftvolle, zellteilungsartige Metamorphose, die das vermeintlich weiche Textilmedium in monumentale Körperlichkeit überführt und existenzielle Fragen von kollektiver Identität, Wachstum und wesenhafter Präsenz im Raum aufwirft.
Der Feuerbringer“ (2018) von Miriam Vlaming: Ein mythologisch-figurative Spätwerk der Neuen Leipziger Schule, das die für die Leipziger Schule typische, erzählerisch-figurative Strenge durch lasierende Schichtungen auflöst und das Verschwimmen von kollektiver Erinnerung, Mensch und unberührter Natur thematisiert.
„Octopussy“ (ab 2009) von Miriam Lenk: Ein visionäres Schlüsselwerk der zeitgenössischen feministischen Bildhauerei. Das Werk dekonstruiert radikal patriarchale Tabus rund um die weibliche Sexualität und Anatomie. Formale Pläne sehen eine Skalierung zu einem fünf Meter hohen, begehbaren Pavillon aus Epoxidharz vor. Beim Betreten wird das weibliche Geschlecht als raumgreifendes Firmament über den Rezipienten inszeniert. Je nach Perspektive wirkt diese monumentale Feier der Weiblichkeit sakral-himmlisch oder bedrohlich. Lenk schafft damit ein provokantes, emanzipatorisches Denkmal, das die Dämonisierung des weiblichen Körpers in der Kunstgeschichte wirksam aufbricht.
„Gifts (rest in trees)“ (2020) von Judith Grassl: Ein programmatisches Hauptwerk der zeitgenössischen Bild- und Raumschichtung, ausgeführt als Acrylgemälde auf Leinwand im Großformat (170 x 150 cm). Durch das Aufeinandertreffen gebrochener Perspektiven changiert das Gemälde virtuos zwischen digital anmutendem Hyperraum und physischer Präsenz. Indem Grassl Bildbereiche bewusst fragmentarisch offenlässt, reflektiert sie meisterhaft über das Überdauern visueller Erinnerungen in der Gegenwart.
„Coco in Curacao“ (2022) von Simone Haack: Ein programmatisches Hauptwerk des Neuen Magischen Realismus, ausgeführt in Öl auf Baumwolle im quadratischen Großformat (160 cm x 155 cm). Das Gemälde fesselt durch die psychologisch dichte und tiefgründige Inszenierung figurativer Körperwelten. Die Künstlerin bricht die vermeintliche Exotik und Leichtigkeit des geografischen Verweises durch eine unheimliche, ambivalente Atmosphäre voller unterschwelliger Spannung. Durch die meisterhafte, altmeisterlich anmutende Lasurtechnik und eine subtile Lichtführung verschwimmen die Grenzen zwischen realer Präsenz, Traumebene und innerer Isolation. Das Werk gilt als virtuoses Schaustück moderner Entfremdung und der Suche nach Identität in einer globalisierten Welt.
„Grosse Sitzende“ (2019) von Silvia Siemes: Das Werk fängt eine lebensgroße Frauenfigur in einem Moment absoluter Intimität, Stille und Selbstvergessenheit ein. Siemes verzichtet auf dramatisches Pathos und balanciert meisterhaft zwischen anziehender, psychologischer Tiefe und unnahbarer Distanz. Das Werk gilt als virtuoses Beispiel zeitgenössischer Anthropologie, das Fragen nach Einsamkeit und menschlicher Existenz im Raum zeitlos verdichtet.
ZITATE KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
„Mein illustrer Name soll Ihnen zeigen, was eine Frau tun kann.“ | Artemisia Gentileschi (in einem Brief an einen Auftraggeber, 1649)
„Ich male mich selbst, weil ich so oft alleine bin und weil ich das Motiv bin, das ich am besten kenne.“ | Frida Kahlo
„Die Spinne ist eine Ode an meine Mutter. Sie war meine beste Freundin. Wie eine Spinne war meine Mutter eine Weberin.“ | Louise Bourgeois
„Müssen Frauen nackt sein, um in das Met-Museum zu kommen? Weniger als 5% der Künstler in den Abteilungen für Moderne Kunst sind Frauen, aber 85% der Aktmodelle sind weiblich.“ | Guerrilla Girls (Plakattext, 1989)
STICHWORTE KÜNSTLERINNEN VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWART
Feministische Kunstgeschichte, Kunstkanon, Väterliches Atelier, Genremalerei, Akademieverbot, Binnenkorrektur, Muse, Gaze (Männlicher Blick), Frauenemanzipation, Guerrilla Girls, Textilkunst, Buchmalerei, Performance Art, Gynozentrische Ikonografie, Gender Bias im Kunstmarkt, Wiederentdeckung, Institutionalisierter Sexismus